Hypatia aus Alexandria

Hypatia aus Alexandria

Sterbegesang auf die Ganzheitlichkeit antiker Philosophie

Autoren: Barbara Aigmüller / Clemens Zerling

 

Epigramm an die Philosophin Hypatia:
Bewundernd blick´ ich auf zu dir und deinem Wort,
Wie zu der Jungfrau Sternbild, das am Himmel prangt.
Denn all dein Tun und Denken strebet himmelwärts,
Hypatia, du Edle, süßer Rede Born,
gelehrter Bildung unbefleckter Stern!

Palladas, dem griechischen Dichter aus Alexandria (um 400) zugeschrieben.

 


Die Philosophiegeschichte des Altertums liest sich teilweise wie ein Krimi. Alexandria in Ägypten war in der Antike eine blühende Metropole, in der unterschiedliche Kulturen nebeneinander existierten. Religiöse und politische Konflikte führten im Jahre 391 n. Chr. zur Zerstörung der Bibliothek von Alexandria und in der Folge zum Erliegen des philosophischen Lebens. Besonders schändlich war dabei die Ermordung der Hypatia, der größten Philosophin der griechischen Antike.

 

Hypatia aus Alexandria

Hypatia im Philosophentalar. Raffael: Die (Philosophen-)Schule von Athen, Fresco 1510/11, Stanze della Segnatura, Vatikan. Der Maler stellt die Neuplatonikerin dicht in die Nähe zur Gruppe um Pythagoras.

 

Alexandria zur Mitte des vierten Jahrhunderts nach Christus: Zwischen zwei- bis fünfhunderttausend Einwohner, so die Schätzungen, birgt die quirlige Handelsmetropole. Unentwegt gehen Schiffe vor Anker, die in der Hafeneinfahrt den Himmel stürmenden Leuchtturm Pharos passiert haben, eines der sieben Weltwunder der Antike. Lastenträger schleppen Waren aus der ganzen damals bekannten Welt in die gewaltigen Magazine der Kaianlagen. Auch Menschen verschiedenster Rassen und Regionen sind hier über die Jahrhunderte gestrandet. Sie verleihen der Stadt ein geradezu kosmopolitisches Gepräge. Oft haben sie fremde und mitunter illustre Kulte mitgebracht. Hier, in dem lebendigen Schmelztiegel abendländischer und morgenländischer Kulturen, arbeitet auch das zentrale geistige Laboratorium für synkretistische Ideen und Lehren. Doch alle Lebendigkeit täuscht nicht darüber hinweg, dass am Horizont tiefschwarze Wolken aufziehen.

Alle Wissenschaft und wahre Kunst beruht letztlich auf Inspiration.

 

Hundert Stufen führen hinauf zum prachtvollen Serapeion im Südwesten der Stadt, dem Tempelkomplex der höchsten Stadtgottheit und spirituellen Zentrum aller Nichtchristen. Seine Architektur ist nach den Sternen Regulus im Löwen (dem griechischen Sonnengott Helios zugewiesen) und Canopus (dem ägyptischen Osiris zugehörig) ausgerichtet. Ptolemaios I. (reg. 305–283/82 v. Chr.), ein Freund Alexander des Großen und erster Diadochenkönig Ägyptens, hatte Serapis zur pantheistischen Allgottheit für Ägypter und Hellenen erhoben und ihr dieses Heiligtum erbaut. Im Serapiskult verbindet sich der oberägyptische Kult des Osiris – verknüpft mit dem Apis-Stier, dem Volks-Idol höchster Fruchtbarkeit – mit dem der Isis und dem des griechischen Dionysos. Dionysos regierte als sterbender und wiederauferstehender Gott nicht nur über die Zyklen der äußeren Natur. Zumindest in der Frühzeit hatten sich seine ekstatischen Verehrer(innen) mit ihm über Weinrausch, Halluzinogenen und symbolischem Verzehr der Gottheit im Kultmahl vereinigt, um die göttliche Gegenwart als Offenbarung tiefster Lebensgeheimnisse und antriebsvoller schöpferischer Impulse zu erfahren.

Ptolemaios I. war es auch, der neben dem Bau des höchsten Leuchtturmes in der Stadt die Idee einer Großen Bibliothek an seinem Hof in Alexandria umsetzte. Alles Wissen der damaligen Welt sollte fortlaufend darin gesammelt werden. Unbeschränkte Geldmittel standen dafür zur Verfügung. Auf ihrem Bestand1 gründete wiederum das Museion (= Musenheiligtum), eine Lehr- und Forschungsstätte nach dem Vorbild der von Platon gegründeten Athener Philosophenschule. Dessen Namenswidmung ehrte eine heute oft unbeachtet bleibende Erfahrung: dass nämlich alle Wissenschaft und wahre Kunst letztlich auf Inspiration beruht. Unter den ersten Ptolemäern blieb die völlige geistige Freiheit von Forschung und Lehre garantiert und unangetastet. Eine Filialbibliothek entstand im Serapeion. Alexandria stieg auf zum glanzvollen Zentrum von Wissenschaft und Kultur in der hellenistischen Welt.
Siebenhundert Jahre später ist der wissenschaftliche Zenit der ptolemäischen Universität schon überschritten. Auch das Museion als Gebäude besteht vermutlich nicht mehr. Aber der institutionelle Name wird offensichtlich weiter geführt. Unter den Säulen und in den Lesesälen des Serapeion arbeiten, debattieren und dozieren weiterhin die anerkanntesten Gelehrten der mediterranen Welt. Ihnen stehen im Tempel noch ca. 43.000 Schriftrollen zur Verfügung, darunter die spärlichen Reste der Großen Bibliothek. Doch der Brunnen altgriechischer schöpferischer Geistigkeit droht zu versiegen. Lehre und Forschung besteht fast nur in Exegese und Kommentierung vorhandener Werke. In einer Reihe bedeutender Vorgänger führt Theon (ca. 335–405) die Bibliothek des Museions, ein platonischer Philosoph, der sich darüber hinaus mit Mathematik und Astronomie befasst. Er wird auch der letzte bekannte Leiter dieser Einrichtung sein.

