Slow Sex

Slow Sex

Erfahrungen und Gedanken eines Mannes

Autor: Christian Schumacher
Kategorie: Mann/Frau
Ausgabe Nr: 60

 

Die Männer sind in Bezug auf ihre Sexualität verunsichert, sie stehen unter Leistungs- und Leidensdruck. Dabei kann eine Form von sensitiver, gefühlvoller Sexualität sowohl Mann als auch Frau tiefer erfüllen und zu dem echten Kontakt führen, denn sich das Paar wünscht.

 

»Aus und vorbei! Meine Tage als sexueller Mann sind gezählt. Nachdem ich mir Jahrzehnte lang meine männliche Sexualität in oft mühsamer Kleinstarbeit mittels Leidenschaft und Leistung erworben habe, soll ich dies nun alles loslassen, langsam und empfänglich werden? Wohin mit meiner männlichen Kraft? Alles gelernte vergessen und von vorne beginnen?«

 

Diese und ähnliche Sätze begegnen mir immer wieder, wenn ich als Mann über Achtsamkeit im sexuellen Kontext spreche, wenn ich darüber berichte, wie ich das Liebesspiel erlebe und mich dabei entspanne und absichtslos den jeweiligen Augenblick wahrnehme und wie zugleich Effizienz und Zielorientierung gegenstandslos werden.
Was kann mich als Mann dazu veranlassen, mich diesem Thema zuzuwenden? Was lässt mich im Sex bemerken, dass es vielleicht auch noch andere Erfahrungsräume gibt, fernab von männlicher Konditionierung und Gewohnheiten im Bett? Lohnt es sich, den eigenen sexuellen Horizont zu erweitern, um neue und vielleicht auch unbekannte Orte zu entdecken?

Aktuelle Situation

Wir Männer wissen in der heutigen Zeit eigentlich gar nicht mehr, wo uns der Kopf bzw. Penis steht: Leistungsdruck, Effektivität, bestmögliche Verfügbarkeit und Funktionalität sind meist unhinterfragte Vorgaben, um im Leben ein Mann zu sein. Nicht nur im täglichen Berufsumfeld, sondern auch in familiären Zusammenhängen bis hinein in den intimen Raum des sexuellen Miteinanders meint der Mann eine angemessene Leistung erbringen zu müssen. Während dabei der sogenannte Burnout mittlerweile eine anerkannte Funktionsstörung darstellt und ins allgemeine Gesellschaftsbewusstsein vorgedrungen ist, werden andere Bereiche des männlichen Lebensfeldes fast gar nicht thematisiert:

  • zunehmende Lustlosigkeit auf Sex mit der eigenen Partnerin
  • die um sich greifende Unfähigkeit, auch im Bett seinen Mann zu stehen, der erektile Burnout
  • wachsende Abhängigkeit von sexuellen Reizen, bestens bedient durch eine Pornoindustrie und einen riesigen Markt für Sex-Equipment aller Art
  • der Leidensdruck, den viele Männer vermehrt in sich erleben, weil sie realisieren, dass die Beziehung zu sich selbst auf der Strecke bleibt und somit auch der Kontakt zum Gegenüber sich immer schwerer gestaltet
  • eine große Feinfühligkeit des Mannes im Bereich seines Herzens und die daraus entstehenden Bedürfnisse und Beziehungsdynamiken

Angebote für solche Räume, die es mir als Mann ermöglichen, diese Themen zu bewegen, gibt es heute in therapeutischen, spirituellen oder kirchlichen Männergruppen. Für viele Männer aber sind sie bis heute ein Tabu.

Die Folgen

Dieses Tabu hat weitreichende Folgen. Denn immer wieder versuchen viele Männer einem Bild zu entsprechen, das durch Medien, Ratgeber und pornografisches Material in ihre Köpfe eingeprägt wird. Mit der Realität in den Schlafzimmern hat dieses Bild jedoch herzlich wenig zu tun. Diese besteht in der Regel aus einer Menge Unzufriedenheit und chronischer Unsicherheit bzgl. der Fragen nach dem modernen Mann im sexuellen Miteinander. Denn letztendlich erleben die meisten Männer nach einer gewissen Zeit, dass auch Strapse & Co. oft nur kurzfristige Entspannung und Vergnügen mit sich bringen.

