Der entsublimierte Körper

Der entsublimierte Körper

Ursache und Heilung psycho-somatischer Erkrankungen

Autor: Dr. Dr. Klaus von Ploetz
Kategorie: Psychologie
Ausgabe Nr: 72

Die abendländische Tradition enthält ein hohes Gewaltpotential, das sich zum Zwecke der Kontrolle und Züchtigung in früheren Jahrhunderten rückhaltlos gegen den physischen Körper richtete, dem das richtige Verhalten mit Prügel »eingebläut« wurde, in der Neuzeit indes auf der subtileren Ebene in Form von Selbstanklagen und Selbstvorwürfen physisch wirkt. Dies alles führte zu einer Sublimierung des Körpers und einer Abspaltung von sich selbst als Ganzheit. Mittlerweile epigenetisch codierte Muster bewirken psycho-somatische Erkrankungen, denen durch therapeutische Methoden der Entsublimierung Einhalt geboten werden kann.

Die Züchtigung des Körpers

Als im März 1728 Jean Jacques Rousseau von einem ausgedehnten Sonntagsspaziergang zurückkehrte, sah er die Stadttore von Genf zu dieser Abendstunde verschlossen. Die Torwächter jetzt um Einlass zu bitten, hätte geheißen eine Prügelstrafe auf sich zu ziehen, wie er es schon zweimal zuvor, aus einem ähnlichen Anlass, über sich ergehen ließ. Der Entschluss sich nicht mehr prügeln zu lassen und jetzt der Stadt zugunsten einer jahrelangen Wanderschaft den Rücken zu kehren, leitete nicht nur eine körperliche Wende ein, sondern leitet für die spätere Zeit einen Schritt mit einem folgenreichen Motto ein: »Zurück zur Natur!«

Das Prügeln, die Züchtigung des Körpers, war selbst in einer der freiheitlichsten Städte Europas, in Genf, zu dieser Zeit vollkommen normal.

Der Erziehungsauftrag der Gewalt

Niemand hätte hier versucht, im Namen einer persönlichen Freiheit oder körperlichen Unversehrtheit Einspruch zu erheben. Die Genealogie der körperlichen Erziehung und der körperlichen Züchtigung stand in einer über Jahrtausende andauernden Tradition. Die Sprache hat diese Tradition in Redewendungen wie »etwas einbläuen« bis heute bewahrt. Der Körper sollte ein Gedächtnis der kollektiven Forderungen aufbauen, das nicht nur über Schmerz allein, sondern auch über mögliche Einblutungen in der Haut sichtbar und darstellbar werden konnte. Diese Form der körperlichen Sublimierung gehörte zur bewährten Erziehung nicht nur der Kinder, sondern der Erwachsenen, als ein fortdauernder Prozess, das Körper-Selbst entsprechend zu kultivieren.

Der entsublimierte Körper

Die körperliche Züchtigung war höherer Auftrag und damit eine einfache metaphysische Maßnahme.

Diese Kultivierung überschritt selbstverständlich die körperlichen Grenzen, da die Züchtigung im höheren Auftrag geschah. Damit waren nicht die Genfer Stadtväter oder der französische König, vor dem der Vater aus religiösen Gründen nach Genf geflohen war, gemeint, sondern das Allerhöchste selbst. Der Gott, auf den diese Ordnung sich berief, war der Strafende, der seine Ordnung mit aller Macht einforderte und wo nötig durchführte, nicht der verzeihende oder gar liebende Gott, den erst die Theologen der Neuzeit verkünden sollten.

Mehr über die Strafe als höheren Auftrag können Sie im vollständigen Artikel lesen. (Bestellmöglichkeit am Ende des Beitrags!)

Die verlorene Natürlichkeit des Körpers

Ursache und Heilung psycho-somatischer Erkrankungen

Der Körper hatte trotz der bisher erlebten Repression hier eine eigene Kommunikation, eine Interaktivität für Rousseau herbeigeführt. Dieser Diskurs sehnte sich zwar nach der naturhaften Ursprünglichkeit, nach Symptomfreiheit, blieb bis in den Tod aber das körperliche Gegenüber, das weiter in seine eigentliche Peripherie aufgenommen und kommuniziert werden musste. Eine erreichte sublimierende Interaktivität zeigte keine einfache Stabilisierung des Symptoms. Die reflexive Seite hatte Jean-Jacques Rousseau schon in seiner ersten Schrift, eingereicht für einen Wettbewerb 1749 an der Akademie von Dijon (Le retablissment des sciences et des artes a-t-il contribue a epurer les moeurs?) klar umrissen: Der Mensch wurde durch bisherige zivilisatorische Entwicklung zu einem ›gefesselten Sklaven‹ gemacht.