 

Clemens von Alexandrien (um 150–ca. 215) und Origenes (185–253/54) vermochten lange Zeit griechische Philosophie mit christlicher Theologie zu vereinen.

 

Nach der Etablierung des Christentums zur Staatsreligion im Römischen Reich sind schon bald interne Auseinandersetzungen aufgeflammt. Sie bedrohen in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts den ohnehin instabilen Status quo mit den Nichtchristen. Im Streit um die wahre Lehre gehen christliche Sekten mit aller Gewalt gegeneinander vor. Intoleranz grassiert. Verlierer werden zu Häretikern, die man zumeist gnadenlos verfolgt. Sieger erklären sich zu Orthodoxen. Auf dem Höhepunkt der Kämpfe zwischen Anhängern des Arius und denen des Bischofs Athanasius schänden im Jahre 356 aufgebrachte Heiden, Juden und Arianer die Caesarische Kirche von Alexandria, das den »orthodoxen« Christen als Gotteshaus dient. Ein Jahr später tritt der vom Kaiser ernannte neue Bischof Georg von Kappadozien sein Amt an, ein Arianer. Umgehend vertreibt er mit Hilfe der römischen Garnison die Athanasier und alle Asketen (Mönche) aus der Stadt, entehrt aber zugleich die heidnischen Heiligtümer im Innenbezirk. Als Georg 358 fließen muss, hinterlässt er eine Großstadt, in der es gefährlich brodelt.

Wer aber ist nun Hypatia, die für viele den endgültigen Untergang der hellenistischen oder paganistischen (heidnischen) Kultur markiert? Warum muss diese ungewöhnliche und herausragende Frau in einem der nun folgenden Auseinandersetzungen einem ruchlosen Verbrechen zum Opfer fallen, das in seiner Grausamkeit kaum zu überbieten scheint?

 

Ein Leben für Philosophie und Mathematik, für Forschung und Wissenschaft

Was wir über Hypatia wissen, beruht auf spärlichen, inhaltlich unzureichenden und zum Teil auch recht widersprüchlichen antiken Quellen. Um das Jahr 355 oder um 370 n. Chr. wurde sie in Alexandria als Tochter des Theon geboren. Zusammen mit ihrem Bruder Epiphanius, der sich wie sie der Mathematik zuwenden sollte, wuchs sie vermutlich im griechischen Viertel der Stadt auf. Theon ließ Hypatia an seinem Wissen teilhaben und erzog sie im Sinne des Platonismus, unter dem hohen Ideal, nach menschlicher Vervollkommnung zu streben. Dies bedingte nach damaliger Vorstellung allerdings die Verachtung des Leibes sowie sinnlicher Neigungen und eine permanente Reinigung der Seele. Nach Angaben verschiedener Quellen blieb sie ihr Leben lang Jungfrau und führte einen tadellosen Lebenswandel. Schon mit dem Namen Hypatia (Oberste oder Höchste) muss Theon große Erwartungen auf seine Tochter projiziert haben. Sie studierte neben Mathematik auch Astronomie, Musik und Philosophie, eingeschlossen Rhetorik.

In Alexandria wetteiferten zu ihrer Zeit eine Reihe wissenschaftlicher Schulen. Unter Ammonios Sakkas († 242/43) war die neuplatonische Schule an die Öffentlichkeit getreten, anfänglich wohl in direkter räumlicher und geistiger Nähe zum Museion. Ihr bedeutendster Vertreter Plotin (ca. 205–270), ein Schüler des Amonnios Sakkas, vertrat aufgrund spiritueller Erfahrungen einen radikalen Monismus und definierte das Absolute als höchste Göttlichkeit. Vermutlich studierte Hypatia in dieser Schule. Neben einer weiteren philosophischen Einrichtung für Aristotelische Lehren und speziellen Schulen für Grammatik, Rhetorik, Mathematik und Medizin genoss nicht zuletzt die berühmte christlich philosophische Katechetenschule (um 169 gegründet) zeitweise hohes Ansehen. Ihre beiden bedeutendsten Lehrer, Clemens von Alexandrien (um 150–ca. 215) und Origenes (185–253/54), vermochten lange Zeit für eine Vereinbarkeit traditioneller griechischer Philosophie mit christlicher Theologie zu sorgen. So hatten sich auf dem Höhepunkt antiker Spiritualität in Alexandria im dritten Jahrhundert gegenseitig die christliche Logos-Philosophie, die christliche Gnosis und die neuplatonische Mystik befruchtet. Verbunden mit ägyptischen, jüdischen und orientalischen Traditionen war in dieser Zeit und in diesem Schmelztiegel dabei auch die abendländische Hermetik gezeugt und geboren worden.

