Burnout, Bewusstsein und kosmische Intelligenz

Burnout, Bewusstsein und kosmische Intelligenz

Dr. Joachim Galuska - Burnout, Bewusstsein und kosmische Intelligenz

oder: Was passiert, wenn ein konzeptfreier Geist die Daten untersucht?

Autor: Dr. Joachim Galuska
Kategorie: Bewusstsein
Ausgabe Nr: 56

 

In dem Interview erzählt der Leiter der Heiligenfeld Kliniken von seinen Erfahrungen als Arzt für Psychotherapie. Das bewusste Selbst des Einzelnen muss ins Zentrum der Therapie, aber auch in den Fokus der zukünftigen wissenschaftlichen Forschung rücken.

 

Tattva Viveka: Dr. Galuska, Sie sind der medizinische Direktor der Heiligenfeld-Kliniken, sie sind Gründer und Kurator einer Stiftung, sie leiten diesen Kongress hier, der sehr umfangreich ist, sie beschäftigen sich mit Burn-Out-Prophylaxe und deswegen ist meine erste Frage eine nicht ganz profane, wenn sie sich auch so anhören mag: Wie geht es Ihnen?

Dr. Galuska: Mir geht es wunderbar. Mir geht‘s richtig gut, weil dieser Kongress etwas ganz Fantastisches ist. Ich bin hier als Kongressleiter, als Moderator, als Choreograf und zugleich auch Teil dieses Erlebnisses. Der Kongress besitzt eine ungeheure Qualität, Größe, Tiefe und auch Wucht durch die über tausend Menschen, die da sind. Ich merke, dass ich nur ein kleiner Teil davon bin, auch wenn ich hier als Veranstalter und Moderator versuche, das Ganze gut zu leiten. Aber ich finde, die Teilhabe an dem Ganzen ist etwas ganz Besonderes. Wie ein solcher Kongress schließlich gelingt, nachdem man sich das Ganze überlegt, Referenten eingeladen und die Organisation strukturiert hat, das weiß man immer nicht. Das ist ein großes Abenteuer. Man kann vorher das Beste tun und dann geschieht es trotzdem irgendwie. Ich bin von diesem Kongress total beeindruckt. Es ist sicher unser größter Kongress, den wir bisher gemacht haben. Sowohl von der Teilnehmeranzahl, aber auch was die Kraft betrifft, die hier spürbar ist. Das finde ich ganz toll und das macht mich glücklich.

 
Therapie in Heiligenfeld
 

TV: Sind sie nicht im Stress deswegen?

Galuska: Ich war vor dem Kongress aufgeregt, hauptsächlich deswegen, weil er mir zum einen von der Thematik her sehr am Herzen liegt und ich mir viel vorgenommen habe mit den vier Vorträgen, die ich selbst halte. Zum anderen möchte ich auch mit der Art und Weise, wie der Kongress geführt wird, eine gewisse Botschaft vermitteln. Deswegen wusste ich natürlich nicht, ob es gelingt. Aber ich weiß seit einigen Wochen, wie gut der Kongress vorbereitet ist. Ich selbst bin seit zwei Monaten mit den Themen soweit klar, dass ich mich damit sicher fühle und insofern bin ich mit einer gewissen Aufregung reingegangen, aber mehr mit einer freudigen Aufregung. Stress hatte ich eigentlich nicht.
Ich habe ja nun schon zehn Kongresse geleitet, und da bekommt man natürlich auch eine gewisse Erfahrung. So eine Gruppe ist aber immer etwas Unvorhersehbares, etwas, was man nicht unter Kontrolle hat. Insofern bleibt immer etwas Angst und Aufregung darin. Das ist eines Teils stressig, es ist aber auch belebend. Glücklicherweise war es diesmal belebend. Sich dem zu stellen ist ja auch etwas Besonderes. Es ist eine Herausforderung.
Einen solchen Kongress konzipiert man nicht mal eben so und zieht den durch, sondern es fordert mich. Aber es ist schön, das zu spüren, weil es lebendig ist. Das ist das, was ich mit diesem Kongress auch vermitteln will: wie reichhaltig und vielfältig das Leben ist, wie intensiv, wie tief und wie schön das sein kann, sich dem zu stellen und es ganz zu sich zu nehmen, sich wirklich mitten hineinzustellen. Und ich habe auf diesem Kongress immer mal wieder in unterschiedlichen Situationen die Augen geschlossen und einfach gespürt, wie es sich anfühlt, einfach da zu sein. Wie ist es, in einem Raum zu sein, wenn ich nicht gerade selbst einen Vortrag halte? Die Teilnehmer zu sehen und zu spüren, die Atmosphäre und die Energie, das Wissen und die Weisheit – das ist etwas Wundervolles und sehr lebendig. Es lohnt sich, das Leben in seiner Fülle zu vergegenwärtigen. Es ereignet sich sowieso und das kann man sich bewusst machen kann. Und ich tue das.

