Die Geschichte der Tattva Viveka

Die Geschichte der Tattva Viveka

Autor: Ronald Engert
Kategorie: Verlagsportraits
Ausgabe Nr: 50

Anläßlich des Jubiläums der 50. Ausgabe berichtet der Gründer und Chefredakteur über die Geschichte der Tattva Viveka von den Anfängen bis zur Gegenwart. 18 Jahre engagierter Journalismus haben mittlerweile einen Fundus von fast 500 Fachartikeln aus den Gebieten Wissenschaft, Philosophie und spiritueller Kultur hervorgebracht. Was ist die innere Dimension dieses Projekts? Und wie ist so eine Zeitschrift überhaupt möglich? Es zeigt sich: Es ist ein Spannungsbogen zwischen Ökonomie und göttlicher Fügung.

 

Chefredakteur Ronald Engert

 


Die Vorgeschichte

Der Ursprung der Tattva Viveka geht über 20 Jahre zurück. Es begann 1990 auf einem Schamanen- Seminar in der Schweiz, als uns der Schamane, Harley Swift Deer, fragte: »Was ist euer Weg mit Herz?« Wir sollten auf eine Visionssuche gehen und herausfinden, was wir wirklich tun möchten. Ich weiß nicht recht, woher ich es wusste: Ich will eine Zeitschrift machen. Es hat mich schon immer fasziniert, das Lesen, die Bücher, die Zeitschriften. Mich interessierte Philosophie und Literatur, Kunst und Gesellschaft, und seit einiger Zeit hatte ich auch die Spiritualität für mich entdeckt. Ich wollte wissen, wie man die Buchstaben aufs Papier bringt. Mir ging es um die schöne Gestaltung und natürlich vor allem um die Inhalte. Ich wollte essentielles Wissen unter die Menschen bringen, ich wollte davon berichten, dass es Wissen und Weisheit gibt. Ich wollte es veröffentlichen, damit niemand später würde sagen können, das hätte er nicht wissen können. Das Wissen ist zugänglich, wenn auch nicht in den Mainstream-Medien.

Wohin mit mir?
1988-1994
Worms/Frankfurt

Der Schamane hatte also gesagt, wir sollten unserenWeg mit Herz folgen. Das gefiel mir sehr und ich hatte meine Vision gefunden. Dann sagte er noch »you have to get prerequisite knowledge«, also vorausgesetztes Wissen oder Fachwissen. Ich war zu dieser Zeit arbeitslos. 1988 hatte ich mein Studium der Germanistik und Philosophie nach 12 Semestern abgebrochen, weil mich dieser Abschluss nicht interessiert hatte und ich mit meinem Thema, das ich mir für die Magisterarbeit ausgesucht hatte, bei keinem Professor landen konnte. Ich wollte diese Arbeit schreiben, weil ich sie schreiben wollte. Mein Professor wollte das Thema nicht annehmen, schlug mir ein anderes Thema vor und sagte, die Magisterarbeit schriebe ich doch eh für die Schublade. Danach könne ich ja dann über das mir wichtiges Thema schreiben. Ich war empört, zog die Konsequenz und ging. Ich hatte danach etwas gejobbt, um Geld zu verdienen und um ein Anrecht auf Arbeitslosengeld zu bekommen. Später dann war ich tatsächlich arbeitslos und bezog Unterstützung vom Arbeitsamt. Meine Sachbearbeiterin lud mich zum Termin, um mit mir eine Anstellung beziehungsweise meine Perspektive durchzusprechen. Es stellte sich heraus, dass ich aufgrund des abgebrochenen Studiums die Stellung eines ungelernten Arbeiters hatte, was allerdings auch bedeutete, dass ich umschulungsberechtigt war. Sie fragte mich dann: »Was wollen Sie denn tun?«

 

Schon zu Beginn der Tattva Viveka hatte ich mich, so gut ich konnte, der Fügung Gottes anvertraut, und alles entfaltete sich auf sehr konstruktive Weise.

 

Ich wusste erst nicht, was ich sagen sollte, und ging nach Hause. Doch mit der Zeit kam es mir: Diese Frage war gar nicht so schlecht! Also überlegte ich mir, was denn das Faszinierendste und Beste wäre, was ich mir vorstellen kann, ohne überhaupt an die praktisch Umsetzbarkeit zu denken. Ich hatte damals wenig Perspektive und wusste auch nicht, wie ich es praktisch anstellen sollte, das Handwerk des Zeitschriftenmachens zu lernen. Ich hatte diese idealistische Vision, das war alles sehr unkonkret, und als Studienabbrecher und Arbeitsloser konnte ich es mir nicht vorstellen, dass ich eine Stelle in einem Verlag bekommen könnte. Ich ging also zu meinem nächsten Termin beim Arbeitsamt, und sagte meiner Sachbearbeiterin: »Ich möchte eine Ausbildung im Verlag machen! « Das war 1991. Wir prüften die Formalitäten und die Angebote. Ich durfte dann ein dreimonatiges Praktikum in einem Verlag machen. Ich hatte mich bei zwölf Verlagen beworben. Von zwei Verlagen bekam ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Beide waren in Frankfurt, und mir war damals am wichtigsten, dass sie Computer hatten. Ich wollte unbedingt lernen, wie man Computer bedient (für alle jungen Leserinnen und Leser: damals gab es noch fast keine Computer). Ich hatte einige Monate zuvor einen Freund besucht, dessen Neffe, etwa in einem Alter von zwölf Jahren, einen Commodore 64 bediente. Ich war völlig geschockt, denn ich wusste nicht, für was diese ganzen Tasten gut sind, dachte mir jedoch: Dieser zwölfjährige Knirps stellt mich hier völlig in den Schatten und diese Schlappe kann ich nicht auf mir sitzen lassen. Außerdem war mir damals schon klar, dass die Computer in Zukunft ein unerlässliches Werkzeug sein würden und es unbedingt notwendig ist, sich in diesem Bereich auszukennen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Davon abgesehen faszinierte mich die Möglichkeit, Texte zu schreiben und unbegrenzte Änderungen vornehmen zu können. Bis dato hatte ich an einer elektrischen Schreibmaschine mit Tipp Ex gearbeitet.

