Anfänge eines Dudens zum weiblichen Prinzip

Anfänge eines Dudens zum weiblichen Prinzip

Autorin: Simone Leona Hueber
Kategorie: Mann/Frau
Ausgabe Nr: 69

Das weibliche Prinzip ist in der westlichen Sprache weitestgehend verloren gegangen. Oft fehlen uns heute die Begriffe, um das weibliche Prinzip zu beschreiben. Die Autorin wagt einen Anfang, die weibliche Natur mittels Worten besser sichtbar zu machen.

Die Bemerkung eines alten Bekannten letzte Woche, er würde meine Texte zur NOTHINGNESS (Nicht-Heit) und dem weiblich-somatischen/ magnetischen Prinzip zwar spannend finden, jedoch viele der verwendeten Begriffe erst noch im Duden nachschlagen müssen, veranlasste mich kurzum, einen Text mit dem Titel »Die Sprache jenseits des Dudens – eine Annäherung an die Begrifflichkeiten zum weiblich-magnetischen Kreationsprinzip« zu verfassen. Ich hatte mir erst eine Skizze zum Text notiert, als überraschend die Anfrage von Tattva Viveka kam, einen kurzen Artikel im Sinne eines Dudens zum weiblichen Prinzip zu schreiben.

Wieder einmal kam alles zusammen. Wieder einmal war alles synchron.
Wieder einmal flüsterten mir unterschiedliche Abbildungen aus dem NICHTS das ein und gleiche zu. Wieder einmal lösten sich Raum und Zeit in mir auf, war Ikaria Berlin und Berlin Ikaria - waren Menschen im außen mein Selbst und ich ganz mich. Wieder einmal war alles mit allem verbunden und das Alles im Leben küsste sich.

Dieses magisch-magnetische Prinzip zu ergründen und zu leben entschied ich mich vor ein paar Jahren ganz bewusst, nach dem ich mich, als eine in der westlichen Leistungsgesellschaft konditionierte Frau, 40 Jahre lang mit Brillanz über das männlich-analytische Kreationsprinzip (das vom Denken gesteuerte Kreieren) definiert hatte.

In jener Zeit meiner Jugend und meines Heranwachsens war – wie für so viele meinesgleichen – noch kein anderes Rollenmodell in meinem Umfeld existent. In jener Zeit meiner Jugend hatten die Feministinnen der 60er und 70er Jahre erst gerade den Zugang für die Frau an die Schaltstellen der Gesellschaft und der Macht möglich gemacht. Dieser Zugang wurde jedoch rein aus dem männlich-analytischen Prinzip heraus geschaffen – aus der Logik heraus; aus dem Appell an die Ratio. Eine Erschaffung von Welt und Welten – von Gesellschaft – aus der Liebe heraus, aus der Hingabe an ein größeres Ganzes, an die Verbindung der Einzelteile, statt deren weiteren Separation – die Schaffung eines als magisch-magnetisch erlebbaren Raumes also, in welchem die Fruchtbarkeit des Lebens per se immer wieder und auch überraschend neue Früchte bringt, war damals noch nicht denkbar. Auch deshalb nicht, weil die Feministinnen jener Jahre Hingabe ausnahmslos mit Ausbeutung verwechselten und aus dieser alten, bekannten Traumatisierung heraus, welche die Jahrtausende alte Verletzung der Weiblichkeit mit sich zog, nie lernten, Kraft aus dem Loslassen (weibliches Prinzip/ Magnetismus) zu schöpfen, sondern immer nur aus der Aktion (männliches Prinzip) heraus. Die Feministinnen der 60er und 70er Jahre verpassten es also, das magisch-magnetische Feld für die Realisation ihrer Ziele zu nutzen. Sie schrien laut, damit man sie hörte. Stille war noch kein Weg.

Und jetzt, schon die Einleitung dieses kurzen Artikels zur Begrifflichkeit des weiblichen Prinzips macht klar, dass die verbale Annäherung an dieses über Jahrtausende unterdrückte Prinzip die Schaffung eines neuen Vokabulars verlangt, ohne dieses das weibliche Prinzip gar keinen sprachlichen Ausdruck findet, weil unsere bestehende – und im Duden festgehaltene Sprache aus dem männlich-analytischen Prinzip heraus entstanden ist.

In meinem Bemühen, mit meinem Blog (http://bloggingfeminine.wordpress.com) und meiner künstlerischen Arbeit mit »BIG NOTHING – Das Projekt zum Allem im NICHTS«, Begriffe aus dem magisch-magnetischen Feld in unsere Sprache zu integrieren – und damit auch ein Vokabular für den Aspekt von Heilung zu definieren, ist mir eines klar geworden: Heilung, Kunst und Wissenschaft gehören zusammen. Und diese Tatsache auch in jener Verbindung ausdrücken zu können, entspricht dem weiblich-somatischen Geist. Die Bereiche teilen zu wollen, entspricht dem männlich-analytischen. Und letztlich geht es um die Verbindung beider Prinzipien, beider Polaritäten – um das Aufheben der Dualität. Fangen wir also JETZT (weiblich-somatisch) an, dieser Verbindung eine Sprache zu geben – auch wenn wir sie letztendlich dann tanzen und vor allem spüren müssen:

1. Das weiblich-somatische Kreativprinzip

Das Weiblich-Somatische als Kreativprinzip trug bis vor kurzem noch gar keinen Namen in unserer Kultur. Bis in die tiefste abendländische Geschichte hinein war das Weibliche stets das Dunkle und Unbekannte hinter dem Licht – das Mondprinzip hinter dem Sonnenprinzip. Es ist das körperliche Prinzip, dessen Abspaltung vom Geist die Logik des in der patriarchalen Kultur dominanten männlich-analytischen Prinzips Jahrhunderte lang gewaltvoll einforderte – und mit dieser körperlichen Abspaltung auch die seelische mitriss. Ein Fall des Subjekts aus der Einheit heraus.

