Das Heilwissen der Sangoma

Das Heilwissen der Sangoma

Die Behandlung von Traumata und psychischen Krisen durch spirituelle Weisheit

Autor: Gogo Ekhaya
Kategorie: Schamanismus
Ausgabe Nr: 82

Sangoma sind afrikanische spirituelle HeilerInnen, die mit Geistwesen kommunizieren und in Traum- und Trancezuständen Lösungen für Probleme in den Bereichen Psyche, Gesundheit, Beziehungen und Lebensalltag finden können. Vieles, was in der westlichen Medizin als psychische Krankheit angesehen wird, ist eine erste geistige Öffnung für diese Bereiche.

RONALD: Hallo zusammen! Heute sind wir stolz, Gogo Ekhaya hier bei uns zu haben. Sie ist eine Sangoma-Heilerin, die in den USA lebt und Wissen über afrikanische Spiritualität vermittelt. Bitte erzähle uns am Anfang, was ist deine Geschichte? Wie haben die Sangoma-Lehren dich gefunden und wie gestaltete sich deine erste Begegnung mit der Sangoma-Spiritualität?

GOGO: Zunächst möchte ich meine Dankbarkeit dafür zum Ausdruck bringen, dass ich hier bin und zu diesem Interview eingeladen wurde. Ich war schon immer sehr neugierig, und ich glaube, es war eine innere Neugier, die mich zur Spiritualität hinzog. Zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben litt ich unter vielen psychischen Störungen. Aber ich war auch eine Suchende. Also schaute ich mir verschiedene Wege an, um meine Erfahrungen zu verarbeiten.
Als ich mich auf die Suche machte, hörte ich dieses Radiointerview mit einer Sangoma-Priesterin, Yeye Gogo Nana, die wie ich in den USA lebte und über ihre Geschichte sprach. Ich konnte mich damit sehr gut verbinden. Ich entschied mich, bei ihr eine Ahnenweissagung, eine Art Orakel-Lesung, zu machen. Diese Lesung dient dazu, die von der Person gewünschten Informationen über ihr Leben zu identifizieren und herauszufinden, wohin sie sich wenden soll. Ich bekam eine solche Weissagung von ihr, und es war ziemlich erstaunlich. Sie erzählte mir alles über mein Leben, obwohl sie nichts über mich wusste.

Am Ende dieses Gesprächs sagte sie mir, dass ich auch den Ruf hätte, Priesterin zu werden.

Das berührte mich, denn es war eine der Fragen, die ich vorab notiert hatte. Das war der Beginn meiner Reise, denn ich wusste, dass es eine Saite in mir anschlug.

SASKIA: Kannst du erklären, was Sangoma bedeutet und was das Besondere an dieser schamanischen Tradition ist?

GOGO: Sangoma sind traditionelle Heiler in der Region des südlichen Afrikas, also in Südafrika, Swasiland und Mosambik. In verschiedenen Gebieten werden die Heiler Sangoma oder Inyangas genannt. Die Inyangas sind Menschen, die mit uMuthi, den Kräutern, arbeiten. Sie sind Kräuterkundige.

Sangoma arbeiten mit Geistern, Ahnengeistern und auch mit Medizinpflanzen sowie mit allen Elementen der Erde, der Luft, des Feuers, des Wassers und der Ahnen.

Daher werden die Sangoma auch das Volk der Trommel genannt. Wir arbeiten in Form von Zeremonien, Ritualen. Wir arbeiten eng mit den Ahnenwächtern zusammen, die uns zeigen, wie man heilt, wie man mit den Elementen in Beziehung tritt und mit ihnen kommuniziert, wie man mit der Gemeinschaft arbeitet, wie man Probleme löst. Wir suchen diesen Rat bei unseren AhnenführerInnen, die uns in der Tradition zum Priester oder zur Priesterin berufen haben.
Die Berufung, ein/e Sangoma zu werden, geht normalerweise von Vorfahren aus, die dich gewählt haben, die manchmal in deiner Blutlinie stehen, manchmal auch nicht, und dich auf diesem Weg führen. Einige dieser Geister mögen zu Lebzeiten ein/e Sangoma gewesen sein und wollen das Geschenk an ihre Tochter, Enkelinnen und Verwandten weitergeben. So treten Sangoma in diesen Raum der Ahnenheilung ein, um die Heilung der Gemeinschaft zu erleichtern. Sangoma sind zudem Experten für das Hören und Sehen von Stimmen, die Gaben können vielfältig sein. Aber auf jeden Fall nutzen wir die Hochsensitivität unserer Sinne, um auch mit Geistern kommunizieren zu können.

