Bhakti-Yoga – Der Yoga der Liebe

Der Yoga der Liebe

Ein spiritueller Meister des Bhakti-Yoga zu Besuch in Deutschland

Autor: Ronald Engert
Kategorie: Veden/Yoga
Ausgabe Nr: 61

 

 

Bhakti-Yoga ist der Yoga der Gottesliebe, der durch Mantren, Gesänge, Zeremonien und praktische Dienste ausgeführt wird. Über die Gnade kann ein veränderter Bewusstseinszustand der überströmenden Liebe erfahren werden, die göttlichen Ursprungs ist und alles übertrifft, was mit irdischen Maßstäben zu ermessen ist.

 

Im Juni 2014 besuchte uns Sadhu Maharaja in Deutschland. Sadhu Maharaja ist Vertreter der indischen Linie des Bhakti-Yoga und zeichnet sich durch seine liebevolle und humorvolle Persönlichkeit aus. Ich hatte die Freude, drei Tage in kleiner Runde mit ihm zu verbringen, was einen engen und herzlichen Austausch ermöglichte. Sadhu Maharaja vertritt eine spezielle Form des Bhakti-Yoga, in der nicht Gott Krishna, sondern die Göttin Radha im Mittelpunkt steht.

 

Warum soll ich denn nun eine indische Gottheit verehren?

 

Natürlich stellt sich dem christlich und deutsch sozialisierten Menschen die Frage, warum soll ich denn nun eine indische Gottheit verehren? Ich glaube, es ist jedem selbst überlassen, wen er liebt oder verehrt, und es ist nichts ausgeschlossen. Niemand ist gezwungen, Christ zu sein. Niemand ist gezwungen, ein Hindu oder ein Yogi zu sein. Mit Erstaunen stelle ich jedoch immer wieder fest, wie erfolgreich die Christen in ihrer Missionarstätigkeit in Indien sind. Offensichtlich ist es möglich, Inder zu Christen zu machen. Warum sollte es also nicht möglich sein, Deutsche zu Hindus zu machen? Natürlich geht es nicht wirklich um diese Designationen, um Marken oder Etiketten. Aber, wenn es nicht um Etiketten geht, dann geht es auch nicht um Nicht-Etiketten. Kurzum, es ist möglich, sich auf eine charakteristische Form der Gottesbeziehung einzulassen, auch wenn sie eine gewisse Art von Tradition hat und selbst wenn diese nicht diejenige ist, die mit meiner geografischen Heimat übereinstimmt.

Warum nun aber Krishna und Radha? Diese Frage ist schwer zu beantworten, aber ein erstes und wesentliches Indiz für mich ist das Gefühl, das sich einstellt, wenn ich mit Krishna respektive Radha in Beziehung trete. Voraussetzung ist natürlich, dass ich davon ausgehe, dass diese Wesenheiten tatsächlich existieren. Angenommen also, Radha und Krishna existieren als eigenständige Wesen, genauso wie Jesus, Buddha, Allah oder andere Gottheiten, deren es zahlreiche gibt, zum Beispiel Zeus und Hera in der griechischen Mythologie, die chinesische Göttin des Mitgefühls Kuan-yin, oder Wakan Tanka in der indianischen Tradition. Angenommen also, Radha und Krishna existieren, was sind dann ihre Eigenschaften? Was passiert, wenn ich mich mit diesen Energien verbinde? Meine Erfahrung ist eine sehr intensive Liebe, die mich über alles hinausträgt, was ich auf der weltlichen Ebene kenne, und die mich erleuchtet. Es ist eigenartig, manchmal habe ich überhaupt keinen Zugang zu diesem Gefühl der Liebe und dem innigen und wärmenden Getragensein. Dann stehe ich dumpf vor diesen Geschichten und religiösen Texten aus der Bhakti-Tradition und kann nichts empfinden. Es wird gesagt, dass man diese Liebe, die uns befreit und aus den Bedingtheiten des Kreislaufs der Geburten und Tode heraushebt, nicht durch eigene Leistung, sondern nur durch die Gnade eines reinen Gottgeweihten empfangen kann. Und hier kommt Sadhu Maharaja ins Spiel, denn er hat diese Gnade von seinem spirituellen Meister, Radha Govinda Das Babaji, bekommen und gibt sie nun freigiebig an uns weiter.