 

Die Integration von Wissenschaft und Spiritualität ist das Leitmotiv der Tattva Viveka.

 

Es war so leidvoll, wenn man ein falsches Wort getippt hatte oder etwa ein anderes Wort einfügen wollte. Dies alles kann man mit dem Computer problemlos machen, Korrigieren, Kopieren, Einfügen – diese Vorstellung war für mich paradiesisch. Ich entschied mich dann für den »Verlag Neue Kritik« in Frankfurt am Main, begann dort das dreimonatige Praktikum und wurde schon nach zwei Monaten von meiner Chefin gefragt, ob ich nicht bei ihnen die Umschulung machen wolle. Ich sagte zu, dachte jedoch bei mir, ich nehme mir das Wissen und nach sechs Monaten weiß ich dann, wie man eine Zeitschrift macht, verschwinde und dann mache ich meine Zeitschrift. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt etwa vier Jahre so gut wie nichts gearbeitet, hatte als Hausbesetzer und Punk gelebt, war in der radikalen linken Politik aktiv und hatte wegen einer unglücklichen Liebe auch eine Lebenskrise hinter mir, die mich gut ein Jahr beschäftigt hatte. Ich hatte zu dem Zeitpunkt auch schon seit ein bis zwei Jahren die Spiritualität entdeckt, insbesondere die Kabbala, das Krishna-Bewusstsein und den indianischen Schamanismus.

Es zeigte sich, dass ich nach sechs Monaten Umschulung im Verlag noch bei weitem nicht wusste, wie der Laden lief. Ich hatte eine Krise mit der Arbeit, weil ich es nicht gewöhnt war, fünf Tage in der Woche regelmäßig zu arbeiten. Meine Chefin, selbst eine alternative und sehr freidenkerische Person, erließ mir dann den Freitag, was mich sehr erleichterte. An einem bestimmten Wochenende durchlief ich dann auch für mich den intensiven Prozess herauszufinden, was ich wirklich wollte, und entschied mich dann richtig und im tiefsten Innern für die Ausbildung. Montags war ich dann im Verlag und meine Chefin war erstaunt, weil ich plötzlich wie ausgewechselt war. Von da an war ich aufgeschlossen und bereit, interessierte mich für die Arbeit und engagierte mich. Es dauerte in der Tat die zwei Jahre Ausbildung, bis ich einigermaßen wusste, was es bedeutet einen Verlag zu machen. Viele Tätigkeiten in einem Verlag finden praktisch nur einmal im Jahr statt. Das heißt, um diese Arbeit oder diesen Arbeitsbereich wenigstens einmal zu wiederholen, muss man zwei Jahre dort arbeiten. Hier erarbeitete ich mir das »prerequisite knowledge«.

 

Die Gründung der Tattva Viveka
1994-1996, TV 1-5
Frankfurt/Main

Tattva Viveka 01

Tattva Viveka Nr. 1

Diese ganze Ausbildung machte ich nur mit dem Ziel, meine eigene Zeitschrift herauszubringen. Ich hatte jedoch für mich den Grundsatz gefasst, dass ich diese Zeitschrift nicht alleine gründen wollte. Ich wollte mit anderen zusammen oder mindestens zu zweit die Sache starten, weil ich mir sagte, dass ein solches Projekt für eine Person zu viel ist. Ich sollte später erfahren, wie weise diese Einsicht im Vorfeld war. Ich erzählte hier und da von meinem Vorhaben und suchte Mitstreiter. Dies war gar nicht so einfach, doch eines Tages kam mein Freund Sacinandana Swami von den Hare Krishnas und sagte mir, er wisse jemanden, der auch eine Zeitschrift machen will. So stellte er mir Marcus Schmieke hervor. Es dauerte nicht lange, und das Projekt der Zeitschrift nahm konkrete Gestalt an. Marcus hatte schon einen Namen für die Zeitschrift – Tattva Viveka – und auch einige Artikel geschrieben. Sein Plan war es allerdings, die Zeitschrift auf dem Fotokopierer zu vervielfältigen und einfach in Kleinstauflage in seinem Freundeskreis zu verteilen. Für mich war es jedoch klar, wenn schon, dann richtig. Meine Vorstellung war, die Zeitschrift professionell zu produzieren und zu drucken und zwar in einer richtigen Auflage. Schließlich hatte ich das ganze ja nun gelernt und wusste aus dem alltäglichen Betrieb in unserem Verlag, was es heißt, ein Buch oder eine Zeitschrift zu drucken. Wir trugen dann die Artikel zusammen, ich entwickelte das Design, machte das Layout und organisierte den Druck. Eine weitere glückliche Fügung war die Spende einer gemeinsamen Freundin, die Sympathie für unser Projekt hatte und uns unterstützen wollte. Sie stellte uns 3000 DM zur Verfügung.

