Ihr Geliebter ist Gott

Ihr Geliebter ist Gott

Die universelle Botschaft der Sufis

Autor: Pir Zia Inayat-Khan
Kategorie: Islam/Sufismus
Ausgabe Nr: 85

Pir Zia Inayat-Khan ist das geistige Oberhaupt der Sufi-Bewegung »Inayatiyya«, die von Hazrat Inayat Khan (1882–1927) gegründet wurde. Im ersten Artikel sind die grundlegenden Ziele der Sufi-Lehre von Hazrat Inayat Khan zusammengefasst. Kernpunkt der Sufi-Botschaft sind die Wertschätzung der Lehren der verschiedenen Weltreligionen und die Sicht auf das Verbindende, auf die eine und einzige Quelle der göttlichen Wahrheit, aus der alle religiösen Lehren hervorgehen. In diesem Sinn findet sich in Pir Zias Buch »Mingled Waters«, das die Essenz der verschiedenen Religionen beschreibt, auch ein Kapitel über die fünf Säulen des Islam. Der zweite Artikel wurde diesem Kapitel entnommen.

Die Sufi-Botschaft von Hazrat Inayat Khan

Die Botschaft von Hazrat Inayat Khan richtet sich nicht an eine Nation, ethnische Gruppe oder Gemeinschaft, sondern an die gesamte Menschheit. Ihr einziger Zweck besteht darin, ein besseres Verständnis zwischen den Menschen herbeizuführen, die allzu häufig in verschiedene Lager gespalten sind. Sie will das Bewusstsein der Menschen für die Tatsache wecken, dass die Menschheit eine Familie ist. Wenn eine Person in der Familie krank oder unglücklich ist, wird dies sicherlich die ganze Familie unglücklich machen. Ein anderer Vergleich passt noch besser: Die Menschheit ist ein Körper, das ganze Leben ist eins in seiner Quelle und in seinem Ziel, seinem Anfang und seinem Ende. Kein Wissenschaftler wird dies bestreiten. Und wenn ein Teil des Körpers Schmerzen hat, ist früher oder später der ganze Körper betroffen. Wenn unsere Finger schmerzen, ist unser Körper nicht schmerzfrei. Daher kann keine Nation, ethnische Gruppe oder Gemeinschaft als ein separater Teil der Menschheit betrachtet werden.

Die Sufi-Botschaft ist daher nicht für Menschen bestimmter Hautfarbe, Nationalität oder Glau-benszugehörigkeit bestimmt. Sie ist ein Aufruf an alle, sich in Weisheit zu vereinen.

Sufi-Bewegung ist eine Gruppe von Menschen, die verschiedenen Religionen angehören, die ihre Religion nicht verlassen, sondern gelernt haben, sie besser zu verstehen, und deren Leben erfüllt ist von der Liebe zu Gott und zur Menschheit und nicht nur zu einem einzelnen Teil davon. Die Sufi-Bewegung ruft die Menschen nicht von ihrem Glauben oder ihrer Kirche weg, sondern ruft sie auf, ihren Glauben zu leben. Kurz gesagt, sie ist eine Bewegung, die von Gott beauftragt ist, die Menschheit in Geschwisterlichkeit und Weisheit zu vereinen.

Die heutige Sufi-Bewegung ist eine Bewegung von Mitgliedern verschiedener Nationen und ethnischer Gruppierungen, die im Ideal der Weisheit vereint sind. Sie glauben, dass Weisheit nicht einer bestimmten Religion oder Hautfarbe eigen ist, sondern der ganzen Menschheit. Sie ist ein göttliches Gut, das die Menschheit geerbt hat, und in dieser Erkenntnis vereinen sich die Sufis trotz ihrer Zugehörigkeit zu verschiedenen Nationalitäten, Ethnien und Glaubensrichtungen und arbeiten, dem Ideal der Weisheit folgend, für Humanität.

Die Tragödie im Leben liegt im Mangel an Reinheit. Und da Reinheit eigentlich bedeutet, natürlich zu sein, bedeutet die Abwesenheit von Reinheit, weit von der Natürlichkeit entfernt zu sein.

Reines Wasser heißt, dass keine Substanz mit ihm vermischt ist; mit anderen Worten, es ist in seinem natürlichen Zustand. Sufismus ist also der Prozess, das Leben natürlich zu machen. Man kann diesen Prozess als Religion, Philosophie, Wissenschaft oder Mystik bezeichnen. Alle Glaubenslehren, die zu verschiedenen Zeiten auf dieser Welt entstanden sind, enthalten diesen Reinigungsprozess in Form religiöser Leitlinien. Dieser Weg ist also nicht neu. Es ist derselbe alte Weg, den die Weisen aller Zeitalter beschritten haben. Wenn etwas Neues darin enthalten ist, dann ist es die Form, in der die Botschaft dargeboten wird. Diese Form muss an die jeweilige Zeit und die Lebensumstände der Menschen auf der Welt angepasst sein.

Kuppel einer Moschee in Isfahan, Iran

Man könnte vielleicht denken, dass Spiritualität bedeutet, dass wir etwas lernen müssen, was wir vorher nicht wussten, dass wir außergewöhnlich gut werden müssen oder einige ungewöhnliche Kräfte erwerben oder Erfahrungen übernatürlicher Art machen müssen. Nichts von all diesen Dingen verspricht der Sufismus, obwohl den Sufis auf ihrem Weg nichts zu wunderbar ist. All diese Dinge und noch mehr sind in ihrer Reichweite; doch das ist nicht das Ziel der Sufis.

Wenn wir den Entwicklungsweg im Sufismus gehen, erkennen wir unsere eigene Natur, unsere wahre Natur.

