Die spirituelle Bedeutung von Geld

Die spirituelle Bedeutung von Geld

Die spirituelle Bedeutung von Geld

Geld: Wie 4.000 € eine Gruppe von Menschen an ihre Grenzen brachten

Autor: Ronald Engert
Kategorie: Wirtschaft
Ausgabe Nr: 59

 

 

 

 

Die finanzielle und die spirituelle Sphäre sind unmittelbar miteinander verbunden. Ein erstaunliches Experiment mit einer Gruppe von Menschen zeigte, wie tief das Geld mit dem Selbstwert des Menschen verbunden ist. Um unsere Beziehung zum Geld zu heilen, müssen wir es in den hellen Spiegel bringen, in dem es der Ausdruck unserer Wertschätzung und Liebe ist.

 

Vor einigen Jahren, im Mai 2010, nahm ich an einem fünftägigen Seminar teil, bei dem es um die spirituelle Bedeutung von Geld ging. Eine Übung, die wir machten, bestand darin, dass die Seminarleiter eine Glasschüssel mit Geld vorne hinstellten. In dieser Schüssel befanden sich 4000 € in zerknitterten Scheinen. Dadurch, dass die Scheine zerknittert waren, füllten sie die ganze Schüssel. Es sah aus wie ein Salat aus Geld. Das Geld verschenkten sie.

Die Übung bestand darin, dass man freiwillig vortreten konnte, um Geld aus der Schüssel zu nehmen. Die einzige Bedingung war, dass man offen sagte, wie viel und wofür man das Geld haben möchte. Außerdem hatten die beiden Seminarleiter sowie alle Anwesenden das Recht zu sagen, ob das okay sei. Es zeigte sich im Laufe der Übung – die insgesamt drei Stunden dauerte! – dass die Seminarteilnehmer, ca. 70 Menschen, emotional und energetisch voll in ihre Prozesse kamen und jeder sofort spüren konnte, welche Motive hinter dem Geldwunsch steckten und ob dieser Betrag, den die jeweilige Person nehmen wollte, stimmte.

 

Die spirituelle Bedeutung von Geld

 

Es war erschütternd festzustellen, wie viel Schmerz und Scham mit diesem Thema verbunden sind und wie tief das Thema Geld in die eigene Bedeutung als Seele, als Person und als Mensch hineinragt. Es ist unmittelbar verbunden. Die Menschen standen teilweise vorne und zitterten, weinten oder brachen zusammen, wenn sie sich mit ihrem Wunsch zeigen mussten. Der Wert des Geldes war unmittelbar mit ihrem Selbstwert verknüpft. Das Geld wurde tatsächlich verschenkt. Es war kein Spiel und keine Simulation. Dadurch nahm die Übung einen sehr existenziellen und ernsten Charakter an. Hier kamen alle Schatten hoch, die die Menschen hatten, aber auch ihre reine Freude, wenn sie das Geld bekamen und sich nun einen besonderen Wunsch, wie z.B. ein Kleid oder eine Reise erfüllen konnten.

In der Schüssel war ein 500-€-Schein, mehrere Hunderter, ansonsten Fünfziger, Zwanziger und Zehner. Je kleiner der Schein, umso mehr Scheine waren darin. Viele wollten so ca. 20-30 € haben. Sie sagten, sie wollten sich einen kleinen Wunsch erfüllen, oder für ihre Kinder etwas kaufen oder Ähnliches. Ein Mann wollte 100 €. Er war der Egoist in der Gruppe. Er ging nach vorne, brachte seine Erklärung vor, die ziemlich selbstherrlich war, und nahm sich Geld aus der Schüssel. Niemand der Anwesenden klatschte oder fühlte Zustimmung. Es herrschte ein betretenes Schweigen im Raum, als er sich das Geld nahm. Die Seminarleiter, die in der Regel ihr Feedback gaben, sagten nichts. Am Ende der Übung, zwei Stunden später, trat dieser Teilnehmer jedoch vor und sagte, dass er sich sehr schlecht fühle und das Geld zurückgeben möchte. Er hatte seine egoistische Haltung erkannt und erklärte, dass er es getan habe, weil er seinem Sohn gegenüber den starken Mann markieren wollte. Er fühlte aber jetzt, dass es nicht stimmig war. Nachdem er Zeuge der anderen Prozesse geworden war, bei denen die Menschen um ihren ehrlichen Wert gerungen hatten, ging es ihm so schlecht, dass er es nicht mehr aushalten konnte. Er musste das Geld zurückgeben – das war ihm ein dringendes Bedürfnis und er entschuldigte sich vor der versammelten Gruppe.

