Afrikanische Religion

Afrikanische Religion

Ein Überblick

Autor: Claudia Nussbaumer
Kategorie: Schamanismus
Ausgabe Nr: 82

Die afrikanische Spiritualität setzt sich aus einer Vielzahl von Ethnien und entsprechenden religiösen Varianten zusammen. Die Annäherung an diese Vielfalt und Komplexität kann nur in mehreren Schritten erfolgen. Einführend geben wir hier einen ersten grundlegenden Überblick.

Die lokalen afrikanischen Religionen gibt es in mehreren Hundert verschiedenen Formen und Varianten. Mit der Bezeichnung lokal meint man meist die Religion, die eine Ethnie praktizierte, bevor es zu äußeren Einflüssen kam und sich in vielen Regionen Afrikas Religionen wie Christentum und Islam verbreiteten. Jedoch werden die lokalen Religionen heute auch sehr oft in Verbindung mit den Traditionen anderer Religionen praktiziert. Ausschlaggebend für die lokalen Religionen ist ihre Verbundenheit mit der Kultur und dem Leben der verschiedenen Gruppierungen.

Dieser Artikel soll ein Überblick über diese Religionen sein und die trotz aller Unterschiede vorhandenen Gemeinsamkeiten anhand von konkreten Beispielen veranschaulichen. Jedoch sei vorausgeschickt, dass es nicht die Absicht des Artikels ist, diese Traditionen als simplistische Naturreligionen abzutun. Jede dieser Religionen ist komplex. Ziel dieses Artikels ist es nur, eine Einführung in die afrikanischen Religionen zu sein, und es wird jedem/r LeserIn empfohlen, sich danach genauer mit dem Thema auch im restlichen Heft und in anderer Literatur auseinanderzusetzen.

 

Animismus und Synkretismus

Ein wichtiges Glaubensmerkmal der lokalen Religion im Sub-Sahara-Gebiet ist, dass nicht nur Menschen, sondern auch Tieren, Pflanzen, Gegenständen und gewissen Naturphänomenen eine Seele bzw. spirituelle Kraft innewohnt. Man bezeichnete das früher als Animismus. Dieser Begriff galt in der Wissenschaft für lange Zeit als Exotisierungshaltung. Neuerdings spricht man von »New Animism«. Diese Seelen, Geister und Vorfahren müssen dann mithilfe von Opfergaben und Ritualen besänftigt und geehrt werden, um Heilung zu bewirken und vor Unheil zu schützen.

Durch den Einfluss von vor allem Islam und Christentum finden sich in ganz Afrika viele synkretistische traditionelle Religionen, d. h. eine Vermischung der traditionellen afrikanischen Religion und des Christentums bzw. Islams. Bekanntestes Beispiel ist Vodou. Heute wird es in vielen Teilen Afrikas, aber auch in Haiti und Südamerika praktiziert, wohin es seinen Weg durch den Sklavenhandel fand. (mehr zu Vodou im Interview auf Seite xxxxxx)

 

Mensch und Gemeinschaft

Zunächst ist zu beachten, wie in den afrikanischen Religionen die Person sich als Teil der Gemeinschaft sieht und in steter Verbindung mit ihrer Familie und ihren Ahnen steht. Die Religion ist dabei fast schon gleichzusetzen mit der Kultur eines jeweiligen Volkes. Das soziale Umfeld ist somit eng mit der Religion verflochten. Schon als Kind wird man in die Rituale mit eingebunden und ein gewisser Umgang mit den Dorfältesten und die Verbindung mit den eigenen Vorfahren werden etabliert und gestärkt. Die Harmonie der Gemeinschaft ist oberstes Gebot und muss bewahrt werden.

 

Das Gottesbild

Es gibt meist einen Schöpfergott, der das Universum erschaffen hat. Mehrere afrikanische Schöpfungsmythen berichten von einem Gott, der sich nach der Vollendung seines Werks zurückgezogen hat und nun nicht eingreift. Ein Mythos des Dinka-Volkes im Südsudan berichtet, dass sich Gott aus der Welt zurückzog, nachdem die erste Frau ihren Stößel zum Himmel hob, um Hirse zu mörsern. Zwar brachte dieser Rückzug Krankheit, den Tod und Anstrengung mit sich, aber doch wurde der Mensch von der Kontrolle durch Gott befreit.

