Buchbesprechungen März 2022

Buchbesprechungen März 2022

Heussinger / Snoek / Görner / Wilk: FREIMAURER

Heussinger / Snoek / Görner / Wilk

FREIMAURER
Wie Sie die Prinzipien des erfolgreichsten Netzwerks der Weltgeschichte für Ihre Persönlichkeitsentwicklung nutzen

Finanzbuchverlag, München 2020
272 Seiten, Gebundene Ausgabe, € 18,99

Selbst für aufgeklärte spirituelle Menschen umgibt die Freimaurerei noch eine Aura des Geheimnisses. Man weiß nicht so recht, was man davon halten soll. Die Freimaurer wurden Opfer der wirrsten Verschwörungstheorien, sie wurden von den Nazis verfolgt, von der katholischen Kirche exkommuniziert, von Atheisten als irrational und von Gläubigen als rationalistisch verschrien. Und dennoch bilden sie eine der erfolgreichsten spirituellen Gemeinschaften Europas und der Welt. Die Freimaurerei existiert seit ca. 300 Jahren als konkrete Struktur, unzählige namhafte Menschen waren Freimaurer, zum Beispiel Gotthold Ephraim Lessing, Johann Gottlieb Fichte, Johann Gottfried Herder, George Washington, Adlige und Prinzen, große Staatsmänner und namhafte Wissenschaftler.

Ich hatte kürzlich die Gelegenheit, einer Veranstaltung bei der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland in Berlin beizuwohnen. Eingeladen wurde ich von zwei alten Freunden von mir, die ich nach fast 20 Jahren wieder kontaktiert hatte. Früher schrieben sie für die Tattva Viveka (in den Ausgaben 10-11 und 16) und waren dem Projekt eng verbunden. Wie sich dann herausstellte, sind sie auch Co-AutorInnen des Buches: Werner Heussinger und Heike Görner. In diesem Sinne verbindet sich für mich das sachliche und redaktionelle Interesse an dieser Gruppierung mit einem persönlichen und menschlichen Eindruck aus erster Hand.

Das Treffen war höchst informativ. Ein hochrangiger Theologe aus Österreich, ehemaliger Botschafter Österreichs im Vatikan, Dr. Dr. Michael Weninger, berichtete über das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und der Freimaurerei. Im anschließenden Gespräch bei gutem Essen ergaben sich viele Kontakte zu den Menschen und ein tiefer gehender Einblick in die soziale Struktur. Bei den dort versammelten Menschen fiel mir ihre unkonventionelle und freigeistige Art auf, die mit einem durchaus humorvollen Selbstbewusstsein gepaart war. Alle waren enorm gebildet und an komplexen Themen interessiert. So sprachen wir auch ausführlich über Walter Benjamin und seine Sprachtheorie, die in der Kabbala wurzelt.

Die Freimaurerei ist religiös ungebunden und hat kein Dogmensystem. Es geht inhaltlich um die Arbeit am rauhen Stein, womit das eigene Selbst gemeint ist. Das Ziel der Freimaurer ist es, aus einem guten Menschen einen besseren Menschen zu machen. Es geht um innere und äußere Freiheit, dies aber nicht im individualistischen Sinne, sondern im Einklang mit einer Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die sich gegenseitig auf der Reise zum inneren Tempel des Heiligen, der eigenen Verbindung zum großen Baumeister, Gott, unterstützen. Freimaurer bekennen sich zum Humanismus und zu den Menschenrechten, sie praktizieren aber auch spirituelle Rituale und Einweihungen, die zur inneren Entwicklung beitragen sollen. Es gibt ein System von Werten, die als ethische Leitplanken bezeichnet werden können. Jeder ist aber frei in seinen eigenen Lebensgestaltung und kann nach seinen Vorstellungen sein Leben führen.

Das Buch ist von profunder Bildung, Ehrlichkeit und einem gründlichen Einblick in die Bedingungen des Menschseins getragen. Die AutorInnen sind selbst Freimaurer, und liefern deshalb den Lesenden einen Blick von innen. Man erfährt darin sehr viel über die Gedankenwelt der Freimaurer, über Geschichte, Programmatik, Ideale und Philosophie.

Das Geheimnis, das die Freimaurerei in früherer Zeit selbst um sich machte, scheint heute durch mehr Offenheit und Transparenz etwas abgemildert zu werden. Die Autoren machen aber deutlich, dass ein Teil dieser diskreten Praxis dem spirituellen Vorgang selbst geschuldet ist, sowie einer Achtsamkeit den Mitgliedern gegenüber, die sich dadurch in einem geschützten Rahmen vertrauensvoll öffnen können.

Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Buch, um das Geheimnis ein Stück weit zu lüften und einen Eindruck von Form und Inhalt der heutigen Freimaurerei zu bekommen.

Ronald Engert

Klemens J. P. Speer: Mit Freude leben

Klemens J. P. Speer

Mit Freude leben
Zufriedenheit durch achtsames und ethisches Handeln.
Ein Navigationssystem für Beruf und Alltag

Lotus Press Verlag 2021
106 Seiten, Klappenbroschur, € 21,80

In der heutigen Welt drohen wir in einem stressigen Alltag, Orientierungslosigkeit und innerer Ohnmacht unterzugehen. Klimakrisen, eine Pandemie und die Anforderungen des Außen zu erfüllen, sind übliche Treiber im modernen Fluss des Lebens. Wir schwimmen einfach so mit, prallen dabei mal an einen Stress-Felsen, verhaken uns in Gedanken-Algen und stocken an einem Stamm der Erschöpfung, der uns den Weg blockiert. Wir wissen, dass das nicht gesund für unser eigenes Wohlbefinden ist, können uns aber nicht aufraffen etwas zu ändern. Auch, weil wir oft schon überfordert sind, wenn wir nur daran denken wo und wie wir anfangen sollen den Weg in ein nachhaltig erfüllendes Leben zu gehen. Wir lesen Ratgeber für Ratgeber und fallen dann doch wieder in alte Muster zurück.

In diesem Buch ist es anders. Vorwurfslos und offen lädt uns Speer dazu ein, Gewohnheiten zu überdenken, Neues kennenzulernen und der notwendigen Neuausrichtung an positiven Werten und einem höheren Sinn nachzugehen. Das Schöne ist, dass wir uns hier nicht nur theoretisches Wissen aneignen und dann mit gutem Gewissen die Inhalte im Kellerabteil unseres Verstandes ablegen – nein, wir dürfen uns direkt aktiv an die eigene Baustelle setzen indem wir Arbeitsblätter an die Hand bekommen, die uns ermöglichen strukturiert, klar und nach eigenem Befinden unsere persönlichen Werte, Ziele und Wahrheit zu erarbeiten. Haben wir unseren eigenen Lebenssinn konkretisiert, können wir diesen in größeren Kontexten leben, wie z.B. Familie, Unternehmen oder (Non-Profit-)Organisation. Im ersten Kapitel werden uns Werte aus der Achtsamkeitspraxis, der Post-Modernen westlichen Welt sowie aus interreligiöser Betrachtung nähergebracht, die uns als Inspiration dienen die eigenen Werte zu erkennen. Danach führt uns der Autor Ken Wilbers Orientierungsrahmen für eine ganzheitliche Entwicklung vor Augen. Sowohl individuell, als auch aus kollektiver Perspektive lernen wir Entwicklungspotentiale kennen durch die wir eine umfassende Weitsicht im Dasein und auf die Welt erfahren. Vor diesem Hintergrund begeben wir uns auf globales Terrain in vier Krisen, die sich auf jeden einzelnen von uns auswirken wie z.B. die vergessene Geschwisterlichkeit. Speer belässt es nicht bei diesen unschönen Verhältnissen, sondern zeigt uns Chancen und Ziele auf mit denen eine vom Herzen heraus gelebte Welt verwirklicht und die oben genannten Punkte persönlich und in Organisationen integriert und umgesetzt werden können.

Das zweite Kapitel behandelt, wie wir einzeln oder gemeinschaftlich Tools wie Taiji und Zen nutzen können um in eine ganzheitliche integrale Lebensperspektive zu gelangen, sie zu fördern und daraus innere wahrhaftige Stabilität zu erfahren. Ein Erfahrungsbericht von M. Eschbach verdeutlicht hier, wie die Taiji-Praxis sein Leben verändert und diesem eine ausgewogene Nuance gegeben hat. Langfristig wird es uns möglich, durch aktive Praktiken der Achtsamkeit und Meditation das Erarbeitete zu erkunden und unmittelbar zu leben. So geht es darum gelassen, fokussiert, mit Freude und Lebendigkeit in den Fluss des modernen, schnellen Lebens zu springen ohne uns daran zu stoßen, zu verletzen oder gar unterzugehen. »Mit Freude leben« weist uns hier den Weg.

Lara Zieher

Bildnachweis: © Adobe Photostock

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