Licht, Leben und Bewusstsein

Die Physik der Beziehungen, Teil 2

Autor: Prof. Dr. Thomas Görnitz, Dr. Barbara Görnitz
Kategorie: Physik
Ausgabe: 50

Im zweiten Teil des Beitrages berichten die Dres. Görnitz von den Implikationen der Quantenphysik für das Bewusstsein. Wie wirkt das Bewusstsein auf die Materie? Was ist primär? Warum ist das menschliche Gehirn immer noch leistungsfähiger als ein Computer und wie könnte sich das durch die Entwicklung des Quantencomputers ändern? Wie bindet das Bewusstsein die an unterschiedlichen Orten gespeicherten Informationen zu einem Objekt zusammen? Eine wissenschaftliche Spurensuche in der Quantenwelt mit philosophischer Spannung.

 

Die Photonen sind Träger der Vorgänge des Lebendigen

 

Thomas Görnitz: Die Photonen sind so etwas wie Träger der Vorgänge des Lebendigen. Alle Wechselwirkungen im Lebendigen sind elektromagnetisch. Das heißt, die wesentlichen Träger der Informationsverarbeitung sind virtuelle und reale Photonen. Dass z.B. Pflanzen reale Photonen aussenden, haben viele gar nicht glauben wollen. Fritz-Albert Popp hat dies jedoch in seinen Arbeiten mit Hilfe seiner sehr großen experimentellen Erfahrung und sehr guten Geräten bestätigt. Damit lässt sich z.B. der Unterschied zwischen gesunden und kranken Blättern erkennen. Fritz-Albert Popp hat sich die Erkenntnisse über die Rolle der Photonen zu eigen gemacht und mit großer experimenteller Akkuratesse die realen Photonen untersucht, die jeden Lebensprozess in Pflanze und Tier steuern und begleiten – auch gegen große Widerstände seiner Fachkollegen.

Brigitte Görnitz: Zu solchen Widerständen wird Schopenhauer ein sehr schönes Bonmot zugeschrieben: Am Anfang werden neue Erkenntnisse verleugnet und verlacht. Dann werden sie massiv bekämpft und schließlich haben es alle schon immer gewusst, dass es so sein muss.

 

Abb. 1

 

TG: Dass in der Wissenschaft Erkenntnisfortschritte nicht dauerhaft und für immer aufzuhalten sind, zeigt sich immer wieder. Eine neue Veröffentlichung aus dem Jahr 2011 zeigt: Kohärenz und Quantenverschränkung gibt es auch beim Kompass von Rotkehlchen. Lange Zeit haben alle Biologen und die meisten Physiker geglaubt, solche Lebewesen seien viel zu warm, als dass da Quanteneffekte wichtig sein könnten. Jetzt findet man also heraus: Das Navigieren der Vögel beruht auf der Fähigkeit, kohärente Zustände zu erzeugen – etwa zehn Mal besser als wir es heute experimentell können –, mit denen sie das Erdmagnetfeld ausmessen können.

BG: Die Natur nutzt natürlich alle diese Phänomene, die wir bereits erkannt haben: Quanteneffekte, kohärente Zustände, Tunneleffekt, der Wechsel der Information von einem Objekt zu anderen – und natürlich auch alles, was wir noch nicht erkannt haben.

 

Alle Wechselwirkungen im Lebendigen sind elektromagnetisch.

 

Hier noch einmal, auch wenn manche vielleicht bei den Worten Physik und Chemie abgeschreckt sind: Wir haben immer noch eine Evolution im Kosmischen, nicht nur im Biologischen. Und die Physik kann uns zeigen, dass sie die Grundlage ist und auch weiterwirkt, wenn neue Regeln und Gesetze hinzukommen. Sie kann auch erklären, warum in der Chemie etwas völlig Neues entstehen kann. Man macht sich ja manchmal gar nicht mehr klar, dass Wasserstoff und Sauerstoff – zwei Gase so völlig verschieden in ihren Eigenschaften – zusammen Wasser ergeben. Das haben wir einfach so verinnerlicht. Aber wir können uns immer wieder wundern, welche Kreativität deshalb in diesem Kosmos vorhanden ist, weil wir dieses Wirken der Quanten und der Quanteninformation haben. Das so etwas wie die Selbststabilisierung des Instabilen überhaupt möglich ist, ist ebenso ein Wunder wie dass sich der psychische Raum im Laufe der biologischen Evolution immer mehr erweitert – von einem Fühlen zu einem Erleben, zu einem Unbewussten und zum Bewusstsein, was stets mit Emotionen, mit Gefühlen, mit Affekten verbunden ist, die als ausgedehnte Zustände natürlich auch vom Körper bis zum Geist gehen. D.h.: Mit der hier vorgestellten Theorie wird es erstmals möglich, ein naturwissenschaftliches Konzept bis hin zum Bewusstsein darzustellen und die Einheit von Geist und Materie zu erklären.