Die Erstellung der ersten Nummer der Tattva Viveka, 1994, fiel dann zeitlich zusammen mit dem Abschluss meiner Ausbildung zum Verlagsbuchhändler. Ich machte die Prüfung, die ich auch bestand, und die erste Tattva Viveka war mein persönliches Gesellenstück. So fing das alles an. Marcus und ich waren uns einig darin, dass wir diese Zeitschrift mit den Themen und Texten bestücken wollten, die uns interessierten, und nicht mit dem, was die Leser interessierte. In der Regel werden ja Zeitschriften an den Trends und Modethemen ausgerichtet, um möglichst viele Hefte zu verkaufen. Dies ist sicherlich auch ein vernünftiges Motiv, insbesondere, um die Wirtschaftlichkeit eines Magazins zu gewährleisten, und natürlich auch, um die Leserinnen und Leser zufriedenzustellen. Gleichwohl war es mir wichtiger, das zu veröffentlichen, was ich für essenziell hielt. Die Tattva Viveka hat in dieser Hinsicht immer schon eine sehr kompromisslose redaktionelle Linie vertreten: Wir veröffentlichen das, was uns interessiert und nicht das, was die Leser interessiert. Das klingt vielleicht ziemlich arrogant, hat für mich aber etwas mit Glaubwürdigkeit und Authentizität zu tun und bedeutete nur, dass wir die Themen rein nach inhaltlichen Kriterien und nach unserer Wahrheit ausrichten wollen und nicht nach ihrer Verkaufbarkeit – etwas anderes hielt und halte ich für unseriös. Natürlich bestand hierbei das Risiko, dass die Zeitschrift überhaupt nicht angenommen wird. Es zeigte sich jedoch, dass es genug Leserinnen und Leser gab, die sich für diese Themen interessierten.

TV 02

Tattva Viveka Nr. 2

Die Tattva Viveka ist zwar ein Special Interest Magazin, dessen Leserkreis immer begrenzt sein wird, aber für mich stand immer die Pressefreiheit und redaktionelle Qualität über den wirtschaftlichen Interessen. Marcus zeigte neben seinen inhaltlichen Qualitäten auch seine Talente im Vertrieb und brachte die Zeitschrift schnell unters Volk. Meine Stärke lag neben meinem Wissen über die Inhalte und den Umgang mit Sprache in der Organisation und der Umsetzung. Ich sorgte dafür, dass die Ausgaben erschienen. Wie durch ein Wunder hat sich die Tattva Viveka gehalten. Es ging immer wieder weiter. Die ersten zweieinhalb Jahre arbeitete ich noch parallel im Verlag Neue Kritik und machte die Tattva zuhause am Küchentisch. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Leitz-Ordner, indem ich Rechnungen und Schriftverkehr abhängte. Es dauerte mindestens ein Jahr, bis er voll war. Heutzutage habe ich zig solcher Ordner für alle möglichen Angelegenheiten der Firma. Manchmal fange ich einen neuen Ordner an und er ist innerhalb von 2-3 Monaten voll. Die Buchhaltungsordner fassen immerhin ein halbes Jahr, woraus der erfahrene Geschäftsmann auf den Umfang meiner Geschäftstätigkeit zurück schließen kann – die sich wohl eher unter dem Titel »lean management« einordnen lässt, das heißt ich habe die geschäftlichen Angelegenheiten auf das Allernotwendigste reduziert. Ich bin in erster Linie Philosoph und nur in zweiter Linie Geschäftsmann. Ich lernte jedoch, dass ein Verlag sehr viel mit Geschäft zu tun hat. Einen Großteil der Zeit geht es darum, wie man die Ausgaben und Einnahmen in einem vernünftigen Gleichgewicht und das Unternehmen insgesamt in wirtschaftlichen Dimensionen hält. Ich machte in dieser Zeit meine ersten Erfahrungen mit der Umsetzung meine rHerzensvision, mit dem praktischen Tun und der Verantwortung für mein Leben. Spiritualität und materielles Leben schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern gehen Hand in Hand. Das war mein Bedürfnis: eine Arbeit, die mich erfüllt, gelebte Spiritualität, die der Inhalt meiner Arbeit ist, Überführung der Philosophie in Lebenspraxis. Ich lernte, wie Geist und Materie zusammengehören. Schon zu Beginn der Tattva Viveka hatte ich mich, so gut ich konnte, der Fügung Gottes anvertraut, und alles entfaltete sich auf sehr konstruktive Weise.

 

Der Ausstieg in den Einstieg
1996-1998, TV 6-8
Schloss Weißenstein

Nach zweieinhalb Jahren Tattva Viveka – es waren mittlerweile die Ausgaben 1-5 erschienen – wagte ich den Austritt aus meiner bürgerlichen Sicherheit als Verlagsangestellter. Mein Job im Verlag Neue Kritik war für mich damals das Beste, was ich mir innerhalb des »kapitalistischen Systems« vorstellen konnte, die »Sahneschnitte«. Ich wollte jedoch mehr. Ich wollte Freiheit und Selbstverwirklichung.