 

Eine ganze Reihe Philosophinnen sind seit der Frühantike belegt.

 

Gemäß dem SUDA oder SUIDAS, einem Lexikon der byzantinischen Zeit (10. Jh.), muss Hypatia eine Bildungsreise nach Athen unternommen haben. Reichte ihr der Lehrbetrieb der Stadt schon nicht mehr aus? An der Akademie zu Athen habe die Hochbegabte der Sage nach die höchste Auszeichnung erhalten, welche die Schule vergab: den Lorbeerkranz. Als Synesios von Kyrene (ca. 370–nach 412) – ein platonischer Philosoph, Schriftsteller und Dichter, ab 411 christlicher Bischof von Ptolemais – im Jahre 393 nach Alexandria kam, muss Hypatia hier als Dozentin bereits anerkannt gewesen sein. Denn wie der zeitgenössische Historiker Sokrates der Scholastiker (ca. 380–nach 439) schrieb, versammelte sich in ihrem Haus ein Kreis von Schülern. Sie reisten »nicht nur aus Ägypten, sondern aus allen Gegenden [der mediterranen Welt]« von weit her an, um ihren Vorlesungen zu lauschen und unter ihrer Aufsicht zu studieren. Sokrates ergänzte, Hypatia habe an Bildung alle Philosophen ihrer Zeit übertroffen. Redegewandt vermochte sie ihren Zuhörern sämtliche philosophischen Lehrmeinungen gründlich auseinanderzusetzen. Ihr Ansehen in Alexandria sei mit der Zeit so gewachsen, dass sie [– als erste und einzige Frau, zudem vermutlich öffentlich besoldet –] deshalb auf den Lehrstuhl für platonische Philosophie am Museion berufen wurde, der »Schule Platons und Plotins«. Er betonte ihre elegante Erscheinung und ihr souveränes Auftreten (KIRCHENGESCHICHTE VII, 15).2 Hohe Staatsbeamte ließen sich wohl gern mit ihr sehen, während sie selbst sich nicht scheute, öffentliche Männerveranstaltungen zu besuchen. Alle aber hätten ihre »außerordentliche Würde und Tugend« bewundert. Ihre außergewöhnliche Schönheit wurde legendär.

 

Hypatia aus Alexandria

Hypatia lehrt im Museion. Masolino de Panicale: Die Philosophen von Alexandria (1425), Rom, St. Clemente

 

Hypatia stand als gelehrte Frau nicht allein, aber blieb die einzige bekannte Dozentin in der Antike. Eine ganze Reihe Philosophinnen sind seit der Frühantike belegt, wenn sie auch oft vielleicht eher auf Grund einer nahen Verwandtschaft zu einem der aus Männern bestehenden Gelehrtenzirkel Zugang fanden. Pheomene, Zeitgenossin des Thales von Milet (um 624–546 v. Chr.) und legendäre erste Pythia am Orakel zu Delphi, wurde später sogar zum Synonym für eine Philosophin.3 Doch zu Hypatias Zeit machte keine andere Frau in Alexandria von sich reden. Unter ihren Schülern, die vielfach mit ihrer verehrten »Meisterin« noch lange nach ihrem Studium Kontakt pflegten, werden nur Männer aufgeführt, u. a.: der Sophist Troilus, Lehrer des Kirchenhistorikers Sokrates; Euoptius, Bruder und Nachfolger des Synesius in dessen Bistum; Herculianus, Olympius und Hesychius, die gelehrten Freunde des Synesios; der neuplatonische Philosoph Hierokles, Schüler des Plutarch in Athen, der die Nachfolge Hypatias als Leiter der platonischen Schule in Alexandria antrat.4 Synesios selbst zählte zu ihren Schülern und war sicher der bedeutendste unter ihnen. Unter seinen 179 erhaltenen Briefen richten sich sieben (aus den Jahren 394 bis 413) an Hypatia. Vier weitere erwähnen seine »geliebte Lehrerin«. Leider liefern auch sie kein befriedigendes Bild ihrer Persönlichkeit. Doch belegen sie, dass Hypatia sich mit allen damaligen Schulen der Philosophie befasst haben muss, schwerpunktmäßig natürlich mit Platonismus, Neoplatonismus, insbesondere mit den Lehren Plotins.

 

Eine ganze Reihe Philosophinnen sind seit der Frühantike belegt.

 

Laut SUDA soll Hypatia Werke zu Mathematik und Astronomie verfasst haben; darunter einen Kommentar zur ARITHMETICA des Diophantos von Alexandria, das u. a. Lösungswege für Gleichungen anbietet und als eines der bedeutendsten Lehrwerke der Antike gilt. Das SUDA erwähnt noch ein ASTRONOMISCHES KANON von Hypatia. Dies kann auf einer Verwechslung mit den elf Bände umfassenden Kommentaren zu MATHEMATIKE SYNTAXIS des Ptolemäus ihres Vaters beruhen. Theon selbst hob darin seine Tochter als Gestalterin und Herausgeberin hervor. Es könnte sich aber ebenso um eigene astronomische Tabellen für die Bestimmung der Positionen beweglicher Himmelskörper gehandelt haben. Ihre Kommentare zu den Kegelschnitten als Ausgangspunkte für Ellipsen, Parabeln, usw. des Apollonios von Perge umfassten mit dem Original des Apollonius acht Bände. Alle diese Werke sind verschollen oder ihre integrierten Beiträge nicht eindeutig zuzuordnen. Nicht zuletzt wird sie ihren Vater Theon unterstützt haben, die ELEMENTE des Euklid komplett zu bearbeiten.5

 

Hypatia aus Alexandria

Eine Frau (vermutlich Hypatia als weiblicher Genius) bringt einer Gruppe mittelalterlicher Mönche die Elemente des Euklid nahe. Frontispice zu Adelard de Bedas lateinischer Übersetzung von Euklids ELEMENTE (1309-1316). Euklids Schrift gilt als Meilenstein für die moderne Mathematik und die gesamte Naturwissenschaft.

