Die Geheimnisse Indiens

Die Geheimnisse Indiens

Kraftorte und Sadhana

Autor: Bharati Corinna Glanert
Kategorie: Veden/Yoga
Ausgabe Nr: 54

 

 

Ein spiritueller Weg ist eine nie endende Reise in immer tiefere Ebenen des Seins. Die Autorin reißt uns hier mit in ihre persönlichen Erfahrungen auf dem spirituellen Weg. Schauplatz ist Indien. Das Land mit den meisten heiligen Orten und großer spiritueller Kraft. Es gibt unterschiedliche spirituelle Praktiken und religiöse Richtungen. Wichtig ist auch hier seinem eigenen Weg und seiner eigenen Wahrheit zu folgen.

»Warum denn gerade Indien?«

Diese Frage wird mir immer und immer wieder gestellt. Nicht nur von meiner Tante aus Amerika, die sich als optimalen Lebensplan lediglich ein New Yorker Business-Leben vorstellen kann, sondern auch von vielen spirituell Interessierten. Zusätzlich zu der Frage »Warum gerade Indien?« taucht dann auch immer wieder folgende Frage auf: »Und woran glaubst du?«. Meist, um dann im gleichen Atemzug zu fragen: »Bist du jetzt eigentlich Hindu geworden?“
Um die Frage zu meiner religiösen Einstellung schon einmal im Vorfeld zu beantworten:
Mittlerweile »glaube« ich nicht mehr, sondern habe meine Erfahrungen gesammelt. Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass ich tief in mir weiß, dass alle Religionen zum selben Ziel führen. Meine Cousine ist Pastorin, gute Freunde von mir sind Sufis und wieder andere Freunde gehen hinduistische oder andere spirituelle Wege.
Da ich bis zu meinem 26. Lebensjahr ebenfalls in Deutschland lebte, kann ich all die Fragen selbstverständlich gut nachvollziehen. Erst seit 2011 wohne auch ich teilweise wieder in Deutschland, aber immer noch einige Monate im Jahr in Südindien.


Warum hat mich also Indien 10 Jahre lang und vor allem so intensiv in den Bann gezogen? Diese Frage ist berechtigt, denn meine erste Indienreise war für nur 5 Tage geplant – es wurden 10 Jahre daraus.
Für mich persönlich bedeutete Indien auf jeden Fall eine Art nach Hause kommen, ein Wiedererkennen meiner Seelenheimat und dann später, nach intensiven Jahren der Meditation, das Wissen darüber,
dass ich ein Vorleben in Indien verbracht habe. Dieses Wissen erwarb ich nicht etwa durch eine Reinkarnationstherapie, sondern durch … – dies zu erklären, würde einige Zeit dauern, also kommen wir nun lieber zum wirklich spannenden Teil dieses Artikels: Der Kraft der Sadhana.

Sadhana – die Seelenkraft erwecken

Sadhana ist ein anderes Wort für »spirituelle Praxis«. Man könnte es auch so ausdrücken: Spirituelle Übungen, die man regelmäßig ausführt, die unsere Nadis sowie die Chakren reinigen und energetisieren und uns dadurch mit unserer eigenen wahren Seelenkraft verbinden. Alle Karmas sind in unserem Energiekörper gespeichert. Viele Blockaden, Anhaftungen und Konzepte beeinflussen somit unser Denken und Handeln. Durch regelmäßige Sadhana reinigt sich unser Energiekörper und es öffnet
sich ein Tor zu spirituellen Welten. Manche Sadhanas aktivieren kraftvoll spirituelle Erfahrungen sowie spirituelle Fähigkeiten, so genannte Siddhis und Yogas. Es gibt verschiedene Arten von Sadhanas. Einer der effektivsten und schnellsten Wege zu spirituellen Erfahrungen ist der mit Mantren und Yantren.

Mantren und Yantren

Energieformeln für spirituelle Erfahrungen und Selbstheilung
Mantren und Yantren sind eine Art Abkürzungsweg in der Spiritualität. Das Rezitieren von Mantren und das Visualisieren und Zeichnen von Yantren ist ein spiritueller Weg (Yoga). Yantren sind sehr komplexe geometrische Zeichnungen, die hohe kosmische Energie und Gottheiten anziehen. Eine wörtliche Übersetzung des Wortes ist: Maschine. Es ist eine Art spirituelle »Energiemaschine«.
Mantren sind Energieformeln, mit denen erstaunliche Veränderungen in unserem Leben möglich sind. Durch das rezitieren/wiederholen von Mantren baut sich eine starke Schwingung auf, die viel Shakti (Prana/Chi/Lebenskraft) in uns aktiviert.
Durch regelmäßige Praxis werden Körper, Geist und Seele gereinigt und die seelische Entwicklung wird beschleunigt.

