Das Kreuz mit dem Kreuz

Das Kreuz mit dem Kreuz

Angélique Reichenberger - Das Kreuz mit dem Kreuz

Ein Erfahrungsbericht über die Heilkräfte der Seele

Autor: Angélique Reichenberger
Kategorie: Spiritualitaet
Ausgabe Nr: 55

Auf wen sollten wir in unserem Leben wirklich hören? Auf die Seele! – ist die überzeugte Meinung der Autorin. Ein langer Leidensweg und die Geschichte einer Heilung.

 

 

Das ist die Geschichte
Als im Jahr 2000 mein Rücken, mit gerade mal 20 Jahren, schier unendlich schmerzte, war ich bereits in einer äußerst desolaten Partnerschaft und ein Häufchen, das nach Hilfe wimmerte. Es folgten Krankenhausbesuche stationär so wie ambulant, um mir über den Tropf intravenös Schmerzmittel verabreichen zu lassen. 2001 erst, nachdem man meinen Schmerzen schließlich doch Glauben schenkte, wurde ich von einem Arzt zu einer Computertomographie (CT) überwiesen.

 

Mein damaliger Befund im Jahr 2001:
Bandscheibenprolaps L3/L4 (Abb. 1),
Bandscheibenprolaps L4/L5,
kleiner Bandscheibenprolaps L5/S1.

 

Als ich am Behandlungsbett des örtlichen Krankenhauses saß, mit Spannung und grausamer Nervosität auf mein Arztgespräch wartete, war ich immer noch ein Häufchen, das wimmerte, mit einer desolaten Partnerschaft. Nun endlich, eine junge Turnusärztin kam zu mir und erklärte, dass ich »gleitende Wirbeln« hätte, und man müsse mir ein Stahlgerüst einsetzen. Es war nun nicht mehr zu unterdrücken, und ich heulte los wie ein Kind, das eine Spritze bekommt. Weitere Ärzte kamen zu mir ins Zimmer, um sich dieses Phänomen von »gleitenden Wirbeln« anzusehen, es vielen Sätze wie: »Ja hier sieht man deutlich den Snoopy.« »Es könnte aber auch sein, dass wir das junge Mädchen (zur Erinnerung ich war bereits 21 Jahre alt) zu einem Kinderarzt schicken müssen.« »Wie, Kinderarzt?«, war das erste, dass ich nach meinem emotionalen Zusammenbruch heraus brachte. Der Arzt erklärte mir, dass man mit 21 Jahren gerade mal so ausgewachsen ist.
Heul.
»Jetzt muss ich auch noch zum Kinderarzt als volljährige Erwachsene.«
Heul.
Wie der Himmel so will, kam ein älterer Arzt ins Zimmer, um sich zu der Ansammlung von Ärzten dazu zu gesellen. »Ach, das sind Bandscheibenprolapse, die gehören gleich operiert!«
Und so schnell wie sich mein Zimmer mit unzähligen Interessierten angesammelt hatte, so schnell waren sie auch wieder weg. Nur nicht mein Geheule, das definitiv kein Gewimmer mehr war. Ich und drei Bandscheibenvorfälle, wie, wieso, warum, was, operieren? Wie von der Tarantel gestochen, sprang ich mit gebücktem Rücken vom Behandlungsbett auf. Als geprägtes Kind von Operationen und Krankenhausaufenthalten erklärte ich mit selbstbewusster und irrer Stimme: »Nein, sicher nicht. Ich bleibe nicht hier. Nein! Lassen sie mich sofort meine Kleidung anziehen, ich gehe!« So unterschrieb ich einen »Revers« (eine Erklärung, auf der steht, dass ich auf eigene Verantwortung nach Hause gehe). Das war das erste Mal, dass ich für mich selbst Verantwortung samt ihren Gewichtungen und Entscheidungen übernommen hatte. Nun ja, doch so schnell, ist meine Geschichte nicht vorbei.