 

Hypatia, die zu den wenigen Wissenschaftlerinnen gehört, die fast alle heutigen naturwissenschaftlichen Geschichtsbücher würdigen, beschränkte sich aber nicht nur auf Theorien. In einem Brief des Synesios erwähnt der Schüler, unter Anleitung und mit Hilfe Hypatias eine Art Astrolabium [Winkelmessinstrument zur Bestimmung von Stern- und Sonnenpositionen] konstruiert zu haben. An anderer Stelle bittet Synesios, dass Hypatia ihm doch nach seiner vorgelegten Beschreibung ein Aräometer [Messinstrument zur Bestimmung des spezifischen Gewichtes von Flüssigkeiten] anfertigen lassen möchte.6 Offensichtlich, und das gilt für jene Zeit als recht ungewöhnlich und ungemein fortschrittlich, arbeitete sie in ihrem Unterricht mit experimentellen Untersuchungen und Lehrmethoden. Getreu pythagoreischer und platonischer Tradition wird die Mathematik auch Grundlage gewesen sein, die Ordnung und Harmonie im Kosmos zu verstehen und zu veranschaulichen.

Was aber dachte man, jenseits von Legenden, in der altehrwürdigen Platonischen Akademie über Hypatia? Damaskios (um 462–nach 538), ein Neuplatoniker, der in Alexandria studiert hatte, verfasste die VITA ISIDORI. Isidoros wiederum (um 445/450–517/26), sein Freund und Lehrer aus Alexandria, hatte als Nachfolger von Proklos (laut Hegel »Erfinder der Dialektik“) die berühmte Athener Akademie geleitet. Im Jahre 515 trat Damaskios selbst als letzter Leiter dieser Lehrstätte Isidors Nachfolge an. Obwohl er einige schmeichelhafte Worte über Hypatia schreibt, spürt man in einigen kritischen Kommentaren seine Ablehnung gegenüber weiblichen Philosophen. »Isidoros übertraf bei weitem die Hypatia, nicht nur als Mann die Frau, sondern als wahrer Philosoph die Freundin der Geometrie«, findet er.7 Klingt hier die Einschätzung eines Anhängers theurgischer Praktiken (u. a. Evokationen samt Befragungen astraler Daimones und des Numinosen) sowie von spirituellen Erfahrungen als »wahre Philosophie« durch? In Athen gehörten solche psychischen Arbeiten mit zur Suche nach philosophischer Wahrheit. Setzte Hypatia vielleicht mehr auf reine Logik und intellektuelle Durchdringung?

 

Hypatia aus Alexandria

Im Jahre 2009 verfilmte der spanische Regisseur und Oscar Preisträger Alejandro Amenábar nach eigenem Drehbuch Hypatias Tragik in: AGORA – DIE SÄULEN DES HIMMELS, der auch auf dem Festival von Cannae vorgeführt wurde. In Amenábars Drehbuch wird die hoch entwickelte, wissenschaftlich agile und aufgeklärte höhere Gesellschaft in Alexandria von christlichen Fundamentalisten angegriffen.

 

Hypatia – »Opfer von Aberglaube und Ignoranz« (Voltaire)

Unter der Amtsführung des Patriarchen – in der Spätantike Titel für Bischöfe mit Rechtsprechungshoheiten – Theophilus I. von Alexandria (reg. 385–412) hatten sich die Konflikte in der Vielvölkermetropole verschärft. Theophilus sah die Ursache der Unruhen im Widerstand gegen das Christentum, vorrangig aus den Kreisen des hellenistisch geprägten Heidentums. Um den Gegnern den Boden zu entziehen, strich er nichtchristliche Feste aus dem Kalender und verbot alle heidnischen Feierlichkeiten, eingeschlossen die öffentlichen Opferungen. Heidnische Tempel ließ er schließen oder profanisieren. Seine kompromisslose Vorgangsweise ging völlig konform mit dem kaiserlichen Dekret von 391, das jede Form heidnischer Kultausübung im Römischen Reich unter Androhung strengster Strafe untersagte.

 

Kaiser Theodosius ordnete 391 die Zerstörung des Serapeions an.

