Die kleine Welt der modernen Wissenschaft

Die kleine Welt der modernen Wissenschaft

Die kleine Welt der modernen Wissenschaft


Ein Blick aus der transzendentalen Perspektive

Autor: A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada
Kategorie: Theologie
Ausgabe Nr: 53

 

Gemäß dem Autor betrachtet die Wissenschaft nur ein kleines Fenster der Wirklichkeit und beginnt mit ihrer Untersuchung in der Mitte. Für eine ganzheitliche Schau kommt man um die Kategorie Gottes nicht herum.

 

Prabhupāda: Die gesamte Welt der Naturwissenschaft und Technik baut auf der falschen Vorstellung auf, Leben sei aus Materie entstanden. Wir können es nicht zulassen, dass diese unsinnige Theorie nicht in Frage gestellt wird. Leben entsteht nicht aus Materie; vielmehr wird Materie aus Leben erzeugt. Dies ist keine Theorie, es ist eine Tatsache. Da die Wissenschaftler von falschen Annahmen ausgehen, sind all ihre Berechnungen und Schlussfolgerungen falsch, und die Menschheit muss darunter leiden. Die Menschen werden erst dann glücklich sein, wenn alle diese falschen Theorien der heutigen Wissenschaft aufgedeckt und korrigiert sind. Wir müssen die Wissenschaftler herausfordern und sie widerlegen – sonst werden sie die ganze Gesellschaft in die Irre führen.
Jeder materielle Körper durchläuft sechs Phasen; Geburt, Wachstum, Erhaltung, Erzeugung von Nebenprodukten, Verfall und Tod. Das Leben im materiellen Körper jedoch, die spirituelle Seele, ist ewig. Die spirituelle Seele ist keinen solchen Wandlungen unterworfen. Es scheint nur so, als entstehe und vergehe das Leben; in Wirklichkeit jedoch ist es unberührt von diesen sechs Phasen, die der materielle Körper durchläuft. Am Ende, wenn der Körper nicht mehr am Leben erhalten werden kann, stirbt er, und die Seele geht in einen neuen Körper ein. Genauso wie wir alte und abgetragene Kleider ablegen, werden wir eines Tages unseren alt und nutzlos gewordenen Körper aufgeben und in einen neuen Körper eingehen.

Śrī Kṛṣṇa sagt in der Bhagavad-gītā (2.13): dehino ’smin yathā dehe kaumāraṁ yauvanaṁ iarā tathā dehāntara-prāptiḥ. »Ebenso wie die verkörperte Seele im gegenwärtigen Leben verschiedene Körperformen durchläuft – von der Kindheit zur Jugend und dann zum Alter –, wechselt die Seele nach dem Tode in einen anderen Körper über.« Und einige Verse weiter heißt es (2.18): antavanta ime dehā nityasyoktāḥ śarīrinaḥ. »Nur der materielle Körper des unzerstörbaren, ewigen Lebewesens ist der Vernichtung ausgesetzt.« Der materielle Körper ist vergänglich, aber das Leben im Körper ist nitya, ewig.

 

Die kleine Welt der modernen Wissenschaft

 

Nach Aussage der Veden ist die Seele im Körper atomisch klein, so klein wie der zehntausendste Teil einer Haarspitze. Aber nur aufgrund dieses spirituellen Energieteilchens funktioniert unser Körper. Das winzige spirituelle Energieteilchen befindet sich im Körper genau wie ein Pilot im Flugzeug. Nur deshalb bewegt sich der Körper und fliegt das Flugzeug. Ist das so schwierig zu verstehen?
Ein Mensch mag sich für kerngesund halten, aber warum ist er so gesund und kräftig? Doch nur, weil der spirituelle Funke im Körper gegenwärtig ist. Sobald dieser spirituelle Funke den Körper verlässt, verschwinden Stärke und Lebenskraft, und die Geier kommen, um den Körper aufzufressen. Da die Wissenschaftler behaupten, Materie sei die Ursache und der Ursprung des Lebens, fordern wir sie auf, zumindest einen toten Menschen durch Einspritzen der nötigen Chemikalien wieder zum Leben zu erwecken. Aber dazu sind sie nicht fähig.

