Tattva Viveka Magazin
 

Der Islam – Eine unbekannte Religion

Der Islam ist nach dem Christentum die zweitgrößte Weltreligion. Sie soll im frühen 7. Jahrhundert n. Chr. von Mohammed in Arabien gestiftet worden sein. Das arabische Wort »Islam« bedeutet »sich ergeben« oder »sich hingeben« an Gott. Der Islam fußt auf den Schriften des Koran. Dieser ist nach islamischem Glauben die »Rede Gottes«, die Mohammed den Menschen offenbarte. Darüber hinaus geben die Hadithe (arabisch: Erzählungen) zur Sunna (arabisch: Handlungsweise) Mohammeds weitere Anweisungen für die Anhänger des Islam. Die Scharia umfasst alle Normen, die sich aus diesen Texten ergeben. Eine besondere Strömung des Islam ist der Sufismus, der den mystischen Teil der Religion darstellt.

In unserer Ausgabe »Die Schönheit des Islam« stellen wir die in der westlichen Welt kaum tiefgründig gekannte und noch weniger verstandene Religion des Islam vor. In den einzelnen Artikeln wird deutlich, dass es im Islam vor allem um Liebe, Mitgefühl, Wahrheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Barmherzigkeit geht und darum, eine lebendige Beziehung zum Schöpfer (arabisch: Allah) zu bewahren sowie dessen Schöpfung hingegeben zu dienen.

Heilwissen aus dem Orient

Die altorientalische Musiktherapie integriert das Heilwissen und die traditionellen Instrumente des Orients, um den Patienten wieder in seine eigene Schwingung zu versetzen.

Der Weg der Mitte

Die muslimische Religionspädagogin spricht über die Frau im Islam, das Kopftuch, die Barmherzigkeit, die Gleichheit der Geschlechter und das Paradies.

Ihr Geliebter ist Gott

Für die Sufis entspringen alle Religionen einer gemeinsamen Quelle. Das Verbindende ist die göttliche Wahrheit, die zu Gottes- und Selbsterkenntnis führt.

Barmherzigkeit im Islam

Barmherzigkeit ist eine Wesenseigenschaft Gottes, unabhängig vom Menschen, und doch ist sie existenziell für die Beziehung zwischen Gott und Mensch im Islam.

Mystische Freiheit

Gespräch mit dem Sheikh und Oberhaupt der Naqshbandi Rashidiya über die Tradition des Sufismus, seine Mystik und seine Verbindung zum Islam.

Die Islamdebatte braucht mehr Spiritualität

In der Islamdebatte wird zumeist ein negatives Bild des Islams gezeichnet, obwohl der spirituelle Kern dieser Religion Friede im Innen und Außen anstrebt.

Sonne, Mond und Schleier

Die christliche Autorin stellt Inhalte des Islam vor, die vielen unbekannt sind. Man staunt, wie tief und schön die muslimische Botschaft ist.

Der spirituelle Weg islamischer Mystik

Die Mystik der Sufis spricht von sieben Tälern, die Stufen des Erwachens sind. Diese Täler sind Symbole für Stufen des Entwerdens.

Viele Flüsse, ein Meer.

Über die gemeinsamen Ansichten von drei Weltreligionen, über Missverständnisse, Vorurteile und deren Auflösung.

Der Islam in Deutschland

Aktuell leben etwa 5,5 Millionen Muslime in Deutschland. Der Islam fand hierzulande vor allem aufgrund von Einwanderung aus Vorderasien (inklusive der Türkei), dem Balkan und Nordafrika eine größere Verbreitung. Viele der heute in Deutschland ansässigen Muslime haben einen türkischen Migrationshintergrund. Dies kann auf die Anwerbung von Gastarbeitern in den 1960er- und 1970er-Jahren zurückgeführt werden. Weitere muslimische Einwanderer kamen beispielsweise aus Albanien, dem Kosovo, dem Irak und Iran, Afghanistan, Pakistan und Tunesien. Ein großer Teil der Muslime in Deutschland gehört den Aleviten an, die eine relativ eigenständige Religionsgemeinschaft sind, die aus dem Islam hervorgegangen ist. Gemeinsam mit den Sunniten und den Schiiten bilden sie die drei größten Glaubensgemeinschaften innerhalb des Islam in Deutschland.

Ob der Islam mittlerweile zu Deutschland gehört oder nicht, wird immer wieder diskutiert. Denn oftmals sehen sich Muslime mit Ablehnung konfrontiert, wenn sie ihre Bedürfnisse, wie den Bau von Moscheen, umsetzen wollen. In ihrem Artikel »Die Islamdebatte braucht mehr Spiritualität. Warum wir den Islam kennenlernen sollten« fordert unsere Autorin Khola Maryam Hübsch daher, mehr den Kern des Islam, den Frieden im Innen und Außen, hervorzuheben.

Der Islam – Eine unbekannte Religion

Der Islam – Eine unbekannte Religion

Welche Werte vermittelt der Islam?