 

Angélique Reichenberger

 

Zurück in meinen eigenen vier Wänden mit der zu hohen Miete, zurück bei meinem lieblosen und herrischen Partner, zurück bei meinem stressigen Beruf, zurück in meinem Leben! Natürlich änderte der Gang vom Krankenhaus nach Hause nichts an meinen Schmerzen und schon gar nichts an der Tatsache, dass ich drei Bandscheibenprolapse hatte.
Es musste etwas passieren, doch keine einzige Idee war zum Greifen nahe. So dauerte es nicht lange, bis ich mich zusammen gekauert am Boden meiner Toilette wieder fand. Ich saß dort genau so eingesperrt und zusammen gekauert, wie ich mich auch fühlte. Schluchzend und schreiend nach einem Strohhalm, der mich hier rausholte, rief ich: »Ich halte das nicht mehr aus!« Der Intensität und Wirkung nach könnte der Schrei auch von einem Menschen stammen, der kurz davor ist, von der Brücke zu springen. Und da, ganz plötzlich: »Etwas dauert es schon noch.« »Nein ich will nicht mehr!«, entgegnete ich, ohne zu wissen, mit wem ich eigentlich spreche. »Nicht mehr allzu lange!« Und weg war wieder diese vertraute Stimme, die ich doch hier in meiner elendigsten Stunde zum ersten Mal hörte. Ich hörte mit einem mal auf zu weinen, und lauschte mit meinen ganzen Sinnen noch einmal in die Richtung, von der diese aufmunternden Worte kamen. Und dort, wo ich mich hinfühlte, war Liebe zu spüren.

 

Auch wenn Sie das Göttliche in jedem Menschen erkennen, lassen Sie die Realität nicht außer Acht.

 

Zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich bedingungslose Liebe spüren. Ich lechzte nach ihr und spürte mich immer mehr in diese feine Wolke mit der vertrauten Stimme hinein. Doch so wie es mit Wolken am Himmel ist, ist es auch mit den feinstofflichen Wolken, sie lösen sich auf. Doch sie hatte mir etwas da gelassen. Erstens, das Wissen, dass meine akute Situation ein Ende haben wird. Zweitens, dass es bedingungslose Liebe gibt. Und Drittens, dass es einen Strohhalm gibt, an dem ich mich festhalten kann. Dieser Strohhalm bestand nicht aus einem Plan, nur aus einem Wissen, das ich tief in mir spürte, dass ich nicht alleine bin. Auch wenn ich nun einen feinstofflichen Helfer hatte, brauchte ich doch auch menschliche Hilfe, um meine Situation zu wenden. Und als ich hiermit begriffen hatte, dass ich einen freien Willen habe, für mich selbst auch die Verantwortung übernehmen kann und darf, stellte sich auch menschliche Hilfe ein. Die Ironie dabei war, dass ich für andere die Verantwortung über Denken und Handeln schon längst übernommen hatte, nur für mich selbst nie bis nur ganz selten. Die liebvollen und bestimmenden Sätze meiner damaligen Arbeitskollegin und heutigen Freundin, fingen an bei mir zu fruchten: »Wenn irgendwas ist Angélique, ruf mich an, egal wann!« Auch mein Hausarzt, der sonst nur drei Minuten für Gespräche aufwand, sah mich an, und sagte: »Junges Fräulein, stellen sie sich mal auf die Körperwaage. Und wie sieht es eigentlich mit ihrem Rücken aus? Ich schick sie auf Kur, auf Reha.« Da waren sie meine Helfer! Meine Engel ohne Flügel.