Dr. Singh: Weil die Wissenschaftler die spirituelle Seele nicht sehen können, sagen sie, es sei zweifelhaft, ob es so etwas wie eine Seele überhaupt gebe.

Prabhupāda: Wie können sie erwarten, dass die Seele sichtbar ist? Sie ist viel zu klein, als dass wir sie mit unseren Augen sehen könnten. Wer hat ein so gutes Sehvermögen?

Dr. Singh: Trotzdem wollen sie die Seele irgendwie wahrnehmen.

Prabhupāda: Wenn man jemandem eine winzige Menge eines tödlichen Gifts einspritzt, stirbt er auf der Stelle. Niemand sieht, wo das Gift ist oder wie es den Körper angreift, aber dennoch wirkt es. In der Bhagavad-gītā (2.17) heißt es, dass aufgrund der Gegenwart dieses einen winzigen Teilchens, genannt Seele, der gesamte Körper funktioniert. Wenn ich mich steche, fühle ich es sogleich, weil mein Bewusstsein den ganzen Körper durchdringt. Doch sobald die Seele diesen Körper verlässt, was im Moment des Todes der Fall ist, kann man denselben Körper in Stücke hacken, und niemand wird dagegen protestieren. Ist es so schwierig, diese einfache Tatsache zu verstehen? Ist das nicht ein genügender Beweis für die Gegenwart der Seele?

Dr. Singh: Das ist die Seele, aber wie steht es mit Gott?

Prabhupāda: Erst einmal wollen wir die Seele verstehen! Die Seele ist ein kleiner Gott, ein Teil Gottes. Wenn man den Teil versteht, kann man auch das Ganze verstehen. Das hier ist Materie. (Deutet mit seinem Stock auf einen abgestorbenen Baum.) Früher wuchsen auf diesem Baum Blätter und Zweige, aber jetzt nicht mehr. Wie würden die Wissenschaftler das erklären?

Karandhara Dāsa: Ihre Antwort wäre, dass sich die chemische Zusammensetzung des Baumes verändert hat.

Prabhupāda: Um diese Theorie zu beweisen, müssten sie mit all ihrem fortschrittlichen Wissen doch in der Lage sein, dem Baum die richtigen Chemikalien einzuspritzen, sodass er wieder Zweige und Blätter hervorbringen kann.

Brahmānanda Swami: Wissenschaft bedeutet, dass man in der Lage sein muss, seine Theorie zu beweisen. Sie sollten uns in ihren Laboratorien zeigen, wie aus einer Verbindung von chemischen Stoffen Leben entsteht.

Prabhupāda: Ja. Der wissenschaftliche Vorgang besteht aus Beobachtung, Hypothese und Beweis – dann erst ist er vollständig. Aber es gibt kein Experiment, durch das die Wissenschaftler beweisen könnten, dass Leben aus Materie entsteht. Sie stellen einfach eine Beobachtung an und geben dann irgendeinen Unsinn von sich.
Sie behaupten, chemische Stoffe seien die Ursache des Lebens. Aber alle chemischen Stoffe, die da waren, als der Baum noch lebte, sind immer noch vorhanden. Es befindet sich auch noch Leben im Baum, denn er dient Millionen von Mikroben als Lebensgrundlage. Niemand kann also behaupten, dem Körper des Baumes fehle es an Energie zum Leben.

 

Die kleine Welt der modernen Wissenschaft

 

Dr. Singh: Was aber ist mit der Lebensenergie des Baumes selbst geschehen?

Prabhupāda: Das ist der springende Punkt. Die Lebenskraft gehört zu einem bestimmten Lebewesen, und das Lebewesen, das sich in diesem Baum befand, hat ihn nun verlassen. Das ist die einzig vernünftige Erklärung, denn alle die chemischen Verbindungen, die notwendig sind, um Leben zu ermöglichen, sind immer noch vorhanden, aber trotzdem ist der Baum tot.