 

Nur weil das Geld so wirksam ist, wurde es im Laufe der Geschichte so massiv missbraucht.

 

Der 500-€-Schein lag sehr, sehr lange in der Schüssel und niemand traute sich, ihn zu nehmen. Irgendwann trat eine Frau vor. Sie erklärte, dass sie als Kind nie Taschengeld bekommen hatte, aber von ihrem Vater für kleine Arbeiten bezahlt wurde und er ihr die Groschen in einer mahnenden Weise vorgezählt hatte, was sie sehr beschämte und erniedrigte. Sie wollte Geld nehmen, einfach um mal etwas zu bekommen, ohne dafür etwas leisten zu müssen. Der Seminarleiter fragte sie, wie viel sie denn nehmen wolle. Es wurde deutlich, dass es hier um ihren Selbstwert ging, der in ihrer Kindheit schon verletzt worden war. Sie war sehr unsicher und hatte Tränen in den Augen. Sie zögerte und traute sich nicht an die Schüssel zu treten. Der Seminarleiter musste sie mehrfach auffordern, aber sie konnte keinen Betrag nennen. Schließlich musste sie sich direkt vor die Schüssel stellen und nahm schließlich einen 20-€-Schein. Alle im Raum waren sehr betroffen. Waren es 20 €, die sie sich wert war? Hatte sie so viel Angst und Scham, sich mehr zu nehmen, wenigstens 50 € oder vielleicht 70 €? Sie zitterte und weinte. Der Seminarleiter trat zu ihr, nahm sie in die Arme, griff in die Schüssel und gab ihr den 500-€-Schein. Da brach sie zusammen. In dieser Geste verdichtete sich das ganze Leiden ihres Lebens, die Erniedrigung als kleines Kind und ihr Leben als Frau, die nie die Chance hatte, Selbstwert zu entwickeln. Es war wirklich bestürzend, welche Kraft das Geld hatte und wie stark es in den Selbstwert eingriff.

 

 

Es gab viele dieser erschütternden Begebenheiten. Es wurde klar, dass jeder mit diesem Vortreten und Nehmen des Geldes seinen eigenen persönlichen Wert erklären musste und direkt an seinen Schatten kam. Er musste für seine Vision, seine Werte und seine Bedürfnisse geradestehen, und alle diese Gefühle von Scham, Angst und Schmerz kamen hoch. Mir wurde klar, wie unmittelbar Geld mit unserem Selbstwert verbunden ist. Es war unmittelbar fühlbar und existentiell, obwohl es hier nicht einmal darum ging, das eigene Geld herzugeben, sondern darum, geschenktes Geld zu nehmen. Man konnte nicht verlieren, nur gewinnen. Aber es war so real und niemand konnte sich der existentiellen Berührtheit entziehen. Alle Themen von Selbstwert, Verdienst, Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Wahrheit traten direkt zu Tage. Niemand konnte dieser blutigen Realität entgehen.

Die Liebe und das Geld

Wir Menschen haben das Geld geschaffen, und ich glaube, es war ursprünglich genau dieser unmittelbare Ausdruck unseres eigenen Wertes, unseres Vermögens, unseres Verdienstes von dem, was wir mittels unserer kreativen schöpferischen Kraft, mittels unserer Spiritualität erschaffen haben. Nur weil das Geld so wirksam ist, wurde es im Laufe der Geschichte so massiv missbraucht und dazu benutzt, Menschen zu quälen, zu erniedrigen und zu vernichten. Im hellen Spiegel jedoch ist das Geld tatsächlich ein Ausdruck unserer Wertschätzung und unserer gegenseitigen Liebe. Das Geld ist jedoch unbewusst oder auch bewusst extrem negativ besetzt, weil es so massiv missbraucht wurde und im dunklen Spiegel verwendet wurde und wird. Wir können den positiven Ausdruck des Geldes nicht erkennen, geschweige denn fühlen.

