Vom kosmischen Tanz auf der Suche nach der Wahrheit

Religionen, Spiritualität und Sektentum

Autorin: Angela Mahr
Kategorie: Spiritualität
Ausgabe Nr.: 49

 

Die mystische Erfahrung war ursprĂĽnglich immer eine freudvolle, positive Erfahrung. Die Weltreligionen weisen in ihren frĂĽhen Quellen darauf hin. Diese mystische Erfahrung ist die Essenz, die am Anfang aller Religionen stand. Ein wesentliches Element fĂĽr echte Mystik ist die Beteiligung der Frauen, die in den patriarchalen Religionen weltweit ausgeschlossen waren.

 

Das Paradies war auf der Erde zu finden, im Hier und Jetzt, unter einem simplen Apfelbaum. Das weiß jedes Kind. Nur wer – oder was – hat uns eigentlich daraus vertrieben? Und: Weshalb, um alles in der Welt, sollten wir uns schämen?

Seit Jahrtausenden fragen wir uns, wie alles zusammenhängt. Woher kommt eigentlich die Trennung? Seit Jahrtausenden tanzt die Menschheit den kosmischen Tanz um die Wahrheit herum, von der geheimnisvollen Ahnung berührt, dass sie wahrscheinlich mittendrin zu finden ist. Seit Jahrtausenden gab es Mystiker, die bei sich zu Hause ankamen, und es dann auch noch schafften, anderen die Tür zu öffnen. Und ebenso lange gab es auch offensichtliche Scharlatane – und viele unbeabsichtigte, ganz subtile Irrtümer. Wo hört die Wahrheitssuche auf und wo fängt die Täuschung an? Manches galt dem einen als Schlüssel, für den nächsten stellt es bereits einen Umweg dar. Manch einer entdeckte erst die Freude am Lehren, und fiel dann doch den eigenen Machtphantasien zum Opfer. Manch einer lernte erst zu vertrauen – und verlief sich dann, weil er seinem »Meister« auch auf Abwegen noch folgte. Seit Jahrtausenden gab es Heilige, Religionen, Sekten und Scharlatane. Es gibt kleine Kreise und große Institutionen, sie werden geliebt und gehasst, heiß diskutiert und kalt gemieden, selten verglichen, oft verlassen – mit dem Blick bereits auf die Suche nach weiteren Antworten gerichtet. Was ist ihre gemeinsame Essenz?

Haben wir schon mal beobachtet, wie im Sonnenuntergang die Mücken zu tanzen beginnen? Wie die Tiere des Tages sich zur Ruhe legen und ganz langsam die Spät- und schließlich die Nachtschicht beginnt? Haben wir schon mal beobachtet, wie auf einigen Metern Wiese eine so fein abgestimmte perfekte Kommunikation unterschiedlicher Tier- und Pflanzenarten stattfindet, als hätte jemand eine kunstvolle Symphonie ohne Anfang und ohne Ende komponiert? So ungefähr spielt das Orchester des Seins sein Spiel, um nur einen kleinen Ausschnitt daraus zu betrachten. Ist es eines? Sind es viele? Ist es nicht vielmehr ein großer, geheimnisvoller Tanz?
Die mystische Erfahrung an sich befindet sich jenseits von Worten. Sie liegt in der Mitte, und Worte sind bestenfalls der Reigen außen herum. Die Mystiker aller Zeiten und aller Kontinente kannten Augenblicke des Ankommens, der Erkenntnis, der umfassenden Liebe. Sie suchten und fanden Wege, diese für möglichst viele Menschen zugänglich zu machen, manchen gelang es mehr, manchen weniger. Sie treten bis heute in Erscheinung als Künstler, Heiler, Seher oder Schamanen, manchmal auch ohne sich selbst so zu bezeichnen. Viele verschlüsselten ihre Erkenntnis, um sich vor destruktiven Angriffen derer zu schützen, die ihr erstarrtes Weltbild nur ungern in Frage stellen. Ein wundervolles Beispiel für solche Kunst sind meiner Meinung nach die Erzählungen von E.T.A. Hoffman, etwa »der goldene Topf«. Die ganze märchenhafte Welt, die sich darin entfaltet, erkennt nicht nur die zauberhafte Magie unserer Schöpfung an, sie sprüht auch vor Energie, sie kennt die Verbindung des Irdischen mit dem Göttlichen, des Materiellen mit dem Nicht-Sichtbaren, und den Zugang zur unendlichen Vielfalt der Möglichkeiten. Es gibt zahlreiche andere Beispiele von Versuchen, die mystische Erfahrung in Worte zu fassen. Dazu gehören auch manche tantrische Gesänge, christliche Gebete und buddhistische Weisheiten.

 

 

Die mystische Erfahrung an sich ist zugleich der Anfang und das Ziel der meisten religiösen und spirituellen Traditionen. Mit ihr begann die Inspiration der Lehrenden, mit der Suche nach ihr begann die Praxis von SchĂĽlern, mit deren erneuten, eigenen Erfahrungen begann – wenn alles nach bestem Wissen und Gewissen lief – dann die Weitergabe an Dritte oder größere Gruppen. Alle derzeitigen Weltreligionen berichten in ihren Ăśberlieferungen von solchen Augenblicken des Ankommens. Die Mystiker der Anfänge fanden jeweils unterschiedliche Bilder dafĂĽr. Manchmal sind sie in der heutigen Zeit schwer verständlich und werden nur noch als leere Worte empfunden. Oft haben sie aber, bei näherer Betrachtung, symbolische Kraft. Die Buddhisten kennen das »Nirwana« (Sanskrit fĂĽr »Befreiung«, wörtlich »verwehen« fĂĽr das Lösen von irdischen Begrenzungen), die Hinduisten »Moksha« (Sanskrit fĂĽr Erlösung), die Moslems Djanna (arabisch fĂĽr »Garten«). Das Christentum kennt das Himmelreich, welches Seligkeit verspricht, und die Dreifaltigkeit: Gott Vater, Sohn und heiliger Geist. Aus meiner Sicht könnte man dies ĂĽbersetzen mit der Erfahrung des Kosmisch-Göttlichen, des Irdisch-Materiellen und der feinstofflich-energetischen Realitätsebene, die den Ăśbergang von beidem ineinander darstellt. Mit Bezug auf die zeitgenössische Seherin Barbara Ann Brennan lässt es sich auch so erklären: Bevor das neue Blatt einer Pflanze wächst, kann sie dessen Umrisse bereits als durchlässige, leuchtende »Idee« auf der feinstofflichen Ebene erkennen. […]

Den kompletten Artikel finden Sie in der Tattva Viveka Ausgabe 49

 

Artikel zum Thema in frĂĽheren Ausgaben

TV 19: Eire Rautenberg – Wer Schmetterlinge lachen hört. Heilige Narren
TV 21: Ronald Engert – Die Gottesvergiftung. Gut und Böse in der Religion
TV 33: Ronald Engert – Der Kreuzzug der Gottlosen. Synthese von Glaube und Vernunft
TV 37-38: Ronald Engert – Religion als Sucht. Krankheit und Genesung
TV 44: Angela Mahr – Tantra: Sex und Erleuchtung. Wie geht das zusammen?
TV 45: Maria Francesca Wegener – Der Heilige Narr. Religion ohne Regeln
TV 47: Angela Mahr – Tantrische Liebe. Was ist das? 

 



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