Ich kündigtem eine Stellung im Verlag Neue Kritik und ging zusammen mit Marcus Schmieke in die Schwäbische Alb auf Schloss Weißenstein, wo Marcus die Veden-Akademie, ein spirituelles Seminarzentrum, gründete. Das Schloss Weißenstein gehörte einem»verrückten Professor«, der als Fotograf für mikroskopische Aufnahmen Karriere gemacht hatte. Das Schloss, erbaut 1280, hat ungefähr 60 Zimmer und liegt majestätisch über dem Tal. In einem Stockwerk hatte der Professor eine beachtliche Kollektion von professionellen Mikroskopen untergebracht, zu der sogar ein Elektronenrastermikroskop zählte. Manfred war ein spiritueller Mensch und offen für alle exotischen Ideen. Gelegentlich sah man ihn im afrikanischen Kaftan durch den Schlosshof wandeln.

 

Schloss Weißenstein (1996-1998)

 

Die Veden-Akademie veranstaltete Seminare und Symposien zu den Themen Yoga und Veden, freie Energie, alternative Heilweisen und Philosophie. Sie existiert übrigens auch heute noch und hat mittlerweile ihren Sitz in Kränzlin nordwestlich von Berlin – wieder in einem Schloss. Eine der ersten Veranstaltungen auf dem Schloss war übrigens der 1. Tattva Viveka Kongress, damals von Marcus organisiert, der ein Faible für Veranstaltungen hat. Auf Schloss Weißenstein erschienen die Ausgaben 6-8. Es zeigte sich, dass Marcus aufgrund seiner Tätigkeiten in der Akademie und anderen Interessen keine Zeit mehr hatte, zu der Tattva beizutragen. Nach etwa eineinhalb Jahren auf dem Schloss entschied ich mich deshalb, zurück nach Frankfurt zu gehen, weil ich dort von den infrastrukturellen Möglichkeiten her doch wesentlich bessere Bedingungen hatte als in dem abgelegenen Bergdorf in der Schwäbischen Alb. Obwohl ich die Zeitschrift nie alleine machen wollte, war ich nun doch alleine. Die Zeit auf dem Schloss mit dem Akademie-Projekt und der dazugehörenden Lebensgemeinschaft hatte mir jedoch geholfen, aus der Angestelltenposition auszusteigen und meinen Weg in die Selbständigkeit zu beginnen. Ich ging meinen Weg mit Herz.

 

Die Welt des Geschäfts
1998-2001, TV 9-16
Darmstadt

Ich hatte noch mein Zimmer in Frankfurt, das ich in der Zwischenzeit untervermietet hatte, und schon einen neuen Telefonanschluss beantragt, als mir ein begeisterter Tattva-Leser den Vorschlag machte, in Darmstadt ein Büro in seinem Haus zu beziehen. Er hatte ein Bürogebäude, das Büro stand leer, und er wollte es mir kostenlos zur Verfügung stellen. So begann die Zeit in Darmstadt. Wir gründeten zusammen eine GmbH, die Syntropia Kulturwerk GmbH. Henry kam aus begütertem Elternhaus und finanzierte über die folgenden drei Jahre hinweg nicht nur die Tattva Viveka und die GmbH, sondern auch den Aufbau des Syntropia-Buchladens, des Magic Carpet-Buchversands und des Syntropia-Versands für bioenergetische Produkte.

 

Zeitungsmeldung zur Eröffnung des Syntropia-Buchladens in Darmstadt 1999

 

Mithilfe dieser Investitionen konnten die Versandabteilungen wie auch die Tattva Viveka wachsen. Der Buchladen vor Ort hatte die seltensten Bücher im Angebot, war aber leider nicht sehr erfolgreich, wir stellten ihn nach zwei Jahren wieder ein. Wir konnten in dem Gebäude auch einen Veranstaltungsraum nutzen und machten dort regelmäßige Vorträge. Dies war eine Zeit des intensiven geschäftlichen Wachstums und vielfältigster Projekte. Die GmbH erforderte professionelles unternehmerisches Handeln, ich war Geschäftsführer, stellte mehrere Mitarbeiter ein, wir hatten mehrere Geschäftszweige. Ich war auf dem Marktplatz angekommen, in der Welt der Wirtschaft.

 