 

Wir können den positiven Ausdruck des Geldes nicht erkennen, geschweige denn fühlen.

 

Es wird nicht ausreichen, diese negative Haltung gegenüber Geld zu kultivieren und als Ultima Ratio, als letzte Schlussfolgerung zu etablieren, indem wir Geld ablehnen, das Geld abschaffen wollen oder einfach planlos verschenken, als ob es keinen Wert hätte. In der beschriebenen Übung war deutlich fühlbar, dass es einen stimmigen Betrag gibt, der für den Menschen und sein jeweiliges Anliegen in dieser Situation der richtige ist. Dies war wirklich ein Abwägen der genauen Anzahl an Euros. Teilweise spürten wir, wie die Person, die vorne stand, zu wenig nahm. Sie schätzte ihren Wert zu niedrig ein. Meistens war es so. Bei manchen konnten wir spüren, das stimmt. Und es gab wirklich nur eine von 70 anwesenden Personen, die sich deutlich über Wert bedient hat, wie oben beschrieben.

Es ist notwendig, diese Beziehung zum Geld zu heilen und sich den eigenen Schatten diesbezüglich anzuschauen. Erst wenn das Geld wieder im hellen Spiegel als Ausdruck unserer gegenseitigen Liebe und Wertschätzung gehandelt wird, können wir von einer Heilung sprechen.

Sprache, Geld, Spirit

Es zeigt sich bei näherer Untersuchung der Kategorien und Begriffe der monetären Sphäre, dass alle Begriffe, die es im Finanzbereich gibt, auch zugleich sehr tiefe emotionale und spirituelle Kategorien benennen. Zum Beispiel der Begriff des Erlöses. Finanziell ist der Erlös der Gewinn, den das Geschäft abwirft. In der spirituellen Sphäre ist die Erlösung das höchste Ziel des gläubigen Menschen. Auch der Begriff der Zuwendung, finanziell die Bezahlung für eine Leistung, ist in der emotionalen, inneren Welt des Menschen eines der elementaren Grundbedürfnisse überhaupt: die Liebe und Zuwendung, die wir von anderen Menschen bekommen. Der Begriff Verdienst bzw. verdienen bezeichnet ein ökonomisches Verhältnis, das im Begriff des Dienens in der spirituellen Sphäre als Gottesdienst und Diener Gottes die höchste Schlussfolgerung einer spirituellen Identität darstellt. Es zeigt sich in unserem Gewissen, dass wir etwas, das wir nicht verdient haben, nicht mit gutem Gewissen nehmen können. Wir werden daran keine Freude haben. Und es scheint so zu sein, dass alle diese Dinge zu ihrem gerechten Ausgleich drängen.

 

»Kredit« ist Glaubwürdigkeit.

 

Auch der Begriff der Schuld, im Finanzbereich die berüchtigten Schulden, ist in der moralischen, ethischen, emotionalen und im Sinne der letztgültigen Wahrheit auch in der spirituellen Sphäre von unverzichtbarer Bedeutung und nicht reduzierbar. Viele Menschen versuchen, Schuld generell als nicht existent zu deklarieren. Ich denke, dass derartige Manöver der Erkenntnis der Wirklichkeit und dem, was wirkt, keinen guten Dienst erweisen. Zu viel Schmerz, Verletzung und Beschämung wurden durch die Kategorie der Schuld über die Menschen gebracht. Man möchte davon nichts mehr hören. Aber das ist nicht die Lösung. Gerade weil die Schuld eine dermaßen wirksame Kraft ist, wurde sie missbraucht. Aber zugleich ist sie in der Wiedergutmachung der Weg zur Erlösung. Das haben natürlich die alten Religionen erkannt, gerade das Christentum hat zu diesem Bereich tiefe Erkenntnisse. Es ist vielleicht angemessen, von einer Ökonomie der Ethik zu sprechen. Wir können diese Kräfte nicht benutzen, ohne den Preis dafür zu zahlen. Alles drängt zum Ausgleich und zur Vergeltung (›vergelt‘s Gott‹). […]

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8 Kommentare
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    Petra Gisler
    Posted at 11:24h, 28 Juni Antworten

