Was tun?

Was tun?

Vielen von uns geht es darum, in der Welt etwas zu verändern. Wir wollen die Welt retten, wir wollen zum Fortschritt des Bewusstseins beitragen, wir wollen Atomkraftwerke abschalten und so weiter. Dahinter liegt die Idee, dass wir etwas ändern können. Wir gehen stillschweigend davon aus, dass wir die Macht haben, dies zu tun. Wir tun etwas, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, das in der Regel aus unserem Denken erschaffen wird. Daraus ergeben sich bestimmte Motive, Strategien und Erwartungen, was unsere Handlungen betrifft. Wie wäre es jedoch, wenn wir einmal von der Annahme ausgingen, dass wir machtlos sind? Dass wir nicht in der Lage sind, etwas zu verändern, dass wir nichts tun können. Welche Motive, Strategien und Erwartungen würde das mit sich bringen? Ich glaube tatsächlich, nur mit dieser Grundannahme können wir echte, klare und wirksame Strategien entwickeln, um in dieser Welt etwas zu tun. Nur so haben wir das klare Motiv, das nicht durch Ego und Machtphantasien verunreinigt ist. Warum soll ich denn dann überhaupt noch irgendetwas tun, wenn es eh nichts bringt?, wird sich nun manch einer fragen.

 

Was tun?

 

Es geht jedoch in der Tat um eine Handlung, die ohne Bedingungen und ohne Erwartungen ausgeführt wird. Eine Handlung um der Handlung willen, ohne an die Ergebnisse und den Gewinn zu denken. Das bedeutet, die Kontrolle aufzugeben, und das ist das Schlimmste, was unserem Ego passieren kann. Jede intentionale Haltung verfälscht die Handlung und macht sie zu einem egoistischen, perspektischen Tun, wenn auch vielleicht gut gemeint. So erzielen wir immer nur Teilerfolge, die umgehend von ihrem Gegenteil wieder entkräftet werden. Die echte Handlung fügt sich ein in den göttlichen Plan, sie übersteigt unsere menschlichen Kalkulationen.

1Kommentar
  • Gerhard Kroeger
    Veröffentlicht um 08:26h, 04 Oktober Antworten

    Bei der Frage nach der Richtigkeit eigenen Handelns in bestimmten Situationen versuche ich weder vom Gedanken der Macht, noch von dem der Machtlosigkeit auszugehen, sondern ich versuche, mein Unterscheidungsvermögen dahingehend zu schärfen, daß es mir mit zunehmender Eindeutigkeit sagt, was ich zu tun und was ich zu lassen habe – unabhängig von den Früchten meines Tuns. Diesen Aspekt des Karma Yoga habe ich versucht, in der Zeit meiner Berufstätigkeit auch am Arbeitsplatz zu leben, und ich muß sagen, daß es interessant und gut war. Und es ist auch gut, daß es zu meinem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Berufsleben geführt hat. Es ist eine Form, sich dem Fluß des Lebens anzuvertrauen – die man nicht mit Beliebigkeit verwechseln darf. Aber man muß dabei grundlegend akzeptieren, daß der Gedanke an die Früchte des Tuns, also an Erfolg oder Mißerfolg, und damit an Macht oder Machtlosigkeit in den Hintergrund treten muß.

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