Corona

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Die Bewusstseinsebenen, die Selbstklärung und die Haltung des Nicht-Wissens

Autor: Helmut Dörmann
Kategorie: Politik
Ausgabe Nr: 84

Der Autor führt gekonnt die Corona-Krise mit den integralen Bewusstseinsebenen zusammen und erläutert ihren Zusammenhang. Gerade das Eingeständnis des Nicht-Wissens eröffnet einen Raum, der uns für unsere Intuition empfänglich macht und uns stufenweise die Schau von dem, was ist, ermöglicht. Es ist ein Beitrag, der jenseits von verschiedenen Meinungen und Anfeindungen eine andere, wohlwollende Perspektive auf die gegenwärtigen Umstände darlegt und die Evolution des Bewusstseins im Blick hat.

Unsere Gesellschaft ringt mit Entscheidungen, wie die von der Corona-Pandemie ausgelöste Krise zu meistern ist. Von Woche zu Woche, manchmal auch von Tag zu Tag. Und ich bin froh darüber, in einem Land zu wohnen, in dem wir intensiv über diese Fragen diskutieren. In dieser schwierigen Zeit zeigt sich für mich der Wert unserer Demokratie. Das ändert freilich nichts daran, dass ich mich, wie viele andere, immer wieder überfordert fühle mit einer zutreffenden Einschätzung der Situation und der Antwort auf die Frage, was ein guter nächster Schritt sein könnte.

Corona stellt uns vor große Herausforderungen. Wie können wir als Gesellschaft konstruktiv mit so stark polarisierenden Kräften und Meinungen umgehen? Wie verhalten wir uns zu Verschwörungstheorien – und vor allem zu den Menschen, die daran glauben? Was kann der persönliche Beitrag sein, um dieser Krise positiv zu begegnen? (Ich habe begonnen, über Zoom eine tägliche Morgenmeditation anzubieten als Möglichkeit des Nach-innen-Schauens und der Kraftanbindung.) Was lehrt uns diese Situation? Diese Fragen schaffen eine Art Schwebezustand. Sie wollen immer wieder wahrgenommen und angeschaut werden.

Zumal bei der Fokussierung auf wissenschaftliche Sachverhalte, die aktuell im Vordergrund der Diskussion stehen, soziale, ethische und spirituelle Aspekte zu kurz kommen.

Deswegen möchte ich Sie zu Betrachtungen über Bewusstseinsebenen, Selbstklärung und die Haltung des Nicht-Wissens einladen.

Der Schlüssel zum Verständnis: die Bewusstseinsebenen

Nach der Theorie von Spiral Dynamics prägen unterschiedliche Bewusstseinsebenen unsere Haltung zur Welt. Sie sind ein Erklärungsmodell, wie das menschliche Bewusstsein wahrnimmt und sich und die Welt deutet.

Eine Bewusstseinsebene konstruiert die Wirklichkeit unseres Denkens und ist damit auch Motor unseres Handelns.

Wie Jean Gebser, Don Beck und Ken Wilber dargelegt haben, hat sich das menschliche Bewusstsein über Jahrmillionen über einander folgende Ebenen entwickelt: ausgehend von der archaischen über die magische, egozentrische, mythische/traditionelle, rationale bis hin zur pluralistischen und schließlich integralen. Von Ebene zu Ebene ist dieses Bewusstsein komplexer, differenzierter und sich selbst bewusster geworden – in einer dynamischen Entfaltung, nicht abgeschlossen, sondern sprunghaft und diskontinuierlich in verschiedenen Phasen.

Jede dieser Ebenen wird von bestimmten Werten geprägt, von für sie typischen Pathologien und Krisensituationen. Sie finden sich in Beziehungen, Familien und Organisationen wieder und beeinflussen unsere Sichtweise auf den Alltag. Auf jeder Ebene warten charakteristische Lernerfahrungen; und jede Ebene muss durchlebt werden.