Westlichen und afrikanische Weltanschauung

SASKIA: Besteht ein Unterschied zwischen der westlichen und der afrikanischen Weltanschauung?

GOGO: Ja, das ist mir bei meiner eigenen Initiation aufgefallen. Meine Lehrerin, die ebenfalls hier in den USA geboren wurde, teilte mit mir ihre Erfahrung, dass ihre Vorfahren und ihre Linie sie dazu aufgerufen hatten, nach Afrika zu gehen, um die Erinnerung und die Traditionen aufzugreifen. Ich denke, der Unterschied zwischen dem westlichen und dem indigenen Denken besteht u. a. darin, dass ich loslassen muss, für wen ich mich halte. All die Dinge, die sich bis zu diesem Moment als meine Identität angesammelt haben – ich bin Mutter von drei Kindern, ich bin erwachsen, alles, was ich getan habe –, alle diese Erfahrungen musste ich loslassen, um etwas Neues, aber auch etwas Altes aufzunehmen, das sich in mir, in meiner DNA, in der Erinnerung meiner Vorfahren befand. So wurde ich wieder ein »Baby«, das die Welt mit neuen Augen betrachtet. Ich bemerkte, dass wir im westlichen Denken viel über Fragen und Antworten nachdenken, über die Frage »Oh, warum tun wir das, wozu ist das gut?« usw.

Die indigene Art und Weise besteht darin, die Dinge zu betrachten, sich zu beruhigen, still zu sitzen, die Älteren und Lehrer zu beobachten und zu sehen, wie die Dinge getan werden.

Um auf diese Weise zu lernen, ist eine Menge Kommunikation vonnöten. Das ist einer der Unterschiede, die ich sehe.
Ich sehe auch nicht nur in Afrika, sondern überall auf der Welt den Unterschied darin, den Intellekt in den Herzraum zu bringen und demütig zu werden. Ich war kürzlich in Thailand und die Art und Weise, wie sich die Menschen begrüßen, ist nicht nur ›Hallo‹, sondern sie falten die Hände und beugen jedes Mal den Kopf. Wenn man sich verabschiedet, tun sie das auch. Es ist so schön, diese Verbindung und diese Demut zu sehen. Auch in Afrika sagen wir zu jemandem, der einen spirituellen Status in der Gemeinschaft hat, ›Thokoza‹, und klatschen auf eine ganz bestimmte Art in die Hände. Ich schätze das sehr als eine Erinnerung daran, was Demut ist und wie man das Gleichgewicht von mentalem Aspekt und Herzraum herstellen kann.

Die Behandlung von Traumata und psychischen Krisen durch spirituelle Weisheit

Wenn Sie mehr über den Unterschied zwischen der westlichen und afrikanischen Weltanschauung erfahren möchten, können Sie den vollständigen Artikel als Pdf unten bestellen und herunterladen.

Das Heilwissen der Sangoma

RONALD: Würdest du sagen, dass die Sangoma-Lehre für jeden geeignet ist?

GOGO: Die Lehren sind für jeden geeignet, absolut.

Die indigene Art und Weise besteht darin, die Dinge zu betrachten, sich zu beruhigen, still zu sitzen, die Älteren und Lehrer zu beobachten und zu sehen, wie die Dinge getan werden.

Wenn du von Menschen sprichst, die in die Tradition berufen werden, die Priesterinnen oder Priester werden, sehe ich viele verschiedene Persönlichkeiten aus der ganzen Welt, aus vielen Kulturen, aus denen ihre eigenen besonderen Vorfahren sie in die Tradition berufen haben, um sie etwas darüber zu lehren, wer sie sind. Ich würde sagen, dass es bei der Berufung nicht nur um das geht, was nach außen hin sichtbar ist. Es geht darum, was im Innern ist und wie deine Vorfahren, wie deine eigene Abstammungslinie einen bestimmten Weg wählen kann, um dich daran zu erinnern, wer du bist. Also ja, ich würde sagen, die Sangoma-Lehre ist für jeden geeignet.

Frausein und Erfahrung als Priesterin

SASKIA: Wie hat sich das Frausein auf deine Erfahrung als Priesterin ausgewirkt?

