Weltrevolution der Seele

Gunter Friedrich - Weltrevolution der Seele

Ein Erfahrungsweg

Autor: Gunter Friedrich
Kategorie: Spiritualitaet
Ausgabe Nr: 55

 

Die Zeit ruft nach einem neuen und tieferen Bewusstsein. Wer sind wir jenseits der Informationen, die wir erhalten? Der Autor beschreibt seinen persönlichen Erfahrungsweg zu sich selbst. Erfahrungen des Lichts sowie der Dunkelheit, Transformation der Schattenanteile, gehören hier dazu.

 

In den Medien nehmen wir wahr, was wir sind: im Fußball haben wir gewonnen, ein schwerer Verkehrsunfall, ein Mord aus Eifersucht, die Exportleistungen sind gestiegen, die Bundeskanzlerin reist nach China, unsere Lieblingsband gibt ein Konzert.

Sind wir das? Sind wir die Informationen, die wir aufnehmen, sind wir die Beziehungen, die wir haben? Was bleibt übrig von uns, wenn wir von den Informationen absehen und auch von den Beziehungen?
Als Kind und Jugendlicher hatte ich die Empfindung: Es stimmt etwas nicht mit uns. Wir sind nicht der, als der wir uns gegenübertreten. Wir schaffen es nicht, uns vollständig zu begegnen. Wir treten uns nur als Teile, als Bruchstücke gegenüber. Wesentliches bleibt verschleiert. Aber es wirkt hinein in das, was wir tun. Vieles wird dadurch übersteigert, überzogen, verzerrt.

 

Wir kommunizieren miteinander, aber es bildet sich keine communio, keine Einheit.

 

Wir kommunizieren miteinander, aber es bildet sich keine communio, keine Einheit. Die Gedanken und Worte schaffen eigene Wirklichkeiten. Wir sind eng miteinander verbunden – und weit voneinander getrennt. Das Lied von den Königskindern drückt es aus: sie können zusammen nicht kommen, das Wasser ist viel zu tief.
Wie können wir so leben? Wir können es, weil wir keine Alternative sehen. Wir treffen uns so an, wie wir sind und versuchen, das Beste daraus zu machen. Manche rebellieren gegen diese Art des Daseins. Sie verweigern sich ihr oder kämpfen gegen Einzelnes oder alles. Strömungen, Überzeugungen können Besitz von uns ergreifen und eine Zeit lang unser Verhalten bestimmen. Einmal tragen wir das Gesicht, ein andermal jenes.

 

Das Transzendente will uns eine andere Identität verleihen.

 

Aber wer sind wir wirklich? Wir wissen es nicht. Wir sind noch nicht zu uns gekommen. Wir besitzen uns noch nicht. Wo ist der Ort meines Daseins, der Ort, der nur von mir und niemand anderem eingenommen werden kann? Wo ist der Ort, an dem ich unentbehrlich bin im Kosmos, der unangreifbare Ort meines Seins? Das Leben mancher suchender Menschen gleicht einem Schrei, einem wortlosen Schrei etwa dieser Art. Doch kommt eine Antwort?
Wir bewegen uns in unserem ganzen Leben um etwas herum, gleichgültig, was wir tun.
Wir umkreisen das Innerste unseres Wesens. Wir kennen es nicht. Aber manchmal steigt ein Seufzer aus großer Tiefe hervor. Dann sind wir eigenartig berührt. Halten erstaunt inne. Werfen einen neuen Blick auf unser Dasein. Der Drang, auszusteigen mag uns ergreifen, auszusteigen aus all dem, in dem wir uns befinden. Doch würde dies helfen?
Das Bild tritt mir vor Augen, dass mein Leben sich an einer Peripherie bewegt. In der Mitte ist das Innerste. Hat es Sinn, den Standort an der Peripherie zu verändern? Der Abstand zu meinem Innersten würde derselbe bleiben. Diesen Abstand will ich erspüren. Aus der Mitte möchte ich Informationen erhalten. Sie stellt sich mir als unbewegte Bühne dar, auf der sich mein Leben abspielt. Ich habe mancherlei Rollen, aber ich spüre: die Bühne bleibt unverändert, unberührt, unbewegt.

