Astrosophie – oder »die Weisheit der Sterne«

Astrosophie – oder »die Weisheit der Sterne«

Eine jahrhundertealte Himmelskunde

Autor: Susanne Pallagi
Kategorie: Astrologie
Ausgabe Nr: 82

Die Astrosophie führt neben der wissenschaftlichen Astronomie und der spirituell orientierten Astrologie eher ein Schattendasein. Doch sie sind eine Triade, die nur gemeinsam die Sterne deuten und für den Menschen zugänglich machen können. Dabei liegt bei der Astrosophie der Schwerpunkt auf der Weisheit der Sterne und ihrer philosophischen Deutung.

Fred Gettings‘ »Dictionary of Astrology« (1985) Definition

»Astrosophie ist eine Bezeichnung für eine moderne Form der Astrologie, die auf den Angaben von Steiner basiert und von Forschern wie Vreede, Thun, Sucher und Powell formuliert und erläutert wurde. Obwohl sie im Wesentlichen eine synkretistische Form hat und in traditionellen Rhythmen verwurzelt ist, verwendet sie häufig den Zodiak‹ und ›Heliozentrische Diagramme‹ sowie eine raffinierte Anwendung von ›Epochendiagrammen‹ und ›Todesdiagrammen‹.

Astrosophie wurzelt in einer spirituellen Kosmos-Konzeption und in einer Sicht der Geschichte,

die so interessante Normative wie die ›Drei Prototypen‹ hervorgebracht hat. Die damit verbundene Arbeit von Powell (in Bezug auf die Erforschung antiker Tierkreise) war von großer Bedeutung. Die praktische Anwendung des Zodiak in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft ist auch mit der Astrosophie verbunden, wie zum Beispiel in der Arbeit von Maria Thun.«

Astrosophie – als Philosophie der Astronomie

Im Jahr 1918 veröffentlicht der deutsche Arzt, Erfinder und Okkultist Dr. Ferdinand Maack (1891–1930) unter dem Titel »Astrosophie – Philosophie der Astronomie« eine eigene Forschungsarbeit zum Thema. Maack behauptet in seiner Veröffentlichung, dass die Astrosophie eine teils rein wissenschaftliche und teils spekulative philosophische Sternenweisheit sei. Die Astrologie bezeichnet er als Sternendeutung, die Astronomie als die wissenschaftliche offizielle Sternkunde. Die Astrosophie ist nach Maack eine werdende Astronomie, die auch metaphysische Spekulationen beinhalte.

Jede astrosophische Frage enthält nach Maack auch eine philosophische Frage und ist deshalb auch eine Philosophie der Astronomie.

Maack unterteilt die »astrosophische Gedankenmasse« und deren Herausforderungen in mehrere Gruppen, welche die mathematischen, astronomischen, geologischen, physikalischen, biologischen, psychologischen und philosophischen Aspekte beinhalten sollen. Bei der Unterteilung geht es um differenzierte Fragen, die sich auf die Erde beziehen: Wie lassen sich untergegangene oder neu auftauchende Kontinente erklären? Besteht ein Zusammenhang zwischen den Kontinenten Atlantis und Lemurien und den Menschenrassen? Besteht ein Zusammenhang auch mit neuen Religionen? Er beschäftigt sich auch mit noch unbekannten Himmelskörpern sowie den Sternen und Planeten und stellt Fragen zu den interplanetarischen und kosmischen Vorgängen, wie beispielsweise: Was ist Raum, Chaos und Äther? Ist der Raum absolut und dreidimensional? Ist die Zeit eine Dimension des Raumes? Wie erklären sich die großen und kleinen Weltperioden? Wie erklären sich kosmische Zahlenrelationen? Die physikalischen Fragen werden von biologischen und psychologischen Fragen abgelöst. Wie entstand Leben auf der Erde? Wie enden das Menschengeschlecht und das irdische Leben? Ist nur die Erde bewohnt? Sind Mond, Erde und Planeten selbst Organismen oder Teil-Organe eines kosmischen Universal-Individuums? Gibt es Engel, Dämonen und eine Weltseele?

»Universa Astrosophia Naturalis« von Antonius Franciscus de Bonatti (1687)

»Universa Astrosophia Naturalis« von Antonius Franciscus de Bonatti (1687)

Ein weiteres Forschungsgebiet beschäftigt sich mit der Frage, ob von den Gestirnen außer physischen auch psychische Wirkungen ausgehen, und ob das Schicksal des einzelnen Menschen und der Völker vom Lauf der Sterne beeinflusst wird. Schließlich soll die astrosophische Gedankenmasse auch die Astral-Mythologie beinhalten, die nach dem Ursprung der Religion fragt, ob es ein Jenseits gibt und ob die Seele unsterblich sei. In seiner Zusammenstellung beruft Maack sich auf mehrere Autoren, die seiner Ansicht nach bemerkenswerte Beiträge zur Astrosophie geliefert haben, nämlich u. a. Dr. Christoph Ruths, Schriftsteller (Pseudonyme Alexander Vulcanus / Lichtenberg) mit den Schwerpunkten Astronomie und Psychologie in seinem Werk »Neue Relationen im Sonnensystem und Universum« (1915), Johannes Schlaf (1862–1941), Dramatiker und Vertreter der Konzeption des Naturalismus, sowie Dr. Ernst Bartel (1890–1953), Philosoph, Mathematiker und Erfinder. Bartel bezeichnet die Philosophie des Raumes als Stereosophie und die Philosophie der Astronomie als Astrosophie, die auf das Engste zusammengehören sollen. Ergänzend stellt er als Dritten im Bunde die Philosophie der Zahl, die Arithmosophie, dazu.