Bharati mit dem Sadhu Venkatesh

Es gibt Mantren für jeden Lebensbereich: z. B. Mantren zur Gottheit Ganesha, die Widerstände und Hindernisse beseitigen. Auch sind viele Mantren zu Lakshmi bekannt, der Göttin der Fülle und des Reichtums, die für uns in der materiellen Welt hilfreich ist.
Ganz besonders spannende Mantren sind diejenigen, die die so genannten Siddhis (übernatürlichen Kräfte) in uns aktivieren können.
Das mag zunächst befremdlich klingen, und am Anfang meines Weges habe ich mich manchmal gefragt, warum man zum Beispiel die Mala (eine Art Gebetskette) in die Hand nimmt, mit Mittelfinger und Daumen jede Perle bewegt, währenddessen ein Mantra mindestens 108 aufsagt und warum nur, wenn man genau so das Mantra rezitiert, der gewünschte Erfolg eintreten soll.
Wie schon erwähnt, bin ich kein Mensch, der alles glaubt, was man ihm sagt. Ich habe viel gelesen, auch über die Kraft von Mantren und anderen spirituellen Übungen, die in Indien von Yogis praktiziert werden. Aber es ist ja wie mit allem im Leben: Erst wenn man etwas selber durchlebt hat, kann man wirklich davon sprechen. Und so ist es im Besonderen auch mit Meditation, Mantren, Yantren und anderen spirituellen Übungen. Ich kann jedem nur dazu raten, seine eigenen Erfahrungen mit Sadhana zu sammeln.

 

Erst wenn man etwas selber durchlebt hat, kann man wirklich davon sprechen.

 

Um einen einfachen Vergleich zu wählen, denke an den Geschmack einer Mango. Wenn jemand sagt, eine Mango sei süß, kannst du es glauben oder nicht. Aber wirklich wissen kannst du es erst, wenn du die Mango selber schmeckst. Also entschloss ich mich, die mir bekannten Sadhanas nicht einfach nur zu glauben, sondern sie selber zu praktizieren und es auszuprobieren. Kurzum: Die Mango zu probieren und meine eigenen Erfahrungen zu machen.

Um das zu erreichen nahm ich ganz schön viel in Kauf, denn ich brauchte Zeit für meine Sadhana und vor allem wollte ich diese in Indien praktizieren. Ich gab mein geliebtes Seminarhaus in Deutschland auf, verkaufte mein Auto und andere Dinge, die mir genug Geld brachten, um längere Zeit in Indien leben zu können. Ich dachte immer, es wäre leicht, allem zu entsagen. Allerdings ist es etwas vollkommen anderes, etwas Bestimmtes zu denken und es dann auch wirklich umzusetzen. Es dauerte sehr lange, bis meine Gedanken nicht jeden Tag um all die Dinge kreisten, die ich losgelassen hatte. Über ein Jahr lang hatte ich innerlich mit all diesen Anhaftungen zu kämpfen. Wie die Buddhisten sagen: »Der Grund für jedes Leiden ist die Anhaftung.« »Toller Spruch!«, dachte ich immer – bis ich selbst einmal durch diesen Prozess ging. Erst dann offenbarte dieser Spruch seine tiefe Weisheit. Dennoch begann ich mit ganzem Herzen, meine erste richtige Sadhana zu praktizieren.

Ramalinga Swami Tempel

Das erste Mantra erforderte laut der Übersetzung des dazu passenden Palmblattbuches eine hunderttausendfache Wiederholung, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Jedes Mantra beinhaltet eine so genannte Diksha – das ist eine Richtlinie, die jeder Praktizierende einhält, um die volle Kraft des Mantras zu wecken. Erst mit Erfüllung dieser Richtlinie hat ein Mantra die Kraft, den Sadhak (denjenigen, der eine Sadhana praktiziert) mit den übernatürlichen Kräften des Kosmos in Verbindung zu bringen und ihm dadurch eigene spirituelle Erfahrungen zu ermöglichen.

