Kymatik – Schwingende Welten

Wort-Zeichen-Bild aus dem Worlden-Word-Calendar (Atmani)

 

Kymatik – eine ganzheitliche Wissenschaft

Autor: Atmani
Kategorie: Harmonik
Ausgabe Nr: 60

 

Die Kymatik führt mit ihrer Betrachtung der Tonphänomene zu einer neuen Wissenschaftsgesinnung und Naturanschauung. In ihr wird deutlich, dass das Tönende und die Resonanzfähigkeit des Stofflichen die Welt bewegt und bildet. »Je mehr man sich mit diesen Dingen befasst, desto mehr stellt man fest, dass Klang das schöpferische Grundgesetz ist, es muss als Urgesetz betrachtet werden.«

 

Die Kymatik wurde von Hans Jenny (1904-1972), dem Arzt, Naturforscher und Künstler aus der Schweiz, begründet. In seinen beiden Büchern Kymatik, Band 1 und 2, die heute zu einem Buch zusammengefasst sind, umreißt er die vielfältigen Ausläufer der Kymatik. So gehört gegenüber der Wissenschaft auch die Kunst dazu. Jenny selbst hat Hunderte von Tierzeichnungen hinterlassen, die seine Fähigkeit zeigen, das Tier in seinem Umfeld so zu erfassen, dass etwas vom Wesen des Tieres in der Farb- und Formgebung erkennbar wird.

 

Kymatik - Schwingende Welten


Sand auf einer Glasplatte, durch einen Geigenbogen zum Schwingen gebracht:
Chladnische Klangfiguren nach dem Forscher Ernst Florence Chladni (1756-1827
)

 

Wie auch Goethe in seinen Studien Tausende von Zeichnungen hinterlassen hat, sucht Jenny das Gleichgewicht in Kunst und Wissenschaft. Auf dem 1. Welt-Kymatik-Kongress wird die Kunst in Gesang, Bewegung (Eurythmie) und Musik sowie auch im Zeichnen anwesend sein.

 

Ein Blick auf die Geschichte der Kymatik

Ernst Florence Chladni (1756-1827) beschrieb in seiner Schrift über die »Theorie des Klanges«, wie sich Sand auf einer Glasplatte, durch einen Geigenbogen zum Schwingen gebracht, zu Formen und Figuren ordnet, den Chladnischen Klangfiguren. »Sowohl wissenschaftstheoretisch als auch kulturhistorisch gehört es zu den merkwürdigsten Begebenheiten, dass diese für ein umfassendes Weltbild so grundlegende Entdeckung der formbildenden Kräfte von Schwingungen und Tönen lange Zeit weitgehend unbeachtet blieb und nur wenigen Physikern aus dem Fachbereich der Akustik bekannt war«, wie es Alexander Lauterwasser in seinem Vorwort zur »Kymatik« von Hans Jenny beschreibt.
Erst 1904 veröffentlichte Margaret Watts Hughes »Eidophone Voice Figures«. In dem von ihr als »Eidophone« bezeichneten, Krug-ähnlichen Gegenstand konnte seitlich durch ein Rohr hineingesungen oder hineingesprochen werden. Auf der oberen Öffnung wurde eine Membran gespannt, auf der ebenfalls Figuren und Formen entstanden, die durch Sand sichtbar gemacht wurden. Ausgangspunkt war aber nun die menschliche Stimme. Wiederum ein halbes Jahrhundert später begann Hans Jenny als der erste Naturforscher, sich den Fragestellungen zu widmen, die aus den »Chladnischen Klangfiguren« hervorgehen. Er vermochte die unzähligen Ausläufer dieser neuen Forschungsrichtung geordnet und strukturiert aufzufinden und darzustellen. »Was aber könnte den inneren Anstoß zu einer solchen, schließlich sein ganzes Leben prägenden, unermüdlichen Forschungstätigkeit gegeben haben? Eine mögliche Antwort liegt vielleicht in den Motiven seiner von ihm selbst gemalten Bilder: Es sind Darstellungen von Tieren – jedoch nicht als Abbilder derselben, sondern eher als Schilderungen der Begegnung von Mensch und Natur. Diese Bilder sind Ausdruck einer Freude an der lebendigen Natur, eines Staunens und Fragens angesichts der sich in ihr offenbarenden Geheimnisse«.

