Morphogenetisches Feld, Seele und Atmosphäre

Auf der Suche nach dem Lebendigen

Morphogenetisches Feld, Seele und Atmosphäre

Auf der Suche nach dem Lebendigen

Autor: Dipl. Ing. Werner Merker
Kategorie: Biologie
Ausgabe Nr: 68

Die Frage, was Leben ist, beschäftigt die Menschen schon immer. Aristoteles sah im Lebendigen etwas Ganzheitliches, das durch die Seele geprägt wird, und nannte es Entelechie. Goethe und Henri Bergson betonten, dass das Leben nicht mechanistisch zu erklären sei. Der Begriff der Seele wird in der heutigen Wissenschaft nicht verwendet. Der Autor diskutiert, inwiefern Begriffe wie »Feld« oder »Sphäre« die Stelle einnehmen könnten, und was das Physikalische vom Lebendigen unterscheidet.[/vc_column_text]

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Das magnetische Feld

Morphogenetisches Feld, Seele und Atmosphäre

Eisenspäne ordnen sich im Magnetfeld augenblicklich zu einer Struktur, die manuell mit einer Pinzette kaum herstellbar wäre.

Eisenfeilspäne werden fein verteilt auf ein Blatt Papier gestreut, unter dem sich ein Stabmagnet befindet. Es wird leicht auf das Papier geklopft. Schlagartig verrutschen die Eisenfeilspänchen und bilden eine aus Linien bestehende Struktur.

Wie aufwendig, ja unmöglich, wäre es ohne einen Magneten in mechanischer Weise die einzelnen Eisenfeilspänchen mit einer Pinzette von Hand zum Feldlinienbild zu ordnen! Wie schlagartig und mühelos ist dies dagegen mit der den Raum ganzheitlich ergreifenden Kraft eines Magneten möglich. Diese ganzheitlich im Raum wirkende Kraft nennt man ein magnetisches Feld.

Es ist die Seele, die den physischen Organismus schafft, verwandelt und bewegt.

Das morphogenetische Feld

Ein lebender Süßwasserpolyp wird in zwei Teile zerschnitten. Schon nach wenigen Tagen kann man beobachten, dass beide Teile sich zu kleineren, aber vollständigen Süßwasserpolypen regeneriert haben.

Aus jedem Teil wird wieder ein ganzer Organismus. In jedem Teil muss also die Gestaltungskraft des Ganzen immanent vorhanden sein. Die zur Herstellung der regenerierten Süßwasserpolypen notwendige Substanz stammt dabei aus der Körpersubstanz des halbierten ursprünglichen Polypen. Diese wird umgestaltet, damit sich aus jedem Teil wieder eine lebensfähige Ganzheit bilden kann. Das Ganzheitsprinzip wirkt also über die Materie und die Gene hinaus. Eine solche ganzheitlich wirkende Kraft im Lebendigen kann man ein gestaltgebendes oder morphogenetisches Feld nennen.

Auf der Suche nach dem Lebendigen

Aus einem in zwei Teile zerschnittenen Süßwasserpolypen entstehen nach kurzer Zeit zwei kleinere Süßwasserpolypen.

Aristoteles über das Lebendige

Aristoteles über das Lebendige

Schon Aristoteles war klar, dass das schaffende Lebendige nur durch ein Ganzheitskonzept beschrieben werden kann. Zu seiner Zeit war es für alle Naturphilosophen selbstverständlich, dass diese Ganzheit (nach Aristoteles Entelechie) der Seele entspricht. Es ist die Seele, die den physischen Organismus schafft, verwandelt und bewegt. Alles Belebte unterscheidet sich dadurch vom Unbelebten, dass es beseelt ist. Aristoteles fordert daher, dass ein Naturforscher zum Verständnis eines Lebewesens natürlich über die Seele Bescheid wissen müsse. Dabei hatte er ein anderes Seelenverständnis als es heute üblich ist. Für ihn war auch eine Pflanze beseelt. Ihr kommt nach seiner Vorstellung eine vegetative Seele zu, die für Ernährung, Wachstum und Fortpflanzung zuständig ist. In Tier und Mensch ist neben dem vegetativen Seelenanteil noch eine sensitive Seele wirksam, die zu Wahrnehmungen, Empfindungen und Begierden befähigt. Nur dem Menschen kommt zusätzlich eine rationale Seele zu, die Denken und Vernunft ermöglicht und die Verbindung zum Geistigen darstellt. Diese Seelenanteile muss der Naturforscher nach Aristoteles berücksichtigen um das Lebendige zu verstehen.

Rupert Sheldrake und die morphogenetischen Felder

Dem Problem der vehementen Ablehnung begegnete auch der englische Biologe Rupert Sheldrake, als er in den 1970er Jahren sein Ganzheitskonzept zur Erklärung des Lebendigen entwarf. Dabei sprach Sheldrake ganz bewusst nicht von einer schaffenden Seele, sondern von einem gestaltenden, morphogenetischen Feld, ähnlich einem Magnetfeld (seine Erweiterung des Feldbegriffs auf morphische Felder soll hier weniger betrachtet werden). Damit schloss er an eine Theorie des russischen Biologen Alexander Gurwitsch aus dem Jahr 1922 an.

Die Aufgabe besteht darin, zu erkennen, wie Felder zum Bewusstsein in Beziehung gesetzt werden können.