Hoch motiviert begann ich mit diesem Mantra. Nach dem ersten Tag folgte der zweite, dann der dritte. Nach etwa einer Woche hatte ich das Gefühl, es ginge nicht wirklich voran. Ich wurde ungeduldig, denn es war nicht einfach, so lange auf einem indischen Tempelboden zu sitzen und Mantren zu rezitieren. Wir im Westen sind da eher eine Couch als einen Steinboden gewöhnt. Es war eine nicht immer einfache Zeit, doch nach einigen Monaten hatte ich es geschafft: Diese spezielle Sadhana war abgeschlossen. Hunderttausend Mal hatte ich dieses lange Mantra rezitiert – 6 Monate lang für 7 bis 10 Stunden täglich.
Ich hatte hohe Erwartungen an das Mantra, denn nach so viel Einsatz und all den Entbehrungen während meiner Sadhana wollte ich schnellstmöglich das Ergebnis sehen. Ich muss anmerken: Für mich waren diese Entbehrungen groß; für wahre Yogis hingegen nicht mehr als ein Kinderspiel. Doch das wollte mein Ego in dieser Zeit natürlich nicht hören. Das Mantra hatte ich perfekt aufgeladen und die Dikshas, die spirituellen Richtlinien, befolgt. Aber: Ich blieb ohne eine spirituelle Erfahrung, ohne irgendein Ergebnis, was für mich selbstverständlich in dieser Zeit sehr frustrierend war. Jedoch, so einfach aufzugeben gehört nicht zu meinen Charakterzügen. Also beschloss ich, trotz des inneren Schmerzes, nicht zurück nach Deutschland zu gehen, sondern weiterhin intensiv Mantren zu rezitieren.

Anna mit Alchemie-Kette

In dem Moment, in dem ich es nicht mehr erwartete und alles – auch jedes Konzept von Spiritualität
und besonders von meinen spirituellen Wünschen – losgelassen hatte, genau an diesem Punkt, an dem sich das Ego endlich in Ruhestellung befand, begannen sich die ersten spirituellen Erfahrung durch die Mantrakraft zu manifestieren. Eines Morgens wachte ich auf und konnte mich nicht mehr bewegen. Eine starke innere Hitze durchflutete meine Wirbelsäule (Kundalini). Ich spürte so große bedingungslose Liebe in mir, wie niemals zuvor. Sehr deutlich konnte ich sie fühlen, und wie in einem Fernsehfilm einige Teile meines vergangenen Lebens sehen. Sie zogen an mir vorbei und hinterließen tiefe Eindrücke in meinem Tagesbewusstsein.
Schon als Kind hatte ich paranormale und spirituelle Erlebnisse – denn nicht nur durch Mantren ist es möglich, spirituelle Erfahrungen zu erleben – aber so ein langes und intensives spirituelles Ereignis war für mich zu diesem Zeitpunkt etwas neues. Ich erlebte mein vergangenes Leben wie in einem Dokumentarfilm. Mit einem wichtigen Unterschied: Hier war ich Zuschauerin und Betroffene zugleich. […]

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 54

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 12: Annett und Thomas Ritter – Dem Schicksal auf der Spur.
Die indischen Palmblattbibliotheken

TV 22: Dr. Joachim Reinelt – Kundalini.
Die kosmische Kraft im Innern des Menschen

TV 33: Didi Sudesh – Die Töchter Adams.
Weibliche Yogis verändern die Welt

TV 34: Balendu Swami – Mein Gott ist die Liebe.
Erfahrungen eines Eingeweihten

TV 35: Hardy Fürch – Die Sadhana des Integralen Yoga

TV 36: Frank Lotz – Für den Himmel auf Erden.
Interview mit einem Schüler von Maharishi Mahesh Yogi

TV 46: Stefan Datt – Yoga und Pranayama im Himalaya.
Zu den Kraftquellen der Yogis

TV 51: Josephine Selander – Auf der Reise zur Höchsten Realität.
Die Philosophie des Yoga

TV 51: Urs Wendel – Rückzug ins Dunkel.
Erfahrungsbericht zu einem Dunkelretreat

 

Bildnachweis: © Fotos: Bharati Corinna Glannert