Sonne, Mond und Schleier

Sonne, Mond und Schleier

Der Islam von Mohammed bis Rumi

Autor: Gabriele Quinque
Kategorie: Islam / Sufismus
Ausgabe Nr: 85

Die Diskussionen um den Islam drehen sich zumeist um Oberflächlichkeiten und äußere Aspekte. Wenige setzen sich mit den tatsächlichen Inhalten der dritten großen monotheistischen Religion auseinander. Doch die, die es tun, enthüllen die Tiefe und Schönheit der muslimischen Botschaft, erzählen von einer einzigartigen Hingabe an Gott, erkennen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Judentum und Christentum und spüren den starken Wunsch des Islam, das Leben in den Dienst Gottes zu stellen.

Unsere Betrachtung unter dem Banner des Islam soll sich weder über Burka-Variationen auslassen noch den verbreiteten Ängsten Folge leisten. Ich bin ganz sicher kein Islam-Fachmann, davon gibt es in den Medien genug, die sich zu Worte melden. Was allerdings in der Berichterstattung fehlt, ist, einmal inhaltlich hinzuschauen, anstatt ständig über Formen zu streiten. Es wird uns hier mehr am Herzen liegen, die Kerngedanken und sogar die Schönheit dieser Religion anzuschauen, unabhängig von allen Missverständnissen – und dies ganz ohne Missionsauftrag. Ich bin Christin und nicht Muslima, dennoch esse ich gern Falafel! Aus der Tradition, zu der ich von ganzem Herzen gehöre, weiß ich mich zur Toleranz allen Religionen gegenüber verpflichtet. Um Toleranz wirklich leben zu können, bedarf es einiger Kenntnisse.

Der Schriftzug Allah stellt Gott in männlicher und weiblicher Form dar.

Das Wort Islam heißt Hingabe an Allah, Ergebung in den Willen Gottes. Der Prophet Mohammed wurde 570 in Mekka geboren und starb 632 in Medina. Er gilt als Stifter des Islam, weil er den Koran als Wort Allahs an die Menschen von dem Erzengel Gabriel auf dem Berg Hirã erhalten hat. Als Siegel aller Propheten wird Mohammed bezeichnet, da ihm nach muslimischer Auffassung der Allmächtige die letztgültige Weisung der seit Adam bestehenden Vater-Religion zukommen ließ

Die Anhänger des Islam nennen sich Muslime, das heißt die sich Gott Unterwerfenden, abgeleitet von Islam.

Was unterscheidet den Islam von den anderen beiden großen monotheistischen Religionen? Antworten hierfür finden Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Das Gottesbild im Islam

La ilah illa allah

Es gibt keinen Gott außer dem Allmächtigen

 

In dieser Formel begegnen wir im Islam einem noch strengeren Monotheismus, als er im Judentum gepflegt wird. Auch im jüdischen Kontext ist Gott vollständig bildlos geblieben, Mose erblickt auf dem Sinai den Glanz des Allmächtigen, er sieht weder seine Gestalt noch sein Antlitz. Mohammed griff im 7. Jh. nach Christus die jüdische Idee von dem unteilbaren Gott wieder auf. Muslime versuchen, die Christen zu belehren, indem sie behaupten, Gott sei eben nicht dreifältig, sondern bliebe in aller Ewigkeit seine eigene Einheit. Zwar sei die Welt seine Schöpfung, aber er selbst manifestiere sich nicht. Man besteht im Islam auf dem Gottesbild jenseits aller Form, also auf dem metaphysischen Gott. Für den Islam erhebt sich der Mond zu einem Kultsymbol, bleibt jedoch vollends verborgen in einem geheimnisvollen Schleier. Im Christentum verehrt man den Sonnenlogos und demonstriert dies mit der Monstranz, die in solemner Weise in der Liturgie dargestellt wird. Es existiert noch ein weiterer wesentlicher Unterschied des Islam zum Christentum: Die Muslime erblicken in Jesus lediglich einen Propheten, einen Gesandten, nicht aber den Sohn Gottes, und schon gar nicht die Inkarnation des Idioms, also die Fleischwerdung des Wortes, des Logos. Der Moslem sieht ein Sakrileg darin, zu verkünden, Gott sei als Sohn eines Zimmermannes in Nazareth zur Welt gekommen. Dies rückt für ihn den All-Einen aus seiner überirdischen Hoheit. Ist dieser doch unübertrefflich in seinem Sein, in allem und jeglichem. Die Vorstellung einer irdischen Geburt der Gottheit leugnet für die Muslime den Nimbus ausschließlicher Heiligkeit Allahs. Der christliche Aspekt des Neuen Bundes, die Versöhnung zwischen Mensch und Gott, wird von ihnen nicht wertgeschätzt. Die Muslime gehen hier konform mit den Juden und deren Schriftgelehrten bis hin zu Saulus, der diese Idee der Sohnschaft Gottes vollständig negierte und erst nach seiner Christus-Erscheinung in Damaskus zu Paulus wurde und ganz in der Menschwerdung Gottes aufging. Diese Darstellung ist nicht ganz neu, auch der hinduistische Krishna und der ägyptische Osiris wandelten als Gottheit über die Erde.

Das ganz Neue am Christentum aber ist die anzustrebende Ebenbürtigkeit von Mensch und Gott. Und eben eine solche Option gilt dem Moslem als unverzeihliches Sakrileg.

