Innere Leere

Innere Leere

Innere Leere

Vom Umgang mit innerer Leere

Innere Leere ist ein unangenehmer Zustand. Es ist ein diffuses Gefühl des Leids, der Qual. Etwas, dass man am liebsten nicht haben möchte. Wir haben die Tendenz, in dieses Loch im Innern etwas hineinzustopfen, um es nicht mehr spüren zu müssen. Wir werfen Drogenmüll, Sexmüll, Kaufmüll, süchtiges Arbeiten, Fernsehmüll, kranke Beziehungen und anderes hinein, um das Loch von außen zu füllen. Das führt zur Sucht und zur Krankheit.
Es geht darum, die Leere auszuhalten. Die Leere setzt sich aus Gefühlen zusammen, vor allem Schmerz und Angst. Wenn wir die Leere aushalten und annehmen, kann sie sich von innen unten füllen. Dann beginnt von innen unten etwas aufzusteigen, das wir selbst sind.
Schmerz und Angst sind wie kleine Kinder, die wir abgespalten haben. Stell dir vor, ein kleine Kind hängt an deinem Rockzipfel und zerrt an dir herum: „Papa, Papa, ich will dir was sagen.“ Aber du machst dich nur weg, mit Hektik, Vergnügungen, Stress, Drogen, Alkohol, Besessenheiten, Ablenkungen. Du willst das Kind nicht sehen und hören. Aber das Kind schreit immer lauter und zerrt immer mehr an dir.

Das Ende der inneren Leere

Es geht darum, sich dem Kind zuzuwenden, es anzunehmen und zu hören, was es dir zu sagen hat. Es will dir den Schmerz zeigen und in dem Moment, wo du das Kind liebevoll auf den Arm nimmst und zuhörst und es anschaust, kannst du den Schmerz mitfühlen. Fühle den Schmerz, weine mit dem Kind. Es ist Dein inneres Kind. Das bist du. Du hast Teile von dir abgespalten, die dir nun fehlen und die einen Schmerz bedeuten. Durch Annahme integrierst du diese fehlenden Teile, du integrierst dich selbst. Du wirst wieder ganz.
Jeder Schmerz, der einmal gefühlt wurde, kommt nicht wieder. Er ist geheilt. So gehen wir Schritt für Schritt voran. In kleinen Häppchen kommt der abgespaltene Schmerz hoch, wir wenden uns diesem verlassenen und vernachlässigten Kind zu, nehmen es in den Arm und fühlen mit ihm. So wachsen wir jedesmal, wenn wir die Leere, den Schmerz, die Angst aushalten und nicht wegmachen. Danach kommt ein innerer Friede, eine Gelassenheit, ein stilles, einfaches inneres Glück.
Den Schmerz wahrzunehmen bedeutet aufzuwachen, wach zu sein. Den Schmerz wegzudrücken bedeutet betäubt und ohnmächtig zu sein.
Die innere Leere füllt sich, mit uns. Die innere Wertlosigkeit verschwindet, wir finden unseren Eigenwert und unsere Eigenliebe. Die abgespaltenen Anteile von uns selbst werden wieder ein Teil von uns, wenn wir sie nicht ablehnen und abwehren. Solange wir sie ablehnen, lehnen wir uns selbst ab. Daraus entstehen diese Eigenwertlosigkeit und der Selbsthass.
In der Annahme des Schmerzes liegt die Annahme von uns selbst. Hier ist das spirituelle Erwachen. Wir werden zu starken, freien und unabhängigen Menschen. Wir fühlen uns mit uns selbst wohl. Wir können uns selbst Geborgenheit und Freude geben. Wir lernen, was uns gut tut und wie wir es bekommen. Wir lernen zu unterscheiden und zu entscheiden. Wir lernen anzunehmen und uns abzugrenzen. Wir sind bei uns.

Dieser Post erschien zuerst  hier: www.ronaldengert.com und hat mittlerweile 75 sehr berührende Kommentare!

Drei themenverwandte Texte von Ronald Engert findet Ihr hier:

Die Kunst des Nehmens

Wie komme ich von der inneren Leere zur inneren Fülle

Eine Reise in das Gefühl

 

Buch: »Gut, dass es mich gibt«

In diesem Buch könnt Ihr ganz viel darüber lesen, wie man die Innere Leere von innen füllen kann, was die Psyche ist, wo man Hilfe bekommt, wie man mit den Gefühlen von Schmerz, Angst und Wut umgeht, und wie man gesund werden kann. Hier könnt Ihr Euch informieren: http://www.burnout-und-sucht.de.

