Kritik spiritueller Autorität

Kritik spiritueller Autorität

Neo-Advaitismus, spirituelle Verführer und westliche Irrwege

Autor: Gerard Kever
Kategorie: Philosophie
Ausgabe Nr: 71

Autorität hat durch den Missbrauch kirchlicher und weltlicher (Ver-)Führer heute einen negativen Beigeschmack. Autorität ist negativ konnotiert. Gleichzeitig reißt die innere Suche der Menschen nach spiritueller Wahrheit und Erfüllung nicht ab. Ob indische Gurus und Neo-Advaitismus diese Leere füllen können ist genauso fraglich wie der westliche Materialismus. Echte Autorität ist notwendig. Diese ist nur in verwirklichter spiritueller Meisterschaft zu finden. Eine Lücke, die noch nicht gefüllt ist.

Der Mensch in der Dualität

Sind Ameisen intelligenter als Menschen? Schaut man sich die Erotikseiten der Internet-Welt an, fällt die Antwort eindeutig positiv aus. Menschen sind gefangen in den Anziehungskräften der Dualität. Gleichzeitig bedeutet das Gegenüber auch das Fremde; mobilisiert also Abstoßungskräfte durch Polarität. Die Vorstellung, des »Anderen« in sexueller, nationaler oder rassischer Form, ist zweifellos der größte anzunehmende Magnet im Humanfeld. Bienen und Ameisen sind demgegenüber der lebende Beweis für eine vernetzte Form von Intelligenz, wie sie unter Menschen so noch nicht zur Blüte gekommen ist. Und ohne eine digitale Revolution auch kaum kommen würde.

Projektionen weichen der Liebe. Unterscheidungsvermögen ersetzt Identifikationen.

Es sei den, wir werden alle »Erleuchtet«! Non-Dualität – wie der Name schon sagt – erscheint vielen als die einzig relevante Möglichkeit, die gefährliche Illusion des »Anderen« zu überwinden. Wenn das positive Erbe der Religionen kaum jemals mehr war, als die massenhaft organisierte Eindämmung von Geschlechter- und Volkskämpfen, dann scheint Spiritualität das gleiche Ziel mit einem eher individuellen Angebot zu verfolgen. Wer Transzendenz erlebt hat weiß, wie zweifelsfrei wahr die Erkenntnis des einen Selbst in allen Individuen ist.

Schein und Heil

Noch in den 80ern kursierte in spirituellen Kreisen die Idee, dass zweihundert Erleuchtete die Welt retten könnten. Im Moment herrscht eher Ernüchterung über solche Zielvorgaben. Erwachte gebärden sich als rüpelhafte Egomanen, die ihrer Schattenarbeit durch einen stabilen Satori zuvor gekommen sind. Große wie kleine Gurus kollidieren mit den zivilgesellschaftlichen Ansprüchen ihrer Kundschaft auf moderner Autonomie und Selbstbestimmung. Zusehends verflüchtigt sich dabei der Respekt-Kredit für das Exotisch-Sakrale. Dessen Klientel, unfähig, Erleuchtung nachzuvollziehen entschuldigt langsam aber sicher nicht mehr jede Guru-Gebärde. Man fängt an das Heilige vom Scheinheiligen zu unterscheiden: eine Regression in prärationale Spiritualität durch ICH-Auflösung ist nicht das gleiche, wie ICH-Transzendenz!

Neo-Advaitismus, spirituelle Verführer und westliche Irrwege

Wie sollte man Ich-Auflösung von Erleuchtung und innerhalb der Ich-Transzendenz die neuen Identifikationen von den alten unterscheiden?

Wulf Mirko Weinreich schreibt 2011 dazu: »Bei letzterer beginnt ein Mensch, sich mit einem Bewusstseinsraum zu identifizieren, der über seine ICH-Grenzen hinausgeht, in dem das ICH aber als funktionale Einheit erhalten bleibt. Diese Art der unmittelbaren Weltwahrnehmung kann man als transrationale, transpersonale Spiritualität bezeichnen.«

Was der Autor über die Tiefen und Untiefen der Erleuchtung noch berichtet, können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Die westliche Sehnsucht nach Sinn

Durch Technologie expliziert und durch Erdöl beschleunigt, eskalieren Leichtigkeit wie Leichtsinn. Ethische Standards, die für die Unendlichkeit ersonnen waren, wirken durch die wissenschaftlichen Explorationen ins materielle Universum bzw. deren Rückkopplung auf die Moral als zunehmend unangemessen. Und auch jene Generation, die das Leiden am modernen Sinnverlust bis nach Indien trieb, ist ohne den horizontalen Überfluss des westlichen »way-of-life« nicht nachzuvollziehen. Wenn von allen Religionen es ausgerechnet der Hinduismus war, der den unter Haschisch und LSD-Einfluss stehenden Hippies attraktiv erschien, dann ist das kein Zufall. Um die Sehnsucht nach einer Letzt-Wahrheit stillen zu können, hatten nur die Erleuchtungs-Angebote eine Chance, deren Wegbeschreibung so kurz war, so dass sich keine konfessionelle oder institutionalisierte Autorität (wie z.B. die des buddhistischen Dzogchen) mehr zwischen den Sinnsucher und seiner Verwirklichung schieben konnte.

