Hanfliebe – zurück zu uns selbst und der Natur!

Hanfliebe – zurück zu uns selbst und der Natur!

Nachhaltiges Wirtschaften

Autor: Alice Deubzer
Kategorie: Wirtschaft
Ausgabe Nr: 69

Unsere Erde wird in großen Teilen ausgebeutet. Es ist an der Zeit sich nachhaltigen Wirtschaftsweisen zu widmen. Ein praktisches Beispiel liefert die Firma »Hanfliebe«, die Textilbekleidung aus Hanf herstellt.

Seit geraumer Zeit rufen Menschen in verschiedenen Projekten die Nutzpflanze Hanf und ihre Vorteile für Mensch und Natur wieder ins kollektive Bewusstsein. Sie versuchen das alte Wissen über die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten dieser fruchtbringenden Nutzpflanze, die seit jeher die Menschheit begleitet, wiederzubeleben. Diese innovativen und unkonventionellen Projekte setzen sich für die Nutzung des Hanfs unter anderem in der Medizin-, Lebensmittel- oder Textilbranche ein, um die einseitige gesellschaftliche Wahrnehmung von Hanf als schädliche Rauschpflanze zu erweitern. Ihnen ist das Wissen um die wertvollen Eigenschaften dieser Pflanze bekannt. Sie möchten zeigen, dass ihre richtige Anwendung zu mehr Nachhaltigkeit und Ökologie führt.

Veränderung passiert in kleinen Schritten, mit Enthusiasmus und Durchhaltevermögen!

Eine der Pioniere auf diesem Gebiet ist Ursula Mock, Gründerin des Labels »Hanfliebe«. Sie stellt Freizeit- und Yogabekleidung aus Hanf her und setzt sich für eine nachhaltige und regionale Textilproduktion ein. Ihr Interesse für die Naturfaser Hanf und deren Verwendbarkeit in der Textilindustrie wuchs während ihres Studiums zur Textilingenieurin. Dort erfuhr sie, dass bereits im Mittelalter Kleidung aus Hanf hergestellt wurde, und dass Textilien aus Hanf einige besondere Vorzüge mit sich bringen.

Denn Hanf ist unter anderem robust, vegan und ökologisch, da es für den Anbau der Hanfpflanze nicht notwendig ist, Pestizide und Herbizide zu verwenden. Die tiefen, feinen Wurzeln versorgen den Boden mit Sauerstoff und bereiten diesen in allen Bestandteilen der Spurenelemente wieder auf. Zudem verbraucht die Pflanze in der Wachstumszeit viel weniger Wasser als Baumwolle und ist sehr genügsam. Sie wächst in nahezu allen Breitengraden und ist somit der perfekte Rohstoff um regionale Wirtschaftsstrukturen zu erschaffen.

Hanfliebe

Nach einer Reise durch Indien und einem längeren Forschungsaufenthalt in Brasilien zur Entwicklung eines Faserverbundstoffes mit Naturfasern entstand, während der Erstellung ihrer Bachelorarbeit, die theoretische Struktur für das nachhaltige, hanfbasierte Projekt »Hanfliebe«. Da Hanf lange Zeit kein gefragtes Textilprodukt war, hielt sich das Wissen um die maschinelle Verarbeitung der Hanffaser in Grenzen. Dennoch fand Ursula Mock einige Firmen und Kooperationspartner, die ihr Vorhaben unterstützten, und so gelang es ihr Anfang 2015 auf der schwäbischen Alb mit traditionellen Wirkmaschinen 100% Hanfstoff zu produzieren. Doch »Hanfliebe« steht nicht nur für hochqualitative Hanfbekleidung, sondern auch für Regionalität, Transparenz und Nachhaltigkeit.

Die gesamte Wertschöpfungskette findet innerhalb Europas statt: Die Rohware kommt aus Frankreich und Belgien, der fertige Garn aus Italien, und die Stoffherstellung und Näherei geschieht auf der schwäbischen Alb. Dadurch werden die Transportwege kurz und die CO2-Emission geringgehalten. An einer textilen Kette zur Herstellung eines eigenen Garnes wird bereits geforscht.

Die Wertschöpfungskette lässt sich vom Konsumenten beinahe gänzlich nachverfolgen, da jedes Kleidungsstück von »Hanfliebe« einen Transparenz-Ausweis trägt, der Auskunft über die Produktionsschritte in dem jeweiligen Fertigungsland gibt. Wem dies nicht genug ist, ist herzlich dazu eingeladen mit Ursula Mock einen persönlichen Termin zu vereinbaren und die Produktionsstätten zu besuchen.