Schaffenskrise und Neubeginn
2001-2002, TV 16
Bensheim

Tattva Viveka 16

Tattva Viveka Nr. 16

Nach drei Jahren war es dann soweit, dass sich die Umstände das nächste Mal änderten. Verschiedene äußere und innere Faktoren kamen zusammen, die dazu führten, dass ich mich von Henry trennte und wir die GmbH wieder auflösten. Außerdem zog ich von Darmstadt nach Bensheim um. Das war im Jahr 2001.
Die Zeit mit der GmbH führte mich in eine große Schaffenskrise, man nennt das heute Burn-out. 2001 war auch das »verflixte siebte Jahr« und ich hatte eine Schilddrüsenüberfunktion in Form eines heißen Knotens entwickelt – zu viel am Hals. Die Motivation für die Tattva Viveka war ziemlich auf dem Nullpunkt. Ich hatte es aber, durch die göttliche Fügung, noch geschafft, ein wunderschönes kleines Büro in Bensheim zu mieten, in dem vorher ein Antiquariat untergebracht war. Dies führte dazu, dass ich sämtliche Regale übernehmen konnte, aus Vollholz, ökologisch behandelt. Ideal für den Buchversand und die Tattva Viveka-Bibliothek.
Ich hatte in dieser Zeit beschlossen, meine erste Reise nach Indien zu machen, und wenige Tage vor der Abfahrt, im Februar 2001, den Mietvertrag für das neue Büro in Bensheim unterschrieben. In den Monaten zuvor hatte ich visioniert, was ich mir so als Büro vorstellen könnte, und dachte dabei immer an eine Art Anbau, alte Werkstatt, Lager, alte Tankstelle oder Ähnliches. Ich hatte nicht viel Geld und stellte mir eine einfache, aber urige Räumlichkeit vor. Genau so etwas fand ich. Und es war praktisch ohne Aufwand. Ich kannte das Antiquariat und hatte mir gedacht, genau so was fände ich gut. Es ist wie eine Art Fachwerk-Anbau mit einem Hof hinter dem Haupthaus, direkt neben der Post und in unmittelbare Nähe des Bahnhofs gelegen. Eines Tages hatte ich die Eingebung, mal vorbeizuschauen und zu fragen, ob er zufällig vorhabe, auszuziehen. Er antwortete: »Ja, ich habe gerade etwas Neues in Aussicht und werde in 2-3 Monaten hier ausziehen.« Das war‘s. So kam ich zu meinem neuen Büro.
Ich war dann im Februar/März 2001 für insgesamt einen Monat in Indien, kam dann zurück und machte in Darmstadt noch die Ausgabe Nummer 16 fertig, die schon die neue Adresse enthielt. Während die Ausgabe im Druck war, zog ich mit dem Büro um, und als sie erschienen war, ging der laufende Betrieb bereits von Bensheim aus. Es gab noch viele weitere Fügungen, zum Beispiel, dass ich in dem neuen Büro eine neue Elektrik brauchte, und mich ein Teilnehmer unserer Vorträge besuchte, ein Rentner, der mich fragte, ob er mir irgendwie helfen könnte. Ich dachte nicht im Traum daran, was er für mich tun könnte, und sagte einfach mal, dass ich ein paar neue elektrische Leitungen und Steckdosen bräuchte. Da sagte er: »Ich bin Elektriker.« Er baute dann ehrenamtlich das ganze Büro mit einer neuen Elektrik aus.
Immer wieder habe ich in dieser Form Hilfe für die Tattva Viveka bekommen. Ich bin dafür unendlich dankbar und es berührt mein Herz, weil ich daran sehen kann, dass sich eine idealistische Bemühung auszahlt und viele Menschen inspiriert sind zu helfen. Die Tattva Viveka ist ein idealistisches Unternehmen. Vom wirtschaftlichen Standpunkt her gesehen ist es verwegen, diese Zeitschrift zu machen. Und es ist immer wieder ein Wunder, dass sie weiter existiert. Immer wieder gibt es Hilfe von Menschen und von der göttlichen Fügung. Anscheinend ist die Tattva von höherer Stelle gewollt. Immer wieder sehe ich mit Erstaunen, wie sich unter meinen Händen eine neue Ausgabe manifestiert, ohne dass ich wirklich weiß, wie mir geschieht. Ich halte mich selbst nicht für fähig, dieses Magazin zu machen, und jedes Mal, wenn ich an einer neuen Ausgabe arbeite, kann ich mir nicht vorstellen, wie ich das hinkriegen soll. Aber ich tue meine Arbeit und gebe mein Bestes, und den Rest macht Gott.
Nach dem Umzug, der mich an die Grenzen meiner Leistungsfähigkeit gebracht hatte, war es dann soweit. Es wollte einfach keine Tattva mehr erscheinen. Es sollte ein Jahr und drei Monate dauern, bis die nächste Ausgabe erschien. Meine 1046 Abonnentinnen und Abonnenten blieben mir treu. Es gab fast keine Kündigungen, und als ich nach über einem Jahr die nächste Ausgabe, Heft 17, verschickte, war zumindest von dieser Seite her noch alles beim Alten. Intern hatte sich jedoch alles geändert.
Ich war durch einen tiefen Wandlungsprozess gegangen, indem ich meine Arbeit und meine innere Einstellung zur Tattva Viveka von Grund auf revidiert hatte. Ich hatte einige Familienaufstellungen gemacht und unter anderem war dabei auch eine Organisations-Aufstellung, in der wir die Tattva aufstellten. Es gab Vertreter für Tattva Viveka, mich, die Zeit, die Vision und den Faktor X. Das hatte die Leiterin so bestimmt. Kurzum, es kam dabei heraus, dass die Vision zu groß ist. Die Vision störte das ganze System. Interessanterweise hatte ich für diesen Platz einen sehr großen Mann ausgewählt, der als junger Erwachsener Pfarrer hatte werden wollen, dann aber am Zölibat gescheitert war und geheiratet hatte. Wir tauschten dann den Vertreter für die Vision aus, interessanterweise war dies seine Frau, eine ganz zierliche emotionale Person. Danach waren alle zufrieden und das System stimmte.
Die Vision war also verkehrt und es dauerte einige Monate, bis mir der Groschen fiel. Den entscheidenden Hinweis erhielt ich von einem Freund, mit dem ich einen Spaziergang machte. Wir unterhielten uns über das Dilemma und die Krise mit der Tattva Viveka und er benutze den Begriff »die innere Dimension«. Damals stand unter anderem zur Debatte, die Tattva als Beihefter in einer anderen spirituellen Zeitschrift weiterzuführen, also eine kleine abgespeckte Version unter der Ägide einer anderen Redaktion. Mein Freund sprach dann schon von Apogryphen. Das wären die Artikel gewesen, die von der anderen Redaktion abgelehnt worden wären, vergleichbar der Evangelien, die nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen worden waren. In dieser Weise visionierten wir vor uns hin, sorgten uns um die geistige Freiheit der Tattva und so manifestierte sich das Bild der »inneren Dimension«. Von da ab war mir klar, was im Laufe der Jahre verloren gegangen war und was an der Vision falsch war. Ich hatte die Tattva damals gegründet, um dieses innere Wissen, die Weisheit und die Wahrheit herauszubringen. Es ging mir um das innere Feuer, um die Begeisterung für das Wissen und die Erleuchtung. Im Laufe der Jahre und vor allen Dingen seit der GmbH-Gründung hatte das ganze Unternehmen einen derart ökonomisch-materialistischen Charakter angenommen, dass diese innere Dimension mehr und mehr verloren gegangen war. Es ging nur noch um Druckrechnungen, Anzeigenkunden, Bezahlung der Mitarbeiter, Geld. Die Auflage hatten wir in der Zeit der GmbH auf 10.000 Exemplare gesteigert. Das sah gut aus und wirkte sehr erfolgreich – die »große« Vision. Es erhöhte allerdings auch den Druck von der ökonomischen Seite, wenn eine Auflage runde 16.000 DM kostete.
Ich spürte und erkannte, dass ich diese ökonomische Stresslinie nicht mehr verfolgen wollte. Ich wollte wieder zurück zur inneren Dimension, zu dem Ursprung, mit dem ich die Tattva angefangen hatte. Ich verkleinerte die Vision auf der ökonomischen Seite, indem ich die Auflage radikal halbierte. Ich hatte mir das durchgerechnet und erkannt, dass ich mit der halben Auflage genauso viel oder sogar mehr Geld verdienen würde wie mit der großen, einfach weil die Ausgaben niedriger sind. Das führte sofort zu einer Reduktion des finanziellen Stress und mit der Rückbesinnung auf die innere Dimension kam auch wieder die Freude am Werk. Von der Quantität ging es wieder über zur Qualität.
Ich hatte in den ersten sieben Jahren meine Erfahrung mit dem Geschäftsleben gemacht, damit, was es heißt, eine Firma zu leiten. Es wurde mir klar, dass ich den Weg des Geschäftsmannes nicht zu meinem Weg machen wollte. Ich lernte viel über mich, darüber, was ich wirklich will und wie wichtig es ist, dem eigenen Weg zu folgen. Mein Weg mit Herz hatte eine neue Tiefe gewonnen.