Ein anderes Beispiel: Wenn ich eine Wohnung verlasse, in der ich eine gewisse Zeit gelebt habe, bin zwar ich fort, aber viele andere Lebewesen bleiben zurück, so zum Beispiel Ameisen und Spinnen. Es stimmt also nicht, dass die Wohnung kein Leben mehr beherbergen kann, nur weil ich ausgezogen bin. Es gibt so viele Lebewesen, die weiterhin dort leben; nur ich, ein einzelnes Lebewesen, bin gegangen. Die chemischen Stoffe im Baum können mit der Wohnung verglichen werden – sie bilden einfach das Medium für die Aktivitäten der individuellen Lebenskraft, der Seele. Die Wissenschaftler werden also nie imstande sein, in ihren Chemielabors Leben zu erzeugen.

Die sogenannten Wissenschaftler behaupten, dass Leben aus chemischen Verbindungen entstehe. Die eigentliche Frage jedoch lautet: »Woher kommen die chemischen Verbindungen?« Sie entstehen aus Leben, und dies bedeutet, dass Leben mystische Kräfte aufweist. Ein Orangenbaum zum Beispiel bringt viele Orangen hervor, und jede Orange enthält verschiedenste chemische Verbindungen, wie zum Beispiel Zitronensäure. Woher kommen diese Stoffe? Doch offensichtlich vom Leben, das sich im Baum befindet. Die Frage nach dem Ursprung der chemischen Stoffe stellen sich die Wissenschaftler nie. Ihre Forschungen beginnen bei den chemischen Stoffen, aber sie können nicht sagen, woher diese kommen. Sie kommen vom höchsten Leben – Gott. Wir sehen, dass jeder lebende Körper viele chemische Verbindungen erzeugt, und so können wir verstehen, dass das Höchste Leben, der Höchste Herr, alle chemischen Stoffe erzeugt, die wir in der Atmosphäre, im Wasser, in den Menschen, in den Tieren, in der Erde usw. wiederfinden. Deshalb sprechen wir von mystischer Kraft. Solange wir nicht akzeptieren, dass der Höchste Herr über solche mystischen Kräfte verfügt, lässt sich die Frage nach dem Ursprung des Lebens nicht beantworten.

Dr. Singh: Die Wissenschaftler werden sagen, dass sie nicht an mystische Kräfte glauben können.

Prabhupāda: Aber dann müssen sie erklären, was der Ursprung der chemischen Stoffe ist. Jeder kann sehen, dass ein gewöhnlicher Baum viele chemische Verbindungen erzeugt. Das lässt sich nicht abstreiten. Aber wie tut er das? Da die Wissenschaftler darauf keine Antwort haben, müssen sie akzeptieren, dass die Lebensenergie mystische Kraft besitzt. Wir können ja nicht einmal erklären, wie ein Fingernagel wächst; schon das übersteigt unser Denkvermögen. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 53

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 04: Sacinandana Swami
Bhaktivedanta Swami Prabhupada. Zum 100. Geburtstag

TV 08: Dr. Richard Thompson – Exakte Wissenschaft im Srimad Bhagavatam

TV 22: Ronald Engert – Kann die Seele sterben?
Aus den Lehren der Bhagavad-gita

TV 25: Satprem – Der Veda und die Bestimmung des Menschen

TV 25: Ronald Engert – Vedische Erkenntnistheorie

TV 27: Mutter Amma – Die ewige Bestimmung des Menschen

TV 28: Brigitte Harnoss – Wer ist Gott?
Einheit und Vielfalt in der Transzendenz

TV 32: Sadhu Maharaj – Die Kunst ein Bettler zu sein.
Ein König entdeckt die Liebe

TV 34: Balendu Swami – Mein Gott ist die Liebe

TV 39: Gabriele Schindler – Das Geheimnis vom Wiedererkennen des Selbst

TV 45: Hardy Fürch – Die Bhagavad-gita, das Gehirn und das Ich

 

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