 

In Alexandria aber widersetzten sich Nichtchristen unter der Führung des Hypatiaschülers Olympius diesem provokanten Generalangriff und verschanzten sich im Serapeion. Sie nahmen wohl einige Christen als Geisel, zwangen sie zu Opferhandlungen, töteten auch angeblich mehrere von ihnen und sollen einige sogar gekreuzigt haben. Um die Gemüter zu beruhigen, ließ Kaiser Theodosius die Todesfälle nicht untersuchen. Doch ordnete er 391 die Zerstörung des Serapeions an. Wahrscheinlich fiel bei dieser Aktion erneut der größte Teil der unersetzlichen Bibliothek einem Brand zum Opfer. Theophilus nutzte die Gunst der Stunde und gab als Vollstrecker des Erlasses aus Konstantinopel gleich alle noch bestehenden heidnischen Tempel in Alexandria der Vernichtung preis. Wieder tobte sich ein aufgestachelter Mob aus. Viele Anhänger paganistischer Lehren entflohen dem Progrom, darunter Damaskios. Die freie geistige Atmosphäre der Stadt war ins Mark getroffen. Doch Hypatia konnte offensichtlich noch unbehelligt weiterlehren. Vielleicht hielt Synesios, der ein enger Freund des Theophilos gewesen sein soll, seine schützende Hand über sie. Zu ihren Schülern soll allerdings auch Orestes gezählt haben. Er entstammte einer einflussreichen Familie aus Alexandria und wird bald zum Stadtpräfekten aufsteigen, zum Statthalter der römischen Macht.

Im Jahre 412 bemächtigt sich der Neffe des Theophilos, Kyrill (reg. 412–444), mehr oder minder mit Gewalt des vakanten Patriarchenstuhles. Auch im Laufe seiner Amtszeit dehnt Kyrill seinen Machtbereich in und außerhalb von Alexandria neben geschickter Diplomatie mittels skrupelloser Intrige, Bestechung und brutalem Terror aus, unterstützt durch den Druck von Aufmärschen und Drohungen seiner fanatisierten Anhänger. So sind die Parabolani (= die Waghalsigen), ursprünglich eine Bruderschaft für Krankenpflege mit mystischer Neigung, zu einer Privatmiliz von Kyrill entartet. Sie behandelten vor allem gefährliche und ansteckende Krankheiten, bei dem sie oft genug ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten. Jetzt aber, mit weitgehender Immunität ausgestattet, setzen diese gut 500 militanten Außenseiter – sie haben ihr Leben in der Gesellschaft aufgegeben und hausen an Straßenrändern und Hauseingängen – seine Doktrinen und Vorstellungen mit allem Nachdruck durch. In Alexandria legt Kyrill sich vor allem mit den schismatischen Novatianern an, deren Kirchen er schließen und deren Besitz er beschlagnahmen lässt. Etwas später wiegelt er die Massen gegen die Juden auf, lässt sie aus der Stadt vertreiben und erlaubt, ihr Vermögen zu plündern, berichtet der Theologe, Jurist und kritische Beobachter Sokrates Scholastikos (KIRCHENGESCHICHTE, VII, 7). Das ohnehin gespannte Verhältnis zum neuen Stadtpräfekten droht zu eskalieren. Orestes will die Einmischung des Patriarchen in seine Zuständigkeiten nicht länger hinnehmen und beschwert sich bei seinem Dienstherrn, dem Kaiser in Konstantinopel.

 

Was die klassisch heidnische Forschung, Lehre und Kultur angeht, hatte schon die Zerstörung von Bibliothek und Hauptlehrstätte im Serapeion eine Zeitenwende markiert.

 

Von der Mehrheit des Kirchenvolks gedrängt, versucht Kyrill zwar, diesen gefährlich werdenden Konflikt mit der weltlichen Obrigkeit wieder zu bereinigen. Doch Orestes bleibt jetzt unnachgiebig. In dieser für den Patriarchen brenzligen Situation kommen über 500 Anachoreten vom Nitriaberg in die Stadt, von einer der frühesten christlichen Mönchskolonien. Sie leben als asketische Eremiten in der Wüste – Sokrates charakterisiert sie als »Männer mit aufbrausenden Leidenschaften« – und wollen für die Ehre des Kyrill kämpfen. Sie halten den Christen Orestes auf der Strasse an und schmähen ihn als Heiden. Denn die Eiferer unter den Christen verdammen neben der griechisch geprägten Philosophie offensichtlich jegliche Wissenschaft als »heidnische Irrlehren«. Vermutlich haben auch die Gelehrten der Stadt mehrheitlich Partei für den Präfekten ergriffen. Als einer der Mönche, Ammonius, Orestes einen Stein an den Kopf wirft und ihn verletzt, kann sich der Präfekt nur mit Hilfe des Volkes retten. Nachdem Orestes den Mönch hat ergreifen, foltern und hinrichten lassen, erklärt Kyrill vor der Menge seiner erregten Anhänger Ammonius am Begräbnistag zum Märtyrer des christlichen Glaubens (KIRCHENGESCHICHTE, VII, 13 f.).

 

Gerade die antike Philosophie blieb gewöhnlich mit der Suche nach intuitiver Wahrheit verbunden, was Praktiken verlangte, die in den Bereich der Mystik gehören. Als höchstes Ziel erwartete man göttliche Inspiration.