 

Haben wir denn verlernt, körperlich zu lieben?
Ja, das haben wir!

 

Wir haben gelernt, zu imponieren, zu leisten und durchzuhalten. Wir haben gelernt, eine Performance im Bett abzuliefern, in der Hoffnung, darüber Anerkennung, Zuwendung und letztendlich Liebe zu erhalten. Wir haben gelernt, uns zu verleugnen, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu verdrängen, um willkommen und angenommen zu sein.

Doch welcher Mann kann von sich sagen, dass er bei der Frau mit seinem Sex ehrlich willkommen ist? Und welcher Mann kann davon berichten, dass er die Frau in der Tiefe wirklich erreicht? … und damit meine ich nicht, es ihr ordentlich zu besorgen oder ihr viele Orgasmen zu bescheren.

Mein eigener Weg

Auch ich habe meine Frau im Sex immer wieder nicht erreicht, weil mir der Kontakt zu mir selbst abhanden gekommen war und ich nicht fühlen wollte, was ich wirklich brauche, um eine liebevolle und achtsame Beziehung mit meinem eigenen Inneren leben zu können. So entstand in mir die Hoffnung, mich wenigstens über den Sex zu spüren und dadurch einen Zugang zu mir zu finden. Meist ging es jedoch immer nur um mich selbst.

Dann begegnete ich Diana Richardson und ihrem Mann, die beide seit über 20 Jahren intensiv den Zusammenhang von Bewusstheit und Sexualität erforschen und in ihrem 7-tägigen »Making Love Retreat« den Paaren durch entsprechende Theorie und Praxis einen Erfahrungsraum ermöglichen, in dem die Liebenden eine tiefe Verbindung im sexuellen Miteinander erleben können. Nach dem ersten Retreat mit meiner Frau vor fast 10 Jahren veränderte sich unsere Begegnung im Sex grundlegend.

Ich realisierte: da gibt es ein Gegenüber und das möchte berührt werden, möchte gemeint sein und möchte mir in die Augen schauen können, um zu sagen: »Ich liebe Dich, weil Du in mir bist und ich liebe es, wie Du in mir bist.«

Nach und nach wurde mir bewusst, dass es da einen Raum gibt zwischen mir und diesem »Du« – einen Zwischenraum, der allerdings eine bestimmte innere Haltung erfordert, um ihn betreten zu können. Eine Haltung, die man im heutigen Medienspektakel um das Thema Sex vergebens sucht.

 

Slow Sex lehrte mich diese Haltung und erschloss mir neue Erfahrungsfelder.

 

Die innere Haltung

Achtsamkeit und Entspannung waren hierbei die entscheidenden Schlüssel. Sie brachten einerseits eine zuvor nicht erlebte Intimität und Nähe in den Beziehungsraum, andererseits ermöglichten sie ein Hineinwachsen in eine neue und selbstbewusste Männlichkeit. Ich entwickelte mich zu einem Partner, der ein neues männliches Selbstbewusstsein ausbildete, denn ich war bei meiner Frau mit meinem Sex und somit auch mit meiner Männlichkeit wieder willkommen.
Diese innere Haltung von Bewusstheit und Entspannung war der Wendepunkt meines Veränderungsprozesses. Ich beschreibe diese Haltung auch gerne als ein Anwesend-Sein in mir und zugleich im Du. Einem Zustand, der mich befähigt, in diesem Zwischenraum des Ich und Du einfach da zu sein – ohne Zielkoordinaten und Leistungsparameter. Ich spreche von Gegenwärtigkeit und Gewahr-Sein, von Kontemplation als der Kunst, in diesem Raum verweilen zu können – präsent zu sein. […]

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 13: Dr. Ingeborg Heldmann-Deutinger – Die Schlange.
Symbol der Wandlung, der Überwindung und der Heilung

TV 13: Acyutananda Swami – Tantra: Kann Sex auch Yoga sein?

TV 26: Bhaktisiddhanta Saraswati Thakur – Transzendentale Erotik.
Religion jenseits von Dogma und Moral

TV 44: Angela Mahr – Tantra: Sex und Erleuchtung. Wie geht das zusammen?

TV 51: Alexandra Schwarz-Schilling – Frauen im Matriarchat.
Rekonstruktion der weiblichen Kraft

 

Bildnachweis: © Ginasanders / Dreamstime.com

 


 

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