 

Sadhu Maharaja

Sadhu Maharaja

 

Es dauerte dieses Mal für mich drei Tage, bis ich dazu bereit war, diese Gnade anzunehmen. Anfangs war ich im Widerstand und wollte meine unabhängige Ego-Position nicht aufgeben. Ich urteilte und bewertete und fühlte mich teilweise fremd und nicht zugehörig. Ich fühlte kaum etwas von der Liebe, blieb jedoch in der Energie dieser Gemeinschaft, in der sadhu sanga. Es gibt einige Gewohnheiten in dieser Gemeinschaft, die für uns säkularisierte Westler sehr befremdend sind, zum Beispiel eine tiefe Verbeugung vor dem spirituellen Meister oder vor der Gottheit, bei der man auf die Knie geht und mit der Stirn den Boden berührt. Diese tiefe Verbeugung ist ein Zeichen der Hingabe und der Demut, und sie erfreut das Herz. Unser Ego ist jedoch nicht bereit dazu und bleibt lieber in der hohen Position gegenüber allen anderen, um von oben auf sie herabzuschauen oder zumindest auf gleicher Augenhöhe zu bleiben. Niemand möchte sich unterordnen oder hingeben. So war auch ich dazu nicht bereit. Mittlerweile arbeite ich mit diesen Widerständen, indem ich sie anerkenne und nicht künstlich versuche, etwas zu tun, was vielleicht gut aussieht oder von mir erwartet wird, aber nicht meinem ehrlichen – wenn auch widerspenstigen – Gefühl entspricht. Ich verbeugte mich also nicht. Aber ich spürte auch diese Nicht-Verbundenheit, die daraus resultierte und mir ein Gefühl der Isolation und Einsamkeit bereitete.

 

Meine Erfahrung ist eine sehr intensive Liebe, die mich über alles hinausträgt, was ich auf der weltlichen Ebene kenne, und die mich erleuchtet.

 

Die Gemeinschaft mit Gottgeweihten bringt jedoch mit der Zeit auch das härteste Herz zum Schmelzen und so erging es auch mir. Am Abend des dritten und letzten Tages hielt Sadhu Maharaja einen Vortrag in einem Yoga-Studio in Heidelberg und ich saß direkt vor ihm. Ich hörte aufmerksam zu und blickte ihn fortwährend an. Er blickte mir oft in die Augen, und wer die indische Tradition kennt, weiß, dass die Gnade, oder allgemein die spirituelle Energie, über die Augen übertragen wird. Man nennt dies »darshan«, von dem Sanskrit-Wort darshana, was »sehen« bedeutet. Sadhu Maharajas Liebe und spirituelle Verwirklichung strömten in mich ein und am Ende des Vortrags machte ich meine Verbeugung. Diese Verbeugung war echt und spontan. Ich ging auf die Knie und brachte meinen Kopf zu Boden, um mit der Stirn den Boden und dann seine Füße zu berühren. Er legte seine Hand auf meinen Rücken und zog mich hoch, um mich herzlich zu umarmen. Das war der Augenblick, wo er mir die Gnade gab.
Mein Herz war erfüllt von Liebe, Glückseligkeit und Freude. Ich konnte diese Liebe zwischen Gott-Göttin und mir fühlen, wie ich sie nur selten in dieser Intensität fühlen darf. Es wurde mir klar, dass dies die wahre Essenz des Lebens ist. […]

 

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der TATTVA VIVEKA 61 >>

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 16: Narayana Maharaja – Liebe zu Göttin-Gott. Das ursprüngliche Bedürfnis der Seele

TV 24: Ronald Engert – Wer bin ich? Eine Erfahrung der Transzendenz

TV 32: Sadhu Maharaja – Die Kunst, ein Bettler zu sein. Ein König entdeckt die Liebe

TV 57: Ronald Engert – Die Ekstasen der Gottesliebe. Das höchste Ziel des Lebens

 


 

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1Kommentar
  • Katalin Nemeth
    Katalin Nemeth
    Veröffentlicht um 08:40h, 14 Juli Antworten

    wenn aus unterordnen einordnen wird, kann es stimmig werden ;0)

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