Vom Wert der Utopie für eine bessere Zukunft – Tattva Viveka Magazin
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Vom Wert der Utopie für eine bessere Zukunft

Der Ruf der Rosenkreuzer

Vom Wert der Utopie für eine bessere Zukunft

Der Ruf der Rosenkreuzer

Autor: Dr. Alexander Crocoll
Kategorie: Gnosis
Ausgabe Nr: 67

Die Situation der Welt ist ohne Zweifel nicht optimal. Dem weit verbreiteten Pessimismus stellen die Rosenkreuzer bewusst eine positive Utopie gegenüber. Die schwierige Phase, die wir derzeit durchlaufen, bildet demnach einen Übergang, der es der Menschheit ermöglichen sollte, über sich hinauszuwachsen und »neu geboren« zu werden.

Jeder Einzelne kann seinen Teil beitragen, um seine und damit auch unsere gemeinsame Welt in aufbauender Weise zu wandeln.

Die Menschheit steht an einem Scheideweg. Wir sind ernüchtert und beginnen zu erkennen, dass es keine Garantie für eine angenehme Zukunft gibt, schon gar nicht, wenn wir so weiter machen wie bisher. Auf der Ebene des Individuums verspüren wir unsere eigenen Befindlichkeiten, Gefühle der Bedeutungslosigkeit, der Frustration und der persönlichen Unsicherheit. Die globalen Dimensionen der Krise verstärken die persönliche Verunsicherung, sei es durch die Auswirkungen der Finanzkrise, die erneute Zunahme kriegerischer Auseinandersetzungen mit den bekannten Folgen, durch zunehmende soziale und wirtschaftliche Spaltung unserer Gesellschaft oder durch Umweltkatastrophen und ökologische Probleme.

Das dem Alt-Griechischen entstammende Wort Krise bedeutet so viel wie Entscheidung, Wendepunkt, laut Duden eine entscheidende Wendung. John F. Kennedy erläuterte einst in einer Rede, dass die Chinesen zwei Pinselstriche verwenden, um das Wort Krise zu schreiben. »Ein Pinselstrich steht für Gefahr, der andere für Gelegenheit. Sei Dir in einer Krise der Gefahr bewusst, aber erkenne die Gelegenheit«, so Kennedy. Begreifen wir also die Krise als notwendige Chance, unsere selbst verschuldete Not zu wenden und so eine bessere und glücklichere Zukunft herbeizuführen. Die Rosenkreuzer denken, dass diese individuelle und kollektive Regeneration der Menschheit gelingen kann, sofern wir uns entschließen, unser Bewusstsein neu auszurichten und unserem individuellen und kollektiven Verhalten eine neue Orientierung zu geben.

In diesem Sinne benötigen wir utopische Entwürfe, um uns überhaupt erst vorstellen zu können, wie eine bessere Gesellschaft und ein tatsächlich gerechtes und nachhaltiges Wirtschaften aussehen können. Da unsere gesamte sog. Realität in Raum und Zeit aus vom Bewusstsein geschaffenen Erscheinungen besteht, sollten wir uns auf eine gemeinsame Utopie ausrichten, im platonischen Sinne dieser Bezeichnung. Nach Platon «ist die Utopie die ideale Gesellschaftsform, zu der sich die Menschheit hin entwickeln soll. Vielleicht ist es unmöglich, sie auf Erden zu realisieren, aber auf sie sollte ein Weiser all seine Hoffnung setzen.« Die Rosenkreuzer appellieren an den guten Willen aller und jedes Einzelnen, damit ihre Utopie eines Tages zum größten Wohl für die gesamte Menschheit zur Wirklichkeit werde. Vielleicht wird dieser Tag nie kommen, doch wenn wir unsere Sehnsucht nach Verwirklichung dieser Utopie leben und beginnen uns entsprechend zu verhalten, dann kann die Welt nur besser werden.

Nach Platon ist die Utopie die ideale Gesellschaftsform, zu der sich die Menschheit hin entwickeln soll.

