Die Magie der Krankheit

Zur »Rettungsaktion der Seele« im Labyrinth des kollektiven Unbewussten – dargestellt und entfaltet anhand Christa Wolfs authentisch literarischen Erfahrungsberichts »Leibhaftig«, Teil 2

Autor: Dr. Alfred Messmann
Kategorie: Naturwissenschaft / Medizin
Ausgabe Nr.: 47

 

Ihre lebensbedrohliche Krankheit führt Christa Wolf an den Ort der Wahrheit. Die Krankheit wird zur Mahnung, den Weg der Körperverneinung zu verlassen und sich dem Körper UND der Seele zuzuwenden. Wolf wird wieder gesund. Nur wer aus dem Hades zurückkommt, kann darüber berichten. Der 1. Teil des Aufsatzes beschrieb die Situation der Krankheit. Der 2. Teil berichtet von Wolfs Erkenntnissen. Der moderne Minotaurus ist für sie die elektronische Maschine, gegen die wir unser Recht auf Leben behaupten müssen.

 

Schmerz & Seele

 

III. »Löset endlich auch einmal meine Seele ganz«

»Das Bösartige trägt jeder in sich, im körperlichen wie im übertragenen Sinn, wieso es leugnen. Es allerdings benennen – ja, das ist noch ein anderes Ding, davor drücken wir uns lieber.« (Wolf, 128)

 

Christa Wolfs Erfahrungsbericht ist ein Bericht in mehreren Dimensionen. Da ist zunächst die Geschichte der »Person «. Es ist die Geschichte der Christa Wolf, die ganz im Hoheitsbereich ihres »inneren Regisseurs« lebt, kopfgesteuert, den Körper negierend und die gelernt hat, alle Signale, die vom Körper gesendet werden, zu missachten und als bedeutungslos zu negieren. Davon unterschieden ist die Geschichte der Patientin, die Geschwächte, die Todgeweihte, die zeitgleich zu ihrer Erkrankung durch die Flut des Geschehens im Labyrinth des Unbewussten unter Wirkung gesetzt ist, die Leidende, die selbst Teil des unfassbaren Martyriums ist. Die demMinotaurus zum Fraß Vorgeworfene.
Und es ist die Geschichte der Seherin, die in die Geheimnisse des Schicksalsspiels der beteiligten Kräfte eingeweiht wird. Die Seherin, Zeugin, Bewusstseinsstifterin, die, die jetzt handeln muss, wenn die Seele noch gerettet werden soll. Die Lage ist brisant, hochgefährlich, »hundsgefährlich«, wie Christa Wolf notiert, weil genau jetzt, wo der Minotaurus erkannt wird, droht, dass er zurückschlägt. Die Seherin wird zur Heilerin, eine Besonderheit in der »HeldenInnenreise« von Christa Wolf.
Sie weiß: Die Ärzte gehen den medizinischen Weg. Und sie weiß: Das wird nicht reichen. Die kommen nicht wirklich zum Grund, zumGeist der bösartigen Erreger, zumInitiator ihres Tuns, zu dem, der ihr »nach dem Leben trachtet.« (Wolf, 80) Hier braucht es einen Zugang auf der Seelenebene selbst. Genau auf dieser Tiefenebene. Die Fäuste des Theseus, mit denen er den Minotaurus umbringt. Heilende, rettende Kräfte, die hier greifen, die die Gefahrenlage zum Guten wenden könnten.

 

Schmerz Christa Wolf

 

Sie weiß, was nur helfen kann: magische Kräfte!

Intuitiv wendet sich Christa Wolf, die Romantikerin, der Poesie zu, dem Mondgedicht, das sie Kora B., ihrer Begleiterin auf demWeg zum Hades, anvertrauen will, wissend, dass magische Kräfte vonnöten sind, wenn der Sog zum Tode gestoppt werden soll mit dem Ziel, ihre Seele noch rechtzeitig abzufangen auf dem Gang zum Hades. Eine heikle Mission.

 

»Löset endlich aus einmal/ Meine Seele ganz« – »Lösen, ablösen, auflösen, das Wort, in dem magische Kräfte sind, trägt mich hinüber und hinunter. In die Tiefe. In den Schacht. (…) Zum Ort der Auseinandersetzung, auf den Kampfplatz, ins Getümmel.« (Wolf, 94/95)

 

Dieses Magische stellt sicher, dass sie hier vor Ort ihre Kräfte sammeln kann, um einzugreifen, um den bösartigen Massen zerstörerischer Zellen Einhalt zu gebieten. »Meine Kräfte gehorchen« (ebd.) stellt sie fest; sie greifen an. Später erinnert sie sich daran, dass es Orpheus war, der Sänger, mit seiner berühmten Lyra, dem Instrument mit der magischen Wirkung, der in den Hades stieg, um Eurydike, seine Frau, von den Toten frei zu singen. »Diese Macht des Gesanges«, notiert ChristaWolf, wo selbst die Götter verzaubert sind und wo »alles Wilde innehält (…). Die Kunst als Mittel, die wilden Triebe des Menschen zu zähmen.« (Wolf, 171)

[…]

 

Bildnachweis: © „Triumph der Ariadne“ Hans Makart

 

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