Kogi – Heiler der Erde

Kogi-Indianer

 

 

Besuch bei den Kogi-Indianern

Autor: Oliver Driver
Kategorie: Schamanismus
Ausgabe Nr: 60

 

 

Die westliche Welt betrachtet sich in ihrer Selbstwahrnehmung als hochentwickelte Kultur. Wer sich mit indigenen Kulturen befasst hat, der fragt sich jedoch manchmal, wer hier eigentlich primitiv ist? Der Autor beschreibt seine Erfahrungen mit dem Stamm der Kogis in Kolumbien, die er nun schon einige Jahre begleitet.

 

Über einhundert in strahlend weißen Gewändern gekleidete Schamanen und Oberhäupter der Kogi stehen in Kreisen auf einer saftig grünen Wiese um einen uralten großen Baum, der das Zentrum dieser heiligen Stätte ist. Sie verbinden sich mit Alúna, dem Ursprung der Schöpfung. Fast alle sind rituell mit ihrem Poporro beschäftigt. Dieses gelbe, aus einem Kürbis gefertigte Gefäß ihrer heiligen Mischung aus Koka und Kalk, ist wesentlicher Bestandteil ihres Weltbildes. Bis zu acht Meter große, rundgeschliffene Felsen bilden den malerischen Rahmen.

 

Heiler der Erde

 

Ich bin hier, weil ich die Kogi dabei unterstützen will, ihren Kaffee in Deutschland zu platzieren. Die Kogi suchen unter anderem eine Antwort auf die Frage »Ist dieser Deutsche, der nicht locker gelassen hat, der richtige, um das Projekt ›Café Kogi‹ in Deutschland zu starten? Ist er spirituell genug, um unsere Absicht und Botschaft zu verstehen?« Ich komme mir vor wie bei einem Vorstellungsgespräch in einer Welt, deren Regeln ich nicht kenne, in einer mir unbekannten Sprache …

Gut ist, dass ich mich nicht verstellen brauche. Ich habe nicht den Zwang, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen. Der Gedanke, mich als deutschen Schamanen vorzustellen, kommt mir angesichts dieser uralten Heilerkultur absurd vor. Was weiß ich schon im Vergleich zu den Mámus, den Schamanen und spirituellen Oberhäuptern der Kogi?

 

Dorf der Kogi

 

Die Mámus – Schamanen, Weise und Priester

Man berichtet, dass einige der Mámus, die hoch in den Bergen leben, die ersten 18 Jahre ihres Lebens in Dunkelheit in der Abgeschiedenheit der Berge verbringen. Dort, in kleinen Steinhäusern leben mehrere Schüler bei der Familie ihres Lehrers in einem separaten Haus und lernen, sich mit der unsichtbaren Welt der Spirits zu verbinden.
Um immer in Verbindung mit Mutter Erde zu stehen, tragen die Mámus möglichst keine Schuhe. Ihre Gebete erhalten die kosmische Ordnung. Während der Ausbildung bekommen sie eine salzarme Diät mit keinen Gewürzen und wenig Fleisch. Weiße, helle Lebensmittel wie Mais, Kürbis, Pilze und Süßwassergarnelen werden bevorzugt. Betrachtet man die Ausbildungsinhalte, die von Kosmologie und Mythologie über verschiedenste Bereiche der Naturwissenschaften bis hin zu Ritualen und Heilwissen reichen, wird das große Wissen der Mámus deutlich. Die Kogi wissen, dass intellektuelle Tätigkeiten von der sprachlichen Kompetenz abhängen. Sprache ist ein Schwerpunkt der Ausbildung, so lernen sie ein sehr umfangreiches Vokabular. Überhaupt habe ich den Eindruck, dass die Kogi eine eher intellektuelle Art des Schamanismus haben. Bei vielem, was ich lese und höre, meine ich, Ähnlichkeiten zum Daoismus zu erkennen.

 

Die Mámus – Schamanen, Weise und Priester

 

Am Ende der Initiationsphase werden sie zum Sonnenaufgang zum Tageslicht geführt. Und wenn sie die Augen öffnen, sehen sie zum ersten Mal in ihrem Leben einen Sonnenaufgang. Und sie sehen zum ersten Mal das Land ihrer Väter, sie sehen Mutter Erde, die sie nur aus den Erzählungen kennen. In diesem Moment des ersten Tageslichts, wenn die Sonnenstrahlen langsam über diese fantastische Landschaft gleiten, tritt der Ausbilder zurück und sagt: »Siehst Du? Es ist wirklich, wie ich es Dir erzählt habe. Es ist so wundervoll, Du musst es beschützen!«. Alles, wovon sie zuvor nur abstrakt gehört hatten, wird in diesem Augenblick in dieser großartigen Pracht in ihre Welt geboren.

 

Oliver Driver im Kreis der Kogi

 

Entscheidungen durch Divination

Für alle wichtigen Entscheidungen befragen die Kogi Alúna, den Ursprung alles Seins, durch Divination. Dazu benutzen sie eine mit klarem Wasser gefüllte Kürbisschale, in die sie einen bestimmten Stein legen. Beim Betrachten der Blasen und Bewegungen sehen sie die Antwort auf ihre Frage. Jeder Mámu erzählt, was er sieht, und im Konsens wird eine Lösung besprochen. Diese Zeremonie kann nicht überall stattfinden, für bestimmte Themen und Fragestellungen gibt es fest zugeordnete, heilige Orte. Die Welt der Kogi basiert auf Analogien. Wenn irgendwann ein Mámu eine Eingebung zum Thema Kaffee an einem bestimmten Ort hatte, so werden zukünftig ähnliche Entscheidungen ebenfalls dort getroffen. Genauso gibt es für die Heilung von Krankheiten und zwischenmenschlichen Themen feste Orte. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 60

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 13: Hyemeyohosts Storm – An alle Völker der Erde.
Die Vorwürfe der traditionellen Indianer gegen die Weißen

TV 20: Nana Nauwald – Reisen durch die Nicht-alltägliche Wirklichkeit.
Erfahrungen mit schamanischen Welten

TV 26: Gabriele Fladda – Ich habe ein gewisses Talent zu sterben.
Schamanische Erfahrungen

TV 30: Sabine Tschudi – Verzeihen beginnt bei dir selbst.
Das Medizinrad des Verzeihens

TV 35: Don Pedro – Heilung aus dem Regenwald. Schamanische Pflanzenmedizin

TV 37: Dhyani Ywahoo – Kristallheilung. Das Erwachen der Erde

TV 55: Annette Rath-Beckmann – Seherinnen, Priesterinnen, Heilerinnen.
Schamaninnen im Matriarchat

 

 

Bildnachweis: © Oliver Driver

 


 

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