Gott wird somit meist als eine Gestalt jenseits des eigenen Erfahrungsbereiches gesehen. Umso wichtiger und näher fühlen sich die Menschen den eigenen Vorfahren und sekundären Gottheiten, die mit der Natur und ihren Elementen in Verbindung stehen. Die Bittgebete und Opfergaben richten sich auch meist an sie, da sie als Boten und Vermittler zwischen den menschlichen und göttlichen Bereichen angesehen werden.

Die Ältesten des Volkes der Asante in Ghana geben zwar Trankopfer und beten zur Schöpferin, genannt Nyame, jedoch ist der wichtigste Aspekt des rituellen Lebens dort die Verehrung der weiblichen Vorfahren, die als Hüterinnen der Ordnung gelten. Im nigerianischen Volk der Yoruba leitet der allmächtige Schöpfer Olorun. Dazu findet sich ein Pantheon der sekundären Gottheiten, genannt Orisha. Die Yoruba verehren dieses Pantheon aktiv, aber Olorun hat keine Kultgruppen oder Priester. Die Nuer-Völker Südsudans und die Dinka beten erst zum Gott, wenn die Gebete zu sekundären Gottheiten erschöpft sind.

 

Der Vorfahrenkult

Wie bereits erwähnt, sind Vorfahren ein äußerst wichtiger Bestandteil der traditionellen afrikanischen Religionen. Jedoch ist nicht jeder Tote des Stammes ein »Vorfahre«. Nur ein beispielhaftes moralisches und soziales Leben reicht aus, um diesen Status zu erhalten. Wiederum wird dieses beispielhafte Leben Teil der Aufgabe eines Vorfahren, indem dieser die Stammesangehörigen heimsuchen soll, die gerade nicht nach seinem Vorbild leben und die Gemeinschaft vernachlässigen und/oder sich generell unmoralisch verhalten. Die Enttäuschung der Vorfahren zeigt sich in Form von Krankheiten und Unglück. Sobald Harmonie und Moral wiederhergestellt sind, hört das Heimsuchen auf. So werden bei schwereren Krankheiten zwischenmenschliche und soziale Konflikte als Ursache angesehen. Somit sind sie ein moralisches Dilemma ebenso wie eine biologische Krise.

Yoruba-Tänzer, © Photograph: Luciano Napolitano, www.besttravelreview.com

Yoruba-Tänzer, © Photograph: Luciano Napolitano, www.besttravelreview.com

Rituale

Sie spielen eine zentrale Rolle, indem sie Abwechslung ins alltägliche Leben bringen und die Gemeinschaft fühlbar machen. Jedes einzelne Mitglied der Gemeinschaft wird mit eingebunden. Ein gutes Beispiel dafür liefern Initiationsriten, durch die neue Lebensabschnitte initiiert werden. Ein neuer Lebensabschnitt geht sehr oft mit dem Erreichen eines neuen sozialen Standes einher, der mit dem Alter, Geschlecht, Ehestand und Beruf gewisse Regeln und Tabus mit sich bringt. Verletzungen dieser Regeln werden in manchen Ethnien schwer bestraft.

Ein anderes Beispiel für Riten sind Trauer- und Bestattungsriten, die auch Tage und Wochen dauern können. Der soziale Status ist auch bei diesen Traditionen sehr wichtig; je größer das Ansehen der Person, desto aufwendiger die Feierlichkeiten. Hauptfokus des Ritus ist der Übergang des Verstorbenen in die Welt der Ahnen, von der aus er auch noch in Kontakt mit seiner Gemeinschaft treten kann.

Neben diesen auf Menschen zentrierten Riten gibt es besonders in Agrargemeinschaften Naturriten, die den Menschen in Einklang mit den Jahreszeiten und den Naturprozessen bringen sollen. Die Kontaktaufnahme mit Vorfahren und Naturgeistern soll primär eine gute Ernte und Wetterbedingungen sichern. Die Entfaltung des Ritus findet sich in den Symbolen, indem sie die Einheit der Menschen und der beschworenen Naturgeister ausdrücken. Generell werden diese Geister durch Maskenträger dargestellt.

 

Kontaktaufnahme mit Gottheiten und Vorfahren

Für die Kontaktaufnahme wird meist ein Vermittler benötigt. Dies kann mehr oder weniger jeder sein, ob Kind oder Priester. Jedoch gibt es auch eine Kontaktaufnahme im Zusammenhang mit Statuetten, auch fetish/fetiche genannt. Beide Vermittlungsarten sollen dem Geist Sichtbarkeit verleihen, indem dieser von den Vermittlern oder Statuen kurzzeitig Besitz ergreift.