Welchen Sinn haben die Rollen, die ich spiele? Menschen, Kräfte, Wirbel, Knoten wirken in mir. Ähnliches geschieht in mir, wie ich es aus den Medien erfahre. Ich bin an dem, was in der Welt stattfindet, beteiligt durch das, was in mir stattfindet. Die Welt lebt in mir, lebt mich. Und meine Psyche bewegt das mit, was sich in der Welt ereignet. Ich bin verflochten in alles Geschehen.

 

Weltrevolution der Seele - Ein Erfahrungsweg

 

Lange schon kenne ich das Gefühl der Fremdheit mir selbst gegenüber. Und der Fremdheit gegenüber dem, was stattfindet – und der Vertrautheit mit allem. Manchmal meine ich, die Schleier mit Händen greifen zu können und spüre verborgene Bewusstseinsräume, noch nicht entdeckte Identitäten. Freude und Sehnsucht ergreifen mich dann. Dann weiß ich, dass Großes auf uns wartet. Großes will sich finden lassen. Die Rolle wartet auf uns, die unser Innerstes uns geben will.
Ich habe eine Beziehung zu Bäumen. Sie vermitteln mir die Empfindung, dass sie warten. Kosmische Geduld wirkt in ihnen. Auch manche Tiere scheinen zu warten. Sogar der Weltenraum, in dem die Erde sich bewegt, macht den Eindruck, als warte er. Die Sterne blicken auf uns herab.

Worauf wartet denn alles? Auf die Entscheidung, dass wir den Weg zu unserem Innersten einschlagen. Wenn wir das tun, heben wir gleichsam die Welt aus den Angeln. Es bedeutet die Weltrevolution der Seele. Sie verändert alles.
Wenn im Leben eines Menschen der kritische Moment eintritt, in dem er an die Weggabelung gelangt, wo sich der Weg zum Innersten zeigt, scheint die Evolution einen Moment innezuhalten. Der Zeitenstrom scheint einen Moment still zu stehen. Einem Menschen wird eine Entscheidung von großer Bedeutung ermöglicht, frei von Lasten der Vergangenheit. Er wird für einen Moment aus den Verstrickungen entrückt.

Kurz zeigt sich das Innerste. Es zeigt sich als eine Tür, die ins Transzendente führt. Sie steht außerhalb des Zeitenstroms. Doch der Moment ist schnell vorbei. Die Welt flutet in das Vakuum hinein. Sieben Milliarden Menschen kreisen um das Innerste. Sie bilden eine mächtige Radumdrehung, einen Schwung, der alle mitreißt. Jeder gleicht einem Planeten, der sich um die innere Sonne bewegt.

 

Die Arbeit mit dem Unliebsamen dient der höheren Bewusstwerdung, und ist eigentlich ein großer Schatz, den man besitzt.

 

Wer kann sich dem entziehen? Stellen wir uns vor, dass sich eine größere Anzahl der Planeten dazu entscheidet, in eine andere Umlaufbahn einzutreten, in eine, die näher an der Mitte liegt, die mehr vom Transzendenten durchdrungen wird. Das Gesamtsystem Menschheit müsste darauf reagieren. Denn alles hängt mit allem zusammen. Alte Sicherheiten verschwänden. Unsicherheit träte auf. Geistig-Seelisches wirkte verstärkt in die Welt hinein. Ganz neue Entwicklungen wären möglich. Könnte es sein, dass genau das in unseren Tagen stattfindet?

