Integrale Beziehungen

Integrale Beziehungen

Sozialpsychologische und biologische Selektionsprozesse in der Geschlechterbeziehung

Autor: Martin Ucik
Kategorie: Mann/Frau
Ausgabe Nr: 52

 

 

 

Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist noch lange nicht ausgelotet. Tieferes Wissen und Erkenntnisse helfen die eigene Situation und die des Partners besser zu verstehen und Beziehungen als Wachstumschancen auf der ganzen Ebene des Menschseins zu erfahren. Martin Ucik erhellt in diesem Beitrag wesentliche Aspekte der Partnerschaft und Partnersuche – speziell für Männer.

 

Martin Ucik - Integrale Beziehungen

 

Studien zeigen, dass Männer im Allgemeinen mehr davon profitieren, sich in einer verbindlichen Liebesbeziehung und Ehe zu befinden als Frauen. Gleichzeitig sind sie jedoch wesentlich weniger darüber informiert, wie Liebe und Liebesbeziehungen eigentlich funktionieren. Viele emotional und finanziell unabhängige moderne und postmoderne Frauen sind es deshalb leid, den Löwenanteil der Last dafür zu tragen, ihre Beziehung mit Männern am Laufen zu halten. Solche Frauen wollen nicht länger unglücklich sein; sie machen ihre Männer für die Beziehungsprobleme verantwortlich, verlassen sie frustriert und sind lieber Single, als weiter mit Beziehungsidioten zusammenzuleben.
Um Rat zu finden besorgen sie sich nun Selbsthilfebücher. Das hat zur Folge, dass der Markt von Tausenden politisch-korrekter und vereinfachender Beziehungsratgeber überflutet ist, die auf Frauen und ihre Interessen abzielen. Diese Bücher haben meist einen eng gefassten Fokus und diskutieren Männer und Liebesbeziehungen aus einer weiblichen Perspektive. Würden die Ratschläge dieser Bücher tatsächlich funktionieren, könnten wir eine ansteigende Zahl gesunden Beziehungen verzeichnen. Die Wirklichkeit jedoch sieht anders aus.

 

Eine Art, die Seele zu erfahren, besteht darin, mit dem einzigartigen Selbst in Kontakt zu treten, das übrig bleibt, wenn wir alle erlernten Konzeptionen und falschen Glaubenssätze des Egos abgelegt haben.

 

Der integrale Ansatz

»Integral« bedeutet ganz, vollständig oder umfassend. Eine integrale Beziehung zu führen basiert darauf, praktisch alle Aspekte unseres Seins in unsere Beziehungen zu integrieren: z.B. biologische Geschlechtsunterschiede, Geschlechterrollen, Arten der Liebe, Anima und Animus, Eros und Agape, Interessen und Fertigkeiten sowie die allgemeinen, sexuellen und spirituellen Entwicklungsstufen. Desweiteren berücksichtigt diese Vorstellung von integralen Beziehungen mehrere Arten von Intelligenz, Kompetenz, Werte, Interessen, Leidenschaften und emotionale Bedürfnisse, die zwischen Paaren kompatibel sein müssen, um eine tiefere Herzens- und Seelenverbindung zu entwickeln und ihre Beziehung gedeihen zu lassen. Wir wissen heute, dass erfolgreiche Paare sehr ähnliche Interessen, Lebensführung und Zukunftsträume haben. Ihre Partnerschaft hat für sie die höchste Priorität, sie steht also über Kindern, Arbeit, Geld, Reisen, Besitztümern, ihrem individuellen Lebenssinn, Freunden, Religion, Spiritualität wie auch kulturellen, sozialen und Familienzwängen. Die Hingabe solcher Paare zueinander und ihre Beziehung ist ein wiederkehrendes Muster bei langandauernden und intimen Beziehungen. Zu guter Letzt haben sich erfolgreiche Paare verpflichtet, die individuelle und gemeinsame spirituelle Entwicklungsarbeit zu tun, die jede dauerhafte Beziehung erfordert, und sie sind bereit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn sie irgendwo stecken bleiben.

Im Folgenden möchte ich auf zwei besondere Aspekte von integralen Beziehungen eingehen, nämlich die Anima-Entwicklung beim Mann sowie den Prozess der sexuellen Selektion zwischen den Partnern. Die Anima-Entwicklung zeigt, durch welche Phasen der Abhängigkeit und Selbstständigkeit ein Mann im Laufe seines Lebens gehen kann. Der Prozess der sexuellen Selektion zeigt auf die häufig unbewusst ablaufenden Auswahlprozesse zwischen Mann und Frau.

