Reinkarnation – Was ist das?

Wiedergeburt, Seele und Tod

Reinkarnation – Was ist das?

Wiedergeburt, Seele und Tod

von Gabriele Sigg, Alice Deubzer und Ronald Engert

Was bedeutet Reinkarnation?

Das Wort kommt vom lateinischen “reincarnare”, was “Wiederfleischwerdung” bedeutet. Grundsätzlich ist es die Idee, dass wir ewige Seelen sind und nur unser Körper zeitweilig ist. Deshalb wandert die Seele von einem Körper zum nächsten. Reinkarnation ist deshalb auch als Seelenwanderung bekannt.

 

Wiedergeburt im Hinduismus und Buddhismus

Die älteste Überlieferung zur Reinkarnation finden wir in der Yoga-Schrift Bhagavad-gita niedergelegt. Sie beschreibt die Seelenwanderung als wesentlichen Aspekt des menschlichen Lebens:

Wie die verkörperte Seele in diesem Körper fortgesetzt von Knabenzeit zu Jugend und zu Alter wandert, so geht die Seele beim Tod in ähnlicher Weise in einen anderen Körper ein. Ein besonnener Mensch wird durch einen solchen Wechsel nicht verwirrt. (2.13)

Die Bhagavad-gita stellt die Seelenwanderung anschaulich dar. Die Seele wechselt beim Tod von einem alten Körper in einen neuen Körper. Dies ist wie der Wechsel des Körpers während eines Lebens. Als Fünfjähriger haben wir einen anderen Körper als im Alter von beispielsweise 50 oder 90 Jahren, trotzdem empfinden wir uns immer als dieselbe Person. Obwohl der Körper des fünfjährigen Kindes verschieden von dem des 90-jährigen ist, betrachten wir uns als den gleichen Menschen. So ergeht es auch unserer unsterblichen Seele beim Durchwandern der verschiedenen Daseinsformen. Laut Veden kann die Seele sogar die Lebensform einer Pflanze, eines Tieres oder eines Halbgottes annehmen.

Wie die Tiere Teil des karmischen Rades von Geburt und Tod sind, lesen Sie hier in einem Bericht aus der buddhistischen Reinkarnationslehre. Die meisten spirituellen Traditionen und Religionen empfehlen vegetarische Ernährung.

Die Lehre von der Reinkarnation bei Jesus

In der christlichen Lehre war die Reinkarnationslehre elementarer Bestandteil bis Kaiser Justinian sie 553 n. Christus eliminierte. Jesus erklärte die Reinkarnationslehre und die geistigen Gesetzmäßigkeiten der Wiedergeburt der Seele. In der Luther-Übersetzung von 1984 wird das Wort „trochos tes geneseos“ (= „Rad des Entstehens“ bzw. „Rad der Geburt“) mit „die ganze Welt“ übersetzt. Das deutet darauf hin, dass die Wiedergeburt in der Bibel enthalten ist. Das heutige Verständnis der christlichen Theologie und Kirche ignoriert jedoch die Reinkarnation.

 

Reinkarnation im antiken Griechenland

Schon die Philosophen der griechischen Antike beschäftigten sich mit Fragen nach Karma und Seelenwanderung. Aristoteles ging von der Ewigkeit der Welt oder dem Weiterleben der Geistseele nach dem physischen Tod aus. Die Kirche verbot seine Schriften im Jahr 1260, da sie der Doktrin der kirchlichen Lehre widersprachen.

Die akademische Philosophie drängte die griechischen Schriften, die sich mit derartigen Fragen auseinandersetzen, zugunsten von Logik und Analytischer Philosophie zurück.

Wissenschaft und Reinkarnation

Wissenschaftliche Forscher beschäftigten sich abseits der akademischen Hauptströmungen mit dem Phänomen der Reinkarnation. Prof. Ian Stevenson, Prof. Erlendur Haraldsson oder Prof. Antonia Mills untersuchten seit Anfang der 1960er-Jahre ungefähr 3.000 Fälle von Erinnerungen an vergangene Inkarnationen bei Kindern.

In Deutschland machte sich in der Reinkarnationsforschung besonders Dieter Hassler einen Namen. Kinder erinnern sich an Personen, Orte oder Situationen, welche sie faktisch nicht wissen können. Aus kulturellen Gründen ist Reinkarnation weiterhin ein Tabuthema, über das nicht offen gesprochen wird.

Die Wissenschaft geht von einem materiellen, vergänglichen Bewusstsein aus. Sie nimmt die Materie als Anfang und Urgrund aller Dinge wahr. Die moderne Quantenphysik zeigt heute, dass der Urgrund allen Seins geistig ist. Hans-Peter Dürr, geehrt mit dem alternativen Nobelpreis, zeigt, dass Materie nur 5 % unseres Daseins ausmachen.

An diesem Punkt trifft sich die moderne Quantenphysik mit dem Wissen uralter Kulturen. In den vedischen Schriften, den ältesten erhaltenen Überlieferungen, finden sich viele Anhaltspunkte über das Leben vor und nach dem Tod. Armin Risi, langjähriger Mönch und Philosoph, macht das vedische Wissen fruchtbar. Hinter jeder Information steht ein Bewusstsein, das sich über Reinkarnationszyklen zurück in die lichtvolle geistige Welt und zu Gott entwickelt.