 

Auftropfbilder von reinem Quellwasser


Rechts: Auftropfbild von reinem Quellwasser (Bild: Bernd Kröplin)
Links: Dasselbe Quellwasser für eine Person gesegnet. (Bild: Bernd Kröplin)

 

Bevor Jenny das erste Buch über Kymatik veröffentlichte, widmete er sich dem Typus in der Tierwelt. Und die Gesinnung, mit der er dieses tut, lässt sich mit seinen Worten zusammenfassen: »Was wächst aus der Natur selbst als Anschauung hervor, wenn beachtet wird, daß sie in allen Veränderungen dieselbe ist, daß sie einen gewissen Stil hat, dessen Motive und Elemente im Wandel der Dinge immer wieder hervortreten? Sind diese Motive und Elemente in der Anschauung zu fassen?… Das Wesentliche ist, daß in den Schriftzügen der Natur selbst gelesen wird«.
Dieses Lesen hatte Johann Wolfgang von Goethe begonnen, indem er Beobachtung, exaktes Denken und die künstlerische Erfassung (z.B. durch Zeichnungen) des Gegenstandes zusammenfügte.

Rudolf Steiner hatte diese »Eigenart« Goethes zur Methode erhoben und sie »Goetheanismus« genannt, mit dem als Grundlage immer zuerst das Phänomen (z.B. im Experiment) angeschaut, durchdacht und künstlerisch erfasst wird.

Goethe benannte den Typus als das Wesen des Organischen, das nicht im Stofflichen liegt, sondern dieses Stoffliche gestaltet. Steiner hat in seiner Frühschrift »Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung« den Begriff des Typus von Goethe aufgenommen und als Kennzeichen des Organischen gegenüber dem Anorganischen dargestellt, indem der Typus in der Lage ist, die Metamorphosen einer Pflanze oder eines Tieres zu gestalten (Morphologie).

 

Forellenpumpe & Ton-Kreis-Bild


Forellenpumpe mit Implosionseffekt von Viktor Schauberger. (Bild: J. Schauberger)
Rechts: Ton-Kreis-Bild der Jupiter-Symphonie von Mozart (Bild: Atmani, Ralf Tita)

 

Jenny bringt 1967 in »Kymatik«, Band 1, in fundiertester Weise moderne Forschungsgesinnung mit den Möglichkeiten der Technik zusammen, so dass in Verbindung mit seiner künstlerischen Grundhaltung ein neuer Ansatz gefunden ist, die Welt der Naturerscheinungen im Verhältnis zum Menschen zu erfassen.

Die Kymatik untersucht die Rahmenbedingungen für das Phänomen in der Welt und wie sich dabei die Parameter der bisher bekannten Wissenschaft (und der noch entstehenden) zu dem Phänomen der Strukturentstehung aus dem (Klang-, Schall-) Tonspektrum verhalten.

 

Eine neue Wissenschaftsgesinnung

Entscheidend ist nun im Umgang mit den kymatischen Phänomenen, sich in der Begriffsbildung an das Phänomen zu halten und dabei nicht die eigene Weltanschauung in die Versuchsanordnung einfließen zu lassen.

Gerade der Verzicht auf vorgefasste Begriffsbildung charakterisiert den Anfang einer neuen Wissenschaftsgesinnung, bei der das Phänomen selbst sich im Menschen aussprechen kann. Dazu gehören natürlich eine innere Schulung und das Bewusstsein, dass der Ausgangspunkt in der Versuchsbeschreibung sowie Versuchsanordnung, ja der ganze Versuch selbst in seiner Prägung durch den Experimentator geschieht. Erst im vergleichenden Betrachten mit anderen Forschern kann der Wahrheitsgehalt schrittweise herauskristallisiert werden. Es besteht also ein gesetzmäßiger Weg, bis das Laboratorium zum Altar werden kann.