 

Martin Ucik - Integrale Beziehungen

 

Anima Entwicklung

In der Psychologie C.G. Jungs werden die Anima und der Animus als die Brücke zur Seele betrachtet. Eine Art, die Seele zu erfahren, besteht darin, mit dem einzigartigen Selbst in Kontakt zu treten, das übrig bleibt, wenn wir alle erlernten Konzeptionen und falschen Glaubenssätze des Egos über uns selbst abgelegt haben. Was dann bleibt, ist der tiefstmögliche authentische Ausdruck unseres einzigartigen Seins, der immer noch personal ist: Das Subjekt, das nicht in ein Objekt verwandelt werden kann, oder eben die Seele. Dieser einzigartige Kern unserer Existenz weiß nichts über die Dualität von entgegengesetzten Geschlechtern, Gender oder feminin-maskulinen Polaritäten.

 

Menschen, die den Ruf ihrer Anima oder ihres Animus ignorieren und Wachstum in einer intimen Beziehung vermeiden, riskieren, depressive und zynische Pseudo-Intelektuelle zu werden.

 

Während sich unsere Selbstidentifikation als Jungs und Mädchen in der Kindheit entwickelt, verbergen wir in uns die Qualitäten des anderen Geschlechts in unterschiedlichem Ausmaß, trennen uns davon oder unterdrücken sie. Da wir alle von einer Mutter geboren werden, ist dieser komplizierte Prozess für Männer und Frauen sehr unterschiedlich. Kleine Jungs lernen schnell, dass sie nicht wie ihre Mutter sind, trennen sich schmerzhaft von ihr und identifizieren sich mit der Vaterfigur, während kleine Mädchen lernen, dass sie wie die Mutter sind, aber nicht wie der Vater, der dann so etwas wie ein Mysterium für sie wird. C.G. Jung entdeckte diese Abtrennung und nannte das verleugnete Weibliche in Männern die Anima und das verleugnete Männliche in Frauen den Animus. Die Teile dieser verleugneten und daher unbewussten Wirklichkeiten, die nicht erkannt werden und wieder integriert werden sollten, erscheinen dann als innere Schatten, die Teile der Seele verdecken und zu nach außen gerichteten Projektionen auf das andere Geschlecht werden, was dann ein Komplex genannt wird.

 

Martin Ucik - Integrale Beziehungen

 

Man erfährt die Projektion einer Anima, wenn man eine starke emotionale, sexuelle oder auch andere Attraktion zu der Aura einer Frau empfindet oder sich davon bedroht fühlt. Wenn die Attraktion gegenseitig ist und man sich entscheidet, ein Paar zu werden, fühlt es sich an, als würde man nach Hause kommen und hätte einen lang verloren geglaubten Seelenpartner oder auch die »Zwillings-Flamme« gefunden. Diese glückseligen Gefühle der Vollständigkeit, wenn man auf harmonische Weise zusammen ist, das Verlangen, das man empfindet, wenn man getrennt ist, und die Sorgen um Verlust und Verlassenwerden, die man erfährt, wenn sie sich zurückzieht oder einen herausfordert, sind in vielen Liebesliedern ausgedrückt worden, etwa »When I found you, there was no more emptiness inside«, oder »If you leave me now, you take away the biggest part of me«, und Filmdialogen wie »Ich liebe dich, du vervollständigst mich« und »Du hattest mich schon nach dem ›Hallo‹!«

[…]

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 52

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben

TV 24: Eli Jaxon-Bear – Ein wahrer Freund sein
TV 37: Tom Amarque – Boomeritis. Pluralismus und Integralität
TV 42: Katharina Sander – Gewaltfreie Kommunikation
TV 42: Steve McIntosh – Integrale Philosophie und die Evolution des Bewusstseins
TV 45: Dr. Thomas Wachter – Die Heilung des Ego
TV 47: Ronald Engert – Entwirrung der Gefühle
TV 49: Prof. Gottwald / Dr. Steininger – Das aperspektivische Zeitalter.
TV 50: Alexandra Schwarz-Schilling – Die Polarität der Geschlechter
TV 50: Sabine Wandjo – Ich fühle mich, also bin ich

 

Bildnachweis: © Swantje Zink/S.Thierauf, cinema.de, fotolia/Maridav

 

13 Kommentare
  • Tattva Viveka
    Tattva Viveka
    Veröffentlicht um 15:22h, 28 Januar Antworten

    Dies ist ein Test-Kommentar für unsere FB-Homepage-Integration.

  • Tattva Viveka
    Tattva Viveka
    Veröffentlicht um 15:22h, 28 Januar Antworten

    Dies ist ein Test-Kommentar für unsere FB-Homepage-Integration.