Astrosophie und Astrologie bei den Babyloniern

1929 berichtet Prof. Dr. A. Jeremias in der Zeitschrift »Das Weltall« über Astrosophie und Astrologie bei den Babyloniern. Er vertritt die Ansicht, dass die von den Sumerern stammende und von den semitischen Babyloniern weitergebildete Himmelsschau in ihrer ältesten Gestaltung Astrosophie und nicht Astrologie genannt werden sollte. Jeremias betrachtet die Astrosophie als Ausdruck einer von hohem Wirklichkeitssinn getragenen religiösen Weltanschauung. Die Babylonier sahen die Gestirne als Sphären göttlicher Geistwesen und nahmen eine Sternenwirkung auf Erdenstoffe an.

. Im Schöpfungslied von Babylon werden die Sterne »Berater« genannt,

dies erinnert an eine altorientalische Sternenweisheit, an den arabischen Ansatz, der in der »Planetenstraße am Himmel die göttliche Offenbarungsschrift« wahrnimmt und im Fixsternhimmel »den an den Rand geschriebenen Kommentar« erkennt. So wie der bestirnte Himmel vom symbolbeladenen Bilderbuch zum logischen Rechenbuch mutierte, so wurde die Astrosophie nach Jeremias später zur rechnenden Astrologie, von der Lucian sagt: »Die Astrologie handelte nicht mehr vom Himmel und den Gestirnen selbst, sondern von der sich auf dieselbe gründenden Wahrsagekunst.«

Wenn Sie mehr über die Astrosophie und Astrologie bei den Babyloniern erfahren möchten, können Sie den vollständigen Artikel als Pdf unten bestellen und herunterladen.

Astrosophie als »göttliche Wissenschaft der Sterne«

François Brousse (1913–1995), französischer Philosophieprofessor, Autor von Romanen, Theaterspielen und Märchen sowie metaphysischer, astronomischer, historischer und esoterischer Essays wie »Die Auferstehung von Lazarus« (1936), zählt zu den Vorläufern der Bewegung der »philosophischen Cafés«, einer Form der außerakademischen philosophischen Tätigkeit, die in Frankreich Ende des 20. Jh. in Erscheinung trat. Für Brousse beinhaltet die Astrosophie als verbindender Überbegriff ebenfalls die Astrologie und die Astronomie. Brousse behauptet, einen tatsächlichen Einfluss der Gestirne u. a. dadurch zu erkennen, dass diese ein eigenes Gravitationsfeld haben. Diesen Einfluss postuliert er auf geistiger Ebene, d. h. auf das Bewusstsein bzw. Unterbewusstsein des Menschen. Auch empfindet er die engen Zusammenhänge zwischen astrologischer und psychologischer Charakterbeschreibung auffällig und schließt daraus eine Existenz der Seele als Ausdruck des Unendlichen und Immer-Seienden.

Astrosophie, die »Weisheit der Sterne« bezieht sich nach Brousse auf eine geistig-spirituelle Ebene und weniger auf eine materielle.

Seine Theorien veröffentlicht er von 1980 bis 1983 in der von ihm, François Villée und Josée Lugol herausgegebenen Zeitschrift »Sources et Flammes« und im Buch »L’Astrosophie ou la Science divine des étoiles«.

Libra von Johfra Bosschart

Libra von Johfra Bosschart

Astrosophie der Rosenkreuzer

Unter dem Titel »Saturn der Wächter vor der Pforte« (1971) veröffentlichen Henk Leene (1924–2014), ehemaliger Großmeister des Lectorium Rosicrucianum (L. R.), Sohn Jan van Rijckenborghs (1896–1968), Begründer des L. R., und seine Frau Mia Leene (1924–1993) über Astrosophie: »In der Astrologie sagt man, daß die Sonne die saturnalen Wirkungen bekämpft. In der Astrosophie lehrt man, daß der Körper durch den Geist überwunden werden muß. Das Blei, Metall des Saturn, muß im Feuer des Geistes zum Gold der Alchimisten umgeschmolzen werden.« Die von Henk und Mia Leene gehaltenen astrosophischen Seminare (1970–1975) in Deutschland und in den Niederlanden wurden mit folgender Einleitung angekündigt: »Das Studieren der astrosophischen Lehren bedeutet das Eindringen in das eigene, zusammengesetzte Schwingungswesen. Für das Verständnis der astrosophischen Lehren braucht man keine Astrologie studiert zu haben, man muß vielmehr nur in der Lage sein, sich selbst als ein Teil des kosmischen Ganzen zu sehen, in dem Schwingungen von vielerlei Geschwindigkeiten durch den Raum eilen.«

Dieser Artikel ist allen gewidmet, die astrosophische Spuren hinterlassen haben.

Die Autorin Susanne Pallagi

Über die Autorin

Susanne Pallagi, B. A., studierte u. a. Religionswissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg und unterrichtet u. a. astrosophische Archetypenlehre & Symbolsprache mit mythologischem Hintergrund seit 2009 an der Pegasus Akademie.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

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