 

Zurück zur Essenz
2002-2006, TV 17-27
Bensheim

Tattva Viveka 17

Tattva Viveka Nr. 17

Der nächste Abschnitt der Tattva Viveka-Entwicklung wird von den Ausgaben 17-27 umrissen. Im Juli 2002 erschien Heft Nummer 17. Ich hatte im Herbst 2001 noch einen Buchkatalog für den Syntropia-Buchversand produziert, was für mich im Vergleich zur Produktion einer Tattva eine leichte Übung war. Im Frühjahr 2002 hatte ich noch einen neuen Katalog für den Syntropia-Versand für bioenergetische Produkte produziert – eine noch leichtere Übung – und den Versand dann verkauft. Im Mai 2003 verkaufte ich auch den Syntropia-Buchversand. Den Syntropia-Buchversand gibt es heute noch. Er wird von guten Freunden in Darmstadt weitergeführt.
Nach dem Rückbau der Firma und der Abstoßung der Versandabteilungen war dies eine Zeit der Konsolidierung und Erholung. Ich glaube, es dauerte circa zwei Jahre, bis die Tattva und ich uns von diesen ganzen Turbulenzen und von dem Burn-out erholt hatten. Anfang 2002 war ich noch im Krankenhaus wegen der Schilddrüsenüberfunktion, die dort mit einer Radiojodtherapie endlich zum Stillstand gebracht wurde, nachdem ich es etwa ein Jahr lang mit Naturheilverfahren versucht hatte.
Das neue Büro in Bensheim hatte eine wunderbare, gemütliche Atmosphäre, und ich konnte mit dem Fahrrad von meiner Wohnung durch die Natur zur Arbeit radeln. Das Städtchen Bensheim ist klein und idyllisch, und liegt in meiner Heimat, dem südhessischen Ried und der Bergstraße. Ich sollte 10 Jahre in diesem Büro bleiben. In dieser Zeit konzentrierte ich mich wieder voll auf die Tattva und schaffte es u.a., zu einer regelmäßigen, zunächst dreimal jährlichen Erscheinungsweise zu kommen. Vorher war die Erscheinungsweise eher unregelmäßig, das heißt es erschienen ungefähr drei Hefte pro Jahr. Genau genommen waren es aber eher zweieinhalb. Diese Regelmäßigkeit mit festen Druck- und Erscheinungstermin war für mich eine Disziplin, die ich früher nicht einzuhalten vermochte – wohl aufgrund meines rebellischen Charakters. Ich merkte jedoch, dass es eher ein Zeichen von Gesundheit ist, wenn man zu dieser Regelmäßigkeit fähig ist.
In dieser Zeit machte ich das Layout und die Anzeigenakquise selbst. Ich hatte nach und nach alle Mitarbeiter entlassen und einige Jahre ganz alleine gearbeitet und alles selbst gemacht.
Ich konnte mich wieder auf meine Kernkompetenz und mein Herzensinteresse konzentrieren: die Redaktion der Zeitschrift, Forschung und spirituelle Praxis. Die Firma war nun wieder eine einfache Personenfirma und überhaupt waren die Buchhaltung und das Geschäftliche sehr vereinfacht. Ich lernte, meinen persönlichen Weg klarer und konsequenter einzuhalten.
Dieser Zeitraum umschreibt auch den Beginn der komplett selbständigen und unabhängigen Wirtschaftlichkeit der Zeitschrift.

