Atme!

Atme!

»Erfahrbarer Atem« und Kevali-Atem als natürlicher Ausgangspunkt einer Yin- und Shakti-orientierten höheren Yoga-Praxis.

Autor: Hans Meyer
Kategorie: Veden/Yoga
Ausgabe Nr.: 46

Der Atem spielt in allen spirituellen Traditionen eine wichtige Rolle und verbindet so verschiedene Kulturen. Darüber hinaus ist die Atmung sowohl für körperliche Gesundheit als auch für die geistig-seelischen Bereiche von Bedeutung. Der Artikel vergleicht die indische Kevali-Atmung und den Erfahrbaren Atem nach Ilse Middendorf. Bei beiden geht es um einen sanften Weg, der die natürliche Atmung zulässt und keine willentliche Beeinflussung des Atems durch Techniken anwendet.

 

 

 

Sowohl im indischen als auch im chinesischen Yoga wird die Arbeit mit dem Körper der direkten Energiestimulation vorangestellt. Wir können leichter unsere Lebensenergie spüren, wenn Gelenke und Faszien durchlässig sind, wenn die Lebensenergie ungehindert fließen kann und sich nicht staut. Die uns innewohnende bioelektromagnetische Kraft wird in Indien Prana, in China Chi, in Japan Ki und in Ägypten Ka genannt – dies sind nur einige von weltweit über hundert Bezeichnungen. Wie können wir uns einen Zugang zu ihr verschaffen? Im Herzstück des chinesischen Chi Kung, dem Nei Kung, werden differenzierte Energietechniken angeboten und die Atmung als erste Komponente bezeichnet, um Chi erfahren zu können.

Der indische Yoga, den sein Urvater Patanjali in acht Stufen eingeteilt hat, reserviert den Atemübungen, dem sogenannten Pranayama, eine eigene Stufe. Sie wird durch die erste eigentliche Yoga-Stufe, die Asanas-Übungen vorbereitet. Die ersten beiden Stufen sind Reinigungsstufen. Aus der Vervollkommnung der Körper- und Atemübungen erwächst die Fähigkeit der Gedankenkonzentration und die Entwicklung geistiger Kräfte (Stufe 5-8).

Die größte Autorität des indischen Yoga in Deutschland und darüber hinaus war zu seinen Lebzeiten und ist bis heute Boris Sacharow. Er war nicht nur als Yogi, sondern auch als Yoga-Gelehrter (indisch: Yogiraj) anerkannt und hat bedeutende Grundlagentexte des Yoga aus dem Sanskrit übersetzt (Das Große Geheimnis. Das tantrische Werk Gheranda-Samhita) und zudem einige berühmte indische Yogalehrer auf ihre Fehler in der Interpretation der Texte hinweisen können.

Die uns innewohnende bioelektromagnetische Kraft wird in Indien Prana, in China Chi, in Japan Ki und in Ägypten Ka genannt.

 

Im Quellentext der Gheranda Samhita werden acht Atemarten vorgestellt. Die Wesentlichsten finden sich auch im chinesischen System wieder. Nach Boris Sacharow haben alle acht Atemübungen des Pranayama den Zweck, die höchste Atemart, Kevali, beherrschen zu lernen. Nur mit dieser Atmung ist Konzentration und Meditation im Sinne des Yoga möglich. Auf den ersten Blick findet man für die Praxis des Pranayama bei Gheranda Samhita keine Anweisungen. Boris Sacharow ist es aber gelungen, aus wenigen Hinweisen die entscheidenden maßgeblichen Parameter für die Kevali-Atmung herauszuarbeiten, die sich von den üblichen Erklärungen (auch indischer Autoritäten) grundlegend unterscheiden. Die Kevali-Atmung zeichnet sich durch einen lautlosen, langsamen und feinen Atem aus. Eine Atemsequenz kann sich auf fortgeschrittener Stufe bis zu einer Minute oder länger ausdehnen.

Der Kevali-Atmung ist jedoch jedes künstliche und zwanghafte Atemanhalten, wie es vielfach vermittelt wird, fremd. Auch im chinesischen Nei Kung gibt es Darstellungen von einer nahtlosen Atmung, die sich verlangsamt und (fast) zum Stillstand kommt, während gleichzeitig Chi ein- bzw. ausgeatmet wird und Körper und Geist in eine immer größere Stille gelangen. In solche Tiefen der menschlichen Existenz kann nur eine spontane Atmung führen. Wer diese Art des Atmens beherrscht, kann Spontaneität anregen. Die Kevali-Atmung ist trotz der Vorarbeit von Boris Sacharow kaum namentlich bekannt und wird erst recht nicht beherrscht. Das liegt u.a. daran, dass er sie nur kurz beschrieben und keinen eigenen didaktisch-methodischen Weg zu ihrer genauen Ausführung entwickelt hat.
Sacharow weist darauf hin, dass die bekannten Pranayama Atemübungen den Atemapparat flexibel und bewusster machen und eine gute Vorbereitung für Kevali darstellen. Erst in der nächsthöheren Yogastufe des Pratyahara, das zur Hellwahrnehmung führt, werden die grundlegenden Parameter des Kevali greifbarer. Vergegenwärtigen wir uns die Tatsache, dass auch Boris Sacharow selbst in seinen praktischen Yogabüchern als vierte Yogastufe das Pranayama und als Fünfte das Pratyahara (Entziehen der Sinne von der Außenwelt) angibt. Auf der vierten Stufe werden die Pranayama-Atemübungen entwickelt, die willentlich ausgeführt werden können. […]

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Hans Meyer
Atme!
Ausgangspunkt einer Shakti-orientierten höheren Yoga-Praxis

Der Artikel vergleicht die indische Kevali-Atmung und den Erfahrbaren Atem nach Ilse Middendorf. Bei beiden geht es um einen sanften Weg, der die natürliche Atmung zulässt und keine willentliche Beeinflussung des Atems durch Techniken anwendet.
 

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 11: Jill Purce – Klang in Körper und Geist

TV 18: Prof. Dr. Fritz-Albert Popp – Biophotonen. Leben und Licht

TV 38: Prof. Dr. Stanislav Grof – Außergewöhnliche Bewusstseinszustände durch Holotropes Atmen

TV 46: Dr. Sylvester Walch – Holotropes Atmen zwischen Therapie und Spiritualität.Heilung und Öffnung durch veränderte Bewusstseinszustände

 

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