Möchten Sie wissen, wie sich die Bewusstseinsebenen auf unser Denken und Handeln auswirken? Dies können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Die Corona-Krise und die Bewusstseinsebenen

Wir erleben aktuell eine enorme Vielfalt von Reaktionen. Die Stimmen der Wissenschaft haben großes Gewicht. Politiker/innen hören auf Wissenschaftler/innen – zumindest in unserem Land. (Wann hat es das schon gegeben? Das empfinde ich als etwas Besonderes, im positiven Sinn.) Aber kennen Sie vielleicht auch den »Corona-Chor«? Mir ist ein Video begegnet, bei dem ein anmutig anzusehendes Corona-Wesen Sätze sprach wie: »Ich bin da, damit die Menschheit erwacht« oder »Ich bin da, um euch zu zeigen, dass wir dem Egoismus verfallen sind« oder »Ich bin da, weil die Menschheit aufwachen möge«. Diese Moralkeule war für mich schwer zu ertragen. Ähnlich geht es mir mit der Besserwisserei auf Facebook. Gerade dort tummeln sich Menschen, die über alles und jeden Bescheid wissen und gleichzeitig alle anderen niedermachen. Zugleich erleben wir Politiker/innen, die sich egozentrisch und narzisstisch verhalten. Aber auch wir haben womöglich Stimmen in uns, die sagen: »Ich habe doch recht«, »meine Bedürfnisse nach Freiheit im Corona-Zwang kommen zu kurz«, »ich muss mich Unrecht beugen«.

Hierzu gehören u. a. Stimmen von Wissenschaftler/innen, die aus ihrem Fachwissen heraus die Welt erklären. Positiv betrachtet, sind gerade in Zeiten der Corona-Pandemie wissenschaftliche Erkenntnisse sehr von Bedeutung. Kritisch betrachtet, scheint es manchen Wissenschaftler/innen mehr um ihre Person als um die wissenschaftliche Sichtweise zu gehen.

Es sprechen aus jeder dieser Haltungen spezifische Deutungen, die aus einer Bewusstseinsebene gespeist werden.

Es gibt Menschen, die in der Lage sind, verschiedene Sichtweisen nebeneinander stehen zu lassen, ohne diese zu bewerten.

Das ist eine wunderbare Fähigkeit (in der ich mich versuche zu üben, wahrlich nicht immer mit Erfolg).

Es ist eine integrale Perspektive, die diesen vielstimmigen Chor hören und sehen kann.

Welche Erkenntnisse die integrale Philosophie in Hinblick auf die Corona-Krise für uns parat hält, erfahren Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Wenn wir uns aus einer Haltung des Nicht-Wissens auf die Lösung von Problemen einlassen, geben wir uns mehr Raum. Raum, der wohltuend für uns selbst ist. Nicht-Wissen heißt: Ich weiß auch nicht, was richtig ist. Auf dieser Ebene des »Schauens« oder der »Schau-Logik«, wie Ken Wilber sie nennt, können wir uns mit dem, »was ist«, verbinden und uns damit EINS fühlen. Mit einem wichtigen Unterschied: Wir werden nicht in die immanenten Reibungen hineingezogen. Wir können sagen: Ich sehe diese Turbulenzen, aber ich bin nicht diese Turbulenzen. Ich bin offener Raum! Wohltuend und frei! Dann können wir – aus diesem Raum heraus – auf die Welt in ihrer Verwirrung einwirken. Auch in einem heilenden Sinne für uns selbst.

Das ist nicht ohne Risiko. Diese Art des Schauens kann dazu verleiten, die Welt nur zu betrachten und es sich in dieser Rolle gemütlich zu machen. Wir verabschieden uns aus der Verantwortung des Handelns und werden zu Zuschauern. Aber wir sehen, dass gerade in Corona-Zeiten enorme Spannungen in der Luft liegen. Gerade deswegen sehe ich uns in der Verantwortung, hierzu eine klare Haltung einzunehmen und diese Haltung aktiv zu vertreten. Es braucht ein rechtes Bemühen, wie es im Buddhismus heißt, und es braucht Hingabe.

Es braucht die Hingabe an den Teil in uns, der nicht weiß. Es gibt diese höhere Instanz in uns, die erkennt, was der nächste Schritt ist. Wir können uns dieser inneren Führung hingeben und anvertrauen. Das erzeugt aber nicht selten einen inneren Konflikt. Er entsteht zwischen der höheren Instanz, der wir uns hingeben, und jenem Teil in uns, der »weiß« – oder jedenfalls meint, zu wissen.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über die befreiende Haltung des Nicht-Wissens und ihre Folgen für einen selbst und die Gesellschaft.

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Über den Autor

Helmut Dörmann, Jahrgang 1957, ist Gestalttherapeut, Supervisor, Ausbildung in transpersonaler Psychologie, Leiter eines Hospizdienstes. Er ist Gründer der spirituellen Weggemeinschaft Integral Mandorla; Lehrer der Kontemplationslinie Wolke des Nichtwissens; Referent von DIA (Die Integrale Akademie) und Kursleiter am Benediktushof. In seinem Wirken bezieht er sich auf eine integrale, spirituelle Lebenspraxis.
Webseite: www.helmut-doermann.de

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