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10 Feb

Achtsamkeit und die Ökonomisierung der Spiritualität

Von der rechten Verwendung der spirituellen Praxis

AchtsamkeitSculpies | Dreamstime.com


Autor: Dr. Ursula Baatz
Kategorie: Spiritualität allgemein
Ausgabe Nr: 66

Achtsamkeit ist das populäre Wort säkularer Spiritualität, die sich von religiösen Termini befreien möchte. Was mit Achtsamkeit gemeint ist und wie es im ökonomischen Zeitgeist auch verdreht für egoistische Bedürfnisse missbraucht wird, zeigt die Autorin. Deshalb muss genau geschaut werden, was Achtsamkeit wirklich ist und was nicht.

 

»Such in Dir selbst«, lautet das Motto der Google-Leadership Schule siyli.org, die die Achtsamkeit in die Welt der Unternehmen gebracht hat. Eine beeindruckende Zahl an Firmenlogos zieht auf dem bewegten Insert vorbei – von American Express bis Thyssen Krupp nützen die unterschiedlichsten Branchen das Achtsamkeitstraining, das Google seit 2007 anbietet. Neurowissenschaften, Achtsamkeit und Emotionale Intelligenz sind die Ingredienzien dieser stets überbuchten Kurse. In einer Branche, die selbst eingefleischten Workaholics das Mark aussaugt, hilft »Such in Dir selbst« den Stress von 80-Stunden-Wochen zu überleben und wieder beziehungsfähig zu werden, wie manche berichten. Manche Mitarbeiter finden es erstaunlich, dass sie effizienter sind, wenn sie nur eine Sache auf einmal bearbeiten. Achtsamkeit ist überall: wenn es um Erziehung geht, um Essen, um Beziehungen, und selbst in der Wiener U-Bahn mahnt eine automatische Frauenstimme bei jeder Station die Ein- und Aussteigenden achtsam zu sein.

Übung von Achtsamkeitfreewallpapers.com


Der Zusammenhang zwischen Stress und Achtsamkeit hat Geschichte: beide Worte wurden erst im 20. Jahrhundert populär und beide beginnen um die Wende zum 21. Jahrhundert richtig Karriere zu machen. Je mehr der allgemeine Stress der Gesellschaft wächst, desto mehr steigt das Interesse an Achtsamkeit. Denn von Achtsamkeit erhofft man sich Heilung vom Stress und selbst Siemens oder die Deutsche Bank schicken ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Achtsamkeitskurse.

Der Boom der »Achtsamkeit« resultiert im wesentlichen aus der Arbeit des US-amerikanischen Verhaltensmediziners Jon Kabat Zinn, der seit den 1970er Jahren seine Methode »Mindfulness Based Stress Reduction« entwickelte und klinisch evaluierte. Dass Zen- und Vipassana-Meditation positive Wirkungen haben, erlebte Kabat Zinn zunächst in seiner eigenen Übungspraxis. In der Folge begann er mit chronischen, austherapierten Schmerzpatienten Achtsamkeitsmeditation zu üben. Ergänzt durch Yoga-Übungen, explorative Gruppengespräche und Psychoedukation mit Informationen zum Thema Stress wurde im Laufe der Jahre daraus eine Methode: »Mindfulness Based Stress Reduction« (MBSR), achtsamkeitsbasierte Stressreduktion. Von dem Verfahren und dessen Ergebnissen angeregt, entwickelten Zindel Segal, John D. Teasdale und Mark Williams um 2000 die Mindfulness Based Cognitive Therapy (MBCT) als Prävention für Rückfälle bei Depression. Die Wirksamkeit von MBCT gilt in etwa als gleich gut wie die von Antidepressiva, ist aber als Gruppentherapie kostengünstiger und wird daher vom NHS (National Health Service) in England als Alternative zu Antidepressiva empfohlen.

 

Achtsamkeit gilt als effizientes Mittel gegen vielerlei Formen von Stress und stresserzeugenden Problemen.