 

Wachstum durch Kooperation
2006-2010, TV 28-45
Bensheim

Tattva Viveka 28

Tattva Viveka Nr. 28

Im Jahre 2006 war es dann soweit, den nächsten Schritt nach vorne zu tun. Ich arbeitete mittlerweile seit 10 Jahren mit der gleichen Druckerei, Divyanand GmbH. Es sind auch sehr spirituelle Leute und wir trafen die Vereinbarung zu einer weit reichenden Kooperation, die bis heute läuft. Die Vereinbarung besagt, dass die Druckerei die Tattva auf eigene Rechnung druckt, den gesamten Vertrieb abwickelt, insbesondere die Aboverwaltung und das Inkasso, und das Layout bezahlt. Dafür bekommen sie sämtliche Vertriebseinnahmen. Sämtliche Einnahmen durch den Anzeigenverkauf bekomme ich. Davon werden mein Gehalt und die Bürokosten, sowie Honorare und Investitionen finanziert. Gleichzeitig wurde die Erscheinungsweise von dreimal auf viermal jährlich erhöht. Das Layout übernahmen meine Darmstädter Freunde, die den Syntropia-Buchversand weiterführten – auch hier bestand bereits eine langjährige fruchtbare Kooperation.
Ich produzierte also pro Jahr eine Ausgabe mehr, musste aber dafür das Layout nicht mehr selbst machen, was viel Zeit sparte. Ich hatte ja schon gezeigt, dass ich zu einer regelmäßigen und zuverlässigen Erscheinungsweise in der Lage war und tat demzufolge den Schritt, die Erscheinungsfrequenz zu erhöhen, natürlich mit der Absicht, die Zuverlässigkeit beizubehalten. Ich kann sagen, dass dies auf der ganzen Linie gelungen ist.
Die enge Kooperation mit der Druckerei Divyanand war immer von einem warmen, spirituell-idealistischen Gefühl getragen, und ich bin dem Team überaus dankbar für ihre jahrelange selbstlose und warmherzige Unterstützung. Man kann mit Sicherheit sagen, dass diese Kooperation für sie kein finanzieller Gewinn ist. Es war und ist vielmehr eine idealistische Unterstützung einer guten Sache, die mir eine unglaubliche Erleichterung bringt und mir in den ökonomischen Dingen zum Teil den Rücken frei hält und vor allen Dingen zu einer großen Übersichtlichkeit führt. Für mich war es auch insofern wichtig, als durch diese Kooperation auf jeden Fall das Erscheinen der Tattva Viveka gesichert war, weil die Vertriebs- und Aboeinnahmen die sicheren Einnahmen sind. Das Problem meines eigenen Lebensunterhaltes ist dann ein anderes, das natürlich mit dem Erfolg des Anzeigengeschäfts steht und fällt. Dies war im Laufe der Jahre dann immer mal ein Anlass der Sorge. Mittlerweile kann ich das aber mehr und mehr an Gott abgeben, und bin da in einem wachsenden Vertrauen. Wunder über Wunder – es funktioniert immer wieder. Und ich kann sagen, dass die Tattva Viveka in der Tat eine der wenigen Zeitschriften unserer Sparte ist, die auf dem Anzeigenmarkt erfolgreich ist. Man muss es eben nur tun.
Seit Heft 28 (Mai 2006) erscheint die Tattva also quartalsweise – und komplett vierfarbig – und in der neuen Kooperation. Sie hat sich seit dieser Zeit in allen Bereichen immer weiter professionalisiert, in der Redaktion, in der Gestaltung, in der Akquise. Ich merke immer wieder, dass sich Außenstehende, die nicht aus der Branche sind, nicht so richtig vorstellen können, was für eine komplexe Arbeit eine solche Zeitschrift ist, in der so viele verschiedene Bereiche zusammen fließen, von der Buchhaltung über die Technik zum Marketing und Vertrieb bis hin zu den philosophischen Inhalten. Ich schreibe dies unter anderem deshalb, weil ich gerade vorgestern mit einer Frau aus der Medienbranche zusammen saß, und die mal wieder völlig erstaunt war, als sie hörte, dass ich das alleine mache. Es gibt auch meines Wissens in ganz Deutschland keine andere professionelle spirituelle Zeitschrift am Markt, die von einer einzigen Person gemacht wird und sich finanziell trägt. Normalerweise sind das Teams von mehreren Leuten, oder die Zeitschrift erscheint noch seltener als die Tattva.

 