 

Masken

Neben Statuetten ist der Maskenkult ein wichtiger Bestandteil vieler Stammespraktiken. Die Person, welche die Maske mit dem Abbild eines bestimmten Geistes trägt, verkörpert ihn und beschwört ihn, in der Mitte der Gemeinschaft zu erscheinen. Die Energien des Geistes werden somit für jeden spürbar und lebendig gemacht.

 

Trommeln, Gesang, Tanz

All diese Elemente sind ein Weg, um während des Ritus in einen Trancezustand zu gelangen, der zur »Besitzergreifung« durch die Gottheit führt. Dies ist der innigste und auch dramatischste Kontakt, den ein Mensch mit dem Jenseits eingehen kann. Ein weiterer Weg zum Erleichtern des Trancezustandes ist unter anderem die Einnahme von psychoaktiven Pflanzen. In vielen Stämmen ist diese Praxis Priestern und religiösen Experten vorbehalten. Eine der Ausnahmen sind beispielsweise die Anhänger des Voduns, der ursprünglichen Quelle der Vodou-Religion in Benin, bei dem es jedem Eingeweihten erlaubt ist, sich als »Gefäß« für die Gottheiten zur Verfügung zu stellen. Sobald die Besitzergreifung durch eine Gottheit gelungen ist, treten alle Anwesenden in einen Dialog und bringen ihre Anliegen vor, z. B. Krankheiten und sonstige Unglücke.

 

Religiöse Rollen

Neben weiblichen und männlichen Priestern gibt es weitere Rollen, die von Menschen in der jeweiligen Gemeinschaft eingenommen werden. Unter dem Stamm der Yoruba wurde eine Reihe von Königen verehrt. Mythen wurden über das königliche Pantheon verfasst. Eine weitere Rolle wird von Ritualspezialisten eingenommen. Da sie auch in der Lage sind, Zeichen der Götter wahrzunehmen, werden sie auch als SeherInnen angesehen. Letztlich gibt es auch »Hexen«, Menschen, von denen angenommen wird, sie verfügen über eine vermittelnde Macht. Interessanterweise liegt ihre Macht über der von Vorfahren und Gottheiten. Die Macht wird deshalb als gefährlich angesehen und muss deshalb kontrolliert werden.

Ein Beispiel einer solchen Kontrolle bildet die »Gelede-Ritualmaskerade« der Yoruba, ein aufwendiges Schauspiel, bei dem die Hexen und ihre Kraft zwar geehrt und repräsentiert werden, jedoch das Ausschweifen dieser Energie, das zu Katastrophen wie Krankheit, Unfruchtbarkeit und Hungersnöten führen kann, gezähmt und abgeschwächt werden soll.

Generell wird Unglück sehr oft als das Werk von Hexerei angesehen, ob nun bewusst oder unbewusst. Hexen werden somit oft als Kraft des Bösen angesehen. Neben Ritualen stellen Hexenspezialisten und Wahrsager Amulette und Exorzismen zur Verfügung, um der Macht der Hexen entgegenzuwirken.

 

Die bevölkerungsreichsten ethnischen Gruppen in Afrika

Eine Gesamtbevölkerung von rund 12 Millionen Menschen gehört den Zulu an, von denen die meisten in Südafrika leben. Weitere bedeutende Bevölkerungsansammlungen leben in den Regionen Simbabwe (167.000), Lesotho (324.000) und Eswatini (107.000).

Nach 150 Jahren christlicher Missionsarbeit sind die meisten Zulu-sprechenden Südafrikaner Christen. Dennoch sind die Amadlozi, grob übersetzt »die Vorfahren«, immer noch eine dominante Kraft und Teil des zentralen Glaubens. Man glaubt, dass sie in das Leben der Nachkommen eingreifen und ihnen helfen. Dieser Glaube spiegelt sich in den Ritualen und Praktiken der afrikanischen unabhängigen Kirchen wider. Mehr noch, das Streben nach Gesundheit, Fruchtbarkeit und dem Gleichgewicht zwischen Menschen und Natur sind auch heute noch die Bereiche, in denen sich die Vorfahren am meisten einbringen. Daher werden den Amadlozi Opfergaben in einem christlichen und lokalen Kontext dargebracht, wenn sie Veränderungen und/oder Hilfe in diesen Bereichen wünschen.

