Martin Ucik: Integrale Beziehungen

Martin Ucik: Integrale Beziehungen

Martin Ucik: Integrale Beziehungen

 

Martin Ucik: Integrale Beziehungen
Ein Ratgeber für Männer. Phänomen-Verlag, 2012,
Pb., 341 S., 24,95 EUR

 

Dieses Buch wendet die integrale Theorie von Ken Wilber auf den Bereich der Beziehungen an. Wer mit der integralen Theorie einigermaßen vertraut ist, kann sich vorstellen, dass man diese philosophische Perspektive dazu nutzen kann, verschiedenste Bereiche des Lebens zu analysieren und zu verstehen, z.B. den Glauben, die Soziologie oder eben die Beziehungen.

Ucik geht davon aus, dass die Mann-Frau-Beziehung eines der wichtigsten Elemente eines gesunden und erfüllten Lebens ist, gleichwohl jedoch die meisten Probleme aufwirft, was die zunehmende Zahl an Scheidungen und Alleinlebenden beweist. So abwegig ist es indes nicht, dass das Wichtigste auch das Problematischste ist – schließlich ist es ja von entscheidender Bedeutung und da wirken sich Fehler oder Missverständnisse folgenschwer aus.

Aber es gibt gute Nachrichten. Zunächst wäre zu sagen, dass das integrale Verständnis des Lebens eindeutig für eine Mann-Frau-Partnerschaft votiert. Alleineleben wird als nicht voll integrierte Lebensform betrachtet. Nur in einer Partnerschaft kann man sein vollständiges Potential entfalten, denn wir sind nie allein und genuine Beziehungswesen. Auf der integralen Stufe ist jedoch auch klar, dass jede Beziehung auch von Kontroversen oder Heterogenitäten gekennzeichnet ist. Schließlich handelt es sich um Individuen, und so ist per definitionem eine hundertprozentige Deckungsgleichheit ausgeschlossen.

Ucik stellt in dem Buch verschiedenen Aspekte der integralen Theorie zunächst vor, die Entwicklungslinien Sexualität, Spiritualität, Animus-Anima und insbesondere die Bewusstseinsstufen archaisch, magisch, egozentrisch, konformistisch, rational, pluralistisch, integral und transpersonal.

Der Unterschied zwischen erstem Rang (archaisch bis pluralistisch) und zweitem Rang (ab integral aufwärts) besteht darin, dass die Bewusstseinsstufen des ersten Ranges ihre eigene Weltsicht als die einzig Richtige ansehen, während die Bewusstseinsstufen des zweiten Ranges die Relativität und Bedingtheit verschiedener Bewusstseinsstufen erkennen und verstehen. Sie können auch die Perspektive einer anderen Stufe einnehmen, ohne ihre eigene verteidigen oder verlieren zu müssen. So ist erst ab der integralen Entwicklungsstufe eine Kommunikation möglich, die einzelne Standpunkte und Perspektiven transzendiert und nicht in Rechthabenwollen oder unversöhnlichen Konflikten endet. Gleichwohl hat das Bewusstsein zweiten Ranges Einblick in Entwicklungshierarchien und versucht nicht zwangsweise alles als gleich und einheitlich hinzustellen wie die pluralistische Stufe.

 

Martin Ucik: Integrale Beziehungen

Der Autor Martin Ucik

 

Es würde hier zu weit führen, die einzelnen Stufen vorzustellen. Es sei jedoch gesagt, dass Uciks Anwendung der Bewusstseinsstufen auf die Partnerschaft sehr erhellend ist. Hier wird mit überraschender Klarheit deutlich, was sich zwischen Mann und Frau abspielt, wenn sie auf der Partnersuche sind. Tragender Faktor dabei ist die »primäre Phantasie« von Mann und Frau, was den Wunschkandidaten betrifft. Die primäre Phantasie ist vom limbischen System und vom Reptilienhirn gesteuert und kann nicht einfach geändert werden. Diese Phantasie richtet sich sowohl beim Mann als auch insbesondere bei der Frau weitestgehend auf die rote, egozentrische Bewusstseinsstufe, in zweiter Linie auf die konformistische. Rationale und pluralistische Frauen haben ihren inneren Mann und ihre Unabhängigkeit soweit gebracht, dass sie lieber ohne Mann leben (»Ich brauche keinen Mann, um glücklich zu sein.«), und erst ab der integralen und transpersonalen Stufe werden Frauen und auch Männer wieder bereit, überhaupt eine Beziehung einzugehen, die dann allerdings nicht egozentrisch oder mythisch defizitgetrieben ist, sondern wo eine reife, integrierte Persönlichkeit eine bewusste Interabhängigkeit eingeht, um eine monogame, verbindliche Beziehung zu führen.

Ucik bietet noch zahlreiche Facetten und Werkzeuge des Verständnisses. Es wird klar, dass ein integral informierter Mann bessere Chancen hat, die richtige Partnerin zu finden und auch die Beziehung erfolgreich zu gestalten.

Schön an dem Buch finde ich, dass es von einem Mann für Männer geschrieben ist. Alternative, spirituelle und pluralistische Ansätze der Gegenwart schelten vielfach das Patriarchat und protegieren weibliche Werte. Im vorliegenden Buch von Ucik kommen die Männer im Gegensatz zu vielen sonstigen alternativen Ansätzen mal richtig gut weg, und wo bei den Frauen nicht alles so astrein ist, wird mal beim Namen genannt. Dabei handelt es sich hier nicht um patriarchales Gehabe der Stufe 3 oder 4, sondern um eine gleichberechtigte und objektive Einschätzung, die einfach der Sache dient, nämlich der Erreichung gleichberechtigter und erfüllender Partnerschaften zwischen reifen Männern und Frauen.

Mehr Informationen zum Buch auf der
Homepage des Phänomen-Verlags

 

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