 

Abb. 2

 

Es gab einen berühmte Arzt, Physiologen und Naturforscher, Emil du Bois-Reymond. Er hielt eine berühmt gewordene Rede 1872 in Leipzig zum Kongress der Naturforscher und Ärzte. Und er kommt zu dem Schluss: »Wenn wir denn das Wesen von Kraft und Stoff begriffen, dann würden wir auch verstehen, wie Lebendiges fühlt und denkt.« Seitdem sind 140 Jahre vergangen und ich denke, man kann heute solche Aussagen machen: Bewusstsein ist Quanteninformation, die sich selbst erlebt und kennt. D.h.: Im Laufe der Evolution kommt natürlich immer etwas hinzu, was uns unbewusst antreibt. Kinder werden in allen Kulturen mit Interesse und Neugier geboren. Sie können Überraschung zeigen, aber auch Ekel. Später kommt Freude hinzu, Ärger, Traurigkeit und Furcht und andere Emotionen entwickeln sich. Schuld und Scham müssen sich entwickeln, so ab dem zweiten Lebensjahr. Das alles wirkt auch regulativ und wächst letztlich in unsere moralischen Vorstellungen hinein. Dieser Umgang mit den Affekten ist sehr wichtig, und es ist ebenso bedeutend, dass er auch von den Bezugspersonen mit den richtigen Begriffen benannt wird, damit wir genau diese Begriffe zutreffend als objekthaft, d.h. wie eine Eigenschaft und wie ein Objekt, in unserem Gedächtnis halten können.

 

Mit der hier vorgestellten Theorie wird es erstmals möglich, ein naturwissenschaftliches Konzept bis hin zum Bewusstsein darzustellen und die Einheit von Geist und Materie zu erklären.

 

Da Bewusstsein aufwendig ist, wird sehr viel unbewusst verarbeitet. Da das Gehirn lediglich 2 % der Körpermasse, aber etwa 20 % des Energieverbrauches beansprucht, wird deutlich, dass für die psychische Verarbeitung dort ein hoher Aufwand nötig ist. Da das Unbewusste schneller als das reflektierende Bewusstsein und somit effizienter ist, wird möglichst viel automatisch verarbeitet. Manchmal spüren wir unseren Körper nur, wenn Schmerz oder eine Information von außen kommt. Dann wird uns plötzlich bewusst, dass wir die Informationsverarbeitung gerade wieder automatisch – unbewusst oder vorbewusst – haben ablaufen lassen. In der Psychotherapie ist es wichtig zu schauen, was in uns unbewusst ist und daher wie eine Kraft wirkt, die man nicht sieht. Diese Kraft lässt uns handeln – manchmal auch so, wie man es gar nicht möchte.

In Abb. 1 ist eine vereinfachte Darstellung der Abstufungen der Protyposis gegeben. Aus dem Körper, den wir als geformte, als gestaltete Quanteninformation ansehen können, gehen wesentliche Repräsentationen aus Umwelteinflüssen ins Erleben hinein, die uns zumeist unbewusst bleiben. Und aus diesem Erleben heraus gibt es wieder Repräsentationen dieser Information im Bewusstsein. Wenn wir weit genug entwickelt und gesund sind, dann können wir reflektieren. Reflexion ist gleichsam das Deutlichwerden der Information über die Information. Der Mensch ist heute in der Lage zu verstehen, warum wir mehrere Zustände im Bewusstsein halten können, sie miteinander vergleichen und noch einmal darüber nachdenken können. Wir können sagen, dass wir aus dem Bewusstsein genau diese reflexive Rückwirkung auf unser Erleben und auf den Körper haben. Dies macht unter anderem verständlich, warum Placebos wirken, Mittel, die gar keine materielle Wirkkraft haben können. Ich kann im Bewusstsein die Vorstellung haben und mir symbolhaft die Heilkraft vorstellen und »einverleiben«, und diese wirkt dann ins Unbewusste und ins Erleben und in körperliche Veränderungen zurück. Wir sind durchaus in der Lage, alle Ebenen zu beeinflussen.