 

In einem solch aufgeputschten Klima gedeihen verhängnisvolle Gerüchte – oder gezielte Verleumdungen: Hypatia, Freundin von Orestes, sei die eigentliche Ursache der Konflikte und Unruhen. Propagandisten verbreiten, sie verhindere die Aussöhnung zwischen Präfekt und Patriarchen. Alle betrüge sie mit ihrer teuflischen List. Schließlich beschäftige sie sich dauernd mit Magie, Astrologie, verdächtiger Philosophie und Musik. Was vielleicht mit verdächtiger Musik gemeint sein könnte, erfahren wir im SUDA. Das Lexikon berichtet, unter »ungebildeten Leuten« hätte kursiert, dass Hypatia einen liebeskranken Verehrer aus dem Kreise ihrer Schüler mittels der Musik von seiner Leidenschaft heilte. In der pythagoreischen Tradition, die in weiten Teilen von der Neuplatonik aufgegriffen wurde, gab es für bestimmte Krankheiten spezielle Gesänge und Rhythmen. Da man nicht zu Unrecht glaubte, die meisten Krankheiten hätten seelische Ursachen, sollte diese Musik seelischen Ausgleich bewirken. Eine ganze Forschungsrichtung, beginnend mit dem Philologen Walter Burkert (*1931), schreibt Pythagoras und den frühen Pythagoreern nicht zuletzt deswegen schamanistische Praktiken zu.

 

Hypatia aus Alexandria

Szene aus dem Film Agora: Gemäß dem SUDA hätte sie nach anderer Überlieferung den von Liebesleidenschaft geplagten Schüler vor aller Augen mit einer Demonstration des Unschönen und der Wertlosigkeit des Körpers (gemäß neuplatonischer Ansicht) schockiert: Sie händigte ihm nämlich ein mit ihrem Menstruationsblut beflecktes Wäscheteil aus.

 

Kurz nach Kyrills Trauerrede für Ammonius, an einem Fastentag Anfang März, mündet die Spirale der Gewalt dann in eine ungewöhnlich brutale und zugleich symbolträchtige Tat. Noch einmal Sokrates Scholastikos: »Denn da sie öfter mit Orestes verkehrte, so erzeugte dies eine üble Nachrede über sie bei dem christlichen Volke, dass sie es wäre, welche nicht zuließe, dass sich Orestes mit dem Bischofe freundlich aussöhnte. Es verschworen sich demnach hitzige Männer, welche der Lektor Petrus anführte, und sie lauerten der Frau auf, als sie irgendwoher sich nach Hause begab. Sie zogen dieselbe vom [Kutsch-]Wagen herab, schleppten sie in die Caesarische Kirche, rissen ihr die Kleider vom Leibe, töteten sie mit Scherben, zerrissen sie in Stücke, brachten die Glieder an einen Ort, welcher Kinaron genannt wird und verbrannten dieselben im Feuer. Dies verursachte dem Kyrill und der Kirche von Alexandria nicht geringen Tadel« (KIRCHENGESCHICHTE VII, 15). Johannes Malalas, ein oströmischer Historiker (um 490–570), formuliert später in seiner Chronik: Bewohner von Alexandria hätten, »im Vertrauen auf ihren Bischof sich jede Freiheit erlaubend«, die berühmte Philosophin Hypatia, eine alte Frau, die von allen gefeiert wurde, getötet und mit Reisholz verbrannt.8 Dabei scheint der Ort ihrer Schändung, die Caesarische Kirche, nicht zufällig gewählt.

 

Das unaufhaltsame Ende klassischer Philosophie

Fast 1600 Jahre sind seit dem Tod von Hypatia im Jahre 415 vergangen, und noch immer erhitzt der Vorfall die Gemüter. War dieser Mord wirklich nur die spontane Tat aufgebrachter fanatischer Christen? Oder hatte Kyrill seine gewaltbereite Parabolani-Miliz gezielt zur Lynchjustiz aufgehetzt? Wollte er mit solchen Exzessen gegenüber Orestes seine Macht demonstrieren? In keiner seiner zahllosen Schriften erwähnte der Patriarch im Nachhinein diesen Vorfall. Sollte Kyrill ihren Mord nicht direkt inszeniert haben, so sorgte er zumindest für ein emotionell aufgeladenes Klima des Hasses, der Intoleranz und Gewaltbereitschaft, das ein solch widerwärtiges Verbrechen möglich machte – darin sind sich die Historiker einig. Ungeachtet aller Vorwürfe wurde Kyrill schon bald nach seinem Tod ob seiner besonderen Verdienste im Kampf gegen die Ketzerei heilig gesprochen, 1882 darüber hinaus zum Kirchenlehrer erhoben.

 

Hypatia aus Alexandria

Szene aus Agora. Hypatia versucht die wichtigsten Schriftrollen aus der Bibliothek vor dem Mob zu retten.

 

Seit dem Film Agora ist das Drama Gegenstand eines wachsenden Forschungsinteresses geworden. Dabei werfen die neuen Streiflichter ein etwas differenziertes Bild auf den Schauplatz Alexandria in jener Zeit (mehr dazu in: HEIDNISCHES JAHRBUCH 2011, Verlag Roter Drache, Rudolstadt 2011). Hier kämpften neben Heiden und Christen, Vertreter unterschiedlicher christlicher Lehren, selbst Fraktionen innerhalb der gesellschaftlichen und kirchlichen Hierarchie gegeneinander. Es ging neben strittiger Auslegung der Schriften nicht zuletzt um Macht und Einfluss. Doch gewannen diese Auseinandersetzungen auch soziale Brisanz. Besonders die verschworenen Sekten erhielten nämlich regen Zulauf aus dem Heer der Besitzlosen, Sklaven und Unterdrückten. Boten sie doch eine Form von Gemeinschaft und Zusammenhalt, die nicht nach Stand und Klasse fragte. Im Gegensatz dazu gehörte Hypatia mit ihrer Familie sicherlich zur Oberschicht der Gesellschaft. Das unterstreicht schon ihr aristokratisches Vehikel, mit dem sie sich innerhalb der Stadt bewegte.