 

Eine klassische Form der Achtsamkeitsübung, wie sie bei MBSR-Seminaren unterrichtet wird, ist Meditation im Sitzen mit Achtsamkeit auf den Atem. Die Teilnehmenden sitzen aufrecht, aber bequem auf einem Sessel (oder auch auf Meditations-Bänkchen o.ä.) und nehmen die Atmung als Fokus – am besten dort, wo sie individuell jeweils am besten wahrnehmbar ist. Wer merkt, dass der Fokus vom Atem weggewandert ist, was unvermeidlich ist, kehrt zur Atmung zurück. Im Verlauf dieser Übung werden Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen auftreten, denen sonst kaum Beachtung geschenkt wird. Die Übenden lernen im Laufe eines MBSR-Kurses mit ihren Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen gut umzugehen. Denn Achtsamkeit ist immer mit klarem Verständnis und Unterscheidungsfähigkeit verbunden, schreibt Jon Kabat Zinn. Unter anderem können Übende im Laufe der Zeit besser erkennen, wie in ihrem persönlichen System verschiedene Anzeichen das Entstehen von Stress ankündigen und was sie dann tun können. Ähnlich erlernen Teilnehmende an MBCT-Gruppen u.a. bereits die ersten Anzeichen eines beginnenden Rückfalls in die Depression zu erkennen und damit umzugehen.

Aufmerksamkeit ist nicht dasselbe wie Achtsamkeit

Immer wieder wird vor allem, aber nicht nur, in populären Artikeln zwischen Achtsamkeit und Aufmerksamkeit nicht unterschieden, vermutlich weil beides auf den ersten Blick als dasselbe erscheint. Doch während Aufmerksamkeit ein geläufiges Wort ist, ist Achtsamkeit eine neue Wortprägung (s.u.). In einer Gesellschaft, deren ökonomisches Schmiermittel nicht nur Geld, sondern auch Aufmerksamkeit ist, sollte beides gut auseinandergehalten werden.

AchtsamkeitRancz Andrei | Dreamstime.com


Da die Psychologie als Lehre von der Seele seit der Antike Sache der Philosophie war, beschäftigten sich zunächst die Philosophen mit dem Thema »Aufmerksamkeit«. Schon Aristoteles fiel u.a. die Enge des Bewusstseins auf, also dass ein Sinneseindruck unbemerkt bleiben kann, wenn die Seele mit etwas anderem beschäftigt ist. Als sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Psychologie als eigenständige empirische Wissenschaft von der Philosophie löste, gehörten Untersuchungen der aufmerksamen Wahrnehmung von Unterschieden zu den ersten Forschungsprojekten der neuen Disziplin. In der Bewusstseinspsychologie wurde ausführlich und umfassend diskutiert, was Aufmerksamkeit ausmacht. Dabei wurde Aufmerksamkeit als ein Phänomen beschrieben, in dem Emotionen, Wille und Vorstellungen zusammenspielen. Für die Bewusstseinspsychologie war Introspektion, also die 1. Person-Perspektive, selbstverständlich eine der Methoden der Forschung.

 

Achtsamkeit bringt ins Spiel, was gewöhnlich im Schatten der gewohnten Aufmerksamkeit bleibt.

 

Das änderte sich im 20. Jahrhundert. Aufmerksamkeit wurde nun ausschließlich aus der 3. Person-Perspektive bestimmt als kognitive Funktion, die der Verarbeitung von Reizen, d.h. der Verknüpfung mit Gedächtnis und Motorik, zugrunde liegt. Das Grundmodell der empirischen Psychologie unterscheidet zwischen Reiz und Reaktion, einem von der Peripherie kommenden Impuls und der Antwort des Zentralnervensystems darauf. Aufmerksamkeit: Jene kognitive Funktion, die der selektiven Verarbeitung von Reizen zugrunde liegt ist die Aufmerksamkeit. [… zum Weiterlesen bitte als ePaper bestellen oder die Tattva Viveka 66 kaufen 😉 ]

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 29: Dr. Gurudev Singh – Heilen mit der Kraft der Meditation. Sat Nam Rasayan

TV 46: Dr. Sylvester Walch – Holotropes Atmen.
Heilung und Öffnung durch veränderte Bewusstseinszustände

TV 47-48: Dr. Ulrich Ott – Meditation für Skeptiker. Ein Gehirnforscher auf der Suche nach dem Selbst

TV 57: L. Pirc, G. Momaya, S. Brown – Transzendentalen Meditation.
Maharishi Mahesh Yogis Einblick in den Vedanta

TV 59: Julian Frebel – Von inneren Kämpfen auf dem Wege zur geistigen Meisterschaft.
Besuch eines Vipassana-Retreats

TV 63: Dr. Marc Wittmann – Stress, Muße, Flow und Zeitlosigkeit. Das subjektive Erleben der Zeit

 

Bildnachweis: © freewallpaper.com, Sculpies, Rancz Andrei | Dreamstime.com

 

 

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