NatĂĽrlich nackt

Ăśber die Frische des offenen Geistes

Autor: Gangaji und Eli Jaxon-Bear
Kategorie: Spiritualität
Ausgabe Nr: 51

Eine tiefgründige Untersuchung des Geistes, dessen genuine Funktion es ist, unser Überleben zu sichern. Für Fragen nach der spirituellen Essenz ist deshalb der Geist Sachwalter ohnmächtiger Instanzen. Diese Antworten erschließen sich vielmehr dem „no-mind“, der indes nicht mit Intelligenzlosigkeit zu verwechseln ist. Es zeigt sich, dass es unsere Ängste sind, die unserer Befreiung im Wege stehen. Sich ihnen zu stellen, befreit uns.

 Gangaji und Eli Jaxon-Bear - Natürlich nackt...

 

Vorbemerkung von Ranva Görner: Als ich vor einigen Jahren Gangaji und Eli zum Thema »Mann-Frau« (für das advaitaJournal) interviewte, waren es die Fragen, die sie an mich stellten, die mein Konzept durcheinanderbrachten und mich herausforderten, tiefer zu schauen. Sie drehten das Interview mittendrin diverse Male um und konfrontierten mich – sanft und dennoch bestimmt – mit Fragen wie: »Was genau interessiert dich an dieser Frage?« »Bringt sie dich tiefer in Kontakt mit deinem wahren Selbst?« Hat Lauschen ein Geschlecht?« »Ist Stille männlich oder weiblich?« Der Satz von Eli mitten im Interview: »Lass dich nicht in Glücksmomenten des vergänglichen Lebens nieder, wenn der grenzenlose Ozean der Liebe dich mitreißen möchte!«, riss mich buchstäblich mit in die Tiefe meiner Selbst und ich bezeugte verwundert, wie dennoch ein druckreifes Interview zustande kam.

Und so war auch dieses Interview eine Herausforderung an mich, die ich gerne und gespannt annahm. Und wieder entpuppte sie sich als eine Einladung, tiefer zu schauen und zu fallen – in die »Frische des offenen Geistes«. Danke für diese Gelegenheit!

 

Frage: Während der Vorbereitung auf das Interview begegnete ich Mustern meines Verstandes (mind*), gewohnt und vertraut, die Welt auf eine bestimmte Art und Weise wahrzunehmen und zu erfahren. Dieser mentale innere Mauerbau – zementiert aus Steinen des Wissenwollens. Je mehr ich wissen will, desto mehr Distanz baue ich auf. Und ich spüre, dass kein wirklicher Kontakt möglich ist. Deshalb möchte ich gerne dieses Thema an den Anfang des Interviews stellen.

Gangaji: Unser Wunsch nach Wissen ist grundlegend verlinkt mit unserem Wunsch zu überleben. Wissen dient dem Fortbestand des Lebens in einer Form. Zu wissen, wann es notwendig ist, sich zu verstecken, zu kämpfen oder sich mit anderen zu verbünden, lässt differenziertere Formen, Wissen zu erwerben, entstehen. Diese wiederum dienen dann dazu, noch ausgeklügeltere Überlebensmechanismen hervorzubringen. Was das Überleben betrifft, ist unsere Fähigkeit zu wissen, gut eingesetzt.
Doch die tiefsten spirituellen Fragen können nur dann gestellt werden, wenn die Fragen nicht von Überlebensmechanismen geleitet sind. Viele Bestrebungen, die spirituelle Erforschung genannt werden, sind einfach nur »höhergelegte« Überlebensstrategien. Eine Frage, aus der Unschuld der Intelligenz gestellt, die keine vorgefasste Meinung darüber hat, wie die Antwort benutzt werden wird, ist eine freie Frage. Diese Ebene des Fragens nenne ich Erforschung, Ergründung. Der denkende Verstand (mind) ist dabei offen zu empfangen anstatt abgeschottet in einer seiner vielen möglichen Strategien. Erforschung setzt frische Entdeckung frei.

Eli: Für wahre Erforschung braucht es zunächst Klarheit. Was will ich wirklich in diesem Leben? Was macht das Leben lebenswert? Für was würde ich sterben? Was ist Wahrheit? Was ist Freiheit? Was ist es, was ich mir aus tiefstem Herzen wünsche? Bevor diese Frage nicht in der Tiefe beantwortet ist, werden alle anderen Fragen keine wahrhaftige Ergründung sein. Sie sind dann nur dazu da, unser Leben abzusichern durch Anhäufung von Wissen und Erfahrung. Wir vermeiden Offenlegung und Aufdeckung.
Jeder von uns geht durchs Leben in einer Trance – gebildet aus unserer gewohnheitsmäßigen Wahrnehmung und Erfahrung der Welt. Normalerweise versuchen wir andere und bessere Navigationsmöglichkeiten zu finden. Sie sollen uns ermöglichen, mit der Welt, wie wir sie in unserer Trance wahrnehmen, klarzukommen. Wir wollen weniger Angst, mehr Vergnügen und Wohlbefinden, die Freiheit, das zu tun, was wir wollen. Es gibt unzählige Versionen, Wünschen nachzueifern und Ängsten davonzulaufen. All diese Möglichkeiten und Wege tauchen innerhalb der Begrenzungen der Landkarte in deinem Kopf auf. Der wahre Wunsch nach Freiheit katapultiert dich über diese eingeschränkte Welt hinaus. Er führt dich jenseits von allem, was du gekannt hast. Du fällst aus dem Gewussten heraus, tauchst ein in das Unbekannte und stößt auf die Realität. Nun bist du ohne Landkarte und in der Lage, das zu erkennen, was unmittelbar ist. Erst wenn in dieser, unserer kurzen Lebensspanne (Lebenszeit) der wahre Wunsch nach Freiheit im Herzen auftaucht, beginnt wahre Erforschung, die zu nachhaltiger Erfüllung, Liebe und Frieden führt.