Rupert Sheldrake / Matthew Fox: Die Seele ist ein Feld. Der Dialog zwischen Wissenschaft und Spiritualität

Sheldrake wie Gurwitsch rangen beide um die Frage nach der Realität der morphogenetischen Felder. Gurwitsch kam nach jahrelangen Überlegungen zu der Überzeugung, dass die im Lebendigen gestaltenden, morphogenetischen Felder nicht wie physikalische Felder verstanden werden dürfen. Als Perspektive formulierte er: »Der der Physik entlehnte Feldbegriff wird demnach eine weitgehende und eigenartige Umgestaltung erfahren dürfen.«

Sheldrake geht für seine Hypothese der Formbildungsursachen einerseits von der Annahme aus, dass »morphogenetische Felder physikalisch real sind in dem Sinne, wie wir Gravitationsfelder, elektromagnetische Felder und Quantenmateriefelder für physikalisch real nehmen.« Sie sind »Einflussgebiete in der Raum-Zeit, die in den und um die Systeme herum lokalisiert sind.« Andererseits besagt der Kern seiner Theorie, dass morphogenetische Felder eine Art kollektives Gedächtnis der Gewohnheiten und Bildungsprinzipien eines Organismus darstellen. Dieses Gedächtnis wirkt über den einzelnen Organismus hinaus. Jedes einzelne Lebewesen hat nach Sheldrakes Theorie Anteil an den Raum und Zeit überspannenden Feldern seiner Art und korrespondiert über Resonanz mit ihnen. Damit wären die morphogenetischen Felder eher geistiger Natur.

 

Lesen Sie hier weitere Beiträge von und zu Rupert Sheldrake

Stellen Sie sich vor, sie begegnen einem Tiger

Stellen Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, folgende Situation vor: Sie befinden sich auf einer Expedition im indischen Dschungel und haben sich ein wenig von Ihrer Expeditionsgruppe entfernt. Plötzlich taucht einige Meter vor Ihnen aus dem Dickicht ein etwa ein Meter großes und knapp zwei Meter langes Tier auf. So ein Tier haben Sie noch nie gesehen noch davon gehört (nehmen wir einfach einmal an). Mit einem Blick erfassen Sie das Tier: seinen kraftvollen, geschmeidigen Körper, das gelbbraune Fell mit der flackernden Musterung durch schwarze Streifen, breite Tatzen mit scharfen, langen Krallen, ein aggressives Fauchen, wobei im aufgerissenen, großen Maul mächtige Eckzähne sichtbar werden, ein sehr wacher, aggressiver Blick aus gelben Augen, der Sie fixiert, eine lauernde, sprungbereite, wache Präsenz. Auch wenn Sie so ein Tier noch nie gesehen haben und überhaupt nicht kennen, erfassen Sie doch schlagartig sein Wesen. Das ganze Wesen des Tieres strahlt durch seine Erscheinung und sein Verhalten eine äußerst aggressive und unberechenbare Energie aus.

Ganzheitskonzepte des Lebendigen

Die Einfühlung in ein lebendiges Wesen ist eine eigene Form des Wissens.

Jeder Mensch würde einen Tiger im Dschungel intuitiv so erfassen, auch wenn er nichts von einem Tiger wüsste. Niemand käme auf die Idee hier ein ängstliches Fluchttier oder einen vegetarisch lebenden Wiederkäuer vor sich zu haben. Das Einfühlen in die Erscheinung des Tigers, in seine Bewegungen, seinen Blick und sein Fauchen würde bei jedem Menschen die in etwa gleiche Intuition seines Wesens hervorrufen.

Seele oder Feld als lebendig Schaffendes?

Seele, Entelechie, Bildungstrieb, Feld – viele verschiedene Begriffe wurden seit der Antike geprägt um ein schaffendes Lebensprinzip zu beschreiben. Goethe und Bergson warnten davor, sich zu sehr auf eine bestimmte Begrifflichkeit zu fixieren und zu meinen, damit die Frage nach dem Lebendigen gelöst zu haben. Damit genüge man nur den Bedürfnissen des Verstandes, der nicht anders könne, als ein Lebensprinzip als Werkmeister oder Bauplan anzusehen. So ein Bauplan werde dann kausal oder finalistisch interpretiert und lasse keine Freiheit für die Kreativität des Lebendigen. Tatsächlich sei das Lebendige aber nur über die Gegenwärtigkeit, oder nach Bergson die Dauer seines Wesens und über seinen kreativen Umgang mit den Gegebenheiten der Umwelt intuitiv zu erfassen. Begrifflichkeiten und Konzepte wirkten einem solchen intuitiven Erfassen nur entgegen. Goethes Maxime lautete daher: »Man suche nur nichts hinter den Phänomenen, sie selbst sind die Lehre.«

Über den Autor

Der Autor Werner Merker

Werner Merker

geb. 1955, studierte in Münster und Stuttgart Chemie, Philosophie und Pädagogik. Nach einigen Jahren Tätigkeit als Lehrer beschäftigte er sich von der praktischen Seite her mit dem Lebendigen: Er absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre und begann mit der Haltung von Bienen. Die Bienenhaltung führte er auch nach Rückkehr zum Lehrerberuf fort.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Lesen Sie im Gesamtartikel von einer neuen Art der Wissenschaft, die das Lebendige integriert und versteht. Außerdem finden Sie dort die erläuternden Fußnoten.
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Werner Merker
Vom mechanistischen zum organischen Denken.
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Mit einem aus der Mechanik hergeleiteten Denken ist die Naturwissenschaft in den letzten Jahrzehnten tief in die materielle Seite des lebendig Geschaffenen eingedrungen und hat die stürmische Entwicklung einer entsprechenden Biotechnologie hervorgerufen. Das Schaffende selbst, das Lebendige an sich, wurde dabei nicht betrachtet.

Einen weiteren Artikel von Werner Merker finden Sie hier: Lebendiges: Wahrnehmung und Wissenschaft

Werner Merker - Vom mechanischen zum organischen Denken