 
Dr. Joachim Galuska - Burnout, Bewusstsein und kosmische Intelligenz
 

TV: Sie haben gerade gesagt: »es zu sich zu nehmen«. Würden Sie sagen, dass das die Art ist, wie man mit so einer Situation umgeht. Sie leiten die Kliniken, die ja auch zum Teil psychosomatische Kliniken sind und sich mit Burnout beschäftigen. Warum brennen manche Leute aus und andere nicht? Warum können Sie so viel leisten in diesem Auge des Orkans und andere scheitern vielleicht an einem viel kleineren Unterfangen? Was ist das Geheimnis?

Galuska: Das Geheimnis ist, mit dem Leben zu gehen. D.h. immer wieder zu realisieren, wo man im Leben steht, dem Alter gemäß, der Entwicklung gemäß, der Situation gemäß. Es bedeutet aufzuwachen an der Stelle, wo man im Leben jeweils steht. Und dann spüren: So ist das. Wie fühlt sich das an? Ist das gut so oder nicht? Wenn wir innehalten und uns darauf besinnen, wie wir gerade leben, gibt es in uns selbst Strukturen, die uns eine Antwort geben. Das ist oft nicht einfach und manchmal nicht gleich in Begriffe zu fassen, aber wir haben ein Gespür dafür. Dieses Gespür – ist es im Grunde gut so oder muss ich irgendwie irgendetwas verändern? – können wir entwickeln. Viele Menschen haben das nie gelernt, aber wir können das entwickeln.

Ich bin auch keinen einfachen Weg gegangen, aber ich habe mich immer für Psychologie und Spiritualität interessiert, wer ich bin als Mensch und ob es irgendetwas gibt, was für mich einen Sinn gibt. Ob es irgendetwas gibt, das mir erklärt, warum ich da bin, ob es irgendetwas Größeres gibt. Ich bin katholisch erzogen worden. Was ist Gott überhaupt? Existiert das? Kann ich das auch erfahren oder muss ich daran glauben? Ich habe viel gemacht an Eigentherapie, Selbsterfahrung, Workshops, an Lebensexperimenten. Ich habe in einer Wohngemeinschaft gewohnt, ich habe meditieren gelernt, ich habe mir verschiedene Wege angeschaut. Ich bin tief und weit mit der buddhistischen Meditation gegangen.

All das hat dazu beigetragen, eine gewisse Sensibilität und Aufmerksamkeit für mein Inneres zu entwickeln und mich immer wieder zu fragen, ob der Weg eigentlich gut so ist. Und ich glaube, wenn man das tut, also den Kontakt zu sich selbst und seiner eigenen Tiefe herstellt und in einem lebendigen Kontakt bleibt, oder ihn einfach immer mal wieder herstellt, sei es nur im Urlaub oder am Wochenende oder in einem guten Gespräch mit Freunden, dann kann auch ein Teil in uns das beantworten und sagen: Jetzt musst du aber mal was verändern. Und dann können wir danach suchen und danach fragen. Und vielleicht ist es nur eine kleine Veränderung in der Balancierung. Vielleicht ist aber auch eine große Umkehrung notwendig.