 

Das Kreuz mit dem Kreuz

 

Damit ich aus allen Klauen entkommen konnte, kam ich nicht darum herum, viele Dinge im Verborgenen zu tun. Meine Wohnung zu kündigen, meinem Hund zu kündigen, meiner Arbeitsstätte zu kündigen und – was ganz wichtig war – meinem Freund zu kündigen. So saß ich schon kurz darauf in einem wunderbaren Sommer im Jahre 2003 auf meinem kleinen Balkon in der Rehaklinik. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Verstand allerdings riesige Angst davor, wieder rückfällig zu werden. Wovor? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, mag das Gewohnte auch noch so schrecklich sein. »JETZT ist es vorbei, jetzt bist du in der Freiheit!« Da war sie wieder, die wohl bekannte Stimme, die ich seit dem letzten Mal, vor zwei Jahren, nicht mehr gehört hatte. Wie eine neue Münze glänzte ich. Es war Zeit, mit mir selbst einen Pakt abzuschließen: Nie mehr rückfällig werden, und immer meinen wahren/echten Wert leben. Richtig genutzt sind Kuraufenthalte ein wahrer Segen. Zum ersten Mal, und das wirklich zum ersten Mal, konnte ich meinem eigenen Rhythmus folgen. Ich ging schlafen, wann ich wollte, ich aß, was ich wollte, ich ging die Wege, die ich wollte, und waren sie auch absichtliche Umwege. Nichts und niemand mehr konnte mich jetzt, am Ende meines Kuraufenthaltes, von meinem selbstbestimmten und lebenswerten Leben aufhalten.

 

Verloren gehen kann die Seele mit ihren Wünschen nicht, aber sie kann komplett unterdrückt werden.

 

Auch die Schmerzen in meinem Kreuz waren durch die wunderbaren Therapien weg, und ich hatte ganz unbeabsichtigt auch noch drei Kilo zugenommen, die mir ganz gut standen. Innerhalb der darauf folgenden fünf Jahre gönnte ich mir noch kleine Therapien wie Moorpackungen, Fango, Strombehandlungen und Massagen. Wie soll es nun weiter gehen? Schließlich fehlten mir die grundsätzlichen Lebensbedingungen wie Heim und Arbeit. Doch große Sorgen machte ich mir in meiner letzten Kurwoche darüber nicht. Denn, seit meinem Zusammenbruch auf der Toilette ist ein Keim namens Urvertrauen in mir gewachsen und ist ein stattlicher und stabiler Baum geworden. So war es dann auch, als mich mein Verstand ängstlich nach einem Zuhause und nach einer Arbeitsstätte fragte, konnte nicht die Angst und nicht mein Verstand über mich bestimmen und über mich handhaben. Ich wusste, dass alles gut werden wird, so wie es mir die Stimme gesagt hatte und mein neu entdecktes Urvertrauen machte mich optimistisch. Und als ich am drittletzten Tag meines Reha-Aufenthaltes mit einer Vertrauensperson in einer Telefonzelle telefonierte, und ihr erzählte, dass ich noch keine Wohnung, aber bereits eine neue Arbeit gefunden hatte, hängte ich den Hörer wieder ein, setzte meine Sonnenbrille auf, und öffnete die Telefonzellentüre Richtung Sonne und in Richtung meiner neuen Wohnung. »Entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht belauschen, aber meine Bekannten suchen gerade einen neuen Mieter für eine Wohnung hier ganz in der Nähe.«, erklärte mir der ungewollte Zuhörer.
Tatata!
Genau so tief wie ich spürte, dass im Fluss des Lebens einem alles zu fallen wird, stand dieser Mensch mit seiner Botschaft vor mir. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 55

 

Dieser Artikel ist auch als PDF erhältlich:

Angélique Reichenberger TV55 (PDF)

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 26: Dr. med. Raimar Banis – Macht Glaube gesund?

TV 26: Gisela Belloff – Die Lehre von der Seele.
Von der Psychologie zur Spiritualität

TV 36: Dr. Helmut Zander – Seelenwanderung. Ein weltweites Phänomen

TV 40: Sirtaro Bruno Hahn – Imagami. Seelenbilder der Natur

TV 43: Prof. Dr. Johannes Heinrichs – Der Geist als Widersacher der Seele

TV 46/ 47: Dr. Alfred Messmann – Die Magie der Krankheit. Christa Wolf

 

Bildnachweis: © adpic, thinkstockphoto

 

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