 

Leere

4 Kommentare
  • Tribhanga
    Veröffentlicht um 15:17h, 05 März Antworten

    Sehr tiefer, heilsamer Text. Dazu fällt mir ein Vers aus der Bhagavad Gita ein: „Wenn aber jemand mit diesem Wissen erleuchtet ist, dann erhellt sei Wissen alles, so wie die Sonne am Tage alles deutchlich sichtbar macht.“ So sehe ich das bei Dir. Weil Du Fortschritte im höchsten, spirituellem Wissen gemacht hast, werden Dir auch solche Dinge in der Psyche klar, die für viele andere ein Buch mit sieben Siegeln sind.

    • Tattva-Archiv
      Veröffentlicht um 19:41h, 08 März Antworten

      Danke 🙂

  • geleerter
    Veröffentlicht um 19:23h, 10 März Antworten

    Eine alles durchdringende, helfende! Kraft lässt dieses Gefühl der inneren Leere in immer mehr Menschen fühlbar werden. Die Scheinwahrheiten, die unsere Aura, unser Atemfeld, füllen und von uns genährt werden, verlieren an Kraft, werden immer transparenter. Schauen wir auf das, was uns „verlorengeht“, nämlich die ichzentralen Bindungen an die Welt, werden wir viel Leid erleben. Können wir uns dagegen auf den entstehenden Freiraum einlassen, ist der Zugang zu einer ganz anderen, viel feineren Bewusstseinsrealität möglich.
    Es offenbaren sich also zwei Wege oder Etappen in diesem stattfindenden Prozess: Zum einen ist es möglich, wie in dem sehr einfühlsam beschriebenen Beitrag, uns selbst immer tiefer anzunehmen und eine harmonischere Persönlichkeit zu entwickeln. Es ist aber auch eine ungleich höhere Möglichkeit gegeben, welche sich in einem „stirb und werde“ ausdrückt. Es ist die innere Bereitschaft,sich durch die einströmenden Kräfte bis auf die atomare Ebene verändern zu lassen. Jedem Menschen wird diese innere Leere angeboten werden, ein Geschenk ist es jedoch nur dann, wenn das Wesen dahingehend geadelt ist, in diese Freiheit hineinsterben zu wollen.

  • Sabine
    Veröffentlicht um 21:29h, 17 März Antworten

    Lieber Ronald,

    Dein Artikel und Dein Buch berühren mich. Auch die Offenheit mit der Du all das in die Welt trägst. Vielen Dank!

    Das Thema spricht mich sehr an. Sitzen wir doch gerade auch in unserer Beziehung vor genau dieser Leere. Gelernt haben wir uns keine Vorwürfe zu machen, „Scheißgefühle“ oder vor allem „Nichtgefühle“ sind nun mal da und da ist keiner wirklich verantwortlich. Es ist eine Mischung aus Hoffnungslosigkeit, Sinnlosigkeit, Bedeutungslosigkeit des eigenen Seins, Langeweile usw… Wenn nun keiner mehr da ist, der verantwortlich ist: Was machen wir da? Wir sitzen in diesem etwas langweiligen, unangenehmen Raum. Ablenken haben wir aussortiert. Wir beobachten unsere Reflexe etwas zu tun oder in Illusionen „abzurauschen“…. wir versuchen zu fühlen…. viel ist da nicht… Zuletzt haben wir gestern Abend Pema Chödrön gelesen. Da kann man sich wenigstens festhalten und hat das Gefühl es macht doch einen Sinn da durchzugehen…

    Vielleicht sich noch tiefer sinken lassen in dieses Nichtgefühl? Dann kommt Angst, aber sie ist lau. Nichts brennt mehr so richtig. Wir stehen an.

    Schön, Dein Mail heute morgen zu lesen.

    Zu wissen, da draussen ist jemand, der geht da auch lang. Ich weiß nicht wohin, aber er glaubt auch (und tief innen fühle ich das auch), dass das irgendwie richtig ist.

    Hab Dank für Dein „Teilen“ und Dein Dranbleiben!

    Sabine

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