Das HerzGehirn

Ph. D. Rollin McCraty - Das HerzGehirn

Das neu entdeckte Gehirn des Menschen

Autor: Ph. D. Rollin McCraty
Kategorie: Biologie
Ausgabe Nr: 56

 

 

 

Courage, Mut, kommt von dem lateinischen Wort »cor«, das Herz. Jahrhunderte lang war des Herz das Zentrum der Gefühle, der Courage und der Weisheit. Am HeartMath® Institut werden die physiologischen Mechanismen der Kommunikation von Herz und Gehirn sowie die Bedeutung des Herzens für unsere menschliche Erfahrung untersucht. Nach neuesten neurobiologischen Erkenntnissen hat das Herz eine höhere Informationsverarbeitungskapazität als das Gehirn. Hierbei spielen die Gefühle die tragende Rolle.

 

Jahrhunderte lang wurde das Herz als die Quelle von Emotionen, Courage und Weisheit angesehen. Am »Institut of HeartMath« (IHM) untersuchen wir die physiologischen Mechanismen, durch die das Herz mit dem Gehirn kommuniziert und dabei Informationsverarbeitung, Wahrnehmung, Emotionen und Gesundheit beeinflusst. Wir fragen zum Beispiel: Warum erfahren Menschen das Gefühl oder die Aufregung von Liebe oder anderen positiven Gefühlen in dem Bereich des Herzens und was sind die physiologischen Auswirkungen? Wie beeinflussen Stress und verschiedene emotionale Zustände das autonome Nervensystem, das Hormon- und Immunsystem, das Herz und das Gehirn? Im Laufe der Jahre haben wir mit verschiedenen psychologischen und physiologischen Methoden experimentiert. In der Regel zeigte sich, dass sich die inneren emotionalen Zustände bzw. Stress am deutlichsten in der Herzfrequenzvariabilität und den Herzrhythmen widerspiegelten. Es wurde deutlich, dass negative Emotionen zu einer erhöhten Störung im Herzrhythmus und im autonomen Nervensystem führen und dabei den Rest des Körpers nachteilig beeinflussen. Im Gegensatz dazu schaffen positive Emotionen eine erhöhte Harmonie und Kohärenz in den Herzrhythmen und verbessern die Balance im Nervensystem. Die Einflüsse auf die Gesundheit sind einfach zu verstehen: Disharmonie im Nervensystem führt zu Ineffizienz und erhöhtem Stress für das Herz und andere Organe, während harmonische Rhythmen effizient und weniger belastend für das System des Körpers sind.

Noch faszinierender sind die dramatischen positiven Veränderungen, wenn Techniken angewendet werden, die die Kohärenz des Rhythmus der Herzfrequenzvariabilität steigern. Dies beinhaltet Wahrnehmungsveränderungen und die Fähigkeit Stress zu reduzieren und effektiver mit schwierigen Situationen umzugehen. Wir haben beobachtet, dass das Herz so handelt, als hätte es ein eigenes Gehirn. Es beeinflusst tiefgreifend die Art und Weise, wie wir die Welt sehen. Im Wesentlichen scheint das Herz die Intelligenz und das Bewusstsein zu beeinflussen. Viele unserer Erkenntnisse geben uns nun eine wissenschaftliche Basis, um zu erklären, wie das Herz kognitive Klarheit, Kreativität, emotionale Balance und persönliche Stärke beeinflusst.

Unsere Forschung und die von anderen weisen darauf hin, dass das Herz mehr als eine simple Pumpe ist. Das Herz ist in der Tat ein äußerst komplexes, selbst-organisiertes Informationsverarbeitungszentrum mit seinem eigenen operativen »Gehirn«. Es kommuniziert mit dem kranialen Gehirn und beeinflusst es durch das Nervensystem, Hormonsystem und andere Leitbahnen. Diese Einflüsse wirken sich tiefgreifend auf die Gehirnfunktion und die meisten Hauptorgane des Körpers aus und bestimmen letztlich die Lebensqualität.

 

Innervation der Hauptorgane durch das autonome Nervensystem (ANS)

Innervation der Hauptorgane
durch das autonome Nervensystem (ANS).
Parasympathische Fasern laufen durch den Schädel und das Kreuzbein; sympathische Fasern sind verbunden mit dem Brust- und Lendenwirbel. Eine ordentliche Funktion des ANS ist entscheidend für den Erhalt der Gesundheit. Eine Reihe von Gesundheitsproblemen stehen mit einer Dysfunktion oder einem Ungleichgewicht des ANS zusammen. Emotionen beeinflussen die Aktivität des ANS weitreichend und gleichen die beiden Zweige aus. Ärger verursacht zum Beispiel eine erhöhte sympathische und reduzierte parasympathische Aktivität. Eine Arterienverengung, resultierend aus einer übermäßigen sympathischen Stimulation, kann zu Bluthochdruck und Herzanfällen beitragen.

