Ein anderer Blick auf die Welt

Ein anderer Blick auf die Welt

Lebendige Organisation und die Suche nach dem Eigenen, Teil 2

Autor: Lucas Buchholz
Kategorie: Schamanismus
Ausgabe Nr: 83

Im zweiten Teil des Interviews gibt Lucas Buchholz einen Einblick in die lebendige Organisation des Volkes der Kogi, in der sowohl das Wissen um die menschliche Natur als auch die Förderung der friedlichen Kommunikation zu einem harmonischen Zusammenleben beitragen. Des Weiteren wird die Verbindung zwischen dem Menschen und bestimmten Orten thematisiert – eine Vorstellung, die vielen in der urbanen Moderne mittlerweile fremd ist, doch von den Kogi als Voraussetzung für eine gesunde Beziehung zur Erde angesehen wird.

Tattva Viveka: Die Kogi verstehen sich selbst als Hüter der Erde. Können wir alle Hüter der Erde sein?

Lucas Buchholz: Die Kogi sind ein ordnungsliebendes Volk. Ich spreche manchmal scherzhaft darüber, dass sie spirituelle Bürokraten sind, weil es ihnen sehr wichtig ist, die Dinge zu ordnen, zu kategorisieren und klarzustellen.

Wenn es darum geht, das Gleichgewicht zu halten oder wiederherzustellen, müssen wir zuerst die einzelnen Teile dessen kennen, was sich im Gleichgewicht befinden soll, so die Kogi. Demnach achten sie sehr auf Zuständigkeiten. Sie sagen beispielsweise, dass nur sie, das Volk der Kogi, für die Sierra Nevada de Santa Marta zuständig seien. Gleichzeitig bestehen in jedem Flusstal andere Zuständigkeiten. Bestimmte Weise sind nur für bestimmte heilige Orte zuständig. Für sie wäre es fatal, wenn sie anfangen würden, zueinander zu sagen: Ich arbeite jetzt woanders oder ich gehe jetzt dahin oder dorthin.

Ein gutes Beispiel dafür ist ein Ökosystem: Jede Art hat eine spezifische Funktion inne und trägt zu diesem lebendigen Ökosystem bei. Wenn der Affe aber jetzt lieber im Fluss schwimmen würde, würden die Dinge aus dem Ruder laufen. Genauso sehen die Kogi das auch für den Menschen. Für sie kommen uns allen konkrete Aufgaben zu, und das gilt auf verschiedenen Ebenen, beginnend mit der des Individuums. Es wird gefragt, was für ein Individuum dieses sei und wo es hingehöre im Sinne von seinem Platz im Leben. Sie sagen, dass es einen Grund gebe, wieso man an einem bestimmten Ort geboren wird und die Vorfahren aus bestimmten Regionen stammen.

Wenn ich in ihre Augen schaue, habe ich den Eindruck, ich schaue in das Leben selbst.

Wir können oder sollten nicht irgendwo leben, sondern es gibt bestimmte Orte, zu denen wir gehören und an die wir eine Anbindung haben. Wir können woanders hingehen, aber das Land hat dann nichts mehr mit uns zu tun. Nach Ansicht der Kogi ist dies die Grundlage dafür, dass die Umweltzerstörung, wie wir sie momentan erleben, möglich ist.

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Die westliche Kultur aus den Augen der Kogi

TV: Du erzähltest, dass einige Kogi in der Vergangenheit bereits Europa besucht haben. Wie sehen sie die Industrienationen? Welches Bild haben sie von der Gesellschaft, in der wir leben?

B: Die Kogi halten uns, wie anfangs erwähnt, für die jüngeren Brüder und Schwestern. Sie blicken generell mit einer Art wohlwollender Gutmütigkeit auf uns. Zwei Erklärungen für unser Verhalten führen sie an: Die eine ist, dass wir Freude an Zerstörung haben, die zweite, dass wir akut suizidal sind. Das sind ihre einzigen Überlegungen, die ihnen erklären, wieso wir so handeln, wie wir eben handeln.

TV: Das ist eine harte Diagnose.

B: Ja, das sind sehr harte Diagnosen, und dementsprechend wird man auch behandelt, wenn man zu den Kogi geht: wie der letzte Depp. Sie lassen einen spüren, was sie von einem und seinem Verhalten halten. Da machen sie keine individuellen Unterschiede, sondern sehen einen selbst als Repräsentanten der globalen Moderne. Man kommt nicht unbedingt gut dabei weg. Es braucht Arbeit, bis sie einen kennenlernen und merken, dass man es nicht unbedingt gut findet, wenn mit einem Bulldozer der Regenwald plattgemacht wird. Aber das muss man erst mal klarstellen. Denn sie sagen: »Wenn ihr es nicht gut findet, warum tut ihr es dann?« Diese Art von Gespaltenheit und Getrenntheit, die wir haben, kennen sie nicht. Wenn ich Baggerfahrer in einem Kohletagebau wäre, würde ich nicht unbedingt gutheißen, was ich da tue, aber ich tue es, weil ich Geld verdienen muss. Die Kogi können sich das nicht vorstellen.