  • Sru Isealb
    Sru Isealb
    Veröffentlicht um 18:18h, 28 Januar Antworten

    Ich habe grosse Mühe zu Glauben das dieser Martin alles versteht, aber vielleicht ist er ja ein Supen-Mann. sru

    • Tattva Viveka
      Tattva Viveka
      Veröffentlicht um 18:36h, 28 Januar Antworten

      Es hat auch keiner behauptet, dass Martin alles versteht – weder er noch wir 😉

  • Urs Eugen Bläsi
    Urs Eugen Bläsi
    Veröffentlicht um 18:18h, 28 Januar Antworten

    Ich habe grosse Mühe zu Glauben das dieser Martin alles versteht, aber vielleicht ist er ja ein Supen-Mann. sru

    • Tattva Viveka
      Tattva Viveka
      Veröffentlicht um 18:36h, 28 Januar Antworten

      Es hat auch keiner behauptet, dass Martin alles versteht – weder er noch wir 😉

  • Bernd Martin Rohde
    Bernd Martin Rohde
    Veröffentlicht um 17:19h, 29 Januar Antworten

    „Menschen, die den Ruf ihrer Anima oder ihres Animus ignorieren und Wachstum in einer intimen Beziehung vermeiden, riskieren, depressive und zynische Pseudo-Intelektuelle zu werden.“ Manchmal kann man auch einfach aufgrund Mind-Blindness einfach schon zu anfang schwer eine Beziehung aufbauen (non-verbal, Blickkontakt). Und bei einem Asperger-Syndrom wird man, wenn man anfängt über sein Spezial-Interesse zu monologisieren, sowieso als Pseudo-Intellektueller wahrgenommen. Und Depression ist eine häufige Komorbidität.

    • Monika
      Veröffentlicht um 20:53h, 28 Februar Antworten

      Es ist klar, dass Menschen mit Asperger-Syndrom völlig andere Herausforderungen haben. Für diese Menschen ist „Beziehung“ eine grosse Nuss zu knacken. Vieles was „gewöhnlichen“ Menschen einfach intuitiv klar ist, müssen Menschen mit Asperger mühsam erlernen. Ich hoffe, du hast Gleichbetroffene z.B. in einem Forum gefunden, wo ihr euch auf eure eigene Weise austauschen könnt. Beziehung kann durchaus möglich sein. Meine Tochter hat einen Freund mit Asperger-Syndrom. Es scheint, dass man einander einfach unendlich viel erklären muss in solchen Beziehungen. Aber wenn beide genug offen dafür sind? Es braucht ja nicht nur das Verständnis und den Auseinandersetzungswillen des Nicht-Aspergers, sondern auch umgekehrt. Wünsche dir alles Beste!

  • Bernd Martin Rohde
    Bernd Martin Rohde
    Veröffentlicht um 17:19h, 29 Januar Antworten

    „Menschen, die den Ruf ihrer Anima oder ihres Animus ignorieren und Wachstum in einer intimen Beziehung vermeiden, riskieren, depressive und zynische Pseudo-Intelektuelle zu werden.“ Manchmal kann man auch einfach aufgrund Mind-Blindness einfach schon zu anfang schwer eine Beziehung aufbauen (non-verbal, Blickkontakt). Und bei einem Asperger-Syndrom wird man, wenn man anfängt über sein Spezial-Interesse zu monologisieren, sowieso als Pseudo-Intellektueller wahrgenommen. Und Depression ist eine häufige Komorbidität.

  • Bernd Martin Rohde
    Bernd Martin Rohde
    Veröffentlicht um 17:19h, 29 Januar Antworten

    „Menschen, die den Ruf ihrer Anima oder ihres Animus ignorieren und Wachstum in einer intimen Beziehung vermeiden, riskieren, depressive und zynische Pseudo-Intelektuelle zu werden.“ Manchmal kann man auch einfach aufgrund Mind-Blindness einfach schon zu anfang schwer eine Beziehung aufbauen (non-verbal, Blickkontakt). Und bei einem Asperger-Syndrom wird man, wenn man anfängt über sein Spezial-Interesse zu monologisieren, sowieso als Pseudo-Intellektueller wahrgenommen. Und Depression ist eine häufige Komorbidität.

  • Karin Brunner
    Karin Brunner
    Veröffentlicht um 08:07h, 01 Februar Antworten

    entzückend! :*

  • Karin Brunner
    Karin Brunner
    Veröffentlicht um 08:07h, 01 Februar Antworten

    entzückend! :*

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