Hildegard Wiegand: Armin

Hildegard Wiegand: Armin

Hildegard Wiegand: Armin

 

Hildegard Wiegand: Armin.
Ein Siegfriedsschicksal, Logaio-Verlag, Kempten 2012, geb., Handarbeit, 286 S., 45,00 €

Dieses Buch ist sowohl seiner Form als auch seines Inhalts nach außergewöhnlich. Der Form nach, als es ein handgebundenes, fadengeheftetes feines Buch ist, das zunächst nur in einer Auflage von 30 Exemplaren erschienen ist. Dem Inhalt nach, weil es eine uralte germanische Geschichte in einer mystischen Bildhaftigkeit beschreibt, die auf mich wirkt, als sei ich selbst in die Vergangenheit gereist, in ein Erinnern an meine eigenen Wurzeln in der germanischen Tradition.

Bis dato war ich ja immer noch skeptisch. Die nationalsozialistische Besetzung der germanischen Tradition, ihre parasitäre Inbeschlagnahme hatte mir die Beschäftigung mit der germanischen Mystik und Spiritualität immer verdorben. Und in der Tat gibt es auch nicht viel an gerettetem Wissen. Lieber tummeln wir uns in fernöstlichen Worten und Gedanken und fliehen unser Erbe. Selbst das Wort »Erbe« hat den Ruch des Finsteren, ja Bösen. Faschistoide Blut- und Bodenideologie drängt sich da instantan vor mein geistiges Auge und erfüllt mein Gefühl mit einer gruseligen, entfremdeten Stimmung.

Aber was wollen wir dagegen tun? Das Erbe verwerfen? Dies erscheint mir wie ein zweiter Sieg der destruktiven Kräfte. Erst missbrauchen sie das Schöne, Wahre und Gute und zerstören damit den Frieden und das Leben. Und dann zerstören sie unsere Wurzeln, indem sie uns verführen, das Schöne, Wahre, Gute selbst abzulehnen und schlecht zu machen. Wir sollten nicht unser Erbe ablehnen, sondern dessen Missbrauch.
Hiermit kommen wir zum Buch. Es geht um Armin, den Cherusker, der um die Zeitenwende ein Germanenfürst war und die legendäre Schlacht gegen Varus siegreich geschlagen hat, in deren Folge Rom Germanien aufgeben musste und es ihm auch später nie gelang, Germanien zu unterwerfen (Cäsar. »Varus, gib mir meine Legionen wieder.«)
Der Roman schildert den Werdegang Armins, der ursprünglich Segifrithurs hieß, ein Runenwort, das in etwa bedeutet: Der siegreiche, gerechte Herrscher, der den Frieden bringt. Er war in der Nacht der Wintersonnenwende geboren, an einer besonderen Sternenkonstellation, die nur alle 18 Jahre vorkam – ein Mutternachtssohn.

Hildegard Wiegand beschreibt die Geschichte sehr poetisch und mystisch und man erhält Einblick in die tiefe germanische Spiritualität, ohne auch nur den leisesten Hauch von völkischer Deutschtümelei. Nein, dieses Darstellung ist rein und klar wie das Wasser in den Gebirgsbächen der Wälder, wo die Heiligen Haine liegen, wo die Göttinnen und Götter wie Thyr, Ostara und die Walküren ihre Heimstatt haben.

 

Buchbinder und Verleger Benjamin Schreyer

Der Buchbinder und Verleger Benjamin Schreyer bei der Arbeit

 

Auch die Sprache ist anders als die neudeutsche profane Ausdrucksweise der Gegenwart. Es ist ein sehr reiches, differenziertes, aber wohl auch altes Deutsch. Eine Freude machte mir als Sprachfan die ausführliche und richtige Verwendung des Genitiv. Ein seltenes Ereignis. Der Verleger schreibt in einer Vorbemerkung, dass zur Autorin oder den Rechteinhabern des lange vergriffenen Buches trotz intensiver Suche jede Spur fehlt.
Ich hatte das Vergnügen, den Buchbinder und Verleger Benjamin Schreyer in Kempten daselbst persönlich zu finden und kennenzulernen. Ich wohnte ein Haus weiter in einer Ferienwohnung und kam gelegentlich an der Werkstatt vorbei. Mit Stauen sah ich von außen, dass da ein junger Mann Bücher per Hand herstellte und klopfte an, um Eintritt zu erbitten. Freundlich empfing er mich und wir tauschten uns über Bücher und allerlei anderes aus, während ich begeistert zuschaute, wie er die einzelnen Bögen zusammenlegte und im Rücken verleimte.

 

Hildegard Wiegand: Armin

Das Buch Armin von Hildegard Wiegand
in der Herstellung

 

Später wurde ich Zeuge, wie er das Kapitalband und das Lesebändchen anbrachte und den Buchblock in dem Umschlag einklebte. Ein gebundenes Buch mit Goldprägeschift und einem schönen Prägesiegel auf einem dunkelblauen Leineneinband. Alles per Hand erstellt. So passt also wirklich die Form und die handwerkliche Schönheit des Buches zu dem eigentümlichen und seltenen Inhalt.

 

Buchbinder und Verleger Benjamin Schreyer

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Mich ergriff wie eine Art Erberinnern an ein altes Ahnen und Wissen beim Lesen dieses Buches. Die alten germanischen Göttinnen und Götter, der naturnahe Glaube der stolzen, aber gottergebenen Germanen, ihre Achtung vor dem Weiblichen und der Heimat, aber auch der Kontrast zu der ganz anderen Mentalität der Römer – das alles wird bildreich und mit hoher moralischen Integrität erzählt. Der Fluss des Geschehens und die inneren Gesichte und Wallungen der Protagonistinnen und Protagonisten, die tiefschürfende Romantik und das emphatische Erzählen rissen mich mit. Hier wird für Jahrtausende erzählt, für ganz große Aufträge, die die Menschen von den Göttern bekommen. Das verbindet Armin, den Cherusker, mit uns heute. Hier wird ein Ring, ein Band erneuert, zum Wohle des Volkes, im ehrlichen und wahren Sinne.
Dieses Buch mag ein wenig zur Heilung dieser politisch-ideologischen Wunden beitragen, die der Nazismus geschlagen hat, denn es stellt die germanische Kultur so dar, wie sie spirituell und menschlich sein könnte, wenn man mit wirklich spirituellem Blick auf die Dinge schaut. Ein reicher Quell an Tradition, Wissen, Gefühl, Ethik und Spiritualität.

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