Es ist das »empfangende« Prinzip im Gegensatz zum »agierenden« Prinzip. Dieses Prinzip entspricht dem »dionysischen Prinzip« wie es von Schopenhauer und Nietzsche einst definiert wurde. Es steht für jenes Kreativprinzip, in welchem Subjekt und Objekt im Erleben immer eine Einheit bleiben, während im maskulin-analytischen (bzw. nietzeanisch im apollinischen) Prinzip sich das Subjekt vom Objekt herauslöst und letzteres deshalb aus einer betrachtenden, ordnenden und beschreibenden Perspektive heraus wahrnimmt.

2. Magisch-magnetisch statt rational-analytisch

Beschreibt die Art, wie Welt und Leben auch aus dem weiblich-somatischen Prinzip heraus geschaffen, empfangen, wahrgenommen und verstanden werden können. Statt – wie im dominierenden männlichen Prinzip – den Fokus ausschließlich auf das alte Newtonsche Modell von Aktio-Reaktio zu legen und das Resultat einer Handlung immer nur als Ergebnis der jeweiligen Handlung in denselben Raum zu verstehen, öffnet das weibliche Prinzip die Möglichkeitsräume für das zu Schöpfende und erlebt die Reaktion auf eine Handlung multidimensional, auf ganz unterschiedlichen Ebenen und über verschiedene Abbildungen. Hier kommt der von C.G. Jung geschaffene Begriff der Synchronizität ins Spiel. Oder eben das Prinzip und die Sprache der Magie.

3. Magnetismus

Magnetismus beschreibt die Möglichkeit einer Kraft, die im Akt des somatischen Loslassens und der Hingabe generiert und erfahren werden kann. Diese Kraft unterscheidet sich von der elektrischen Kraft, die durch Aktion generiert wird und immer von einem Pol zum anderen fließt und umgekehrt. Die Ausrichtung der magnetischen Kraft ist nicht polar. Sie beschreibt eher ein Feld, welches plötzlich auch als Materie fühl- und sichtbar werden kann.

Kennzeichnend für den Magnetismus ist die Erfahrung, dass sich im Akt des Loslassen plötzlich Realitäten aus scheinbar anderen Ebenen manifestieren – Lösungen zu einem ins Leben kommen, an die das Denken bis dato nicht heran kam. Magnetismus führt eben zur magisch-magnetischen Erfahrung der Erfahrung von etwas scheinbar »Göttlichem«, welches das analytisch-rationale Denken übersteigt – jedoch von uns, bzw. unserem Höheren Selbst, geschaffen werden kann. Der Mensch erlebt sich im Magnetismus als Zünder jener scheinbar aus dem NICHTS kommenden Geschenke, deren Empfänger er in der Folge ist.

4. Das NICHTS/ die »NICHT-HEIT« (NOTHINGNESS)

Das NICHTS (welches auch die Entleerung des Geistes von jeglicher Art Vorstellung und Erwartung beinhaltet) ist als das »ALLES im NICHTS« zu verstehen – als Atman, als das Göttliche in der Lücke – weil dieses NICHTS, bzw. die Magie im NICHTS, potentiell jederzeit in Lichtgeschwindigkeit das ALLES hervorbringen kann, je nach dem wie gut und beweglich wir unseren Geist zu formen lernen. Wenn wir unseren Geist auf das Magisch-Magnetische hin trainieren, werden wir auch Magisch-Magnetisches erleben können. Und deshalb ist das NICHTS immer auch der Möglichkeitsraum für Transformation und Heilung – das Nadelöhr für das Kamel. Es ist die reine schiere LIEBE, aus der heraus ALLES geboren werden kann – wenn wir unsere geistige Konditionierung umlegen und es wagen, in dieses NICHTS, in diese Lücke des rationalen Verstehens hinein zu investieren.

Zur Autorin

Simone Leona Hueber

ist gelernte Schauspielerin, Tänzerin und Re
gisseurin und arbeitet
 außerdem als Mindfulness Coach und Heilerin.
 Ein Bühnenunfall im Jahr 2014 und dessen Folgen katapultierte sie intensiver in die tiefsten Schichten der somatischen SEINS- und NICHTS-Erfahrung. Sie lebt derzeit auf der NICHTS-Insel Ikaria, wo sie ihre künstlerische Forschungsarbeit zum Weiblichen Prinzip und der Qualität des NICHTS weiter vertieft und diese mit Berlin, ihrem bisherigen Wohnort, verbindet.

Simone Leona Hueber

Dies ist die exklusive Erstveröffentlichung und ein Auszug zu dem gerade entstehenden gleichnamigen Werk von Simone Leona Hueber.

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