Die wahren Abenteuer sind im Kopf

Die wahren Abenteuer sind im Kopf

Erfahrungen aus einem Vipassana-Retreat

Autor: Martin Novotny
Kategorie: Spiritualität allgemein
Ausgabe Nr: 71

Wer bin ich? Was ist meine wahre Natur? Diesen Fragen und der Suche nach sich selbst geht der Autor in einem Vipassana-Retreats nach. Der Geist will nicht im Moment verweilen, doch der Moment ist das einzige, was wirklich real ist. Ein lebendiger und aufrichtiger Erfahrungsbericht.

Der Rückzug

Auf meinen mehrjährigen Reisen schaffte ich es nicht in ein indisches Ashram. Ich sprach mit einigen, die bis zu einen Monat lang meditiert hatten. Allerdings traf ich sie immer zugekifft in heruntergekommen Absteigen. Es gelang mir nicht, ihnen ein einziges Geheimnis zu entlocken. Weil sie die Erlebnisse im Kopf nicht in Worte fassen konnten. Unergründlich für mich, ob es ihnen dazu an Intellekt fehlte oder die Drogen es ihnen verunmöglichten.

Ein Zufall, den Einfältige als Vorsehung bezeichnen würden, liess mich neulich über Vipassana stolpern, dessen Organisation in meiner Wahlheimat, der Schweiz, ein Zentrum betreibt. Auf der Webseite des Meditationszentrums wird versichert, dass es kein finanzielles Interesse gibt, es keine Religion ist und jeder seinen Glauben beibehalten darf. Auch der meinige, der eines überzeugten Atheisten, wird akzeptiert. Nie werde ich zu einem blind gehorsamen, nicht denkenden Religionsfuzzi oder Gurunachläufer mutieren. Was mich interessiert, ist tagelang zu schweigen, um das Hirn zu leeren. Die Möglichkeit zu haben, festgefahrene Strukturen zu erkennen und mich davon zu lösen. Zehn Tage sind machbar. Der Zeitpunkt ist ideal, da zurzeit keine beruflichen Verpflichtungen warten.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in euren Köpfen, und sind sie nicht in euren Köpfen, dann suchet sie.

Ankommen in der Stille

Um 18 Uhr gibt es eine spärliche Gemüsesuppe, es ist das letzte Abendmahl. Anschließend werden uns die Plätze in der schmucklosen Meditationshalle zugewiesen. Keine Buddha Statue, keine Fotos, nicht einmal Räucherstäbchen. Nur die aufgereihten Meditationskissen. Links sitzen die Männer, rechts, durch einen schmalen Gang getrennt die Frauen. Um Kontakte zu vermeiden, gibt es separate Eingänge. Wir müssen zuerst versprechen, die fünf Grundregeln strikt einzuhalten: Kein Lebewesen zu töten, nicht zu stehlen, sich jeglicher sexuellen Aktivitäten zu enthalten, nicht zu lügen und keine Rauschmittel zu sich zu nehmen.

Erfahrungen aus einem Vipassana-Retreat

Weder Sprache noch Körpersprache sollen ausgeübt werden, kein Blickkontakt, kein Bedanken, kein Lächeln.

Der linke Eingang des Meditationszentrums Dhamma Sumeru ist für Männer. Frank stellt sich als Manager des Kurses vor und gibt die Fragebogen zur Anmeldung aus. Mir wird im Zimmer 12 Bett B zugewiesen und der Schlüssel zum gleichnamigen Kästchen 12B gegeben, um dort, wie im Knast, bis spätestens 18 Uhr die Wertsachen, Mobiltelefone, Bücher, Schreibgeräte und -papier, Suchtmittel, religiöses Klimbim, nicht vom Arzt verschriebene Pillen etc. einzuschliessen. Nichts soll ablenken oder benebeln.

Welche unerwarteten Herausforderungen während des Vipassana-Retreats auf Martin Novotny zukommen, können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Der unruhige Geist

Ich bemerke die kleine frustrierende Tafel mit »Tag 1«. Daneben steht der Tagesplan. Der nächste Termin ist um 8 Uhr: eine Stunde Gruppenmediation in der Halle. Goenka erklärt nochmals, wie wir uns auf den Atem konzentrieren sollen und wie Gleichmut zu bewahren ist. Das alles kommt und geht, anicca in Pali der Gelehrtensprach des Buddhismus. Der Atem, die Gedanken, die Schmerzen, die zehn Tage, das eigene Leben, alles anicca. Bei mir kommen die Schmerzen, von gehen kann keine Rede sein. Nach der einen Stunde machen wir Pause und dürfen anschließend bis 11 Uhr entweder in der Halle oder im Zimmer meditieren. Ich wähle das Zimmer und strecke mich auf der Matratze aus. Im Liegen meditiert es sich anfänglich besser. Keine fünf Minuten vergehen und Mehmed beginnt hinter mir zu schnarchen. Das hält mich wach, die Konzentration auf den eigenen Atem wird aber erschwert bis ich für ein paar Minuten selber wegdämmere und das Spiel von vorne beginnt. Einatmen, Ausatmen, Gedanken beobachten, gleichmütig bleiben, wegdriften, einschlafen und erschrocken aufwachen, um auf die Uhr zu sehen. Wieder fünf Minuten um.

