Schamanismus in der westlichen Moderne
Grenzgänge zwischen den Kulturen
Autor: Mohan L. & Suraj Rai
Kategorie: Schamanismus
Ausgabe Nr: 50
Mohan Rai ist ein 80jähriger Schamane aus Nepal. Er spricht in dem Interview über Sinn und Nutzen schamanischer Arbeit im Westen. Was kann ein nepalischer Schamanismus den Menschen aus dem Westen bringen? Es zeigt sich, dass es nicht um eine Kopie der Kultur Nepals geht, sondern um einen eigenen Weg, für den indes der nepalesische Schamanismus Anleihen bieten kann.
Mohan und Suraj Rai sind seit mehr als zwei Jahrzehnten in Europa als schamanische Vermittler aus Nepal unterwegs und eignen sich daher für dieses interkulturelle Interviewthema. Mit Planung und Bau des freiraum-Instituts am Möhnesee entsteht die offizielle deutsche Vertretung des »Shamanistic Studies & Research Centre- Kathmandu« nach Mohan Rai.
In diesem Interview-Auszug aus mehreren mehrstündigen Konversationen möchte ich daher der notwendigen Frage nachgehen, wie wir uns unserem vergessenen, schamanischen Erbe wieder annähern können und auf welche Weise dies über eine Auseinandersetzung mit einer fremdländischen Schamanismus-Kultur gelingen könnte. Meines Erachtens ist diese prekäre Frage, in Anbetracht des Vorwurfes einer synkretischen Pseudo-Verschmelzung, unabdingbar notwendig, um überhaupt auf einem seriösen Niveau tätig werden zu können. Letzteres wird vielen Neo-Schamanischen Bewegungen ja seit jeher unterstellt. Im frei übersetzten Interview wird diese Fragestellung in Bezug auf den nepalesischen Schamanismus erörtert.
Jörg Fuhrmann: Es sind bereits hunderte Von Menschen aus Europa bei Euch in Kathmandu gewesen, um direkt von den Schamanen zu lernen, richtig?
Mohan: Ja, es haben uns viele Menschen aus Deutschland, Österreich – hauptsächlich aus dem zentralen Europa – besucht. Aber wir hatten auch schon diverse Studenten aus Amerika, Kanada oder Japan hier. Mit Christian Rätsch und Claudia Müller Ebeling habe ich ausgiebig über viele Jahre an dem Standardwerk »Schamanismus und Tantra in Nepal« mitgearbeitet. Desweiteren haben uns auch Nana Nauwald und Wolf-Dieter Storl besucht, die ich beide sehr schätze.
J.F.: Da bereits viele Menschen aus der ganzen Welt bei Euch waren, ist davon auszugehen, dass ein grundsätzliches Bedürfnis vorhanden ist, in schamanischen Wegen unterrichtet zu werden.
Mohan: Ja, und es ist uns ein Anliegen, die Menschen auf ihren individuellen Entwicklungspfaden ein Stück zu begleiten. Da nicht alle Menschen aus gesundheitlichen, finanziellen oder zeitlichen Gründen in der Lage sind nach Nepal zu kommen, fliegen wir regelmäßig nach Europa, um eine spirituelle Brücke zu errichten. Wir erachten den direkten Kontakt und das direkte Lernen als wichtigste Form des schamanischen Lernens. Außerdem bekommen unsere Schamanen so auch einen guten Eindruck vom Leben in der westlichen Welt. Suraj: Auch für mich basiert Schamanismus vor allem auf Selbst-Erfahrung.
J.F.: Warum macht es Eurer Auffassung nach Sinn, schamanische Techniken und Philosophien explizit aus Nepal im Westen zu unterrichten? Würdet ihr sagen, dass unsere eigenen schamanischen Wurzeln gänzlich abgetrennt sind, oder ist nur der Zugang zu Ihnen abhanden gekommen?
Suraj: Nein, die Wurzeln sind nicht abgetrennt. Sie müssen nur wieder ausgegraben und bewusst gemacht werden. Dazu braucht man ein bestimmtes Wissen, das man sich aus einer anderen schamanischen Kultur »borgen« kann, um das »Eigene« wiederzufinden. Es wird sicherlich etwas anderes, aber ihr könnt auf diese Weise zumindest stückweise die eigenen Wurzeln zurückfinden. Der spirituelle Weg, den ihr beschreitet, ist ein anderer als der eurer Vorfahren oder als der Unsrige. Es geht also keineswegs um eine Nepal-Kopie, sondern um das Finden eines eigenen Weges. [...]
Den kompletten Artikel finden Sie in der Tattva Viveka 50
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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:
TV 13: Rainer Schwabe – Euroschamanen.
Risiken bei der Wirklichkeitsmanipulation
TV 15: Ronald Engert – Schamanen-Konferenz.
25 Schamanen aus aller Welt in Garmisch-Partenkirchen










