01 Sep. Führung von innen: Warum wir innehalten neu lernen dürfen
Führen aus der inneren Quelle
Autorin: Bernadette Siebers
Kategorie: Psychologie
Ausgabe Nr: 104
Die Frage, wie wir unser Leben »führen« und uns angemessen regenerieren, ist aktueller denn je. Besonders für Menschen, die viel leisten und gestalten, braucht es Räume, in denen nicht mehr passiert, sondern das Wesentliche zurückkehrt. »Führen von innen« beschreibt die Fähigkeit, aus der eigenen Mitte heraus zu handeln, getragen von Selbstbewusstheit, Selbstverantwortung und Selbststeuerung. Diese Haltung bildet das Fundament für nachhaltige Leistungsfähigkeit, Resilienz und kreative Qualität.
Vieles in unserer Arbeitswelt wird neu gedacht. Doch so sehr wir auch Teams, Prozesse und Tools optimieren, ohne innere Führung bleibt unser Handeln von uns selbst und der Welt distanziert und letztlich wenig nachhaltig. Um hier einen echten Wandel herbeizuführen, reicht es nicht aus, sich nur um Leadership und Management zu bemühen, sondern ebenso um eine bewusste Selbstführung – eine Fähigkeit, die heute entscheidender ist denn je.
Auszeiten neu denken
In unserer Gesellschaft des Dauer-Tuns, in der viel um berufliche Verwirklichung, digitale Inszenierung und das Streben nach Effizienz und Aufmerksamkeit kreist, entsteht unter der Oberfläche eine stille Sehnsucht nach dem Sein. Auszeiten stehen nicht mehr für Wohlstand, sondern sind essenziell für ein gesundes Fundament des neuen Arbeitens, für nachhaltige Selbstführung sowie Resilienz. Entscheidend dabei ist, dass Pausen, Urlaube oder Sabbaticals nicht als optionales Extra betrachtet werden, sondern als wesentlicher Bestandteil der persönlichen Regeneration, der das Innenleben nährt und neue Schöpferkraft auf allen Ebenen ermöglicht.
Einmal innehalten
Begriffe wie Work-Life-Balance oder Hybrid Work werden gesellschaftlich und medial gefeiert, die allgemein zunehmende kognitive Erschöpfung wird vielen Menschen immer bewusster – doch echte Pausen als natürlicher Bestandteil unseres Lebens haben trotzdem ihren Platz weitgehend verloren. Was früher selbstverständlich war im Rhythmus von Tag und Nacht, von Sommer und Winter, ist heute zur Ausnahme geworden. Permanente Erreichbarkeit, ständige Informationsflut und der kulturelle Druck zur Selbstoptimierung dominieren den Alltag, begleitet von einem stetigen Strom technischer Gadgets, die uns suggerieren, stets »up to date« sein zu müssen.
Diese technikgetriebene Dauerpräsenz erzeugt sowohl im Großkonzern als auch zu Hause eine trügerische Dynamik aus Produktivität und Leistungssteigerung.
Diese technikgetriebene Dauerpräsenz erzeugt sowohl im Großkonzern als auch zu Hause eine trügerische Dynamik aus Produktivität und Leistungssteigerung. Multitasking wird zum Standard, Effizienz zum Mantra. Doch während wir unermüdlich versuchen mitzuhalten, bleiben Kreativität und innere Ruhe oft auf der Strecke. Wer nicht Schritt halten kann oder gar Schwäche zeigt, hat oft das Gefühl, auf allen Ebenen an Ansehen zu verlieren. Gerade deshalb ist die bewusste Pause kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit und ein Mittel zu mehr innerer Balance, Regeneration, klarem Denken und für essenzielle Qualitäten des Lebens wie Sinn, Präsenz und echte Lebendigkeit.
Wissenschaftliche Hintergründe
Neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass Dauerstress zu messbaren Veränderungen im Gehirn führt. Besonders betroffen ist der präfrontale Kortex, jene Region, die für emotionale Regulation, Entscheidungsfindung und komplexes Denken verantwortlich ist. Parallel dazu wird die Amygdala im limbischen System überaktiv, woraus dann ein biologisches Ungleichgewicht entsteht, das Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme und Erschöpfung verstärkt und sogar körperliche Beschwerden hervorruft.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und menschliches Gefühl gehören zusammen – besonders, wenn es um Führung von innen heraus geht.
Gezielt gestaltete Auszeiten, bewusste Pausen und achtsames Innehalten wirken diesem Abwärtssog entgegen. Schon ein kurzer Spaziergang in der Natur kann, so belegen Studien, die Aufmerksamkeitsleistung und Gedächtnisfunktion signifikant verbessern. Solche Unterbrechungen sind kein Makel in der eigenen Produktivität, sondern ein kraftvoller Reset für Geist und Körper. Genau hier setzt das sogenannte Default Mode Network (DMN) an: Dieses Netzwerk im Gehirn wird aktiv, wenn wir zur Ruhe kommen, nach innen blicken, Erinnerungen verarbeiten oder neue Assoziationen entstehen lassen. In solchen Momenten mentaler Pausen – fernab äußerer Reize, aber innerlich fokussiert – entstehen jene neuronalen Verknüpfungen, die kreative Durchbrüche überhaupt erst möglich machen. Man könnte sagen: Das DMN ist ein mentales Fitnessprogramm für Ideen.
Auch historisch zeigt sich, dass große Ideen Zeit brauchen und Innovation selten unter Druck, sondern eher im Raum des Innehaltens entsteht. Funktionelle Bildgebungsstudien bestätigen dies eindrucksvoll. Sie zeigen, dass eine erhöhte DMN-Aktivität signifikant mit gesteigerter Kreativität korreliert. Und mehr noch: Diese Aktivität ist nicht nur ein Begleitphänomen, sondern eine Voraussetzung für kreative Originalität. Wissenschaftliche Erkenntnisse und menschliches Gefühl gehören zusammen – besonders, wenn es um Führung von innen heraus geht. Gemeinsam können sie entscheidend dazu beitragen, Arbeits- und Lebensräume so zu gestalten, dass sie nicht nur funktional, sondern auch sinnstiftend sind. Vor allem aus der Perspektive von Zufriedenheit und Verbundenheit im täglichen Tun gewinnen diese Aspekte zunehmend an Bedeutung.
Dies ist nur der Anfang des Artikels. Der vollständige Beitrag ist in der Tattva Viveka 104 erschienen.
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Tattva Viveka Nr. 104
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Schwerpunkt: Neue Arbeit
Erschienen: September 2025
Dirk Grosser – Arbeit als sichtbar gemachte Liebe • Werner Heussinger & Heike Görner – Digitalisierung und Künstliche Intelligenz • Prof. Dr. Maik Hosang – Aufbruch in die Metamoderne • Stephen Reid – »Es geht um eine Werteverschiebung in der Gesellschaft« • Dr. Johannes Hartl – Mit Fokus seine Berufung finden • Nicole Schröter – Human Design: Erwecke dein wahres Potenzial • Bernadette Siebers – Führung von innen • Dr. Dr. Walter von Lucadou – Parapsychologie: Ein Beitrag zur Bewusstseinsforschung (2) • Waltraud Hönes – Weltenwandern • Buchbesprechungen • u.v.m.
Zur Autorin
Bernadette Siebers ist Gründerin von bewithbalance und Expertin für Soulful Travel Experiences. Sie verbindet 360° Wellbeing Coaching mit exklusiven Auszeiten für innere Klarheit, Balance und bewusste Präsenz – achtsam kuratiert für tiefgreifende Erholung und nachhaltige Transformation.
Webseite: bewithbalance.com
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