Hanfliebe möchte nicht nur den Konsumenten entgegenkommen und ihm nahelegen, sich mit der Produktion ihrer Kleidung zu befassen, sondern auch dazu inspirieren, die Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen und zum Wandel, den sich viele sehnlichst wünschen, beizutragen. Dieses Projekt zeigt, dass alternative Formen des Wirtschaftens und des Produzierens, mit Ausrichtung auf das Gemeinwohl, realisierbar sind und zu neuen Strukturen führen können. Veränderung passiert in kleinen Schritten, mit Enthusiasmus und Durchhaltevermögen! »Hanfliebe« beweist, dass regionale Textilproduktion jenseits von globalen Modekonzernen machbar ist, und dass Textilindustrie und Transparenz sowie Nachhaltigkeit keine Widdersprüche darstellen.

Hanfkleidung ist nicht nur vegan und elastisch, sondern bringt auch ein hohes Gesundheitspotential mit sich und eignet sich für Allergiker. Der Naturstoff ist antibakteriell, lässt die Haut atmen und weist eine hohe Absorptionsfähigkeit im Vergleich zu anderen Naturfasern auf, was sich für Sport ideal eignet. Der Hanfstoff hat die gleiche mikroelektrische Spannung wie die Haut, schmiegt sich dieser an und lässt das Gefühl einer angenehmen zweiten Haut entstehen. Manche Käufer teilen Ursula Mock nach dem Kauf und Tragen der Hanfkleidung sogar mit, dass sie das Gefühl hätten, Zuhause anzukommen, wenn sie ihre Hanfkleidung tragen, und das gleiche Gefühl empfindet sie selbst auch.

Das erste Kleidungsstück, das Ursula entworfen und angefertigt hat, war eine Unisex Yogahose »butterfly«, die alle die Vorzüge des Hanfs in sich vereint, und darauf folgte die Kollektion »be aware«.

Hanfliebe

Hanfliebe ist es wichtig, Menschen zu sensibilisieren und zu mehr Achtsamkeit zu bewegen, sowohl bei den kleinen wie auch den großen Angelegenheiten des Lebens. Die Gründerin praktiziert selbst seit Jahren Yoga und erlernte dadurch achtsam zu leben, sich achtsam die Zähne zu putzen, achtsam zu sitzen, achtsam zu sprechen. Mit der Zeit wurde ihr bewusst, wenn sie sich innerlich wandelt, wandelt sich auch die Außenwelt mit ihr.

Hanfliebe ist gerade dabei, ein Kooperationsnetzwerk mit Unternehmen und Projekten aufzubauen, die die Nutzpflanze Hanf nachhaltig verwenden möchten und auf den gleichen ethischen Werten unternehmerisch handeln wie sie selbst. Sie möchten, statt in Konkurrenz zu verharren, zusammenarbeiten, sich gegenseitig unterstützen und Ideen sowie Materialien austauschen.

Einer dieser Kooperationspartner ist »Ecopassion«. Die Südtiroler Firma hat ein Hanfsystem erschaffen, um die Pflanze ganzheitlich und regional zu verarbeiten. Von der Gewinnung der Schäben (aus den Stengel gewonnene holzartige Bruchstücke) für die Herstellung von Ziegeln, bis hin zur Lebensmittelproduktion und Herstellung von CBD-Extrakten (Hanföl). Zusätzlich wurden unterschiedliche Bauweisen mit Hanfschäben und Kalk entwickelt. Hanf ist der optimale Rohstoff für die Baubranche, da es unter anderem überall wächst und das 50 Mal schneller als Holz.

Für Ecopassion und Hanfliebe stellt Hanf den Rohrstoff für die Zukunft dar. Er gedeiht unter simplen Bedingungen und ist ganzheitlich einsetzbar und verwendbar! Er gibt den Menschen die Möglichkeit zurück, sich selbst zu versorgen, sich von der globalen Wirtschaftsmaschinerie zu lösen, und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Es ist ein Weg zurück zur Natur und so zu uns selbst.

Zur Autorin

Alice Deubzer

geb. 1993, lebt in Berlin und studiert an der Humboldt-Universität zu Berlin Linguistik und Theologie. Neben ihrem Studium arbeitet sie in der Redaktion der Tattva Viveka mit. Alice ist auf der Suche nach der Essenz des Lebens.

Die Autorin Alice Deubzer

Dieser Artikel findet sich in der Tattva Viveka 69  und ist auch als ePaper zum Download erhältlich (Pdf, 3 Seiten, 1,00 ‎€).

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Bildnachweis: © alle Bilder: Ursula Mock