Der Ahnenkult ist nur ein Teil des Zulu-Glaubenssystems. Die natürliche Ordnung und das Gleichgewicht sind weitere wichtige Aspekte. Man ist der Auffassung, dass die Menschheit physisch und psychisch mit ihrer Umwelt verbunden ist. Der Mensch ist anfällig für bestimmte Kräfte in dieser Umgebung, die von Zauberern manipuliert werden können oder automatisch funktionieren. Dies kann die Ursache für Unglück, Krankheit und einen allgemein schlechten Zustand sein. Vorfahren selbst können auch ihren Nachkommen schaden, aber nur als Warnung vor schlechtem Verhalten. Eigentlich sind die Amadlozi die wichtigsten Beschützer gegen die Zauberei.

Die Gesamtbevölkerung beträgt etwa 44 Millionen Menschen, wobei die meisten in Nigeria leben (41,6 Millionen). Andere Länder wie Benin (1,7 Millionen), Ghana (469.000) und Togo (304.000) weisen ebenfalls signifikante Bevölkerungszahlen auf.

Die Praktizierenden glauben, dass wir unseren Lebensweg gewählt haben, bevor wir auf die Erde kommen, aber wir haben ihn auf unserem Weg dorthin vergessen, und jetzt ist es unsere Bestimmung, uns an das Schicksal zu erinnern, das wir für uns selbst festgelegt haben. Die höchste Gottheit wird Olodumare genannt, ein entfernter Gott, wenn es um das tägliche Gebet geht. Die Gläubigen richten sich vielmehr an Orishas, vergleichbar mit katholischen Heiligen, aber sie sind viel menschlicher und unvollkommener, wobei jeder seine Vorlieben in Bezug auf Essen, Musik und Getränke hat. Ihre Mischung aus guten Eigenschaften und Fehlern sollte die Menschen dazu inspirieren, nicht als perfekter Mensch zu »agieren«, sondern vielmehr zu versuchen, die guten und schlechten Seiten auszugleichen. Die Yoruba-Religion ist sehr elastisch und offen für die Anpassung von Überzeugungen anderer Religionen. Vielleicht ist dies auch eines der Merkmale, die die Religion während des amerikanischen Sklavenhandels und der Missionstätigkeit vor dem Aussterben »gerettet« haben. Viele Yoruba-Praktizierende tarnten ihre Religion als Christentum, was durch die Nähe von Orishas zu katholischen Heiligen und ihren einzigen allmächtigen Gott erleichtert wurde.

Die Gesamtbevölkerung umfasst etwa 37 Millionen Personen, davon leben 36,5 Millionen in Äthiopien, wo sie die größte ethnische Gruppe sind. Kenia mit 470.000 und Somalia mit rund 87.000 Einwohnern haben ebenfalls signifikante Bevölkerungszahlen. Mehr noch, in Australien und Kanada leben jeweils auch zwischen 2000 und 3000 Oromo.

Die lokale Religion des Oromo-Volkes heißt Waaqeffannaa. Sie ist eine monotheistische Religion mit der Obersten Gottheit Waaqaa. Die meisten Praktizierenden befinden sich in Äthiopien. Um ihr treu zu sein, muss man ihren Gesetzen folgen, ihre Weisheit als Schöpfer und Quelle allen Lebens anerkennen. In ihrer Mythologie kümmert sich die Gottheit um alle Geschöpfe ohne Diskriminierung. Die Religion fördert Frieden, Versöhnung, Liebe und Harmonie. Diese Religion wird beschrieben als auf Vernunft beruhend, frei von Aberglauben oder dem Bedürfnis nach Vermittlern zwischen sich selbst und Waaqaa. Die Praktizierenden beten morgens und abends, nehmen an Danksagungsritualen und Feiern der Weisheit von Waaqaa teil. Mehr noch, gemeinnütziger Dienst und die Einhaltung der Gebote der höchsten Gottheit, wie z. B. nicht zu lügen, zu stehlen, seine Eltern zu missachten, keine außerehelichen Affären, Drogen, Alkohol, Glücksspiel und andere destruktive oder unmoralische Verhaltensweisen, werden als sehr wichtig angesehen. All dies geschieht in dem Bestreben, das Gleichgewicht der Gemeinschaft und der Natur zu wahren.

