Naturwissenschaft und Spiritualität

Naturwissenschaft und Spiritualität

Auf den historischen Spuren einer Synthese

Die Naturwissenschaften haben unser Bild von Mensch und Welt in den letzten Jahrhunderten radikal verändert. Diese Veränderung hat tiefgreifende Konsequenzen für unseren Umgang mit Technik und Natur, aber auch für unser Verständnis von Religion und Kunst, von Gesellschaft und Politik. Die modernen Lebensformen sind durch die Naturwissenschaften entscheidend geprägt worden. Daher ist es wichtig, ihr Entstehen und ihre Konsequenzen für unser Leben zu verstehen.

Geschichtlicher Abriss

Der Beginn der modernen Wissenschaften wird in der Regel zu Beginn des 17. Jahrhunderts gesehen. Zu diesem Zeitpunkt beanspruchten die kirchlichen Institutionen die Erklärungshoheit für Betrachtungen über den Menschen und den Kosmos. Widersprüche gegen die geltende Auffassung wurden sanktioniert und als Ketzerei verworfen. Aus einem wörtlichen Verständnis der Bibel wurden Postulate über die Beschaffenheit der Natur abgeleitet. Wer diesen Vorstellungen widersprach, geriet in Konflikt mit den herrschenden religiösen Autoritäten. Im Extremfall wurde er von der Inquisition verurteilt.

Albert Einstein

Naturwissenschaftler können es überspitzt gesagt nicht ertragen, dass es neben der Physik mit ihren Gesetzen noch etwas Weiteres geben soll.

Ein bekanntes Beispiel solcher weltanschaulicher Vorgaben ist das geozentrische Weltbild, also die Vorstellung, die Erde sei der Mittelpunkt des Universums. Aus der Bibel wurde der Satz »Gott begründet den Erdkreis unbeweglich«1 zitiert und daraus geschlossen, dass die Erde sich nicht bewege. Widersprechende Auffassungen, wie das heliozentrische Weltbild, das Nikolaus Kopernikus Mitte des 16. Jahrhunderts beschrieb und demzufolge die Sonne der Mittelpunkt der Bewegungen der Himmelskörper darstellt, wurden als der Heiligen Schrift widersprechend angesehen und verworfen.

Die Fehlinterpretation von Descartes Denken

Parallel hierzu und in direkter Folge dieser Entwicklung entstanden die philosophischen Systeme der Neuzeit, wie der Rationalismus und die Philosophie der Aufklärung. Ein zentraler Denker des Rationalismus ist René Descartes. Unser heutiges Bild von ihm ist häufig geprägt durch die Vorstellung, er habe den ersten Schritt dessen vollzogen, was Max Weber später einmal die »Entzauberung der Welt« genannt hat. Aber die Auffassungen von Descartes sind subtiler und es ist kennzeichnend, dass er während seines Aufenthalts in Ulm nach den Rosenkreuzern suchte.

René Descartes

Das kartesische Denken scheint viel weiter zu gehen und sich nicht auf eine einfache Reduktion der Welt auf abstrakte und blutleere Begriffe zurückführen lassen.

Man kann diskutieren, inwiefern dieses Zitat von Uwe Schultz, einem modernen Descartes-Biographen, die Intentionen der Rosenkreuzer und die Motivation von Descartes erschöpfend darstellt; in jedem Fall zeigen sich der Rationalismus und seine Hintergründe von einer Seite, die für viele ungewohnt erscheinen mag. Es ist ein Hinweis darauf, dass die pensée cartésienne, das kartesische Denken viel weiter geht und sich nicht auf eine einfache Reduktion der Welt auf abstrakte und blutleere Begriffe zurückführen lässt.

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Wissenschaft und Spiritualität

Nach diesem historischen Überblick ist es interessant, zu fragen, welche Elemente systematisch für die naturwissenschaftliche Methode und Erkenntnisweise wichtig sind. Es sollen hier drei Elemente genannt werden: erstens die Rolle der Empirie, also der Erfahrungen und Beobachtungen, zweitens das Auftreten einer formalen Darstellung des Wissens in Begriffen oder mathematischen Systemen und drittens die Zusammenführung in umfassenden Theorien oder Paradigmen.

Hegel entwickelte Vorstellungen, die die ganze Natur- und Kulturgeschichte als einen geistigen Evolutionsprozess deuteten.

Neben den Bereichen des auf Objekte bezogenen Wissens kennt der Mensch eine ganze Reihe anderer Äußerungen: Dazu gehören kontemplative Einsichten, interpretatorische Erkenntnis, introspektive Wahrnehmungen sowie ästhetische und ethische Wirklichkeiten. Ebenso gehören auch die existentiellen Fragen nach Ursprung, Identität und Bestimmung dazu. Die meisten Menschen kennen diese Fragen sehr gut aus eigener Erfahrung und Anschauung.

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Die Betonung der Entwicklung eines rationalen, eigenständigen Denkens als Grundlage der Erkenntnis und als Gegenpol zu einem spekulativ entwickelten und autoritär durchgesetzten Weltbild bildet auch ein wichtiges Merkmal der Aufklärung. Ken Wilber spricht von der »Würde der Moderne«, die dazu führt, dass eine Differenzierung der drei Wertesphären der Erkenntnis, der Religion und der Kunst stattfindet.

Naturwissenschaft und Spiritualität

Die Religion gibt demzufolge der Wissenschaft nicht mehr die Methode und die Inhalte vor, nach der sie sich entwickeln soll. Umgekehrt wird in der Phase des Rationalismus und der Aufklärung in aller Regel unterstellt, dass die spirituelle Erkenntnis ihre ganz eigene Sphäre einnimmt. Bei Kant ist diese eng verknüpft mit der Ethik, aber auch allgemein suchen die weitaus meisten Vertreter dieser Epoche nach einem angemessenen Platz für die Spiritualität.

In der Folge der Aufklärung lässt sich eine neue Phase in der Entwicklung der Wissenschaften ausmachen. Man kann diese Phase als Szientismus bezeichnen, bei der die Wissenschaften beginnen, einen absoluten Anspruch auf jedwede objektive Erkenntnis zu erheben. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren zahlreiche naturwissenschaftliche Entdeckungen gemacht worden. Neben der Fortführung und Verfeinerung der Mechanik waren grundlegende Entdeckungen in der Thermodynamik, der Chemie, dem Elektromagnetismus, der Astronomie, der Geographie, der Geologie und Mineralogie gemacht worden. In der Biologie bahnte sich mit den Evolutionstheorien ein weiterer Umbruch im Weltbild an. Zugleich hatten sich tiefgreifende gesellschaftliche Änderungen vollzogen. (…)

Prof. Dr. Orestis Terzidis

Über den Autor

Prof. Dr. Orestis Terzidis arbeitet als Professor an der Fakultät für Wirtschaftwissenschaften am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er studierte Physik und Philosophie in Heidelberg und promovierte in theoretischer Physik. Im Anschluss war er als Führungskaft in der industriellen Forschung und Entwicklung tätig. Neben seinen wissenschaftlichen Kerngebieten im Bereich des Innovationsmanangements beschäftigt er sich eingehend mit der Bedeutung der empirischen Wissenschaften und ihrem Verhältnis zu philosophischen Fragenstellungen.

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