Die Idee des »Instant Enlightenment« ist von allen Ambitionen auf Erlösung diejenige, die mit dem westlichen Selbstverständnis maximal kompatibel ist.

Eine ausführliche Beschreibung der Folgen der westlichen Hybris finden Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Die Frage nach der Autorität

Genau genommen aber wissen wir nicht, was Autorität bedeutet. Seit Nietzsche definieren wir sie durch das Vermögen einer Person, als Autor aufzutreten. Wer sich nicht selbst erfindet, kann auch nicht »gecastet« werden. Jedem sein individuelles Tattoo.

Ohne zu wissen, was das »Selbst« eigentlich ist, möchte bei uns jeder nur noch Autor dieses »Selbst« sein. Die glaubwürdigsten Formen von Autorenschaft werden durch die Figur des Künstlers verwirklicht. Alle spirituellen Definitionen sind historisch gesehen völlig unmöglich geworden. Dabei liegt die höchste Definition eigentlich auf der Hand: Autorität ist das, was aus dem kommt, was »Auto« – (grich,: αὐτό), »das Selbst« – in letzter Instanz ist. Eben diese höchste Form der Autorität aber, meiden wir, wie der Teufel das Weihwasser. Leben in einer popkulturellen Demokratie scheint nur noch aus Verwaltungsakte unvollständiger Autoritätsanwandlungen zu bestehen. Dabei liegt die Quelle des Missbrauchs von Autorität logischerweise in ihrer Unvollständigkeit. Selbst wenn man zu 99% wüsste, wer man ist, es wären allesamt geborgte Identifikationen. Der erwachte Mensch unterscheidet sich von seinem Egoträger wie der Dampf von noch nicht kochenden Wasser: seine Autorität hat sich verwandelt.

Lässt sich Autoritätsmissbrauch vermeiden? Das steht im vollständigen Beitrag. Denn können wir hier leider nicht kostenlos abdrucken. Aber für nur 2,00 € Unterstützungsbeitrag sind Sie dabei! 😉

Da es mehr als unwahrscheinlich ist, dass die marginale Anzahl kompetenter spiritueller Lehrer die Post-Erwachens-Probleme lösen wird, noch, dass der damit einhergehende Rattenschwanz von Flachlanderleuchtung sich vermeiden lassen wird, – bleibt nur noch das Szenario einer Fusion zwischen medialer Virtualität und transreligiöser Spiritualität. Die Angelegenheit läuft auf eine Schließung der Lücke zwischen weltlichen und post-himmlischen Angelegenheiten hinaus: musste das Profane vom Sakralen einstmals voneinander getrennt werden, um Erleuchtung zu entschärfen – geht es jetzt um dessen Zusammenführung. Stumpfer, wie der Asienimport ihn definiert – »Jeder ist bereits erleuchtet« – geht es nimmer. Doch genau das ist die Kerbe, in der die digitale Revolution sich einnisten wird.

Alleine wird Spiritualität es nur in Einzelfällen schaffen, dem Menschen zur Autorität seines wahren Selbst zurück zu führen. Aber durch den Support einer umfassenden Virtualisierung des Lebens könnte sich ein Klima der gesteigerten Proliferation für Erleuchtung einstellen. Genau genommen ist das sogar unausweichlich. Die Kybernetik wird kaum eher ihre Wachstumsgrenze erreicht haben, bevor ihre Ausweitungen nicht ein Drittel der gesamten Lebenswirklichkeit des Menschen umfasst. Versteht man Virtualität erst mal nicht mehr als eine Innovation unter vielen anderen, – sondern als drittes, vermittelndes Standbein zwischen Natur und Kultur – dann fällt seine wahre Potenz erst so richtig ins Auge.

Gerhard Kever

Über den Autor:

Gerard Kever, geb. 1956; Journalist, Künstler. Zahlreiche Publikationen und Rezensionen in div. Magazinen. Kunststudium in Köln (Film) und New York (Cooper Union). Ausstellungen z.B.: »Von hier aus« (Messehallen Düsseldorf). Seine Bilder finden sich in Museen und bekannten Privatsammlungen (Sonnabend-New York, Landesmuseum Darmstadt, Rijksmuseum Groningen, ect.) Kontakt: g.kever[at]gmx.de

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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