Das Transzendente will uns eine andere Identität verleihen. Es erweckt Überpersönliches, Übergreifendes. Es erweckt Einheit, denn es ist Einheit. Wir sind Mensch, unsere übergreifende Einheit ist die Menschheit, nicht nur im äußeren Sinn, sondern auch in einem tieferen Sinn: Menschheit als ewiges Wesen, als Seelenordnung, Seeleneinheit. Auch losgelöst vom irdischen Körper, losgelöst von der Sterblichkeit, von den Verstrickungen, Verknüpfungen, Knoten.
Ist das eine abgehobene Vision? Schon als Jugendlicher hatte ich Empfindungen dieser Art. Heute sage ich mir: Das Innerste hat sie hervorgerufen. Ich möchte die Situation mit einem Bergsteiger vergleichen, der sich von einem Gipfel angezogen fühlt. Seine Freunde sagen: »Bleib doch hier. Warum willst du dorthin? Warum setzt du dich einer Gefahr aus?« Der Bergsteiger sagt einfach: »Es ist meine Sache.« Er rüstet sich aus und lässt vieles zurück.
Meine Frau und ich haben uns gemeinsam auf den Weg begeben. Wir haben gesucht, wandten uns verschiedenen Strömungen zu und fanden schließlich eine Gruppe, die uns zusagte. Ihr gehören wir auch heute noch an.

 

Das Innerste ist der Auslöser von allem.

 

Die Signatur des Weges ist Hingabe: Hingabe an das Innerste, Hingabe an die Spiegelung des Innersten im Feld der Gruppe. Ist das diffus? Der Verstand kann es nicht fassen. Doch für unsere Empfindung war es ein Wiedererkennen, eine Art Erinnerung. Ein versunkenes Lebensgebiet tauchte atmosphärisch wieder auf als ein zukünftiges, das neu errungen werden muss. Gewissheit bildete sich in uns.

Die Gruppe benutzt Worte, um den Weg zu kennzeichnen. Es sind Worte aus dem Evangelium, aber auch Worte Laotses und Buddhas – und Worte unserer Zeit. Was bewirken die Worte? Sie helfen, die Vielfalt der Dinge, die uns begegnen, voneinander zu unterscheiden. Sie regen verborgene Bewusstseinsmöglichkeiten an. Sie stellen die Kräfte des Weges aktuell in den Raum. Das gelingt, wenn diese Kräfte in denen wirken, die die Worte aussprechen.
Unmittelbar treten aber auch Schattenwirkungen auf, Gegenreaktionen gegen den Weg. Sie gehen von den Facetten unseres Charakters aus. »Du kannst dich nicht wie Münchhausen selbst aus dem Sumpf ziehen. Du kannst dich nicht mit Erfolg abwenden von dem, was du selbst bist.«

Doch das Innerste hat sich bemerkbar gemacht. Es hat Gewissheiten erzeugt. Es hat deutlich gemacht, dass es etwas anderes ist als unser jetziges Ich. In der christlichen Terminologie nenne ich das Innerste den Erlöser, den Christus in mir, das Element des Christus in mir. Es ist ein Gegenüber. Ich kann »du« zu ihm sagen und weiß doch: Es ist mein wahres Ich. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 55

 

Dieser Artikel ist auch als PDF erhältlich:

Dr. Gunter Friedrich TV55 (PDF)

Kompletter Artikel im PDF-Format (5 Seiten)
 
Preis: 1,00 EUR
(inkl. 19,00% MwSt.)
 
 

Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 15: Dr. Wolfram Frietsch – Fama Fraternitatis. Der Ursprung der Rosenkreuzer

TV 40: Clemens Zerling – Rosenkreuzerische Initiation. Ein westlicher Weg

TV 45-46: Thomas Hübl – Hier, Jetzt und Gott.
Auf der Spur des spirituellen Lebens

TV 46-47: Dr. Alfred Messmann – Die Magie der Krankheit
am Beispiel Christa Wolf

TV 49: Dr. Gunter Friedrich – Der Andere in mir. Wegmarken einer Suche.

TV 49: Gerard Kever – Das Ego der Religionen.
Ausblick auf eine Spiritualität des 3. Jahrtausends

 

Bildnachweis: © phoenix-n-design

 

Keine Kommentare

Einen Kommentar schreiben
CAPTCHA

*