 

Um diese Ursache und Quelle allen Seins zu erfahren, reicht das Instrumentarium von Intellekt und Verstand offensichtlich alleine nicht aus.

 

Was die klassisch heidnische Forschung, Lehre und Kultur angeht, hatte schon die Zerstörung von Bibliothek und Hauptlehrstätte im Serapeion – Teile der Tempelanlage wurden in ein christliches Kloster umgewandelt – eine Zeitenwende markiert. Mit dem Tod ihrer letzten großen Repräsentantin und ihres »leuchtenden Gestirns« (Palladas) verblasste die Ära einer freien und toleranten Wissenschaft vollends. Von nun an herrschte nur noch »christliche Monokultur« (Peter O. Chotjewitz). Zwar überlebte die Alexandrinische Schule des Neuplatonismus noch bis ins frühe 7. Jahrhundert. Doch verlor die platonische Philosophie zunehmend an Bedeutung zugunsten der Aristotelik. Als letzter paganischer Leiter der Schule amtierte Olympiodoros der Jüngere († nach 565), ein Schüler von Ammonios. Er eroberte seinen Platz im kollektiven Gedächtnis aufgrund zahlreicher Kommentare zu Platon und Aristoteles.

Im Gegensatz zur Schule in Alexandria, die sich vermutlich mehr auf gelehrte Exegese stützte, standen in der Athener Akademie wohl auch Kultpraktiken auf dem Forschungsprogramm, die auf eidetische (bildliche Umsetzung psychischer Eindrücke) Wahrnehmungen und außersinnliche Erfahrungen abzielten. Gerade die antike Philosophie blieb gewöhnlich mit der Suche nach intuitiver Wahrheit verbunden, was Praktiken verlangte, die in den Bereich der Mystik gehören. Als höchstes Ziel erwartete man göttliche Inspiration. Heute würden wir sagen: man suchte über das kollektive Selbst den Durchbruch zum Urgrund, zum Absoluten oder Großen Einen (Plotin), zur zeitlosen höchsten Ganzheit. Um diese Ursache und Quelle allen Seins zu erfahren, reicht das Instrumentarium von Intellekt und Verstand offensichtlich alleine nicht aus. Ja, bei der Erfahrung der Großen Leere könnten sie sogar hinderlich werden. Beide frühuniversitäre Einrichtungen dürften sich aber schon aufgrund einer permanenten personellen Fluktuation untereinander stark beeinflusst haben.

Als im Jahre 529 Kaiser Justinian die Platonische Akademie von Athen für immer schließen und ihren Besitz konfiszieren ließ, war das endgültige Ende antiker Philosophie offiziell besiegelt. Obwohl hermetische und auch christlich hermeneutische Strömungen im Untergrund sporadisch für ein spärliches Wiederaufflackern sorgten, vermochten im christlichen Abendland eine offene und unabhängige Wissenschaft und Forschung bis zur Renaissance im Spätmittelalter nicht mehr auferstehen. Hypatia selbst schien für fast 600 Jahre in den Orkus der Vergessenheit gestürzt zu sein, bis das SUDA sie diesem Schicksal entriss. Dann aber dauerte es bis zur Aufklärung, dass Autoren in Untersuchungen und Romanen das blutige Drama aufgriffen.9

Trotz vielfältiger Bemühungen zeichnet sich leider weiterhin kein gesichertes Bild von ihr ab. »Treue Priesterin« von Pallas Athene, der jungfräulichen Göttin der Weisheit, nannte sie Stephan Wolf. »Erste bedeutende Frau in der Geschichte der Wissenschaft« bezeichnet sie das LEXIKON ALTE KULTUREN. Energisch, geistreich, gebildet, ungemein beredt und trotzdem bescheiden soll sie ex kathedra geglänzt haben, zugleich immer wissensdurstig und unentwegt nach Antworten suchend. Sicherlich versuchte sie nach platonischen Maximen ihr Leben in Klarheit, Gradlinigkeit, Würde und Authentizität zu führen. Jedenfalls floh sie in einer sie existenziell gefährdenden Zeit politischer Streitigkeiten, religiöser und sozialer Auseinandersetzungen nicht wie andere aus der Stadt. Sie traf die Wahl, heroisch durchzuhalten, mit stolzem Mut, vielleicht als eine Art passiver Widerstand. Oder verlieh ihr der Glauben an die Vernunft und die unentwegte Suche nach der höchsten Wahrheit genügend Kraft?
Hypatia, die höchst gebildete Dozentin, kannte vermutlich auch die pythagoreischen »Pflichten gegenüber sich selbst«. Sie gehören zu den GOLDENEN VERSEN DES PYTHAGORAS, die ihr Schüler, der Neuplatoniker Hierokles aus Alexandria, nach mündlichen Überlieferungen zusammen mit einem ausführlichen Kommentar veröffentlichte. Darunter heißt es: »Erwarte den Tod ohne Widerstand und Gram!« (5) und »bestehe mit Geduld die Prüfungen des Lebens!« (7) Ihre Schüler wird sie zur Pflicht (10) ermahnt haben: »Wahre deine Unabhängigkeit und volle Freiheit im Urteil und lass dich nicht von anderen beherrschen!« Sicherlich aber verlangte sie die pythagoreische Achtung vor der geistigen Hierarchie: »Ehret die Götter!«10

