Kategorien

 

 

Atem und Klang

Holotropes Atmen zwischen Therapie und Spiritualität

Dr. Sylvester Walch - Holotropes Atmen zwischen Therapie und Spiritualität – Teil 2

Im Heft der Tattva Viveka 46 schrieb Walch über seine Erfahrungen mit Stanislav Grof und über den Ablauf einer Atemsitzung. Die Fortsetzung widmet sich nun vor allem der Arbeit mit veränderten Bewusstseinszuständen, was dabei zu beachten ist und welche Erfahrungen auftreten können – im Körper, im Geist und schließlich im transpersonalen Erfahrungsraum. Lesen sie hier Auszüge aus dem zweiten Teil seines Artikels über Holotropes Atmen.

Der komplette Artikel erscheint im Tattva Viveka-Heft 47, das ab dem 15. Mai 2011 erhältlich ist.


Die veränderten Bewusstseinszustände mobilisieren das Unbewusste, wodurch tiefsitzende Spannungen energetisch aufgeladen werden. Durch die folgende Entladung wird das psychische Gesamtsystem entlastet, auch wenn vielleicht die inhaltlichen Zusammenhänge noch unzureichend verstanden werden. Dabei können plötzlich Verschiebungen von einer pathologischen Dynamik zu einer heilsamen positiven Selbstorganisation stattfinden, nach Sheldrake eine Verschiebung von Krankheitsfeldern zu Ganzheitsfeldern.

Wir wissen, dass emotionales Lernen subkortikal im limbischen System stattfindet. Dieses ist etwas schwerfälliger als die assoziativen und kognitiven Bahnungen in der Großhirnrinde. Deshalb bedarf es zur Lösung der emotionalen Gebundenheit eines inneren Aufruhrs, um die unbewussten limbischen Netzwerke zu verändern. Nur das Abrufen von Kognitionen führt nicht zum Ziel, weil die unbewusste emotionale Fixierung bestehen bleibt.

Die Begleiter unterstützen das vollständige Durcherleben dieser dramatischen Situationen. Entweder durch Festhalten und Gegendruck, um die Spannung zu erhöhen, bis es zu einer vollkommenen Entladung kommt, oder durch nährende und emotional korrigierende Erfahrungen wie etwa wärmende Berührungen bis hin zu einem bergenden Ganzkörperkontakt. So können tief greifende Verletzungen heilen.

Im tiefsten Punkt der kränkenden Erfahrung ist häufig die Lösung zu finden und dort stoßen wir gleichzeitig auf heilende Kräfte des transpersonalen Selbst wie pulsierende Energien und umfassende Liebe, die durch das kosmische Bewusstsein strömen. Deshalb auch die Anweisung im Holotropen Atmen: Geh tiefer in das, was ist.

 

Holotropes Atmen

 

Wir können nicht Erfahrungen in veränderten Bewusstseinszuständen mit den Kriterien einer szientistisch orientierten Erkenntnistheorie untersuchen. Gefordert ist vielmehr ein hohes Ausmaß an Flexibilität, Einfühlung, Liebe und Achtsamkeit und eine Einstellung, die möglichst frei von Vorurteilen und Ressentiments ist. Man muss die Erfahrungen für sich selber sprechen lassen und – wie es Metzger(1975, S.12) treffend ausdrückt:»Das Vorgefundene einfach hinnehmen, wie es ist, auch wenn es ungewohnt, unerwartet, unlogisch, widersinnig erscheint und unbezweifelten Annahmen oder vertrauten Gedankengängen widerspricht. Die Dinge selbst sprechen lassen, ohne Seitenblicke auf Bekanntes, früher Gelerntes, Selbstverständliches, auf inhaltliches Wissen, Forderungen der Logik, Voreingenommenheiten des Sprachgebrauchs und Lücken des Wortschatzes. Der Sache mit Liebe und Ehrfurcht gegenübertreten, Zweifel und Misstrauen aber gegebenenfalls zunächst vor allem gegen die Voraussetzungen und Begriffe zu richten, mit denen man das Gegebene bis dahin zu fassen versuchte.«

 

Holotropes Atmen

 

Spiritualität ist kein Privileg einer höheren Bewusstseinsstufe oder einer spirituellen Gemeinschaft, sie gehört zum Wesen des Lebendigen und ist in jedem Moment zugänglich und nie aufdringlich, wenn wir nur etwas tiefer atmen und unser Herz öffnen.

In diesem Sinne möchte ich meine Ausführungen mit den Worten von Gurumayi Chidvilasananda (1994), dem derzeit lebenden Oberhaupt der Siddha Yoga Tradition, beschließen:

»Viele Leute möchten in ihrer Entwicklung immer große Sprünge machen. Das ist schon recht, doch bedenke, dass du dabei die Schönheit jedes einzelnen Schrittes übersiehst. Jeder kleine Schritt hat seinen eigenen inneren Plan. Möchtest du ihn nicht kennen lernen? Wenn du achtsam Schritt für Schritt in deiner inneren Entwicklung weitergehst, machst du die Erfahrung, dass du innerlich stärker wirst und dir wird auch bewusst, was du für das große Ziel getan hast.«

 

Holotropes Atmen

 

Der erste Teil des Artikels von Dr. Sylvester Walch "Holotropes Atmen zwischen Therapie und Spiritualität" erschien in der Tattva Viveka Ausgabe 46:

Tattva Viveka Ausgabe 46 Inhaltsverzeichnis

Atme!

Ausgangspunkt einer Shakti-orientierten höheren Yoga-Praxis

Autor: Hans Meyer
Kategorie: Naturwissenschaft / Atem und Klang
Ausgabe Nr.: 46

Der Artikel vergleicht die indische Kevali-Atmung und den Erfahrbaren Atem nach Ilse Middendorf. Bei beiden geht es um einen sanften Weg, der die natürliche Atmung zulässt und keine willentliche Beeinflussung des Atems durch Techniken anwendet.

Tattva Viveka Ausgabe 46 Inhaltsverzeichnis

Holotropes Atmen

Heilung und Öffnung durch veränderte Bewusstseinszustände

Autor: Dr. Sylvester Walch
Kategorie: Naturwissenschaft / Atem und Klang
Ausgabe Nr.: 46

Der Psychotherapeut Walch beschreibt in seinem Artikel, wie er die Arbeit mit seinem Lehrer Stanislav Grof erfahren hat. Was ist Transpersonale Psychologie und wie hängt sie mit dem bekannten »Holotropen Atmen« zusammen? Was genau geschieht in einer Atemsitzung und wie läuft diese ab? Welche Hinweise geben diese Erfahrungen für Therapie und Spiritualität?

Tattva Viveka Ausgabe 46 Inhaltsverzeichnis



Warenkorb


Keine Artikel im Warenkorb