»Der Mensch ist frei geboren und liegt überall in Ketten.«
– Contrat social, S. 1, 1762

Der Geist und der Körper sollten renaturiert werden. Die Sublimierung des Menschen durch Kultur und Zivilisation hat nur einen der eigenen Natur entfremdeten Menschen geschaffen, der unter diesen Verhältnissen nur selbstsüchtig, unwahrhaftig und eitel werden konnte.

Eine ausführliche Beschreibung zur Wiederherstellung der Natur des Menschen finden Sie im vollständigen Artikel. 😉 Unten können Sie bestellen!

Die Auswirkungen der Repressionen gegen den Körper

Die Peripherie der körperlichen Oberfläche, der Haut und der muskulären Systeme ist durch die körperliche Repression der Vergangenheit in einen epigenetischen Prozess geraten, der die Sensibilität dieser Regionen verändert hat. Die Peripherie hat sich gleichsam verändert und zurückgezogen, sie ist nicht mehr der wichtige Ort körperlicher Interaktivität. Sie wurde zu einem Ort der Ästhetik oder der äußerlichen Repräsentation.

Die äußerliche Repräsentation ersetzt die innerliche erlebbare und spürbare Individualität.

Sie ist zu einem anderen Ort anderer Verletzbarkeit geworden, der der ästhetischen Dominanz. Die visuelle Wahrnehmung nimmt für den Einzelnen Bewertungen vor. Das Junge, Erfolgreiche und Frische wird durch den gegenseitigen Blick zur Selbstwertbestimmung, der dem Schönen keinen dauerhaften Wert geben wird. Denn andere sind noch schöner, erfolgreicher und glücklicher. Das Schöne muss zuletzt leer ausgehen, das Körperschema zeigt sich selber längst als inflationär und nicht wertbeständig.

Wie geht der Mensch in der Gegenwart mit den Folgen der körperlichen Repression um? Das steht im vollständigen Beitrag. Den können wir hier leider nicht kostenlos abdrucken. Aber für nur 1,00 € Unterstützungsbeitrag sind Sie dabei! 🙂

Ursache und Heilung psycho-somatischer Erkrankungen

Das psychosomatische Symptom beharrte lange als ein Symptom, das somatisch abgehandelt werden musste, bis es durch die Analyse und Behandlung der Psyche eine neue Qualität gewinnen könnte. Das Symptom selber wird zunächst als überraschend erlebt, es entzieht sich einer ersten Kausalität. Die Persistenz seiner Symptomatik wirkt dann bedrohlich und hat für den Betroffenen den Charakter des Gefährlichen und wird als lebenseinschränkend, wenn nicht sogar als lebensbeendend erlebt. Die Bedeutung einer vitalen Interaktivität bleibt dem eigenen Erleben verborgen. Der Versuch, hier eine eigene Art der Sublimierung zu entwickeln, schlägt so fehl. Die Unmittelbarkeit des Erlebens ist irritierend und macht den Betroffenen hilflos und ohnmächtig. Die innere Bewertung der psychosomatischen Symptome ist ängstigend und wenig einladend zu einem inneren Dialog, der die eigene körperliche Interaktion begünstigen würde. Das Symptom erscheint wie die Endstrecke des eigenen Lebens und wirkt dadurch wie eine Herausnahme aus dem Lebensprozess. Der eigene Wille geht ins Leere, die oft damit verbundenen vegetativen Zeichen und Beschwerden steigern sich eher.

Unser Autor Dr. Dr. Klaus von Ploetz

Über den Autor

Studium der Medizin, Philosophie, Politik, Geschichte und Kunst in Tübingen (Schüler von Ernst Bloch), Aachen, Heidelberg und Berlin. Facharztausbildung in Neurologie und Psychiatrie, Kinder – und Jugendpsychiatrie sowie psychotherapeutischer Medizin. Psychotherapeutische Ausbildung in Transaktionsanalyse, systemischer Familientherapie und Psychoanalyse. Mitarbeit in der Freeclinic Heidelberg, Arzt bei den Flying Doctors of South-Australia. Ab September 2017 Chefarzt der Psychosomatischen Gezeitenhaus Klinik Schloss Wendgräben.

Dies sind Ausschnitte aus dem Artikel.

Erfahren Sie mehr über die Entsublimierung des Körpers.
Die vollständige Fassung lesen Sie in der Tattva Viveka 72. Auch für 2,00 € als ePaper erhältlich (Pdf, 9 Seiten).

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