Männlichkeit: archaisch – sensitiv – integral

Männlichkeit: archaisch – sensitiv – integral

Die Entstehung einer integralen Männlichkeit

Autor: Christian Bliss
Kategorie: Mann/Frau
Ausgabe Nr: 60

 

Wann ist ein Mann ein Mann? Diese Frage muss sich Mann heute neu stellen. Herausgelöst aus traditionellen Rollenmustern gilt es nun den Mut zu haben, seinen Mann zu stehen! Zwischen Macho und Softie kann sich eine neue ganzheitliche Form von Männlichkeit entwickeln.

 

Männer wollen gut sein

Wenn Männer brüllen, klingt das ziemlich grob. Oder ziemlich unecht. Und wenn Männer über ihre Gefühle sprechen, wirkt das oft hilflos. Oder peinlich. Woran liegt das?

Viele Männer vermeiden Situationen, in denen sie sich grob oder hilflos fühlen müssen. Und das hat seine Gründe. Die meisten Männer können es sich nicht erlauben, in ihren Büros und Betrieben, Organisationen und Unternehmen herumzubrüllen – oder über ihre Gefühle zu sprechen. Das wäre deplatziert. Und würde weder zu unserem Bildungssystem noch zur heutigen Arbeitswelt passen, wo alles glatt laufen soll. Wir wollen ja gute Männer sein. Gute Kollegen, gute Chefs, gute Väter, gute Partner. Also reduzieren wir unsere Ausdrucksmöglichkeiten auf ein Repertoire, das wir für sozial verträglich halten. Und zwar jeden Tag.

 

 

Eigentlich ist das schade. Ein paar Ecken und Kanten, ein bisschen mehr Gefühl wären zumindest authentischer. Aber das wirklich Fatale daran ist, dass viele das gar nicht merken. Schließlich ist die Welt schnell geworden. Mann hat immer viel zu tun und wenig Zeit für sich selbst.

Die gute Nachricht: Die Emanzipation des Mannes aus seinen traditionellen Rollen schreitet voran. Immer mehr Männer nehmen sich Zeit für ihre Kinder, stellen das Alleinernährer-Modell in Frage und wollen sich von der Erwerbswelt nicht mehr vollständig vereinnahmen lassen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist längst nicht mehr nur für Frauen ein Thema. Zwar gibt es noch immer sogenannte hegemoniale Männlichkeitsstrukturen, die einen Einfluss auf unser Leben haben, doch in weiten Teilen der Gesellschaft existieren keine zwingenden Konventionen oder Rollenbilder mehr, die unsere Männlichkeit vordefinieren wie noch vor 50 Jahren. Zwischen Macho und Softie ist in unserer modernen Gesellschaft eine größer werdende Vielfalt an Männlichkeit lebbar.

 

Die meisten Männer halten ihre archaische Seite wie ein wildes Tier im Käfig. Manchmal brüllt es zwar, aber insgesamt führt es eher ein Schattendasein.

 

Gemäßigte Männlichkeit

Warum also diese Begrenzung auf das sozial Erwünschte? Offensichtlich existieren doch noch Normen darüber, welche Männlichkeit für uns legitim ist und welche nicht. Diese Normen kommen jedoch vor allem von innen. Wir tragen sie in uns, und so bewegen sich die meisten Männer in einer Zone der »Gemäßigten Männlichkeit« – angepasst, fleißig, hilfsbereit und etwas angespannt. Was hält uns davon ab, über dieses Mittelmaß hinaus zu gehen und uns in unsere wirkliche Größe hineinzuwagen?

Das folgende Modell geht auf die Begrenzungen der Gemäßigten Männlichkeit ein und weist den Weg in eine umfassendere, integrale Männlichkeit. Gemäßigte Männlichkeit ist vor allem in zwei Richtungen begrenzt – und damit in zwei Richtungen erweiterbar: erstens in Richtung eines maskulinen Pols als »Archaische Männlichkeit« und zweitens in Richtung eines femininen Pols als »Sensitive Männlichkeit«.

 

 

Archaische Männlichkeit

Archaische Männlichkeit ist impulsiv, spontan, kraftvoll, mitreißend, ungeschliffen, triebhaft, dynamisch, zwanglos. Es ist die Seite in uns, die uns bei starker sexueller Erregung begegnet, wenn wir einen Bärenhunger haben oder bei einem körperbetonten sportlichen Wettkampf. Auch im Zusammenhang mit Alkohol werden viele Männer von ihrer archaischen Seite »heimgesucht«. Und wenn wir uns existenziell bedroht fühlen, reagieren wir eher instinktiv als kontrolliert.

Archetypisch gesehen geht es bei Archaischer Männlichkeit um den wilden Mann. Evolutionär gesehen melden sich unsere archaischen Kräfte immer dann, wenn es um die eigene Arterhaltung geht – sei es bei der Fortpflanzung, auf der Jagd oder im Kampf um Leben und Tod. Insofern kann man auch von einem kollektiven männlichen Erbe sprechen – das wir heutzutage individuell interpretieren können.

Nur wenige Männer haben ihre Archaische Männlichkeit kultiviert und integriert. Es sind Männer, die eine große Schaffenskraft haben, die durchsetzungsstark, zielgerichtet und selbstsicher wirken, oder die eine starke körperlich-sexuelle Ausstrahlung haben.

 

 

Die meisten Männer halten ihre archaische Seite wie ein wildes Tier im Käfig. Manchmal brüllt es zwar, aber insgesamt führt es eher ein Schattendasein. Meist fürchten wir uns vor der Wucht und Intensität dieser Kraft und sehen darin vor allem unser Gewaltpotenzial: »Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn ich eine solch rohe Kraft unkontrolliert lassen würde!« – Und da ist auch was dran. Doch gerade die Angst vor unseren Schatten macht diese so gefährlich. So bleiben die meisten Männer mehr oder weniger unbewusst hinter dieser Grenze und leben eine Gemäßigte Männlichkeit. […]

 

Lesen Sie den kompletten Artikel in der TATTVA VIVEKA 60

 

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Artikel zum Thema in früheren Ausgaben:

TV 37: Harry Kirschner – Dionysos. Initiatische Männergruppe

TV 42: Steve McIntosh – Integrale Philosophie
und die Evolution des Bewusstseins

TV 49: Dr. Tom Steiniger/ Prof. Dr. Theo Gottwald
Das aperspektivische Zeitalter. Jean Gebser

TV 50: Alexandra Schwarz-Schilling – Die Polarität der Geschlechter

TV 51: Urs Wendel – Rückzug ins Dunkhell.
Erfahrungsbericht eines Mannes auf Selbsterfahrung

TV 52: Martin Ucik – Integrale Beziehungen. Aus der Männerperspektive

 

Bildnachweis: © Capone, van der Hell / pixelio.de, Leonardoboss / Dreamstime.com

 


 

 

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