 

Das intelligente Herz
Einige der ersten modernen psycho-physiologischen Forscher, die die Kommunikation zwischen Herz und Gehirn untersuchten, waren John und Beatrice Lacey. In ihren Forschungen in den 1960er und 70er Jahren beobachteten sie, dass diese Kommunikation unsere Wahrnehmung und Reaktion auf die Welt signifikant beeinflusst. Eine Generation bevor die Laceys mit ihren Forschungen begannen, hatte Walter Cannon gezeigt, dass emotionale Veränderungen durch Änderungen in der Herzrate, dem Blutdruck, der Atmung und der Verdauung begleitet werden. Aus Cannons Sicht werden wir in einem »erregten« Zustand durch den Sympathikus angetrieben zu kämpfen oder zu fliehen. Der Parasympathikus, der beruhigende Teil des Nervensystems, sorgt für Ruhe in entspannten Situationen. Nach dieser Ansicht werden das autonome Nervensystem und alle physiologischen Reaktionen entsprechend den Gehirnreaktionen auf einen Stimulus gesteuert. Man vermutete, unsere inneren Systeme werden aktiviert, wenn wir erregt sind, oder herunter gefahren, wenn wir uns ausruhen, wobei das Gehirn dabei die Kontrolle über den gesamten Prozess hätte.

Die Laceys bemerkten, dass dieses einfache Modell die physiologischen Prozesse nur teilweise korrekt abbildete. Im weiteren Verlauf ihrer Forschung fanden sie heraus, dass das Herz seine ganz eigene Logik zu haben schien, die häufig von der Anweisung des autonomen Nervensystems abweicht. Das Herz schien Botschaften an das Gehirn zu schicken, das diese nicht einfach nur verstand, sondern sogar befolgte. Noch verblüffender war die Erkenntnis, dass diese Botschaften das Verhalten einer Person beeinflussen konnten. Kurz darauf entdeckten Neurophysiologen eine bestimmte neuronale Bahn, durch die die Eingaben des Herzens ins Gehirn die elektrische Aktivität des Gehirns »verringern« oder »verstärken« konnten. 1974 arbeiteten die französischen Forscher Gahery und Vigier mit Katzen. Sie stimulierten den Vagusnerv, der viele Signale des Herzens zum Gehirn leitet. Dabei fanden sie heraus, dass die elektrische Aktivität des Gehirns auf die Hälfte der normalen Rate reduziert war. Zusammenfassend deuten die Ergebnisse darauf hin, dass das Herz und das Nervensystem nicht einfach den Anweisungen des Gehirns folgen, wie Cannon einst gedacht hatte.

 

Rollin McCraty

 

Neurokardiologie: Das Gehirn im Herzen

Eine kleine Gruppe von kardiovaskulären Forschern und eine Gruppe von Neurophysiologen schlossen sich den Laceys an, um Gebiete von gemeinsamem Interesse zu erforschen. Dies war der Beginn einer neuen Disziplin, der Neurokardiologie, die seitdem wichtige Einsichten in das Nervensystem des Herzens liefert und zeigt, wie das Gehirn und das Herz durch das Nervensystem miteinander kommunizieren.

Nach umfangreichen Forschungen führte J. Andres Armour, einer der Pioniere der Neurokardiologie, 1991 das Konzept des eigenständig arbeitenden »Herzgehirns« ein. Seine Arbeiten verdeutlichten, dass das Herz ein komplexes intrinsisches Nervensystem hat, das weit genug ausgebildet ist, um es als ein »kleines Gehirn« auszuweisen. Das Gehirn des Herzens ist ein kompliziertes Netzwerk verschiedener Arten von Neuronen, Neurotransmittern, Proteinen und Support-Zellen, wie sie im Gehirn gefunden werden. Sein ausgeklügelter Kreislauf befähigt es, unabhängig von dem kranialen Gehirn zu funktionieren – zu lernen, zu erinnern, ja sogar zu fühlen und zu spüren. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 56

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 10: Annemarie Maeger – Himmlische Hierarchie und Herzmonade.
Die Philosophin Hypatia

TV 18: Prof. Dr. Fritz-Albert Popp – Biophotonen. Leben und Licht

TV 31: Prof. Dr. Manfred Hartmann – Bioresonanz und Radionik

TV 37: Dr. Christina Kessler – Auf der Reise zu einer Kultur des Herzens

TV 38: Emilie Conrad – Die fließende Intelligenz des Körpers

TV 43: Prof. Dr. Dr. Klaus von Ploetz
Neurophysiologie, Hirnforschung und Persönlichkeit

TV 52: Robert Gansler – Empraxis. Das aus sich rollende Rad

TV 53: Prof. Dr. Gerald Hüther – Was bedeutet lebendig zu sein?
Die Biologie an der Schwelle eines neuen Selbstverständnisses

 

Bildnachweis: © 123rf Stockfoto-lightwise, beyondthebarriers

 

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