    Wahre Worte, – mit einem RIESEN Haken! Warum ist der Betrag auf 4000 Euro begrenzt bei 70 Teilnehmern. Damit wird doch schon die erste Unwahrheit gelegt. Es ist nicht genug da! Wie soll man sich da seinen eigentlichen Wert nehmen können? Das geht dann ja nur im Bezug zu den Anderen und damit werden all die Werte angetriggert,die man uns seid Jahrhunderten weismacht und die genau für all diese negativen Gefühle verantwortlich sind. Der eine nimmt sich 100 und wird als gierig empfunden! Doch nur weil er sich durch die Begrenzung des Betrages zu viel nimmit! Und die Frau die sich wertlos fühlt. Sie wird sich auch nach dem Geschenk nicht gut fühlen. Sie musste ihre Verletzungen zeigen, sich bloßstellen und bekam dann-auf Kosten der anderen – den Hauptteil! Auch damit wurden ihre alten Gefühle angetriggert.
    Nur ubertüncht durch die kurzfristige Euphorie einmal soviel Geld zu bekommen.
    Ja. Das Thema Geld ist eines der größten Aufgaben unserer Gesellschaft und es ist wichtig, dass jeder sich über seinen eigenen Bezug dazu im klaren wird. Doch letzten Endes ist auch das Geld nur ein Medium für die eigentliche Einstellung die wir zum Leben haben. Darf ich überhaupt leben? Darf ich hier sein? Ist es wichtig das ich hier bin? Wie gehe ich mit mir um? Schau in Deinen Geldbeutel und du erfährst die Antwort! !!!

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      Tattva-Archiv
      Posted at 12:25h, 29 Juni Antworten

      Liebe Petra, danke für deine Überlegungen. Natürlich lässt sich dieses Problem in dem sehr engen Rahmen dieses Seminars nicht vollständig abbilden. Aber die Reflexion bildet einen Anfang. Auf die gesamte Weltbevölkerung bezogen gibt es zwar auch nur eine (nominal!) begrenzte Menge von Geld, aber das ist in diesem Fall egal! Der Barwert des Geldes wird ja durch seinen realen Gegenwert in der Welt bestimmt. Das heißt, wenn es mehr wirtschaftliche Fülle in der Welt gibt, gleichzeitig aber nicht mehr Geld gedruckt wird, steigt das vorhandene Geld im Wert. (Umgekehrt sinkt es natürlich im Wert, wenn sich die Verhältnisse in die andere Richtung verschieben.)
      Entscheidend ist also vielmehr, dass wir alle etwas dafür tun, dass auf unserer gemeinsamen Welt Fülle herrscht: wirtschaftlich, kulturell, zwischenmenschlich und auf vielen anderen Ebenen. Dann geht es uns allen gut.

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    Müller Erika
    Posted at 12:18h, 28 Juni Antworten

    Ich hätte alles Geld genommen und es mit Freude verteilt-

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      Tattva-Archiv
      Posted at 12:27h, 29 Juni Antworten

      Danke liebe Erika! Ja, Großzügigkeit lässt uns uns gut fühlen und die Menschen lieben uns dafür!

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    Jürgen Döhrmann
    Posted at 18:03h, 28 Juni Antworten

    Lieber Ronald,
    Geld hat wirklich ganz schön viele Facetten. Was noch nicht dabei war: Kapitalismus als Herrschaft des Geldes über uns. Wer darf Geld in Umlauf bringen und Geld schöpfen ? Es dürfen nur Privatbanken, der Staat darf es nicht. Nach dem Konzept „fractional reserve“ erschaffen Banken Geld aus dem Nichts. Sie buchen Geld als Kredit auf das Konto eines Kreditnehmers, das vorher als Geld gar nicht existierte, denn ihr Eigenkapital darf zur Geldverleihe nicht angerührt werden. Das souveräne Geldschöpfungsrecht liegt im Privatsektor, nicht beim eigentlichen Souverän, der Verfassten Gesellschaft oder Staat. Warum fehlt dem Staat dieser Teil von Souveränität ? Ich vermute, dass diejenigen, die den Staat bilden, als Individuen zuwenig Souveränität besitzen. Dann kann der Staat als ganzes die volle Souveränität auch nicht aufbringen.
    Die meisten Menschen glauben, dass Geld die Welt regiert Wie soll es dann anders sein ? Früher wurde das Konzept Äußere Autorität mir der Gottesverstellung gefüllt. In Zeiten von materialischer Rationalität wird dieses Konzept an etwas materielles geheftet, Früher Gott, jetzt Geld. Das Geld tritt uns als Autorität entgegen mit dem Anspruch auf Folgsamkeit. Ich denke es ist ander Zeit, dass jeder einzelne diese nach außen projizierte Autorität wieder nach innen zu sich selbst nimmt. Wenn sehr viele Menschen es machen, gibt es keinen Kapitalismus mehr.