Diese Art von Unauthentizität oder nicht nach den eigenen Wertevorstellungen zu handeln ist etwas, was sie nicht kennen.

Zudem ist ihnen schleierhaft, wieso man dies tun sollte. Es braucht Zeit, bis man ihnen das erklärt hat. So ganz verstehen sie es immer noch nicht, aber irgendwann akzeptieren sie es halbwegs.

Wenn Sie mehr über die Lebensweise der Kogi erfahren möchten, können Sie den vollständigen Artikel als Pdf unten bestellen und herunterladen.

Ein friedlicher Umgang mit Emotionen

Noch eine Anmerkung zu ihrer sozialen Organisation – etwas, was wir von den Kogi lernen können: Die Kogi sind vorausschauend und weise in Bezug auf viele Dinge, die das Menschsein ausmachen. Sie wissen, wie man damit umgeht. Ein Beispiel sind die Emotionen.

Die Kogi wissen, dass menschliche Emotionen potenziell Gefahren bergen, wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten.

Sie sind in Hinblick darauf ein extrem präventives Volk. So haben sie, um nur ein Beispiel zu nennen, eine Institution oder ein Ritual, in dem sie sich alle zwei Wochen treffen, um gemeinsam – Männer und Frauen getrennt (das ist ihnen auch sehr wichtig) – über alles Gute und alles Schlechte, was sie über andere in den vergangenen zwei Wochen gedacht oder gesagt haben, zu sprechen und dies öffentlich zu machen. Das wird von den Mamos und den Sakas, den Weisen, moderiert, die wiederum mit diesen Gedanken arbeiten. Sie gehen dem nach, wo diese Gedanken entstanden sind und wie sie ausgeglichen werden können.

In dieser Fassung sind Auszüge aus dem Artikel wiedergegeben. Den vollständigen Artikel gibt es im Pdf, das unten bestellt werden kann.

TV: Sondern, dass du etwas Eigenes hast?

B: Ja, das ist sehr wichtig. Ich verstehe, dass das für uns nicht einfach ist. Wir haben beispielsweise die Tendenz, zu sagen: »Yoga ist das, was wir jetzt alle unbedingt machen müssen.« Kann sein, aber es ist wichtig, für sich selbst zu überprüfen, ob das zu einem passt. Was ist es, was hinter der Yogapraxis, als Beispiel, jenseits der Praktik und der Form, hinter dem Asana, steht?

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Was bedeutet es für mich und wozu bekomme ich wieder einen Zugang? Wenn wir das anders machen, ist es so, dass diese Dinge uns weiter von uns wegführen können als wieder zu uns hin. Das ist der Kern, den es braucht: Das Eigene wiederzufinden, das uns zu uns selbst führt und uns mit uns selbst, als wer wir sind, verbindet, jenseits der Vorstellungen, die andere von uns oder wir von uns selbst haben. Oft haben auch wir als spirituelle Menschen bestimmte Vorstellungen, wie wir sein sollten oder die Dinge zu tun seien. Dass man zum Beispiel bestimmte Kleidung oder Kristalle tragen muss. Kann sein, muss aber nicht. Das ist etwas, was den Kogi sehr wichtig ist. Denn nur das, was uns wirklich verwurzelt und stärkt, versetzt uns überhaupt wieder in die Lage, uns um den Planeten zu kümmern.

Das Interview führte Alice Deubzer.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 83. Dieser Beitrag ist der zweite Teil des Interviews. Das komplette Gespräch mit beiden Teilen ist für 3,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 16 Seiten).

Lucas Buchholz TV82-83 (PDF)

Kompletter Artikel (Teil 1&2) im PDF-Format (16 Seiten)
Preis: 3,00 EUR   (incl. 5,00% MwSt.)
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Der Autor Lucas Buchholz

Über den Autor

Lucas Buchholz schloss sein Studium mit dem Master in Friedens- und Konfliktforschung ab. Er schrieb das Buch »Kogi – Wie ein Naturvolk unsere moderne Welt inspiriert« und zeigt in Seminaren und Vorträgen auf, wie das Natürliche und Lebendige uns Zugänge zu Erfolg in unseren Leben und unseren Unternehmungen ermöglicht. Derzeit führt er Co-Regie bei dem Kino-Dokumentarfilm »Success«, der gelingende und inspirierende Beispiele eines neuen lebendigen Verständnisses von Erfolg darstellt.

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