In der Dichtung HYPATIE ET CYRILLE (1847) des Lecomte de Lisle (1818–1884) provoziert Kyrill seine Kontrahentin: »… deine Götter sind zu Staub geworden, zu Füßen des siegreichen Christus!« Darauf lässt der Dichter Hypatia überlegen antworten: »Du irrst Kyrill. Sie leben in meinem Herzen. Nicht, wie du sie siehst – gekleidet in vergängliche Formen, Subjekt menschlicher Leidenschaften selbst im Himmel – sondern so, wie erhabene Geister sie sehen, in der sternenreichen Weite … Harmonische Einheit von Erde und Himmel, die den Geist erfreut und das Auge und Ohr, die allen weisen Menschen ein erreichbares Ideal zeigt … so sind meine Götter.«11

 

1 Diese berühmteste Bibliothek des klassischen Altertums ging vermutlich bei der Invasion Caesars 48/47 v. Chr. zum ersten Male in Flammen auf. Der lateinische Autor Aulus Gelus (2. Jh.) hatte behauptet, vor dem caesarischen Brand wären in der Bibliothek 700.000 Schriftrollen gelagert gewesen – hervorragende Grundlage auch für frühe lexikalische Bemühungen. Gesicherter scheint die Zahl 490.000 Rollen, die um 285 v. Chr. unter dem Mitregenten Ptolemaios Philadelphos dort die Regale gefüllt hätten. In Zusammenarbeit mit der UNESCO wurde 2002 die Neue Bibliothek von Alexandria gegründet. zurück
2 Inhalte aus Sokrates’ KIRCHENGESCHICHTE sind hier und im Folgenden entnommen aus: Stephan Wolf: HYPATIA, DIE PHILOSOPHIN VON ALEXANDRIEN. Ihr Leben, Wirken und Lebensende nach den Quellenschriften dargestellt, Wien 1879. zurück
3 David Engels: Zwischen Philosophie und Religion. Weibliche Intellektuelle in Spätantike und Islam, in: Groß, Dominik (Hrsg.): GENDER SCHAFFT WISSEN – WISSENSCHAFT GENDER. Geschlechtsspezifische Unterscheidungen und Rollenbeschreibungen im Wandel der Zeit, Kassel 2009, S. 99 zurück
4 Wolf 1879: 23 zurück
5 Luise Unger: EUKLID VON ALEXANDRIA, Fern-Uni Hagen, Hagen 2000, S. 6. Im AMALGEST des Ptolemäus, das Hypatia mit ihrem Vater überarbeitete, war das Kapitel über die Elemente des Euklid bis ins Mittelalter Standardwerk für alle Mathematiker. zurück
6 Wolf 1879: 16 zurück
7 Wolf 1879: 20 zurück
8 Wolf 1879: 32 f. Hypatias Todesart, zerrissen und verbrannt worden zu sein, wurde nach einem von Kaiser Constantius erlassenen Gesetz auf Menschen angewandt, die magischer Künste überführt worden waren (S. 35). zurück
9 Peter O. Chotjewitz legt in DER FALL HYPATIA, Hamburg 2002, eine unterhaltsame Besprechung aller nennenswerten Romane und Veröffentlichungen seit John Toland (1670–1722) vor. Er geht auch den Mystifizierungen nach, die Hypatia immer mehr Gewalt antun. So steigt auch die Zahl der Webseiten im Internet beachtlich, in denen Hypatia für eigene Meinungen missbraucht wird. Chotjewitz spricht von „Hypatia, die Allgegenwärtige“. zurück
10 aus : DIE GOLDENEN VERSE DES PYTHAGORAS, (Privatdruck), München 1967, S. 14 f. zurück
11 Lecomte de Lisle: POEMES ANTIQUES, Paris 1852, S. 285 ff. zurück

 

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Artikel zum Themengebiet in früheren Ausgaben:

TV 8: Dr. Claudius Kern – Macht und Ohnmacht der Philosophie.
Ideologiegeschichte des Abendlands (Teil 1)

TV 9: Dr. Claudius Kern – Macht und Ohnmacht der Philosophie.
Ideologiegeschichte des Abendlands (Teil 2)

TV 10: Annemarie Maeger – Himmlische Hierarchie und Herzmonade.
Die Philosophin Hypatia

TV 12: Prof. Arnold Keyserling – Etappen planetarischer Weisheit.
Das Webmuster der menschlichen Kultur

TV 14: Stan Tenen – Pyramiden, Einweihung in Stein.
Resonanz, Levitation und Initiation

TV 28: Marek Bradatsch – Pilion, auf dem Weg des Zentauren.
Griechische Mythologie

TV 42: Gabriele Quinque – Das Ägyptische Totenbuch.
Aufstieg des Lichts

TV 43: Lothar Diehl – Pythagoras und die Pythagoreer.
Die Wiege der abendländischen Kultur

TV 44: Alfried Lehner – Die Esoterik der Pythagoreer.
Der Orden der Antike

TV 45: Aigmüller / Zerling / Dr. Arendt – Die pythagoreische Tetraktys.
Die heilige Zehn

 

Tattva Viveka Ausgabe 46 Inhaltsverzeichnis

 

Hypatia

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