Die Utopie der Rosenkreuzer

Gott aller Menschen, Gott allen Lebens,


In der Menschheit, von der wir träumen,


Sind die Politiker zutiefst humanistisch und wirken im Dienst des Gemeinwohls,


Verwalten die Verantwortlichen für Wirtschaft und Finanzen das Staatsvermögen mit Umsicht und im Interesse aller,


Sind die Wissenschaftler geistig orientiert und schöpfen ihre Eingebungen aus dem Buch der Natur,


Sind die Künstler inspiriert und drücken in ihren Werken die Schönheit und Reinheit des Schöpferplanes aus,


Sind die Ärzte von der Liebe zum Nächsten durchdrungen und pflegen ebenso sehr die Seelen wie die Körper,


Wird es weder Elend noch Armut geben, denn jeder bekommt, dessen er bedarf, um glücklich zu leben,


Wird die Arbeit nicht mehr als Zwang erduldet, sondern vielmehr als Quell zur Entfaltung und des Wohlseins empfunden,


Wird die Natur als der schönste Tempel überhaupt erkannt und die Tiere als unsere Geschwister auf dem Weg ihrer Entwicklung,


Gibt es eine Weltregierung, die sich aus den Regierenden aller Nationen zusammensetzt und im Interesse der gesamten Menschheit walten wird,


Ist die Spiritualität ein Ideal und eine Lebensform, die aus einer Weltreligion schöpft, welche mehr auf der Kenntnis kosmischer Gesetze aufbaut als auf Gottesglauben,


Sind die menschlichen Beziehungen in der Liebe, Freundschaft und Brüderlichkeit begründet, so dass die Welt in Frieden und Harmonie lebt.


So möge es sein!

Möglichkeiten des einzelnen Menschen

Es geht nicht darum, als Einzelner die Welt auf den Kopf zu stellen oder aus den Angeln zu heben. Es geht auch nicht darum, als einer von derzeit ca. 7,5 Milliarden Menschen alle Probleme dieser Welt zu lösen. Was kann also der Einzelne tun? Jeder Einzelne ist Teil der Gemeinschaft. So ist zum Beispiel jeder einzelne Mensch Teil des übergeordneten Organismus der einen Menschheit. Die Menschheit ist mit anderen Lebensformen wiederum Teil des einen Lebens. Also geht es erst einmal darum, uns als Teil dieser Weltgemeinschaft zu begreifen. Eine korrekte altruistische Haltung bedeutet, unsere Absichten, Gedanken und Sorgen, sowie unser Handeln auf das Wohlergehen aller zu richten. Ohne altruistische Handlungen kann ein Körper nicht bestehen, das Leben selbst kann nicht bestehen.

Jeder Einzelne kann seinen Teil beitragen, um seine und damit auch unsere gemeinsame Welt in aufbauender Weise zu wandeln. Nur aus dem Zusammenführen der einzelnen kleinen Wirkungen zu einem großen Ganzen kann die große ersehnte Änderung entstehen ‒ eine neue Welt. Dies geschieht auf genau die gleiche Weise wie unsere aktuelle Welt erschienen ist. Die Utopie der Rosenkreuzer kann daher kaum »von oben« verordnet werden, selbst dann nicht, wenn alle Menschen dies begrüßen würden. Wir alle, jeder Einzelne muss das Ziel seiner Sehnsucht leben und zum Ausdruck bringen. Sonst bleibt unsere Utopie ein Traum.

 

Stufen des Wandels

Da ein Kollektiv immer aus einzelnen Einheiten gebildet wird, kommt jedem von uns persönlich eine ganz besondere Verantwortung zu. Wenn ein einzelner Mensch seine Haltung gegenüber anderen verändert, bewirkt er eine Veränderung in der gesamten Menschheit, löst eine Kette von Ereignissen aus, einen Prozess zunächst unbewusster, positiver Veränderungen, der sich schließlich im Bewusstsein aller Menschen realisieren kann. Natürlich ist es immer leichter, etwas zu erkennen und als sinnvoll und wahr zu erachten, als das eigene Handeln danach auszurichten. Wenn wir jedoch ehrlich zu uns selbst sind, so kennen wir alle unsere Fehler, Ängste und Unzulänglichkeiten sehr genau und gerade dadurch werden wir fähig, uns bewusst positiv auszurichten und unser Leben in tief empfundener Verbundenheit bewusst zu gestalten. Jeder Einzelne von uns trägt als Teil des Ganzen die Verantwortung für seine eigene Entwicklung und damit für die Entwicklung der gesamten Menschheit.

Über den Autor

Dr. rer. nat. Alexander Crocoll, geb. 1966. Während seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Publikation von Arbeiten zur Genetik molekularer Embryologie. Er beschäftigt sich seit frühester Jugend mit spirituellen Fragen, ist seit drei Jahrzehnten AMORC-Mitglied und arbeitet heute als Sekretär in der deutschen AMORC-Zentrale. Website: www.amorc.de
Facebook: www.facebook.com/AMORC.de

Dr. Alexander Crocoll

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