Mit einer Gesamtbevölkerung von rund 75 Millionen Menschen sind sie die größte ethnische Gruppe Afrikas. Die größten Bevölkerungszahlen gibt es in Nigeria mit 61 Millionen und Niger mit fast 11 Millionen Menschen. Rund eine Million Hausa leben jeweils an der Elfenbeinküste und in Benin. Das spirituelle Zentrum der Hausa-Kultur und der Menschen ist die Stadt Daura im Norden Nigerias, die auch die älteste Stadt des Hausalands ist.

Die lokale präislamische Religion Maguzawa wird von etwa zehn Prozent der Hausa-Bevölkerung ausgeübt. Die anderen 90 Prozent sind Muslime. Aber auch unter der muslimischen Bevölkerung gibt es immer noch Geisterkulte. Dieser Aspekt von Maguzawa ist Bori, der zu einer Staatsreligion unter den präkolonialen Hausa-Staaten wurde, die eine Sammlung von Staaten zwischen dem Tschadsee und dem Niger-Fluss waren. Als der Islam in die Länder kam, wurden viele Aspekte der Religion in den Untergrund getrieben. Durch die Integration einiger Aspekte des Islam überlebte Bori in muslimischen Sekten. Diese wurden von Priesterinnen geleitet, die mit den Geistern durch ekstatische Tanzrituale kommunizierten. Diese Besessenheitstänze sollen nicht nur die Gemeinschaft vor böswilligen Kräften schützen, sondern auch Heilung und Wahrsagerei ermöglichen.

Die Gesamtbevölkerung beträgt fast 50 Millionen, davon leben fast 40 Millionen in Nigeria, vor allem in den südlich-zentralen und südöstlichen Regionen. Weitere große Populationen leben in Kamerun, Gabun und Äquatorialguinea sowie außerhalb Afrikas.

Ihr Glaube ist monotheistisch und pantheistisch, mit einem einzigen Gott als Quelle aller Dinge. Obwohl ein Pantheon von Geistern existiert, sind diese weniger Geister als vielmehr Wesen, die dem höchsten Gott dienen. Kleinere Geister, die als ágbàrà oder álúsí bekannt sind, operieren unter dem Hochgott Chineke und sind Teile von ihm, die in seinem Kopf nach Geschlecht getrennt sind. Diese Geister repräsentieren Naturkräfte; Agbara als göttliche Kraft manifestiert sich als separate álúsí im Igbo-Pantheon.

Álúsí werden in Gemeinschaftsschreinen an Straßenrändern und in Wäldern verehrt, während kleinere Schreine im Haushalt zur Verehrung der Vorfahren stehen. Verstorbene Vorfahren leben in der Geisterwelt, wo sie kontaktiert werden können. Unter den álúsí befinden sich kleine und allgemeinere Geister, die als mmúọ bekannt sind, die lose durch ihre wahrgenommene bösartige oder gutartige Natur definiert sind. Diese kleinen Geister werden nicht verehrt und gelten manchmal als die verlorenen Seelen der Toten.

Die Zahl der Menschen, die die Igbo-Religion ausüben, nahm im 20. Jahrhundert mit dem Zustrom christlicher Missionare unter der Schirmherrschaft der britischen Kolonialregierung Nigerias drastisch ab. In einigen Fällen wurde die Igbo-Religion mit dem Christentum synkretisiert, aber in vielen Fällen wurden indigene Riten von christlichen Missionaren verteufelt, die auf die Praxis des Menschenopfers und einige andere kulturelle Praktiken hinwiesen, die unter der Kolonialregierung illegal waren.

Chukwu als Schöpfer von allem Sichtbaren und Unsichtbaren und als Quelle kleinerer Gottheiten wird auch als Chineke bezeichnet. Chukwu ist geschlechtslos.

Yoruba-Tänzer, © Photograph: Luciano Napolitano, www.besttravelreview.com

Yoruba-Tänzer, © Photograph: Luciano Napolitano, www.besttravelreview.com

Die Autorin Claudia Nussbaumer

Über die Autorin

Claudia Nussbaumer, geboren 1999, Studium der Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaften in Galway, Irland. Macht gerade ein Praktikum bei der Tattva Viveka Redaktion.

Dieser Artikel erschien in der Tattva Viveka 82 und ist auch als ePaper erhältlich (Pdf, 4 Seiten).

Claudia Nussbaumer TV82 (PDF)

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