 

Wir verschließen die Tür, wenn wir wissen und wir öffnen die Tür, wenn wir uns wahrhaftig und aufrichtig zu der Wahrheit bekennen, dass wir nicht wissen.

 

Frage: Wissenwollen kann aufrichtig erscheinen und doch nur vorgetäuscht sein. Dahinter kann sich sogar eine Weigerung, zu wissen, verstecken. Ein bisschen wie Wasser berühren wollen, ohne nass zu werden. Könnt ihr diese Strategie des mind näher beleuchten? Und auch den Wunsch nach Sicherheit?

Gangaji: Es ist die Funktion des Verstandes, Sicherheit zu finden. Wenn Sicherheit nicht mehr im Fokus steht, öffnet sich der Geist ganz natürlich. Wir kennen das aus einfachen und klaren Momenten von Liebe oder tiefer Ruhe. Die Herausforderung spiritueller Erforschung ist die Entdeckung der Fähigkeit, den Geist zu öffnen, auch wenn Gefahr im Verzug ist (und damit meine ich die Gefahr, die der mind gewohnheitsmäßig vermutet und wahrnimmt).
Wenn wir bereit sind, die Bewegung des Verstandes in Richtung Sicherheit wahrzunehmen, haben wir auch die Fähigkeit, uns zu öffnen. Wir brauchen die Funktion des Geistes weder zu verurteilen noch zu leugnen und müssen ihr dennoch nicht den Vorrang einräumen.

Eli: Wenn unser Leben auf tiefer Angst gegründet ist, versuchen wir Wissen anzuwenden, um uns Sicherheit zu verschaffen. Aber mehr zu wissen, als ich bereits weiß, könnte ebenfalls gefährlich werden. Mein Leben auf dieser kleinen Lichtung im Wald scheint zwar sicher, doch wenn ich mich ein wenig mehr herauswage, könnte ich herausfinden, dass ich am Rande eines Abgrunds wohne. Lieber nicht wissen. Der Wunsch nach Sicherheit ist auf einer tieferen Ebene das Vermeiden der direkten Erfahrung von Angst. Anstatt Angst zu fühlen, denken wir. Wir versuchen uns einen Weg in die Sicherheit zu denken. Damit führen wir uns selbst hinters Licht. Wir bemerken nicht einmal, dass wir Angst haben. Stattdessen stellen wir unsere Gedanken in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit und versuchen uns eine kleine Blase vorgestellter Sicherheit zu schaffen.
Aber das funktioniert nicht auf Dauer. Wir wissen nämlich nicht, was kommt und was da drauĂźen ist. Das macht uns Angst. Wenn wir ĂĽber Möglichkeiten in der Zukunft nachdenken, den lauernden Löwen im Busch, den Alptraum, der passieren könnte, erschrecken wir uns damit selbst. Wir verstricken uns in immer angstmachendere Gedanken und versuchen wie wild, eine sichere Lösung zu finden. Das ist die Krankheit, an der die meisten Menschen ihr ganzes Leben leiden. Die wirkliche Lösung liegt darin, anzuhalten. Aufhören, der Angst davonzulaufen. FĂĽr die Wahrheit eintreten, auch wenn sie erschreckend ist. In der Wahrheit stehen und darin bereit sein, unseren tiefen Ă„ngsten zu begegnen. Aufhören, vor dem Monster in unserem Alptraum wegzulaufen und uns umdrehen … und uns Angesicht zu Angesicht all unseren Schattendämonen stellen. Darin liegt der Weg der Befreiung. […]

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 51

 

Dieser Artikel ist auch als PDF erhältlich:

Gangaji und Eli Jaxon-Bear TV51 (PDF)
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Artikel zum Thema in frĂĽheren Ausgaben:

TV 8: Rupert Sheldrake/ David Lorimer: Dialog ĂĽber Henri Bergson.
Schnittstelle zwischen Geist und Bewusstsein

TV 24: Eli Jaxon-Bear: Ein wahrer Freund sein.
Beziehungen im Dienste der Wahrheit

TV 24: Jed McKenna: Verflixte Erleuchtung. Das Einfachste, was es gibt

TV 24: Ronald Engert: Wer bin ich? Eine Erfahrung der Transzendenz

TV 44: Dr. Thomas Wachter: Jenseits von Satsang. Ein Erfahrungsbericht

TV 45-46: Thomas HĂĽbl: Hier, Jetzt und Gott. Auf der Spur des spirituellen Lebens

TV 48: Daniel Stacy Barron: Wer wir noch nie waren.
Die Realität des persönlichen authentisierten Seins

TV 49: Gunter Friedrich: Der Andere in mir. Wegmarken einer Suche

 

Bildnachweis: © noemind grafics sdesign

 

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