GOGO: Wirklich schöne Frage. Meine Lehrerin ist eine Frau, die sehr männliche Spirits mit sich trägt, und ich auch. Es ist interessant zu sehen, wie sie sich am Anfang einer Zeremonie von weiblich zu männlich und dann wieder von männlich zu weiblich verwandelt.
Als ich zum ersten Mal nach Südafrika reiste und die Menschen dort sah, bemerkte ich, dass es nicht diesen großen Aufruhr darum gibt, was Männer und was Frauen tun sollten. Wir in Afrika glauben, dass wir beide Teile in uns tragen, sowohl den männlichen als auch den weiblichen, und das wird gefeiert. Als ich zum ersten Mal nach Südafrika ging, stellte ich fest, dass viele Sangoma Frauen sind. Eine Sangoma zu sein, war eine sehr matriarchalische Tradition. Auch Männer sind ein Teil dieser Tradition, aber ich fand es so schön, so viele Frauen dort zu sehen.

Die Behandlung von Traumata und psychischen Krisen durch spirituelle Weisheit

Wenn man oft an verschiedene Orte geht, sieht man, dass der Schamanismus ein sehr männlich geprägtes Feld ist. Doch in Südafrika habe ich so viele Frauen gesehen, die bis heute die Gemeinden leiten. Sogar bei meiner Initiation war das Haus voller Frauen. Es wird also sehr weiblich geführt und bekräftigt. Ich finde, es war beeindruckend und ermächtigend, die weibliche Energie zu sehen und zu fühlen. Das ist sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, dass Sangoma sich gerade von Afrika aus in die Welt verbreitet.

Wir müssen uns als Ganzes darauf ausrichten, das göttliche Weibliche zu ehren und die weibliche Energie in den Vordergrund zu rücken, damit die Veränderungen stattfinden können, die die Erde und unsere Gesellschaft verlangen. All dies kann durch die Kraft des göttlichen Weiblichen geschehen.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf, das unten bestellt werden kann.

Das Heilwissen der Sangoma

SASKIA: Welche Art von Menschen kommt zu dir, welche Art von Behandlung erhalten sie am häufigsten?

GOGO: Etwa die Hälfte oder mehr sind Menschen, die im psychischen Gesundheitssystem betreut wurden oder irgendeine Art von psychologischer Diagnose durch die westliche Medizin erhalten haben. Sie kommen, um zu suchen und vielleicht über ihre Diagnose hinauszugehen und zu sehen, was für sie geistig geschieht. Der andere Teil sind Menschen, die erkennen, dass sie sich in einer Erweckungserfahrung befinden. Sie machen eine »Umbilini«-Erfahrung, die der Kundalini-Erfahrung entspricht. Das ist das Wort der Zulu dafür. Zu mir kommen viele Menschen, die gerade erwachen. Das hat viel mit uns Menschen als Kollektiv zu tun.

Wir sind hier in diesem Moment, um gemeinsam zu erwachen und uns gegenseitig zu helfen und zu sehen, wer wir wirklich sind.

Wir können damit beginnen, die Schwingung dieses Planeten und unserer Menschheitsfamilie zu verändern, sodass wir uns auf sehr schöne Weise weiterentwickeln können.

Dieses Interview kann man im Video live erleben bei unserem neuen Online-Symposium »Es ist an der Zeit – Gesellschaft und Spiritualität« vom 17.–26. April 2020.
Info und Anmeldung: www.gesellschaft-und-spiritualitaet.de

Die Autorin Gogo Enkhaya

Über die Autorin

Gogo Ekhaya Esima wurde in den Vereinigten Staaten geboren und ist eine eingeweihte traditionelle Sangoma-Heilerin in den Shangaan- und Zulu-Linien des südlichen Afrikas. Sie ist eine zertifizierte Spezialistin für die Wiederherstellung der psychischen Gesundheit, eine Trauma-Überlebende und eine spirituelle Lehrerin. Ihre eigene Erfahrung mit psychischen Gesundheitskrisen und ihre mal beängstigende, mal tiefgründig schöne Reise durch diese Krisen führte sie schließlich tief in die traditionelle afrikanische Spiritualität. Ihre Berufung durch ihre Vorfahren trug dazu bei, eine lebensrettende, tiefe Erinnerung an die alten Wege in ihr zu entfachen, die vergessen, aber nicht verloren waren.
Webseite: www.sangomahealing.com

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 82 oder downloaden Sie dieses Interview einzeln als ePaper für 2,00 € (Pdf, 12 Seiten).

Gogo Ekhaya Esima TV82 (PDF)

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