Das spirituelle Zentrum Europas
seit 2011, TV 46-50
Berlin

Tattva Viveka 46

Tattva Viveka Nr. 46

Zehn Jahre stand die Bensheimer Adresse im Impressum der Tattva Viveka. Im Februar 2011 bin ich mit der Tattva offiziell nach Berlin umgezogen. Ich war zwar schon in der zweiten Hälfte 2010 zum Probewohnen in Berlin, aber da zunächst noch keine Entscheidung für einen definitiven Umzug getroffen war, machte ich die Nummer 45 zwar in Berlin, aber mit der Bensheimer Adresse. Seit Heft 46 vom Februar 2011 (im Inhaltsverzeichnis der Ausgabe steht ein falsches Datum! Ein Fehler des Korrektorrats) erscheint die Tattva nunmehr in Berlin-Schöneberg in der Akazienstraße 28. Ich habe über diesen Beginn in Berlin in Ausgabe 46 berichtet. Seitdem die Tattva und ich nun in Berlin sind – beim Erscheinen der vorliegenden Ausgabe seit genau einem Jahr –, hat sich unendlich viel getan. Dies würde jetzt den Umfang sprengen und wird einem späteren Bericht aus der Redaktion vorbehalten bleiben.
Auf jeden Fall kann ich sagen, dass der Umzug nach Berlin ein riesiger Schritt nach vorne war. Es ist unglaublich, was für eine Fülle an spirituellen und kreativen Menschen und Projekten in dieser Stadt zusammenkommen. Dies bereichert die Arbeit mit der Tattva Viveka auf allen Ebenen. Es war auch für mich persönlich ein Schritt ins Leben, denn ich komme hier viel besser zu dem, was ich brauche und was ich will. Es entspricht meinem Wesen, meinen intellektuellen Bedürfnissen und gibt mir Raum für weitere Entwicklung.
Mir scheint, die Zeiten für spirituelle Zeitschriften sind gut. Immer mehr Menschen interessieren sich für diese Themen, und diese Themen werden für die modernen Zeiten immer dringlicher. Was 1994 begann und wie durch ein Wunder auch heute, 2012, noch existiert, war damals ziemlich avantgardistisch, und kann heute mit einem reichen Erfahrungsschatz und einem großen Fundus an Artikeln zu den verschiedenen Themenbereichen aus Wissenschaft und Spiritualität aufwarten. Die rund 500 Fachartikel mit Tiefgang und mit zeitlosen Inhalten, die stets der Seriosität und der Wissenschaftlichkeit verpflichtet waren, sind auch heute noch aktuell. Das ist das Schöne an Wissenschaft und Spiritualität, die Inhalte sind zwar etwas komplizierter, dafür halten sie aber länger.
Wir sind jetzt dabei, diese Artikel nach und nach zum Download auf unserer nagelneuen Homepage zur Verfügung zu stellen. Wir bitten unsere Leserinnen und Leser dafür um Verständnis, dass wir diese wertvollen Artikel nicht umsonst anbieten können. Es wird ein Obolus für den Download erforderlich sein, um die Kosten für die Arbeit und die Honorare für die Autoren zu gewährleisten.
Was hier entsteht, ist eine Datenbank des ewigen Wissens, der philosophia perennis, ein Beitrag zum Erhalt des kulturellen Erbes der Menschheit. Der Ansatz der Tattva Viveka ist die Bereitstellung unbekannten Wissens. So gut wie alle unsere Aufsätze und Artikel sind Erstveröffentlichungen. Vieles von dem Wissen wird sonst nirgends gedruckt. Es ist die Aufgabe eines Verlags und einer Zeitschrift, neue Informationen zu bringen und nicht nur Altbekanntes nachzudrucken. Gleichwohl gibt es vieles, was vielleicht schon mal gesagt wurde, aber so wichtig ist, das es nicht vergessen werden darf. Auch diesem Wissen fühle ich mich verpflichtet. Der durchgängige rote Faden ist die Essenz, die Qualität. Es kommt mir weniger darauf an, was es für ein Thema ist, als vielmehr darauf, wie es dargestellt wird. Es gibt viele unterschiedliche Kulturen und Wissenschaftsdisziplinen. Jede hat eine andere Perspektive auf die Wahrheit, aber alle haben ihren unverwechselbaren Beitrag zu leisten. Keiner von ihnen sollte gering geschätzt werden. Alle sind wertvoll und bilden eine unverzichtbare Stimme im Orchester der menschlichen Kultur.
Die in der Tattva präsentierten Inhalten decken einerseits ein breites Spektrum ab und es wirkt vielleicht manchmal so, als seien die Themen zu unterschiedlich. Es gibt jedoch diese große übergeordnete Klammer: die Integration von Wissenschaft und Spiritualität. Das ist das Leitmotiv der Tattva Viveka. Diese beiden Bereiche und ihre Verbindung umreißen unser Themenspektrum. Es geht immer wieder um Verbindung, Beziehungen zwischen den Gebieten und um das ganzheitliche Wissen. Tattva Viveka arbeitet integrativ anstatt exklusivistisch, wir bilden neue Synthesen, neue Verknüpfungen. Dies ist der intuitiven Überzeugung zu verdanken, dass im Innersten alles mit allem zusammenhängt und einen Sinn ergibt. Auch die scheinbar widersprüchlichen Positionen können in Beziehung gesetzt werden. Und manchmal gibt es eben auch Unversöhnliches, das darf auch sein. Es gibt alles. Die Wirklichkeit ist multidimensional. Sie ist ein Gewebe aus Punkten, Linien, Feldern, Räumen, Kräften und Ideen.
Tattva heißt Wahrheit und Viveka heißt Unterscheidung. Also: Die Unterscheidung von Wahrheit und Illusion. Wahrheit heilt und macht Sinn. In diesem Sinne ist die Tattva Viveka der Wahrheit verpflichtet, der Essenz, dem ewigen Wissen.
Wir selbst wissen beileibe nicht alles. Tattva Viveka ist ein kleiner Beitrag, es ist eine Arbeit im Prozess, wir haben die Wahrheit nicht, wir suchen sie und finden richtungsgebende Impulse. Und es ist eine Wahrheit, dass niemand alles wissen kann. Es ist wahr, dass wir Menschen unvollkommene Wesen sind. Das wissen wir. Der Rest liegt noch vor uns. Anlass genug für weitere Tattva Vivekas.

Hier geht’s zum Bericht vom Jubiläum mit Videos von den Vorträgen!

 

Den kompletten Artikel finden Sie in der Tattva Viveka 50

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