Lebenslust – die Erleuchtung der Fülle

Ein integrales Verständnis von Erleuchtung

Autor: Michael Habecker
Kategorie: Spiritualität
Ausgabe Nr.:48

So wichtig und richtig auch der Hinweis auf einen absoluten Seinsgrund und die offensichtlich leidvolle Vergänglichkeit des irdischen Daseins im Kontext klassischer Erleuchtungslehren ist, so stellt sich doch die – auch spirituelle – Frage, wo dabei die Freude und die Lust des Lebens bleiben, die ja unzweifelhaft auch existieren, und welchen Platz diese im Rahmen von Religion und Spiritualität haben.

 

Michael Habecker

 

Auf der diesjährigen Tagung des Integralen Forums (www.integralesforum.org) referierte der aus der jüdischenTradition kommende Lehrer Marc Gafni zu einem Thema, das man als Die Erleuchtung der Fülle bezeichnen könnte. Ein zentraler Begriff dabei ist das Wort pleasure, dessen Übersetzung auf der Tagung zu lebhaften Diskussionen führte. Was Marc Gafni auf der Tagung in zwei Vorträgen skizzierte, ist eine integrale Landkarte der Lebenslust und Freude, als eine Kartografie der Fülle und Formen (im Unterschied zu den Landkarten der Erleuchtung der Leere der kontemplativen Traditionen).

Mit dieser Landkarte lässt sich die manifeste und sich entwickelnde Welt aus einer erleuchteten Perspektive heraus besser verstehen, leben und gestalten, nicht als ein intellektuelles Denkprojekt, sondern als ein Mittel und Weg um mehr und tiefer lieben zu können.Was während des Vortages und auch in diesem Beitrag nur angedeutet werden kann, ist eine Arbeit, die Marc bereits seit zehn Jahren intensiv verfolgt. Sein Modell besteht im Kern aus fünfzehn Prinzipien der Freude, die ihre Wirkung auf und zwischen fünf Ebenen der Lebenslust entfalten. Die folgende Darstellung ist eine Zusammenfassung mit vier Prinzipien und fünf Ebenen.

 

Die fünf Ebenen der Lebenslust sind:

• physische Lust durch die fünf Sinne (Ebene 1)

• die Freude und Lust an persönlicher Liebe, Zuneigung und Beziehung (Ebene 2)

• die Lust und Leidenschaft, sich mit einem Ideal, einem Prinzip oder Aufgabe in sinnvoller Arbeit zu verbinden (Ebene 3)

• die Freude und Lust am Erkennen der eigenen wahren Wesensnatur, als eine Lust des Seins (Ebene 4)

• die Freude und Lust ein einzigartiges Selbst zu sein, und verwirklicht »mit leeren Händen auf den Marktplatz« zurückzukehren (das zehnte Ochsenbild des Zen). Dies ist die Freude an einer einzigartigen Kreativität, die in einem lebt und sich durch einen ausdrückt.

 

Michael Habecker

Marc Gafni

 

Einige Prinzipien von Lebenslust (die sich auf 5 Ebenen von Freude ausdrücken)

1. Prinzip: Freude/Lust zu erleben ist eine Fertigkeit

Anhaltende Freude wird einem nicht geschenkt, sondern es braucht auf allen Ebenen Fertigkeit, um Freude/Lust zu erleben, sei es die Freude am Genießen einer Mahlzeit, am Klavierspielen, an einer Beziehung, einer Idee, oder am Dasein als ein Ganzes. Was das Leben uns immer wieder schenkt, sind vorübergehende Kostproben von Lust und Freude, die jedoch, wenn wir sie nicht kultivieren, wieder vergehen. Je entwickelter jemand ist, desto mehr Freude und Lust kann er oder sie auch von den einfachen Dingen des Lebens erfahren, als etwas, was jeder sofort für sich überprüfen kann. Daraus ergibt sich fürMarc auch eine neueDefinition des Begriffs von Erleuchtung, als der Fähigkeit kontinuierlich Freude durch einfache Dinge des gewöhnlichen Lebens zu erleben. Das Gegenteil von Erleuchtung ist demgegenüber Sucht, bzw. Depression, als die Unfähigkeit, Freude von einfachen Dingen des Lebens zu erlangen.

 

2. Prinzip: Freude und Leid gehören zusammen

Der Gegensatz zu Lust und Freude ist danach nicht Leid oder Schmerz, sondern Komfort und Bequemlichkeit. Ein Mensch kann sein ganzes Leben damit zubringen, Leid und Schmerz zu vermeiden, doch dadurch erlangt er oder sie niemals tiefe Freude, sondern lediglich Bequemlichkeit. Das Ego sucht Komfort, die Erleuchtung sucht Freude. Doch alle wahre Freude hat auch immer mit Schmerz und Leid zu tun. Man muss, um Freude erfahren zu können, auch den Schmerz und das Leid (aus)halten und umarmen können.

[…]

 

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Tattva Viveka 48

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