Dadurch erkennen wir die menschliche Natur an sich, und durch das Studium der menschlichen Natur erkennen wir die Natur des Lebens im Allgemeinen.

Möchten Sie wissen, wie der Sufismus und die Selbstverwirklichung zusammen-hängen? Das können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Glaubensbekenntnis und Gebet im Islam

Zeugnis ablegen

Gedenkt Meiner und Ich werde euer gedenken

Schon die polytheistischen Mekkaner in vorislamischen Zeiten erkannten die Existenz eines Höchsten Gottes an, bekannt unter dem Namen »Allah«. Allah erschien ihnen jedoch so entfernt und unnahbar, als hätte er keine Bedeutung für ihr Leben. Sie nahmen daher Zuflucht zum Pantheon der Halbgötter, deren Abbilder sie in Figuren aus Holz und Stein verehrten.

Als Mohammed seine Botschaft verkündete, vertrieb er die Glaubensvorstellungen der Mekkaner. Gott ist weder fern noch gleichgültig.

Gott ist außen und innen der All-Gnädige und All-Barmherzige.

Von »Göttern« zu sprechen und sie zu verehren, heißt, die Einheit des Einen zu verschleiern. Gott ist grenzenlos, und was keine Grenze hat, kann nicht vielfach sein. Hätte es im Himmel und auf Erden irgendwelche anderen Gottheiten als Gott gegeben, wären sowohl Himmel als auch Erde sicherlich ins Verderben gesunken!

Die Überzeugung von Gottes Einheit entwickelt sich in drei Stufen. Zuerst ist das Glaubensbekenntnis kaum mehr als eine Formalität. Die Zunge bekennt Gottes Einheit, aber das Herz ist abgelenkt und nicht beteiligt. Gott ist nur ein Wort, kaum ausgesprochen und schon wieder vergessen.

Wenn Gläubige wünschen, Gott zu kennen, und sich auf den Weg machen, wird ein wahrhaftigerer Glaube geboren. Die Gläubigen müssen sich fortgesetzt erinnern: Es gibt keine Gottheit außer GOTT. (47:19) Diese Worte sind im Sinne der Aussage zu verstehen: »Es gibt kein Objekt der Verehrung außer Gott.«

Auf der ersten Stufe des Glaubens neigen die Gläubigen dazu, sich Gott als einen machtvollen Beistand zu denken. Wie Geschädigte die Vertretung durch einen fähigen Rechtsanwalt suchen, wenden sich Gläubige Gott zu, wenn sie ein Missgeschick zu bewältigen haben. Sobald jedoch das Missgeschick überwunden und die Stabilität der Umstände wiederhergestellt ist, fallen sie zurück in die Vergesslichkeit.

Mit welcher Geisteshaltung und durch welche Handlungen sich die Sufi-Bewegung auszeichnet, finden Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Gebet

Ich habe die unsichtbaren Wesen und Menschen zu keinem anderen Zweck erschaffen, als dass sie mich anbeten mögen. (Koran 51:56)

In der Nacht der Nachtreise und des Aufstiegs des Botschafters Mohammed in den Himmel trug Gott dem Botschafter und seiner Gemeinschaft vor einem glanzvollen Publikum in den höchsten Himmeln auf, täglich 50 Gebete zu sprechen. Als der Botschafter wieder auf die Erde hinabstieg, begegnete er Moses, dem Sprecher. Als der Sprecher von den 50 Gebeten hörte, sagte er: »Gebet ist eine schwierige Sache, und deine Leute sind schwach, so geh zurück zum Herrn und bitte ihn, die Anzahl der Gebete für dich und deine Gemeinschaft zu senken.« Da kehrte der Botschafter zu Gott zurück, und Gott senkte die Zahl auf zehn. Aber dem Sprecher war immer noch unbehaglich, und so erbat der Botschafter eine weitere Senkung. Diese ging so weiter, bis die Zahl der Gebete auf fünf reduziert war. Der Sprecher schlug vor, die Zahl noch weiter zu senken, aber der Botschafter war nicht gewillt, die Angelegenheit noch länger zu forcieren. Bezüglich der fünf sagte der Botschafter zu seinen Leuten: »Wer von euch sie im Glauben und Vertrauen ausführt, wird die Belohnung von 50 Gebeten erhalten.«

Moschee Jameh Masjid in Kerman, Iran

Jedes der fünf Gebete des Tages steht in Verbindung mit einem heiligen Ereignis im Leben der Propheten. Adam, der Reine, betete das Gebet der Morgendämmerung am Ende seiner ersten Nacht auf der Erde. Abraham, der Freund, betete das Mittagsgebet, als ihm befohlen wurde, seinen Sohn zu opfern. Jonah betete das Nachmittagsgebet, während er im Bauch des Wals war. Jesus, der Geist Gottes, betete das Abendgebet, als er die Einheit Gottes verkündete. Moses, der Sprecher, betete das Nachtgebet in einer vom Sturm geschüttelten Nacht in der Wüste, während seine Frau die Geburtswehen erlitt und Wölfe seine Herden angriffen.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr darüber was es heißt ein Gebet in Glauben und Vertrauen auszuführen.

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Über den Autor

Unser Autor Pir Inayat Khan

Pir Zia Inayat-Khan ist ein Lehrer des Sufismus in der Tradition seines Großvaters Hazrat Inayat Khan (1882–1927) und seines Vaters Pir Vilayat Inayat Khan (1916–2004). Er ist Präsident der Inayatiyya (www.inayatiyya.de) und Gründer der Suluk Akademie, einer Schule für kontemplative Studien, sowie Buchautor. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Richmond, Virginia.

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