Die Phasen der Konzentration aber verlängern sich, es sind kleinste Fortschritte.

Eine ausführliche Beschreibung der Meditationserfahrungen finden Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Die Kunst zu Leben

Nach einer zehnminütigen Pause hören wir den ersten Kursvortrag. Jetzt erzählt Goenka mit Humor und Weisheit von den Mühen des ersten Tages. Er erklärt nochmals den Sinn der Technik und vergleicht sie mit anderen Konzentrationsübungen. Er fasst die Beobachtungen des Tages zusammen: Der Geist will nicht den Atem beobachten, sondern einen Gedanken nach dem anderen aus der Vergangenheit oder der Zukunft produzieren, aber niemals im Jetzt verweilen. Die Technik, die wir lernen, wird die Kunst zu Leben genannt. Das Leben kann in der Tat nur in der Gegenwart gelebt werden. Deshalb lernen wir, den gegenwärtigen Moment zu leben, indem man den Geist auf den gegenwärtigen Atem fixiert. Dabei kommen Aversionen und Begierden hoch. Wenn diese beobachtet und mit Gleichmut hingenommen werden, dann soll das der erste Schritt der geistigen Reinigung sein. Der über einstündige Vortrag endet mit Goenkas Wunsch: »Mögen alle Wesen glücklich sein.«

Welche Erkenntnisse wohl in den kommenden Tagen aufkommen werden? Das steht im vollständigen Beitrag. Denn können wir hier leider nicht kostenlos abdrucken. Aber für nur 2,00 € Unterstützungsbeitrag sind Sie dabei! 🙂

Die wahren Abenteuer sind im Kopf

Am nächsten Morgen ein letztes Mal meditieren, gemeinsam frühstücken, aufräumen und abfahren. Zu Hause angekommen erwarte ich meine Frau als erstes zu Gesicht zu bekommen, doch mein vierjähriger Sohn taucht auf. Ich bin erschrocken. Ihn habe ich gerade für einen kurzen Moment vergessen. Er kommt schüchtern auf mich zu, sucht Körperkontakt, wir umarmen uns und er flüstert mir ins Ohr, dass er vergessen hatte wie ich aussehe.

Ich werde von meiner Frau, meiner Tochter und der Mutter innig umarmt. Andri sitzt am Mittagstisch und wartet auf sein Essen. Ein Moment, bei dem er nicht gestört werden will. Er lauscht meiner Stimme und vergisst sein Essen. Er drückt auf seine einzigartige Art die Freude aus. Zieht sein »iiiiiihhhh« und lässt sich ungewöhnlich lange auf mich ein, bevor er wegen des Hungers unruhig wird.

Noch Tage nach dem Kurs habe ich das Gefühl, dass ich strahle, jeder mich anlächelt und es nichts gibt, was mich aus der Ruhe bringen könnte. Erst nach einer Woche war es vorbei damit. Mein Sohn hatte Kotz- mit anschließenden Epilepsieanfällen, kurz danach kam unangenehme Post und meine Frau stürzte im selben Moment ins Büro und offenbarte mir, dass sie das von mir aufwändig zubereitete Byriani verbrannt hatte, da sie den Herd nicht wie erbeten auf Stufe eins, sondern versehentlich auf die höchste Stufe neun gestellt und zu guter letzt den rauchenden Reis mit Wasser ertränkte hatte. Der Gleichmut ist gegangen, geblieben ist die Erfahrung ihn erlernen zu können.

Unser Autor Martin Novotny

Über den Autor

Martin Novotny, geb. 1969 in Wien, verheiratet, drei Kinder, promovierte auf dem Gebiet Kunststofftechnik. Er war Projektleiter, Entwicklungsleiter, Key Account Manager, Langzeitreisender, Bauleiter, Physiklehrer und Reisebuchautor (www.v-erfahren.ch). Zurzeit ist er in seiner Wahlheimat Schweiz Hausmann und betreut seinen behinderten Sohn.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr wie sich die Erfahrung von Gleichmut und innerer Ruhe auf das Selbst auswirkt!

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