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    Maria Hämmerle
    Posted at 20:15h, 28 Juni Antworten

    Einer Freundin brach während der Coronazeit monatelang fast ihr gesamtes Einkommen weg, da Kunst und Kultur stillgelegt waren. Eine Vereinskollegin schenkte ihr 500€ mit der Begründung, das sei im Normalfall der Betrag, den sie für Kulturaktivitäten aufwenden würde. Da keine Veranstaltungen stattfinden könnten, sei ihr also das Geld übrig geblieben.
    Ich verstehe nun nicht, warum meine Freundin so ein großes Problem hat, dieses Geld anzunehmen. Was ist hier passiert?

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      Tattva-Archiv
      Posted at 12:35h, 29 Juni Antworten

      Ja, was ist hier passiert? Vielleicht glaubt sie, dass sie es eigentlich gar nicht verdient hat. Sie konnte nicht für ihr Geld arbeiten. Oft haben wir das Gefühl, uns bei Geschenken in eine Abhängigkeit hineinzubegeben. Oder irgendwann um eine größere Gegenleistung gebeten zu werden. Oder noch schlimmer: Wir glauben, andere Menschen würden uns dafür verachten. Geschenke anzunehmen ist etwas, was wir auf einer sehr vertrauten Beziehungsebene, in der Familie und zwischen sehr engen Freunden gerne tun. Menschen, die sich weniger gut kennen, schenken sich eher nur Kleinigkeiten. Bargeld-Geschenke sind sowieso tabuisiert, wenn sie nicht an die eigenen Kinder gehen. Da assoziieren viele Menschen eine starke Abhängigkeit mit.
      Großzügigkeit fühlt sich meistens unheimlich gut an. Aber eine großzügige Geste anzunehmen ist häufig sehr viel schwieriger. Da muss man erstmal mit sich selbst im Reinen sein. Das haben wir nicht gelernt…

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    Marcus Zeller
    Posted at 14:29h, 01 Juli Antworten

    Lieber Ronald,
    vielen Dank für die klare Darstellung der Begriffsähnlichkeiten zwischen dem Finanzbereich und dem des Glaubens. Ich glaube, dass das Geld in der Tat mit Glauben zu tun hat. Wir haben es als einzige Spezies geschafft, das Gegenteil von dem zu glauben, was die Natur selbst ausmacht: Überfluss. Wir glauben dem Mangel Unsere eigene Existenz genügt nicht- man muss sich den Lebensuntehalt „verdienen“. Hier beginnt schon die Wortmagie. Nicht das Leben fließt frei zu uns, sondern wir müssen wir selbst für unser Getragensein sorgen. Unsere Existenz und ihre Erhaltung ist also kein Geburtsrecht; es ist ein Tabu in unserer Gesellschaft, Geld ohne Gegenleistung zu bekommen. Geld ist also das Symbol unseres tief sitzenden Glaubens über die Welt. Daher verwandelt der Mensch auch alles, was er anfasst, in Mangel oder eben eine knappe Ressource. Genauso sehen wir uns selbst nicht als Quelle unerschöpflicher individueller Produktivkraft. Diese Umkehrung der natürlichen Ordnung macht Geld erst zu dem, was es heute ist. Wir projizieren unseren Mangelglauben auf die gesamte Welt, denn aus Mange entsteht immer Schuld, denn durch meine schiere Existenz entnehme ich dem Begrenzten Ressourcen etwas. Geld, wie wir es nutzen, ist Ausdruck von Schuld. Gleichermaßen Besitz: er ist Ausdruck der Illusion, etwas Dauerhaftes sein oder erzeugen zu können. NIcht umsonst gibt es unter Indigenen viele Gruppen, denen Besitz fremd ist, da sie nicht im von der natürlichen Ordnung abgetrennten Mangelglauben leben.

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