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Sufismus – die esoterische Strömung des Islam

Das Sufi-Symbol des geflügelten Herzens gleicht jenem der geflügelten Sonne westlicher Mystik, das sich aus vergangenen ägyptischen und persischen Mysterien herleitet.

Fällen geht es um die sprichwörtliche Erhebung der Herzen. Der persische Dichter Dschalal ad-Din Muhammad Rumi (1207–1273) aus Chorasan hinterließ eine umfangreiche Sammlung poetisch-sufistischer Lyrik. Daraus rekrutierte die esoterische Strömung des Islam. Allein sein Werk Diwan beinhaltet ca. 25.000 Verse. Rumis Kernaussage besteht in der umfassenden Liebe, für die er viele Gleichnisse anführt. Rumi preist sinnbildlich dafür die Sonne. Da der Islam dem Rhythmus und der Unterscheidungskraft des Mondes folgt, stellt sich der Sufismus als solare Ausdrucksform ergänzend an seine Seite, stößt allerdings auf Widerstand vonseiten der Imãme, der Prediger.

Lesen Sie die erste und zweite Sure, um den Tenor des Koran zu erkennen. Achten Sie auf den möglichen Widerspruch, der bei solchen Menschen zu unüberbrückbaren Konsequenzen führen muss, die in keiner Religion den Gleichnischarakter erfassen und den Text konkret auslegen. Ein solches Unvermögen sucht bisweilen auch das Christentum heim, es zeigte sich aber nur im Mittelalter in radikaler Konsequenz. Für die Muslime ist die Gottheit rein metaphysisch, aber schon hier in der ersten Sure greift sie in das Persönliche im menschlichen Handeln ein. Diese große Unvereinbarkeit findet keine Thematisierung vonseiten der Gläubigen.

 

1. Sure, Die Öffnung

  1. (Bismillah) Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen!

  2. Alles Lob gebührt Allah, dem Herrn der Welten

  3. dem Allerbarmer, dem Barmherzigen

  4. dem Herrscher am Tage des Gerichts!

  5. Dir allein dienen wir, und Dich allein bitten wir um Hilfe.

  6. Führe uns den geraden Weg

  7. den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, nicht den Weg derer, die Deinen Zorn erregt haben, und nicht den Weg derer, die irregehen.

Lesen Sie im vollständigen Artikel die ersten beiden Suren und lernen Sie die mystischen Aspekte des Islam kennen. 😉 Unten können Sie bestellen!

Mohammed konnte weder lesen noch schreiben. Aber der Engel ließ ihn dennoch rezitieren, also vorlesen. Alle Schriftzeichen, die Gabriel ihm zeigte, konnte er aussprechen. Darin begegnet uns eine Art muslimische Variante des Pfingsterlebnisses. Als er rezitiert hatte, trat er mit Gabriel aus der Höhle in das Freie hinaus und war erschüttert und von dem unfassbaren Glanz des Engels von Ehrfurcht erfüllt. Da sprach der Engel des Herrn: »Mohammed, du bist der Gesandte des Herrn, ich bin Gabriel.«

Völlig außer sich kehrte er nach diesem Erlebnis zu seiner Gemahlin Khadidja zurück. Diese erkannte sogleich, dass ihm eine Offenbarung zuteil geworden war. Da geriet Mohammed in große Verzückung und empfing die Weisung des Engels. Wie ein Medium in Ekstase: Zittern, Schweiß, Niederfallen. Mohammed nahm bald sein Prophetenamt an und gelangte zu großem Ruhm. Die Augen Gabriels verfolgten ihn von nun an überallhin, er war von ihm nicht mehr zu trennen. Er lehrte die Menschen 22 Jahre lang. Als er 49 Jahre alt war, starb Khadidja, und er verstärkte seine Verkündigungen. Er nahm Abschied von Mekka, wanderte zunächst einher und siedelte sich dann in Yathrip an. Später wurde diese Stadt in Medina umbenannt, dies bedeutet Stadt des Propheten.

Die Moschee in Medina

Ihm zu Ehren erbaute man dort eine riesengroße Moschee. Die Moschee in Medina ist innen und außen ein unvergleichliches Heiligtum zu Ehren Allahs. Nicht nur die bebaute Fläche, sondern auch die innere Schönheit der Vorhöfe und Gebetsstätten besticht die Besucher mit vollkommener Ästhetik und schürt die Ehrfurcht vor der Herrlichkeit Allahs. Alles, was Mohammed sagte, wurde aufgeschrieben, und nach dem Ablauf von etwa vier Generationen von Kalifen war der Koran verfasst und kanonisiert, also vereinheitlicht und geordnet.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über die Säulen des Islam, den Propheten Mohammed und den verborgenen Aspekten dieser traditionsreichen Religion.

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Über die Autorin

Unsere Autorin Gabriele Quinque

Gabriele Quinque, seit 1987 Autorin und Seminarleiterin in den Bereichen von abendländischer Mystik, hermetischer Philosophie und antiker Mythologie. Sie begleitet seit 1989 Klienten in dem von ihr neu konzipierten Tempelschlaf. Bücher: Tempelschlaf – Grundlagen der Trance-Arbeit, zur Alchemie der Rosenkreuzer, Splendor Solis – das Purpurbad der Seele. Sie ist Gründungsmitglied des FMG-Förderkreises für Mythologisches Gedankengut.

Kontakt: www.gabriele-quinque.de

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