Soziale Evolution, Weltparlament und Bewusstsein

Soziale Evolution, Weltparlament und Bewusstsein

Plädoyer für eine vereinigte Menschheit

Autor: Andreas Bummel
Kategorie: Politik
Ausgabe Nr.: 48

Wie kann eine konstruktive Lösung der derzeitigen Weltlage aussehen? Wie können wir Politik, Gesellschaft und unsere Zukunft neu denken und zu einer wirklichen Weltgemeinschaft zusammenwachsen? Was genau soziale Evolution ist und wie wir eine neue Sichtweise auf Ereignisse bekommen können,  erklärt der Autor in folgendem Plädoyer.

 

Andreas Bummel

 

Die soziale Evolution kann als ein kontinuierlicher Zusammenschluss und Zerfall von menschlichen Gemeinschaften verstanden werden. In einem Wechselspiel zwischen Kooperation und Konkurrenz wetteifern sie um Siedlungsgebiete, Rohstoffe, Nahrung oder politische Kontrolle. Im Zuge der technologischen Entwicklung und des Bevölkerungswachstums sind die sozialen Einheiten immer differenzierter und ihre Verflechtungen miteinander immer komplexer geworden. Innerhalb der Gemeinschaften bilden sich Regeln aus, die das Zusammenleben möglichst friedlich organisieren, wenn auch vorwiegend im Interesse einer herrschenden Schicht, die die Gewaltanwendung sowie die Verteilung der Ressourcen kontrolliert. Gegenüber anderen Einheiten herrscht Misstrauen und die Bereitschaft zur Gewalt ist hoch. Krieg, Unterdrückung, Sklaverei und Assimilation waren charakteristisch für den Prozess. Demokratie, Menschenrechte und humanitäres Völkerrecht sind historisch gesehen neue Entwicklungen.

Die Anzahl der Einheiten ist im Verlauf der Geschichte zurückgegangen. Ihre maximale Größe und der Organisationsgrad sind gewachsen. Aus Jägern und Sammlern, Hirtennomaden und sesshaften Gemeinschaften sind unter anderem Stadtstaaten, Fürstentümer, dynastische Imperien, Kontinentalreiche und die heutigen Territorialstaaten entstanden. Um 1500 v. Chr. existierten bei einer Weltbevölkerung von geschätzten 50 Millionen Menschen vielleicht 600.000 politische Einheiten. Auf Rückfälle wie dem Zerfall des Römischen Reiches folgten neue Konsolidierungsprozesse. In seinem berühmten Werk »Über den Prozess der Zivilisation« hat Norbert Elias (1995 [1939]) die Entwicklung ab demMittelalter beschrieben. Nach Elias befinden sich die Staaten der Welt heute nach wie vor in einem ständigen Konkurrenzkampf, der auf die Bildung von immer größeren Herrschaftseinheiten mit einem übergreifenden Gewaltmonopol hindrängt.

 

Andreas Bummel

 

Das Verflechtungssystem zwischen den führenden Staaten der Welt ist durch die Verfügung über Nuklearwaffen ab dem Ende des ZweitenWeltkrieges einem fundamentalen Wandel unterworfen. Aufgrund des atomaren Vernichtungspotentials, bis hin zur fast vollständigen Auslöschung, ist eine direkte kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Großmächten als Mittel zur Lösung von Konflikten oder zur Machtexpansion selbstmörderisch geworden. Sie befinden sich, in den Worten von Wilhelm Wolfgang Schütz, in einer »Interdependenz des Untergangs « (1956:162). Dies bedeutet, dass eine Konsolidierung des Staatensystems zu einer Einheit durch Zwang nicht möglich ist. Nach einem Dritten Weltkrieg wäre nicht viel von unserer Zivilisation übrig. Bis es zur freiwilligen Bildung eines weltstaatlichen Gewaltmonopols kommt, verbleibt das System also in einem gefährlichen instabilen Zustand. »Selbst wenn wir einmal annehmen, dass es nicht zurWeltkatastrophe kommen sollte, so scheint es doch für alle voraussehbare Zeit [das unglückliche Los der Menschheit zu sein], in steter Furcht vor dieser Katastrophe leben zu müssen«, so der Politikwissenschaftler John H. Herz (1961: 129).

 

Andreas Bummel

Das System ist nicht nur sicherheitspolitisch instabil. Es hat inzwischen auch seine Steuerungsfähigkeit verloren. Die technologische Revolution der letzten beiden Jahrzehnte hat eine immer stärkere globale Verflechtung fast aller Lebensbereiche vorangetrieben. Zentral wichtige Politikfelder und Herausforderungen sind der Kontrolle durch die Nationalstaaten entglitten. Die Tätigkeit der internationalen Institutionen spiegelt den niedrigsten gemeinsamen Nenner der widerstreitenden Regierungsinteressen wieder. Die nationalen Regierungen sind stark darauf erpicht, an ihrer tradierten, aber inzwischen ausgehöhlten Souveränität festzuhalten. Das gilt für das globale Wirtschafts- und Finanzsystem, wie die Finanzkrise seit 2007 eindrücklich zeigt, aber vor allem auch in der Klimapolitik.
Inzwischen gibt es einen breiten internationalen Konsens darüber, dass eine Klimaerwärmung von mehr als zwei Grad Celsius in diesem Jahrhundert unabsehbare katastrophale Folgen für die Menschheit hätte. Die Transformation zu einer nachhaltigen, postfossilenWelt kann allerdings »nur dann gelingen«, so der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen, »wenn Nationalstaaten ihre kurzfristigen Interessenkalküle zugunsten globaler Kooperationsmechanismen zurückstellen« (WBGU 2011: 1).

Die Nichtexistenz einer regierungsfähigen politischen Weltgemeinschaft ist die gefährlichste Eigenschaft des heutigen Weltsystems. Die weitere Evolution und das langfristige Überleben der menschlichen Zivilisation macht die Entwicklung einer demokratischen Weltföderation erforderlich. Die Welt wird sich politisch zusammenschließen müssen, um den drohenden Zerfall unserer globalen Zivilisation abzuwenden.
Im Kern handelt es sich nicht nur um eine machtpolitisch-strukturelle, sondern stärker noch um eine intellektuell-kognitive Herausforderung. Zwischen Soziogenese und der Psychogenese des Menschen besteht nach Elias nämlich ein untrennbarer Zusammenhang. Erst mit wachsender Komplexität der sozialen Verflechtungen, die für den Staatsbildungsprozess und die Modernisierung charakteristisch sind, entwickelten sich stärkere Affektkontrolle, Rationalität und ein ausgeprägtes Schamgefühl.

[…]

 

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Tattva Viveka 48
Zur Webseite des Autors: www.unpacampaign.org

Andreas Bummel TV48 (PDF)

Kompletter Artikel im PDF-Format (6 Seiten)
 
Preis: 2,00 EUR
(inkl. 19,00% MwSt.)