Handeln aus dem Herzen

Handeln aus dem Herzen

Tiefenökologie als Lebenshaltung

Autor: Gabi Bott
Kategorie: Ökologie
Ausgabe Nr: 84

Wir leben in einer Zeit der großen Herausforderungen – Klimakrise, Artensterben, Corona-Pandemie. Die Tiefenökologie kann uns unterstützen, nicht zu verzweifeln, sondern uns mit dem Netz des Lebens wieder zu verbinden. Diese Verbundenheit schenkt Mut und Zuversicht, um sich für den notwendigen ökologischen Wandel einzusetzen. Diese Arbeit, die als Lebenshaltung bezeichnet werden kann, ist so alt wie die Menschheit selbst und steht uns allen als inne liegende Weisheit zur Verfügung.

Wir sitzen im Kreis dicht nebeneinander. In unserer Mitte liegen vier Symbole, in jedem Quadranten eins, und in der Mitte davon ein Kissen. Wer den Impuls hat, geht in die Mitte zu einem der Symbole und nimmt es als Unterstützung, um starke Gefühle auszudrücken – mit oder ohne Worte. Da liegen die verwelkten Blätter, die das Symbol für die Trauer sind, der faustdicke Stein, dieser symbolisiert die Angst, der dicke Knüppel, Symbol für die Wut, und die offene Schale steht für die Ohnmacht. Alle anderen Gefühle, die ein*e Teilnehmende*r spürt, haben Platz in der Mitte auf dem Kissen.

Dieses Ritual nennt sich »Wahrheitsmandala« und entstand während einer tiefenökologischen Konferenz mit Joanna Macy in Deutschland am 3. Oktober 1990, im Spannungsfeld der Wiedervereinigung von Ost und West, und wird seitdem weltweit praktiziert.

Tiefenökologie als Lebenshaltung

Eine andere Denkweise über unseren Schmerz in der Welt und das Ausdrücken von starken Gefühlen ist das Herzstück der tiefenökologischen Arbeit, die in den 70ern in dieser Form ihren Anfang nahm. Ich sage »in dieser Form«, denn Tiefenökologie ist so alt wie die Menschheit.

Immer wenn sich Menschen in ganzheitlicher Weise auf ihre Mitwelt beziehen, wird tiefenökologisch gelebt.

Politik und Spiritualität gehören zusammen

Seit ich denken kann, engagiere ich mich im Umweltschutz. Aus diesem Grund studierte ich Landschaftsökologie, um einen »soliden Beitrag« leisten zu können. Immer wieder machte ich die Erfahrung, dass ich als Aktivistin, die auf die Straße geht, um gegen die Umweltverschmutzung zu demonstrieren, oder im Wald sitzt, um ihn vor dem Abholzen zu retten, nicht ernst genommen wurde. Wenn mein/unser Engagement keinen Erfolg hatte, machte ich oft die Erfahrung, mich ohnmächtig und wütend gegenüber dem bestehenden System zu fühlen. Kurz vor dem Burn-out vor über 30 Jahren lernte ich den Buddhismus kennen. Er zog mich an, nährte und unterstützte mich, immer wieder »in meine Mitte« zu kommen. Ich praktizierte mit meiner Sangha, besuchte längere Retreats und erlebte die Meditationspraxis als wichtigen Anker- und Stabilisierungspunkt in meinem Leben.

Mein politisches Engagement war mir weiterhin wichtig, und durch die Meditation bemerkte ich noch stärker das Bedürfnis, Politik und Spiritualität zusammenzubringen – im Innen und im Außen.

Ich erlebte, wie unterstützend meine buddhistische Praxis für mein politisches Engagement war und auch, wie mein Engagement mich in meiner Praxis motivierte. Jahrelang fühlte ich mich mit dieser Erfahrung allein. Denn für die meisten meiner damaligen Mitstreiter*innen bzw. Mitmeditierenden war es ein »Entweder-oder«. Für mich war es von Anfang an ein »Sowohl-als-auch«.

Möchten Sie wissen, wie es der Autorin gelang, Politik und Spiritualität zusammenzuführen? Das können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Die Spirale

Die sogenannte Landkarte der tiefenökologischen Arbeit ist die Spirale. Sie ist ein wunderbares Symbol: Sie bewegt sich immer rund, doch kommt sie nie an demselben Punkt im Kreis an, an dem sie gestartet ist. Immer etwas weiter oben oder unten (je nachdem, in welche Richtung sie sich bewegt). Ein schönes Symbol für das Leben, das immer wieder an ähnliche Punkte kommt, doch sie sind niemals dieselben.