 

Abb. 3

 

Manche Therapien setzen mehr im Erleben an, manche eher in der Veränderung des Denkens und der unbewussten Denkmuster und manche schließlich an der körperlichen Veränderung. Letztendlich sind wir eine Einheit, die immer als Ganzes wirkt und die ganzen Umwelteinflüsse als Einheit verarbeitet. So verändern sich die Bedeutungen der Informationen in einer ganz bestimmten Weise durch unsere Erfahrung, durch unser Erlernen. Es gibt nicht nur die Bottom-up- Wirkung von unten, von den Molekülen und den Nervenzellen bis zum Bewusstsein, wie oft auch in der Hirnphysiologie noch gedacht wird, dass die Wirkung von den Gehirnzellen ausgeht. Nein. Wir haben auch aus dem Bewusstsein heraus ein Top-down-Wirkung – welche natürlich als Träger ein gesundes Gehirn braucht. Wir wissen alle, welche Auswirkungen Schlaganfälle und ähnliches haben können, wenn also der Träger und seine Informationsverarbeitung gestört ist. Aus dem Bewusstsein heraus kann es diese Wirkung auf den Körper geben, es kann Selbstheilung geben und andere Veränderungen aus dem Bewusstsein ins Unbewusste und bis ins Körperliche. Besonders für die Psychosomatik ist es wichtig zu wissen, dass diese Teilprozesse alle instabil sind. In jeder Sekunde unseres Daseins gehen Zellen kaputt und es werden neue Zellen gebildet. Nicht nur einige, sondern Millionen von Zellen sind im ständigen Umbau begriffen. Das Ganze ist sehr instabil.

 

»Wenn wir denn das Wesen von Kraft und Stoff begriffen, dann würden wir auch verstehen, wie Lebendiges fühlt und denkt.«
(Emil du Bois-Reymond)

 

Und es ergeben sich fortwährend immer wieder Entweder- Oder-Entscheidungen, die uns natürlich Im Wesentlichen nicht bewusst sind, falls sie nicht aus dem reflektierten Bewusstsein kommen. In diese Instabilitäten kann Information eingreifen, die dann natürlich Energien auslösen kann und diese Energien können ihrerseits beispielsweise Muskelzellen zur Verspannung bringen. Dieses Ineinandergreifen ist vor dem Hintergrund der Quanteninformationstheorie besser darstellbar.

TG: Die Entweder-Oder-Entscheidungssituation nennt man wissenschaftlich »Bifurkation«. Sie stellt ein labiles Gleichgewicht dar, so wie wenn etwas auf Messers Schneide steht. In den üblichen Darstellungen geht man davon aus, dass hier der Zufall eingreift, um eine Entscheidung herbeizuführen. Wir können aber heute sagen, dass es in Lebewesen möglich ist, dass an solchen Entscheidungsstellen die Quantentheorie zum Tragen kommt. Hier ist nicht lediglich blinder Zufall am Wirken, sondern hier kann Quanteninformation Einwirkungen zeigen. Und das ist unabhängig von der Größe des Objektes. D.h. an Lebewesen sehen wir immer wieder, dass Quanteninformation Makroskopisches beeinflussen kann, aber natürlich nur an instabilen Stellen. Dort, wo etwas stabil ist, können Informationen nichts ausrichten. Hier braucht es Energie. Aber wo etwas zur Entscheidung ansteht, an einer Bifurkationsstelle, kann Quanteninformation wirkend eingreifen. […]

 

Den kompletten Artikel finden Sie in der Tattva Viveka 50

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TV 01: Marcus Schmieke – Die Natur lesen. Quantentheorie und Wirklichkeit

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