 

Durch einen Ton erzeugte, räumliche stehende Welle


Durch einen Ton erzeugte, räumliche stehende Welle (Bild: Gabriel Kelemen)
Links: Zeichnerisches Erfassen der Strömungsbewegung (Bild: Gabriel Kelemen)

 

Entscheidend ist es, weder Erinnerungen noch Analogien oder jegliche strukturelle Ähnlichkeiten assoziativ aufsuchen zu wollen. In der neuen Wissenschaftsgesinnung geht es darum, aus der Wahrnehmung (durch die Sinne) die Begriffe schrittweise so zu bilden, dass die Synthese beider (Begriff und Wahrnehmung) langsam im Herzen geschieht und durch das Phänomen selbst ständig prüfbar bleibt. Für jegliche Theorie heißt dies ein Bilden aus dem »Wahrnehmlichen« heraus.

Um das zu erfassen, was in der Kymatik begonnen wird, hilft es, der Unterscheidung, die Alanus ab Insulis (1115-1203) vorausblickend für alle Zukunft vorgenommen hat, zu folgen. Alanus unterscheidet den Weg an die Naturerscheinungen heranzutreten – dabei zuerst Begriffe bildend – von dem Weg, sich der Natur zuerst über die Wahrnehmung zu nähern. Das Letztere nennt er Theophania, das Erstere Philosophie.

»… Es besteht also deutlich ein Unterschied zwischen der Philosophie (philosophia) und der Gotteserscheinung (theophania); sie unterscheiden sich darin, daß die Naturphilosophie beim Geist [oder bei der Erkenntnis: intellectus] beginnt und zur Erfahrung des Dinges aus dem Sinn herabsteigt. Die Naturphilosophie nimmt nämlich geistig wahr, daß beispielsweise der Pfeffer seiner Natur nach heiß ist, und hinterher macht sie auch die [entsprechende] Erfahrung in der Sinneswahrnehmung. Die Gotteserscheinung (theophania) beginnt dagegen mit der Sinneswahrnehmung und richtet sich auf ein geistiges Verstehen (intellectus).«

»Mit den Begriffen ›philosophia‹ und ›theophania‹ werden zwei Erkenntnisarten unterschieden: die ›philosophia‹ setzt mit der rein geistig-begrifflichen Erkenntnis ein und geht dann zur sinnlichen Erfahrung des Erkannten über. Alanus beschreibt damit das Verfahren der Naturphilosophie als einer Naturerkenntnis, deren Verfahren der heutigen Naturwissenschaft genau entgegengesetzt ist. Denn die moderne Naturwissenschaft gelangt von der Sinneserfahrung zu bestimmten (geistigen) Begriffen. Dieser ›philosophia‹ steht im Sinne des Alanus die ›theophania‹ gegenüber, und diese hat – formal betrachtet – mit der heutigen Naturerkenntnis die Verfahrungsweise gemeinsam: sie beginnt mit der sinnlichen Wahrnehmung der natürlichen bzw. geschaffenen Welt und gelangt von dort aus zu einer begrifflich-geistigen Erkenntnis. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 60

 

Dieser Artikel ist auch als PDF erhältlich:

Atmani TV60 (PDF)

Kompletter Artikel im PDF-Format (6 Seiten)
 
Preis: 2,00 EUR
(inkl. 19,00% MwSt.)
 
 

Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 18: Dr. Hans Jenny – Kymatik. Die Wirkung von Klang auf Materie

TV 18: Alexander Lauterwasser – Der schöpferische Klang. Klänge bilden Formen

TV 20: Prof. Dr. Rudolf Haase/ Prof. Dr. Werner Schulze
Die Harmonik. Eine Einführung

TV 44: Prof. Dr. Werner Schulze – Harmonik und Polarität.
Hans Weiers, Harmonik in unserer Zeit

TV 57: Robert Gansler – Sisyphos gegen die Gravitation.
Entropische Gravitation? Im Universum wie im Wasser

 

Bildnachweis: © Atmani

 


 

6 Euro Gutschein zu verschenken!

 

 

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben

*