Wir beginnen auf der Spirale mit der Dankbarkeit. Wofür spüre ich Dankbarkeit in meinem Herzen? Das, was gerade in mein Bewusstsein kommt, kann etwas ganz Kleines oder etwas Großes sein. Sie drückt unsere Liebe für das Leben in den unterschiedlichsten Schattierungen aus. Das Schöne ist, dass Dankbarkeit nicht von äußeren Faktoren abhängig ist. Immer – wenn ich mich daran erinnere (das ist der entscheidende Punkt) – kann ich mich ihr zuwenden. Sie erdet mich und ist eine Basis, um mich für den Schmerz zu öffnen: Die Würdigung vom Schmerz in der Welt ist der zweite Punkt auf der Spirale.

Hier richten wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere inneren Reaktionen, wenn wir uns der Zerstörung und dem Leid unserer Mitwelt zuwenden.

Starke Gefühle, die aufsteigen können, sei es Schmerz, Wut, Angst oder Trauer, sind gesund und ein Zeichen unserer Offenheit dem Leben gegenüber.

Diese Gefühle wollen uns auf etwas hinweisen und dienen als SOS-Signal oder »Aufwacher«.

Der Schmerz, den wir in uns spüren, ist nur zum Teil individuell, der weitaus größere Teil ist kollektiv. Dadurch, dass wir Alle mit Allem in Verbindung stehen, dass wir im Netz des Lebens eingebunden sind, sind wir auch in der Lage, den Schmerz, die Wut, die Angst usw. zu spüren.

Welche die Intention der Tiefenökologie ist, erfahren Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Tiefenökologie als Lebenshaltung

All diese Erkenntnisse brauchen Räume, wo sie erlebt werden können. In unserer Arbeit lernen wir durch Übungen und in Ritualen in einem geschützten Raum, uns wieder zu verbinden – mit uns selbst, mit allen menschlichen und nichtmenschlichen Wesen und mit unserer Erde, auch über unsere Jetztzeit hinaus.

Diese Übungen und Rituale haben mehrere Funktionen: Sie lassen unser Wissen in die Erfahrung sickern, sie weiten unser Bewusstsein über den bekannten Radius hinaus zu einem globalen Erdenbewusstsein und verwandeln unser individuelles Selbst in ein »ökologisches Selbst«. Als »ökologisches Selbst« bezeichnete Arne Naess die Empfindung einer erweiternden Identifikation, die die engen Grenzen der Selbstbezogenheit ausdehnt. Es lässt uns spüren, dass Alles mit Allem im Netz des Lebens verbunden ist. Die Erfahrung, in etwas Größerem als uns selbst eingebunden zu sein, hilft, keine Angst vor der Angst zu haben und sich starken Gefühlen zuzuwenden.

Die kreative Arbeit der Tiefenökologie unterstützt dabei, die Blockaden der Rückkopplungsschleifen zu lösen. Es geht darum, dass Menschen ihren eigenen Erfahrungen vertrauen und die Wahrheit über das, was sie sehen, fühlen und denken, aussprechen. »Die größte Krankheit unserer Zeit ist die Verdrängung«, sagt Joanna Macy.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über die Tiefenökologie und ihr Einsatz für ein harmonisches und nachhaltiges Miteinander auf Erden.

Lesen Sie die vollständige Fassung in Tattva Viveka 84 oder downloaden Sie diesen Artikel einzeln als ePaper für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 8 Seiten).

Wer in der Tiefenökologie mehr erleben und lernen möchte, ist herzlich eingeladen, an Workshops und/oder Intensivwochen teilzunehmen, z. B. vom 5.–11. Oktober 2020 im Südschwarzwal (siehe Autorinnen-Biografie für Links).

Vollständiger Artikel als PDF

Gabi Bott TV84 (PDF)

Kompletter Artikel im PDF-Format (8 Seiten)
Preis: 2,00 EUR   (incl. 5,00% MwSt.)
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Über die Autorin

Unsere Autorin Gabi Bott

Gabi Bott, Trainerin für Tiefenökologie, Aus- und Weiterbildung in D und in den USA bei Joanna Macy; Dipl.-Ing. Landespflege (FH); sieben Jahre Geschäftsführerin bei Bündnis 90/Die Grünen in Freiburg; Yogalehrerin; praktiziert seit 1988 buddhistische Meditation; freiberuflich im Bildungsbereich tätig; lebt seit 2001 in der Gemeinschaft Ökodorf Sieben Linden.

www.gabibott.de
www.tiefenoekologie.de
www.siebenlinden.org

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