Wie lösen wir karmische Muster auf?

“Karma” kommt aus dem Sanskrit und bedeutet “Handlung”. Karmische Muster entstehen aus unseren Handlungen und bedingen die Reinkarnation. Karmische Handlungen in diesem Leben können erst im nächsten Leben Reaktionen bewirken.

Wenn wir als Menschen die Existenz vorheriger Leben akzeptieren, können wir auch unser heutiges Leben und Situationen, die uns begegnen, unter einem anderen Blickwinkel betrachten. Es ist möglich, dass uns Menschen und Umstände aus anderen Zeiten begegnen, mit denen wir ungeklärte Angelegenheiten zu lösen haben. Diese Verstrickungen aufzulösen befreit und läutert uns auf dem Weg zurück in die geistige Welt. Anbei ein Bericht über karmische Begegnungen und deren Heilung.

Krisen als Wachstum

Krisen bieten Wachstums- und Läuterungschancen für die Seele, vergangene Fehler zu erkennen, um Vergebung zu bitten und Heilung zu erfahren.

Zentraler Aspekt bei der Auflösung karmischer Muster ist die Bereitschaft zu fühlen. Es geht darum, die Angst davor zu verlieren die Gefühle zu fühlen. Wut, Scham, Reue, Ekel sind unerwünschte Gefühle, die uns jedoch auf dem Weg zur Heilung und Erkenntnis voranbringen können. Anderen Menschen und uns selbst zu vergeben, spielt hierbei eine zentrale Rolle.

Das Ende der Reinkarnation

Das Ziel der östlichen spirituellen Reinkarnationslehren wie Hinduismus und Buddhismus ist es, aus der Reinkarnation auszusteigen und als Seele zurück in die spirituelle Welt Gottes zu gehen. Es bedarf der Gnade Gottes, um aus dem Rad von Wiedergeburt und Tod erlöst zu werden.

Mögen alle Menschen glücklich sein.

Bildnachweis: © Maren Beßler/schmitz-duisburg/Michael Ottersbach/pixelio.com

3 Kommentare
  • Gabriele Sielmann
    Veröffentlicht um 13:39h, 01 Februar Antworten

    Sobald etwas von der „Gnade Gottes“ abhängig ist, entspricht es nicht mehr der Natur. Die Natur ist Werden und Vergehen (der Zeit und der Form), aber kein Gnadenakt. Wir sind bereits spirituell, wir müssen dafür nicht in eine unbekannte Welt „aufsteigen“ – wir sind mitten drin.
    Unser Problem ist: wir haben das Vertrauen in die Schöpfung verloren, indem wir begonnen haben, an einen strafenden Gott zu glauben, der uns alle Nas lang bedroht (Hölle, Verdammnis). Als Christen kommen wir sogar bereits mit der „Erbsünde“ auf die Welt – also letztlich unverschuldet als Verbrecher. Unglaublich; vor allem aber unmenschlich.
    Ansonsten: schöner Artikel

    • Tattva-Archiv
      Veröffentlicht um 14:48h, 08 Februar Antworten

      Liebe Frau Sielmann, das mit dem „strafenden Gott“ finde ich einen alten Hut. Ich muss mich mit solchen Autoritätskonflikten nicht mehr aufhalten. Natürlich straft uns Gott nicht, sondern liebt uns bedingungslos, egal wie vollkommen oder unvollkommen wir sind oder handeln. Dennoch ist das Prinzip der Gnade möglich und auch notwendig. Unsere materielle Welt hier im physischen Körper ist endlich. Jeder stirbt irgendwann. Meinen Sie nicht, dass es irgendwann auch ein Ende dieses Kreislaufs der Geburten und Tode geben sollte? Und dass dementsprechend diese zeitweilige physische Existenz nicht das letzte Wort ist? Dann müsste es doch noch eine andere Wirklichkeit geben? Die irgendwie spirituell zu verstehen wäre. Unsere ewigen Seelen sind mit Göttin-Gott in der spirituellen Welt ewig und allglückselig verbunden und singen und tanzen miteinander. Aber um dort hin zu kommen, müssen wir das erstmal wollen und dann unsere Untaten wieder gut machen, entweder direkt oder indem sie uns durch Gnade vergeben werden. Es ist schön, wenn uns jemand vergibt, aber wir haben kein Anrecht darauf. Gnade ist Liebe.

  • Jack Silver
    Veröffentlicht um 16:10h, 01 Februar Antworten

    Als ich zum ersten mal von der Reincarnation hörte, war ich überglücklich.
    Dieses Konzept passte mir sofort in den Kram und gab meinem Leben einen Sinn.
    Dass ich in diesem Leben schon gutes für das nächste Leben tun kann und dass so vieles, was mir in diesem Leben begegnet von mir selbst verursacht wurde, ist bruhigend.
    Ich habe es also in der Hand und bin selbst die Ursache für meine Erfahrungen.
    Wer mich fragt, ob das denn auch stimmt, dass wir immer wieder geboren werden, dem sage ich:
    Das weis ich nicht sicher, aber ich glaube es.
    Dieser Glaube hilft mir für ein besseres Leben.
    Das sollte für´s erste genügen.
    Beweisen brauche ich das nicht, obgleich ich mich über Berichte freue, die die Reinkarnation bestätigen.

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