Die Werte des Islam leiten sich aus der Scharia ab, die sich aus den Hadithen und dem Koran ergibt. Demnach sind Gleichheit und Brüderlichkeit anzustreben. Darüber hinaus sollten Muslime Gutes tun, selbstlos, geduldig, freundlich und hilfsbereit sein und weder schlecht über andere sprechen noch schlecht über sie denken. Ein solches Verhalten verspricht den Muslimen den Zugang zum Paradies. Weitere geschätzte Werte sind Bildung, sowohl in Form von religiösem Wissen als auch Bildung in anderen nützlichen Disziplinen, die Achtung gegenüber Frauen, die Ablehnung von Gewalt und der Tier- und Umweltschutz.

In religiöser Hinsicht werden fünf Hauptpflichten oder Säulen genannt: das islamische Glaubensbekenntnis (Schahada), das Pflichtgebet (Salat), die Almosengabe (Zakat), das Fasten im Monat Ramadan (Saum) sowie die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch). In ihrem Interview »Der Weg der Mitte. Theologie und Praxis im Islam« gibt Gönül Yerli uns weitere Einblicke sowohl in die theologischen Aspekte dieser Religion als auch in aktuelle Fragestellungen zum Beispiel zur Stellung der Frau, zu Gebet und Fasten.

Der Islam und seine Entstehung

Der Geschichte zufolge begann die Entstehung des Islam mit einem Berufungserlebnis Mohammeds. Der Engel Gabriel soll dem späteren Propheten am Berg Hira, in der Nähe von Mekka, aufgetragen haben, seine empfangenen Botschaften zu verkünden. Mohammed tat wie ihm aufgetragen wurde und verbreitete die neue Religion zunächst unter seinen Familienangehörigen. Erst später predigte er auch öffentlich die Lehre des Islam. Bald darauf suchte er sich weitere Verbündete und siedelte in das heutige Medina um. Die dort ansässigen Anhänger des Judentums wurden infolge zahlreicher Konflikte entweder vertrieben oder getötet. Bis zu seinem Tod im Juni 632 konnte Mohammed die meisten Stämme der arabischen Halbinsel dem Islam unterwerfen. Mit der islamischen Expansion in der Mitte des 7. Jahrhunderts gerieten der Irak, Syrien, Palästina, Ägypten und große Teile des Irans unter die Herrschaft des Islam. Die dort wohnenden Christen und Juden durften ihre Religion zunächst weiter ausüben, sahen sich später jedoch mit Einschränkungen im gesellschaftlichen Leben konfrontiert. In den folgenden Jahren und Jahrhunderten verbreitete sich der Islam vor allem durch Händler in Ost- und Westafrika, ab dem Spätmittelalter auch in Südosteuropa. Mit dem Rückzug des Osmanischen Reichs aus Europa sowie dem Krimkrieg 1856 und dem Russisch-Türkischen Krieg (1877–1878) wanderten zahlreiche Muslime jedoch aus Südosteuropa aus. Im 20. und 21. Jahrhundert rückt nunmehr, mit der erneuten Zuwanderung von Muslimen, die Integration des Islam in Europa in den Blick. Der Begriff »Euro-Islam« bezeichnet eine Form des Islam, die es den in Europa lebenden Muslimen ermöglichen soll, Pflichten und Prinzipien des Islam mit europäischen Werten und der hiesigen Kultur zu vereinbaren. Mehr zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Islam, Christentum und Judentum erfährst du im Artikel »Sonne, Mond und Schleier. Der Islam von Mohammed bis Rumi« von unserer Autorin Gabriele Quinque.

Wer war Mohammed?

Mohammed wurde um 570 n. Chr. in der arabischen Stadt Mekka geboren und starb 632 in Medina. Er gilt als Religionsstifter des Islam und wird als Prophet und »Gesandter Gottes« angesehen. Nach einer Kindheit in einem instabilen familiären Umfeld und Jahren als Schafhirte heiratete Mohammed seine erste, aus angesehenen Kreisen stammende Ehefrau, die ihm zu finanzieller Unabhängigkeit und sozialer Sicherheit verhalf. Mit vierzig Jahren soll ihm der Engel Gabriel die Botschaft Gottes offenbart haben. Fortan war er der Prophet dieser neuen Religion. Seine Frau war die Erste, die an seine Botschaft glaubte, und gilt daher als die erste Muslimin in Mekka. Mit zunehmender Verbreitung seiner gottgegebenen Lehre und seiner Kritik an der herrschenden quraischen Glaubensrichtung sahen sich Mohammed und seine Anhänger jedoch vermehrten Angriffen ausgesetzt, die schließlich zu seiner Umsiedelung nach Medina führten (arabisch: Hidschra). Dort predigte er weiter und baute die wahrscheinlich erste Moschee des Islam. Mohammed hatte zu Lebzeiten nicht nur die Rolle des Predigers inne, sondern fungierte auch als Schiedsrichter sowie als sozialer Organisator und war in der Politik und als Feldherr aktiv. Eine unerwartete Erkrankung führte zu seinem plötzlichen Tod am 8. Juni 632.

Was ist der Sufismus?