 
Heiligenfeld
 

Diese Reflexion kann eine Konfrontation sein und uns sagen: Moment, so geht es nicht weiter. Bleib stehen, kehr um, schau nach innen. Letztlich läuft es immer darauf hinaus, wenn man ausbrennt, dass man nicht genug nach innen geschaut hat. Ich will nicht bestreiten, dass die Kultur, in der man lebt, zum Beispiel am Arbeitsplatz, manchmal von Leistungsansprüchen und Rücksichtslosigkeit geprägt ist und nur im Außen orientiert ist, und einen nur dann gratifiziert, wenn man über seine körperlichen und seelischen Grenzen geht – eine solche Kultur kann einen überfordern und auch dazu beitragen, dass man ausbrennt. Aber man wird einer solchen Kultur keine Macht über sich geben, wenn man den inneren Kontakt mit sich behält. Dann wird man sagen: da läuft was auseinander. Ich kann hier, an dem Platz, an dem ich bin, nicht meinen inneren Werten folgen. Ich kann mich hier nicht balancieren. Ich kann hier nicht leben. Dann muss ich mich entscheiden, ob ich diesen Arbeitsplatz so verändern kann, dass er lebenswert ist. Wenn nicht, dann muss ich woanders hingehen. Und es kann mir auch keiner erzählen, dass das nicht geht. Die Welt ist so groß und so vielfältig. Es gibt so viele Arbeitsplätze. Und zur Not kann man sich immer noch selbständig machen und ein eigenes kleines Geschäft aufmachen. Man kann immer auch eine Alternative suchen, wenn das nicht mehr geht. Ich glaube, das ist eigentlich der Punkt, worauf es ankommt. Ich bin froh und glücklich darüber, dass mir das in meinem Leben immer wieder gelungen ist. Was nicht bedeutet, dass es mir auch manchmal nicht gelungen ist. Auch ich habe Krisen hinter mir und habe mich auch fragen müssen, wie kannst und willst du damit umgehen? Zum Beispiel, als ich gemerkt habe, dass ich alt werde. Da habe ich mir Unterstützung geholt. Ich habe Jahre gebraucht, bis ich mich darin gefunden habe. Es ist auch für mich nicht immer leicht gewesen. Aber so seit einem Jahr bin ich an dem Punkt, an dem ich bin.

 
Kongress Heiligenfeld
 

TV: Das ist ein schöner Satz: »Ich bin an dem Punkt, an dem ich bin.« Es gibt ja diesen schönen biblischen Spruch, die Stimme aus dem Dornbusch: »Ich bin der, der ich bin.« Wie verändert sich die Außenwelt bzw. die Wahrnehmung der Außenwelt, wenn man an dem Punkt ist?

Galuska: Einfach ausgedrückt, man nimmt die Welt hin. Die Frage, die ich mir stelle ist: Wie viel davon kann ich ertragen? In dem Sinne, dass sie ja nicht immer einfach ist. Aber auch, wie viel davon kann ich an Schönheit ertragen oder zu mir nehmen? Wie fühle ich diese Welt? Das ist ja meine und unsere Welt, weil ich ja jetzt lebe, und eine andere kann es nicht geben. Es gibt genau die und wie ist sie? Sie wird nicht anders, aber meine Haltung zu ihr hat sich verändert. Ich bin aber auch jemand, der nicht der Meinung ist, ich müsste mich jetzt mit dem größten Schrecken konfrontieren, mit den größten Abgründen und schlimmsten Dämonen, mit dem grausamsten Leid, was Menschen ertragen müssen. Wie weit kann mein Herz werden? Das ist auch o.k. Älter werden heißt auch, die eigene Begrenztheit wahrzunehmen. Meine körperlichen Gegebenheiten sind begrenzt, aber auch meine geistigen und mein Bewusstsein. So weit ich auch schauen kann und so begeistert und dankbar ich auch bin, dass ich so vieles erkennen kann, spüre ich doch, da gibt es eine Realität, die ist so umfassend, dass ich sie nie überblicken kann. Ich habe das »kosmische Intelligenz« genannt. Ich kann es gerade mal erahnen und höchstens glücklich sein, dass ich dazu gehöre. Die Grenze meiner Psyche und meiner seelischen Belastbarkeit – das ist alles real, das muss man alles mit einbeziehen. Und zugleich ist das Leben auch etwas, was transzendiert, d.h. was Grenzen überschreitet. Das Leben treibt einen weiter und solange man lebt, ist es ein überfließender Quell, der sprudelt, einen bewegt und immer wieder über Grenzen hinaus bewegt. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 56

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 01: Marcus Schmieke – Intelligenz. Wahrnehmung und Bewusstsein

TV 17: Ronald Engert – Das Bewusstsein der Maschinen

TV 17: Günter Haffelder – Geist und Gehirn

TV 21: Rupert Sheldrake – Erweitern Sie ihr Bewusstsein!

TV 47/48: Dr. Ulrich Ott – Meditation für Skeptiker

TV 53: Die spirituelle Dimension der Wissenschaft. Sonderausgabe.

TV 55: Dr. Andreas Freund – Transzendenzoffene Wissenschaft

 

Bildnachweis: © Fotolia, Heiligenfeld GmbH, spirit path.com, Julia Cremasco