Soziologie

Von Prof. Dr. Gerhard Besier

fecris   FECRIS (Fédération européenne des centres de recherche et d’information sur le sectarisme) ist eine internationale Dachorganisation für verschiedene, vor allem national organisierte Anti-Sekten-Gruppen, die beim Europarat als Nichtregierungsorganisation (NGO) akkreditiert ist. Sie wurde 1994 als gemeinnützige Vereinigung nach französischem Recht gegründet und umfasst derzeit 44 Vereinigungen in 27 Ländern. FECRIS zufolge handelt ihre Organisation „in Übereinstimmung mit gemeinsamen ethischen Grundsätzen, die vor allem durch politische, philosophische und religiöse Neutralität gekennzeichnet sind“. Mit starker Unterstützung und Lobbyarbeit der Organisation wurde 2001 in Frankreich das sog. About-Picard-Gesetz verabschiedet, das den Geist einer radikalen Laizität atmet und umgangssprachlich als „Anti-Sekten-Gesetz“ bezeichnet wird. Danach müssen „religiöse Vereinigungen“ aufgelöst werden, wenn sie oder ihre führenden Persönlichkeiten zwei Mal strafrechtlich verurteilt wurden. Darüber hinaus werden auch solche Fälle geahndet, in denen Jugendliche durch die Arbeit religiöser Vereinigungen „ihren Familien entfremdet werden“. 2002 rügte der Europarat die Politik Frankreichs gegenüber religiösen Minderheiten und forderte eine Revision des About-Picard-Gesetzes. Die Europäische Evangelische Allianz – ein Zusammenschluss überwiegend pietistisch orientierter protestantischer Religionsgemeinschaften, zu denen als einflussreichste auch die Deutsche Evangelische Allianz gehört – erklärte im Juni 2004 zum gesetzlichen Vorgehen gegen „Sekten“ in Europa:
  Autor: Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Gerhard Besier Kategorie: Soziologie Ausgabe Nr: 54     Spiritualität ist auf dem Vormarsch. Aber es regt sich auch Widerstand. Wer sich etwas intensiver mit alternativer Spiritualität beschäftigt und sich vielleicht einer der zahlreichen Richtungen anschließt, wird möglicherweise mit den Vorbehalten konfrontiert, die vonseiten der etablierten Kirchen oder auch Atheisten erhoben werden. Nicht immer verläuft das seriös. Diskriminierung und Verfolgung bis hin zu Rufmord und Kriminalisierung erinnern an dunkle Kapitel unserer Geschichte.

Sekten und Sektenmacher

Autor: Dr. Gerald Willms Kategorie: Soziologie Ausgabe Nr: 54       Menschen verfolgen und ächten Menschen, seit es die menschliche Kultur gibt. Misstrauen, Feindseligkeitserwartung und die Verfolgung Andersgläubiger haben eine jahrtausendealte Tradition. Der Kultur- und Religionssoziologe Willms beleuchtet in diesem Beitrag das Sektenphänomen nicht von der sensationsheischenden Perspektive des Boulevard-Journalismus, sondern bemüht sich um eine nüchterne Einschätzung. Er beschreibt, wer die Sekten macht, und welche soziologischen Dynamiken hier am Werke sind. Es zeigt sich, dass die meisten Vorbehalte gegenüber »Sekten« auf unhaltbaren Vorurteilen beruhen.

Über die Widersprüchlichkeit der »Sektendebatte«

Autor: Dr. Peter Schulte Kategorie: Soziologie Ausgabe Nr: 54     Neues macht Angst. Dieser Sachverhalt mag vermutlich auch bei dem Thema »Sekten« stimmen. Der Autor beschreibt den gesellschaftlichen Prozess, wie eine neureligiöse Bewegung als »Sekte« diffamiert wird. Sogenannte Experten, der laizistische Staat, die Großkirchen und die Medien, inszenieren bewusst oder unbewusst ein Schauspiel der besonderen Art. Dabei wird gekonnt mit den Emotionen und Ängsten der Menschen gespielt und auf sachliche und differenzierte Analyse verzichtet. Schulte war 12 Jahre lang Sektenbeauftragter in Österreich.

Die Soziologie in der »Wissensgesellschaft«Zur Unterscheidung von Wissensformen als Voraussetzung wissenschaftlicher Erkenntnis

Autor: Prof. Dr. Dr. Robert Hettlage Kategorie: Soziologie Ausgabe Nr: 53 Die Soziologie war lange Zeit eine Wissenschaft, die stark an die Philosophie und die „Fragen des Guten Lebens“ angebunden war. Mit dem Aufbrechen der positivistischen (Natur-)Wissenschaften sah sich die Soziologie gezwungen sich stärker an deren „harten“ Methoden zu orientieren und vergaß ihr Erbe. Robert Hettlage kontrastiert in diesem Kontext die unterschiedlichen Formen des Wissens, ihr Gehalt und vor allem das Problem moderner selbsternannter „Wissensgesellschaften“ nur eine Wissensform, die positivistische, als „Wissen“ schlechthin geltend zu machen.

Zur Rekonstruktion der weiblichen Kraft

Autor: Alexandra Schwarz-Schilling Kategorie: Soziologie Ausgabe Nr: 51 Die Autorin zeichnet in diesem Artikel das Leben und Weltbild im Matriarchat nach: von der Organisation des politischen Lebens über die Ordnung von Mensch und Natur zu der Beziehung von Mann und Frau inklusive Menstruation sowie Sexualität. Die dargelegten Verhältnisse brechen mit denen von uns oftmals als »natürlich« empfundenen Vorstellungen, die wir im Patriarchat gelernt haben. Tiefgreifende Änderungen sind nicht einfach umzusetzen. Dass darüber geforscht und geschrieben wird, verdanken wir der unerschütterlichen Sehnsucht unserer Herzen, die einfach nicht aufhören wollen, einen erhabenen Traum zu träumen.