Unter dem Begriff des Sufismus werden Strömungen innerhalb des Islam zusammengefasst, die sich an Askese und Spiritualität orientieren. Oft wird in diesem Zusammenhang auch das Wort Mystik verwendet. Zunächst gehörte dem Sufismus lediglich eine kleine Gruppe von Asketen im heutigen Irak an. Ab dem 10. Jahrhundert verbreitete sich dann der spirituelle Weg der Sufis. Später kamen Sufi-Orden dazu. Die Sufis heben hervor, dass es diese Tradition zwar schon lange gegeben hat, dass sie jedoch erst mit dem Propheten Mohammed so richtig zur Blüte gekommen ist. Gleichzeitig werden auch die metaphysischen Instrumente des Islam zur geistigen und seelischen Entwicklung sehr gelobt. Kern des Sufismus ist die innere Ausrichtung des Herzens auf Gott und die Eliminierung des Egos.

Was ist die islamische Pilgerfahrt nach Mekka?

Die islamische Pilgerfahrt nach Mekka, der Hadsch, ist eine der fünf Säulen des Islam und kann zu bestimmten Zeiten im Jahr ausgeführt werden. Jeder gläubige Muslim, der die notwendigen finanziellen Mittel und den erforderlichen Gesundheitszustand hat, wird dazu angehalten, diese Pilgerfahrt wenigstens einmal im Leben durchzuführen. Dabei wird die Wallfahrt zwischen Mekka und der 20 Kilometer entfernten Arafat-Ebene vollzogen. Zur Pilgerfahrt gehören das symbolische Steinigen des Teufels und das Opferfest Idu l-Adha, das gleichzeitig den höchsten islamischen Feiertag darstellt. Dieser religiöse Tag wird auch von allen anderen Muslimen, die sich nicht auf der Pilgerfahrt befinden, begangen. Die Pilgerfahrt wird mit dem Umschreiten der Kaaba in Mekka vollendet.

Was ist der Koran für die Muslime?

Ähnlich wie es die Bibel für die Christen ist, ist der Koran das heilige Buch der Muslime. Es heißt, dass es das Wort Gottes enthält. Der Koran beinhaltet die Geschichte der Schöpfung der Welt, berichtet über die Propheten des Islam und gibt konkrete Handlungsanweisungen. Mohammed empfing den Koran mündlich von Erzengel Gabriel. Erst nach Mohammeds Tod entstand die schriftliche Fassung des Koran.

Die heilige Schrift des Koran ist in 114 Suren mit unterschiedlicher Verslänge verfasst. Sie enthalten die Grundlage des islamischen Gesetzes (arabisch: Scharia). Viele Verse stehen in Verbindung mit den aktuellen Geschehnissen der damaligen Zeit und Gesellschaft. Andere wiederum sprechen von den Propheten (Adam, Abraham, Noah, Josef, Moses und Jesus). Außerdem enthält der Koran auch Vorschriften und Glaubensgrundsätze. Dabei richtet sich der Koran an alle Menschen, auch an die Anhänger anderer Religionen.

Was ist die Lehre des Sufismus?

Ähnlich wie in der Hauptreligion des Islam können die Sufi-Orden in sunnitische und schiitische Gruppen eingeteilt werden. Daneben gibt es jedoch auch Orden, die weder der einen noch der anderen Richtung zugeordnet werden können. Diese können als eine weitere Kategorie des muslimischen Glaubens angesehen werden, dies ist der sogenannte »universelle Sufismus«. Die Sufis lehren einen viergliedrigen Weg:

  1.   Das Auslöschen der sinnlichen Wahrnehmung
  2.   Die Aufgabe des Verhaftetseins an individuelle Eigenschaften
  3.   Das Sterben des Egos
  4.   Die Auflösung in das göttliche Prinzip

Ziel der Sufis ist es, das eigene Ego und die eigenen Wünsche zu eliminieren und dadurch Gott so nah wie möglich zu kommen. Gott wird als der »Geliebte« betrachtet, sodass die Beziehung zwischen dem Sufi (dem Liebenden) und Gott (dem Geliebten) die Essenz des Sufismus darstellt. Die mystische Gotteserfahrung wird als ein Zustand der Vereinigung mit Gott erfahren (die »unio mystica«) und bereits in diesem Leben, und nicht erst im Jenseits, angestrebt.

Was ist die Kaaba?

Die Kaaba ist das zentrale Heiligtum des Islam. Es handelt sich hierbei um ein würfelartiges Gebäude im Inneren der Heiligen Moschee im saudi-arabischen Mekka. Im Osten des Gebäudes ist der sogenannte „schwarze Stein« angebracht. Bei der Pilgerfahrt wird die Kaaba von hier aus sieben Mal gegen den Uhrzeigersinn umrundet. Dabei preisen die Pilger Allah (arabisch für Gott). Der islamische Glaube sieht es auch vor, dass Muslime sich beim Beten zur Kaaba, das heißt in Richtung Mekka, ausrichten. Laut Islam wurde die Kaaba von Adam errichtet und, nach ihrem Verfall zu einer Ruine, von Abraham und seinem Sohn Ismael nach Gottes Anweisung als Pilgerstätte erneut aufgebaut.

Text: Stefanie Aue

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